Internet

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Carta ist Preisträger des Grimme Online Award 2009. Das freut mich natürlich, denn ich gehöre seit Januar diesen Jahres zu den Autoren dieses Blogs. Robin Meyer-Lucht, den Herausgeber und Initiator von Carta, beglückwünsche ich auf diesem Weg.

Rein äußerlich betrachtet ist Carta ein voller Erfolg: In weniger als einem Jahr ist das Blog in den Leitmedien von Rivva auf Platz 24 vorgerückt und steht in den Deutschen Blogcharts auf Rang 34 (Stand: 24.06.2009). blogoscoop listet Carta unter den meistgelesenen (deutschsprachigen) Blogs auf Platz 98, die Technorati-Authority beträgt 209.

Die Grimme Jury begründet ihre Entscheidung für Carta unter anderem damit, dass “in den Beiträgen größere Zusammenhänge in den Blick genommen und angemessen verortet werden. Somit dient die Website als sinnvolle Ergänzung zu den vielfältigen Einzel-Blogs, die sich mit Medien, Politik und Wirtschaft befassen.”

So ein Lob ist sehr erfreulich, nicht zuletzt weil aus der Binnenperspektive betrachtet Carta nicht immer ein ganz einfaches Projekt ist. Robin Meyer-Lucht hat sich mit einem Autorenkollektiv von über 30 Personen viel Arbeit gemacht. Zudem ist die thematische Breite relativ groß, so dass es nicht immer leicht ist, alle wesentlichen Entwicklungen in den einzelnen Gebieten umfassend und zeitnah darzustellen. Denn alle Autoren schreiben freiwillig.

Dazu noch sollten die Artikel möglichst flüssig geschrieben und in der Manier des Web 2.0 mit Links (auf andere Blogs) versehen sein. Gerade Letzteres gelingt noch nicht immer und zeigt, dass noch nicht jedem Autor auf Anhieb klar ist, wodurch sich Artikel im Netz von solchen in Fachzeitschriften (Print) unterscheiden können. Immerhin leistet Carta hier in meinen Augen eine Brückenfunktion, vermutlich auch auf der Ebene der Leser.

Solcher Brückenschläge bedarf es eigentlich noch viel mehr. Denn wir können es uns nicht leisten, uns einfach nur auf die Position “falscher Planet, falsches Jahrtausend” zurück zu ziehen. Wir sollten schon den Versuch machen, möglichst viele unserer Zeitgenossen werbend und vermittelnd ins Netz zu holen. Carta arbeitet genau daran mit und deshalb schreibe ich auch für dieses Blog.

Aus Amsterdam kommt (bald) eine sehr interessante Applikation für Android Mobiltelefone. Layar ist ein Programm, mit dem sich Informationen über Objekte (z. B. Gebäude) in der realen Umgebung abrufen lassen.

Layar ist damit nach Wikitude die zweite Applikation, die den Bereich der Augmented Reality vertritt. Bemerkenswert am Rande ist, dass beide Programme zuerst für Android und nicht für das iPhone konzipiert werden.

Anwendungen wie Layar haben meiner Meinung nach großes Potenzial, da sie sehr vielseitig einsetzbar sein werden. Während das Demovideo den Bereich der Immobilien (Kauf- und Mietobjekte) zeigt und Wikitude eher dem Tourismus zuzuordnen ist, könnten Unternehmen der Industrie (mit ihren oft weitläufigen Werksanlagen) mittels Augmented Reality die Orientierung in Werkhallen erleichtern oder in Notfallsituationen anzeigen, wo Feuerlöscher bzw. Notausgänge sind.

Banaler, aber nicht weniger hilfreich wäre es, man könnte damit sein Auto in übergroßen Tiefgaragen und Parkhäusern schneller wieder finden…

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Das Gebäude 43 auf dem Firmengelände von Google (”Googleplex”, Mountain View, California) hat einen besonderen Ruf. Einmal, weil darin am Pagerank gearbeitet wird und zum Anderen haben dort auch die Firmengründer ihre Büros.

Robert Scoble jedenfalls scheint von diesem Gebäude so fasziniert und inspiriert zu sein, so dass er seiner neuesten Idee exakt den Namen Building 43 gab. Eigentlich macht er damit das, was er schon immer gemacht hat (seit ich ihn kenne): Er geht in Unternehmen und macht Video-Interviews. Neu daran ist jetzt, dass er nicht mehr den neuesten Trends auf der Spur sein möchte, sondern “normalen” Unternehmen den praktischen Nutzen von Social Software vermitteln will.

Bei TechCrunch ist man skeptisch: Zwar gebe es genügend Unternehmen, die mit ihren Webseiten noch tief in den 90er Jahren steckten, aber vermutlich weder Robert Scoble noch Building 43 kennen würden. Wie will er sie über das Internet erreichen?

Ich bin mal sehr gespannt. Denn die Antwort auf obige Frage müsste eigentlich lauten: Überhaupt nicht. Eine Vielzahl von Unternehmen (wenn nicht sogar die Mehrheit) hat mit dem Internet noch immer nicht viel am Hut. Daran ist keine spezielle Aversion schuld, sondern meist nur die Tatsache, dass eingeschliffene Prozesse und tradierte Gewohnheiten nicht hinterfragt werden.

Zudem haben viele Menschen in den 90er Jahren, als das Internet aufkam, davon einen bestimmten Eindruck bekommen, den sie bis heute unverändert mit sich herumtragen. Das ist das eigentlich Interessante: Während Einige für den Wandel im Internet sehr sensibel und empfänglich sind, können Andere darin keine nennenswerte Entwicklung feststellen. Dabei ist das noch nicht einmal unbedingt eine Frage des Alters!

Ich werde jedenfalls das neue Projekt von Robert Scoble mitverfolgen. Im Frühjahr diesen Jahres war ich in Gespräche involviert, in denen es darum ging, etwas Ähnliches in Deutschland aufzuziehen (ohne dass wir von Building 43 gewusst hätten).

Das Projekt kam nicht zustande, u. a. weil es eben Zweifel gab, ob sich dafür auch das entsprechende Publikum würde mobilisieren lassen. Nun schauen wir mal, wie das bei Robert Scoble so läuft…

Viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Die Dramatik des Klimawandels wird immer offensichtlicher, wie aktuell ein Team von Forschern des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung belegt. Ihr Artikel in der Zeitschrift Science ist nicht offen zugänglich, dafür aber berichtete Spiegel Online dazu bereits im April und jetzt wieder.

Den Forschern zufolge bleiben der Menschheit noch ungefähr 10 Jahre Zeit, um das Schlimmste zu verhindern. Dazu müsste allerdings weltweit der Ausstoß von CO2 radikal gesenkt werden. Ist das wahrscheinlich? Schon möglich.

Zwar hat die Politik bei uns die Brisanz des Themas noch nicht wirklich erfasst und spielt immer noch auf Zeit. Ebenso tun die meisten Unternehmen noch immer so, als ob sie das gar nichts anginge und man noch lange so weiter machen könnte wie bisher.

Die entscheidenden Impulse werden denn auch nicht aus der Politik oder dem Lager der Unternehmen kommen, sondern mitten aus der Bevölkerung. Diese wird in den nächsten Jahren immer stärker die akute Dringlichkeit der Thematik erkennen und aktiv werden.

Aufrütteln wird sie die Filmindustrie, die den Trend allmählich erkennt und Brücken zur Wissenschaft schlägt. Einen Teil werden die Medien, alte und neue, beitragen und nicht zuletzt natürlich das Internet. Die Menschen werden sich über das Internet organisieren und Politiker und Unternehmer zwingen, zu handeln. Weltweit.

Glimpflich wird das nicht abgehen. Ich erwarte, dass ganze Branchen und Industriezweige böse abgestraft werden für ihre langanhaltende Blindheit gegenüber ökologischen Themen. Ihre Reputation wird empfindlich leiden, die Nachfrage nach ihren Produkten massiv sinken.

Wer nicht mit zukunftsfähigen Alternativen aufwarten kann, wird keine Chance mehr am Markt haben. Das gilt sowohl für die Produkte als auch für Prozesse und Produktionsstätten: Alles muss einen vertretbaren ökologischen Fussabdruck vorweisen können.

Diese Lektion werden die Menschen in den nächsten Jahren sehr rasch lernen und viele Unternehmen werden sich gewaltig wundern, wie schnell sich der Wind zu ihren Ungunsten drehen wird. Es wird sie umso härter treffen, als sie derzeit eher mit der aktuellen Krise beschäftigt sind und den Klimawandel als Thema strategisch stark unterschätzen.

Noch bin ich nicht pessimistisch. Die Wissenschaft schlägt immer lauter Alarm und es ist gut, wenn sie in der Filmindustrie Gehör finden. Da können sich Politiker taub stellen und Unternehmer arglos wirtschaften, die Saat wird dennoch aufgehen. Nur viel Zeit bleibt uns nicht mehr.

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Um dieses Thema hätte ich mich gerne gedrückt. Denn die Glanzzeiten von Opel sind lange vorbei und die heutige Situation ist komplex und unerfreulich. Aber Martin Lindner fragte über Twitter an und ich versprach ihm eine Antwort, nicht in 140 Zeichen, sondern hier im Blog.

Der aktuelle Sachstand zu Opel ist treffend bei René Walter (Nerdcore) und Don Alphonso (Rebellen ohne Markt) beschrieben. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. 

Interessant aber ist die Frage, was denn mit “Opel 2.0″ gemeint sein kann: Meint es nur den (oberflächlichen) Einsatz von Social Software im Unternehmen und zu Marketingzwecken? Oder geht es um mehr, also eine grundsätzliche, neue Haltung, etwa im Sinne von Umair Haque?

Klar ist: Mit ein paar Wikis und einem Twitteraccount ist Opel nicht zu retten. Da muss schon mehr her und in diesem Kontext dann auch die Grundsatzfrage gestellt werden dürfen, ob wir Opel in der heutigen Situation noch brauchen. Es geht also um das Große, Ganze.

Klar ist aber auch, dass das Problem Opel auf der politischen Ebene nicht mehr nur nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien entschieden wird: Die Rettung von Opel ist nämlich dann legitim, wenn die Gesellschaft das mehrheitlich auch so will. Die rein wirtschaftliche Sicht, dass wir auf dem Markt Überkapazitäten haben und das Ende eines schwachen Herstellers die noch verbleibenden, gesunden Autobauer (und deren Arbeitsplätze) unterstützen würde, ist in einer Demokratie kein hinreichender Grund für politisches Handeln (oder Unterlassen).

Allerdings hätte man im Fall von Opel aus dem neuen Denken heraus nicht nur auf den drohenden Verlust vieler Arbeitplätze, sondern auch auf die Nachfrage aus dem Markt achten müssen. Über das Internet hätte man eigentlich leicht potenzielle Käufer mobilisieren und dann mittels (symbolischer) Anzahlungen sichtbar machen können, dass der Markt eine Rettung von Opel honorieren würde.

Meines Wissens nach ist das aber unterblieben. Mir jedenfalls sind keine Aufrufe begegnet, bei denen man sich mit Opel hätte solidarisieren können oder einen neuen Opel im Voraus fest bestellen. Denkbar ist aber auch, dass es dazu Initiativen gab, die mangels Interesse nicht wirklich auf breiter Ebene bekannt wurden.

Die Politik hat es im Fall von Opel jedenfalls versäumt, den Befürwortern einer Rettung den Nachweis aufzuerlegen, dass die Nachfrage nach den Fahrzeugen (weiterhin) so hoch ist, dass die kurzfristig erforderlichen Subventionen auch wieder zurückgezahlt werden können. Früher wäre so etwas technisch gar nicht möglich gewesen. Heute, mit dem Internet, sollte das eigentlich ganz einfach sein.

Hätte man über das Internet eine Kampagne für Opel lanciert, deren Ergebnis sehr dünn gewesen wäre, könnten die Politiker ihr Engagement in dieser Sache deutlich zurückfahren und etwa das amerikanische Insolvenzverfahren abwarten. Und sie hätten dazu gute Gründe. Denn warum soll man Milliardenbeträge für etwas aufwenden, das in Deutschland (außer den betroffenen Mitarbeitern und ihren Angehörigen) kaum mehr jemand schätzt?

Der Fall Opel zeigt uns also, dass der Politikbetrieb in Deutschland noch ganz nach den alten Mustern des 20. Jahrhunderts funktioniert. Das Internet würde es dagegen heute schon möglich machen, hier sehr viel differenzierter ein Problemfeld zu betrachten und demokratisch ausgewogenere Lösungen anzupeilen. Dafür fehlt es aber weithin noch am Bewusstsein und der Kenntnis zu den Einsatzpotenzialen von Social Software…

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