Innovation

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Während bei CNN die “Magic Wall” (entwickelt von Jeff Han) für Furore sorgt und Microsoft seine Surface-Technologie allmählich auf den Markt bringt, zeigt Oblong (USA) ein Interface, bei dem der Computer allein mit Gesten bedient wird (via Engadget):

Die Technologie ist beeindruckend und wird, nach Angaben des Herstellers, bereits in in einer Reihe von Anwendungsfeldern eingesetzt. Oblong reklamiert damit für sich, der erste Hersteller zu sein, der seit der Einführung der Maus (1984) die Schnittstelle von Mensch zu Computer entscheidend erweiterte, indem man die räumliche (dreidimensionale) Ebene erschlossen hat.

So gesehen wäre die Technologie der Touchscreens, wie sie bei Jeff Han, Microsoft und natürlich Apple (iPhone) zum Einsatz kommt, nur der Abschluss einer rund 25jährigen Entwicklungsperiode, die den Computer in praktisch alle Haushalte gebracht und damit unsere Welt entschieden verändert hat.

Ob der Ansatz von Oblong ebenso weitreichende Folgen haben wird? Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich in virtuellen Welten mit Datenhandschuhen entschieden müheloser bewegen kann, als derzeit noch mit der Maus oder einer Spielkonsole. Und nachdem die Spielebranche für etliche Milliarden Umsatz gut ist (und zudem als krisenresistent gilt!), brauchen wir uns wohl um die Erfindung von Oblong keine Sorgen zu machen…

Was unterscheidet Wissen von Unternehmertum (Entrepreneurship)? George Gilder (auf Forbes.com) bringt es auf den Punkt: Wissen bezieht sich auf die Vergangenheit, Unternehmertum richtet sich an der Zukunft aus.

Bezogen auf die aktuelle Finanzkrise bedeutet dies nach Gilder, dass die etablierten Institutionen (in Politik, Wirtschaft und Finanzwesen) mit ihrem (überholten) Wissen die Weltwirtschaft nur immer weiter in die Vergangenheit zurücktreiben und das alles im Namen des Fortschritts.

Im Kern kämpfen nämlich in jeder Wirtschaft die bisher erfolgreichen Einrichtungen gegen die innovativen, neuen Kräfte, die nicht nur neue Unternehmen schaffen, sondern ganze Branchen und Märkte auf den Kopf stellen. Innovation ist demnach kein harmonischer, allmählicher Prozess. Innovation bringt vielmehr strukturelle Brüche mit sich, anstelle sanfter Übergänge.

Das Internet und die mit ihm aufs Engste verbundene Computertechnologie ist so eine innovative Kraft, die vieles (wenn nicht alles) verändert und in ihrer Ursache und Wirkung eben nicht mit dem Wissen der Vergangenheit erklärt (und gebändigt) werden kann.

So gesehen haben wir im Anlagen- und Maschinenbau, einer Branche in der die Relevanz des Internets bis heute weitgehend verkannt und ignoriert wird, gar keine Unternehmer am Werk, sondern nur noch Verwalter einer im Untergehen begriffenen Prosperität.

Aber etwa auch das Bildungswesen als überwiegend nicht marktwirtschaftlich organisierte “Branche”, sieht nicht gut aus: Schulen und Hochschulen stehen dem Internet und den neuen Ideen des eLearning immer noch recht skeptisch gegenüber und verteidigen lieber die alten Bastionen klassischen Wissens und der herkömmlichen Wissensvermittlung. Und wo die Argumente ausgehen, kommt man dann gerne mit den “Werten”…

Mir jedenfalls hilft das Konzept der Dualität von Wissen und Unternehmertum nach George Gilder, das ich im Blog von Sean Park (The Park Paradigm) gefunden habe. Denn es zeigt mir einmal mehr, wo ich selbst stehe und es hilft, Entwicklungen und Situationen besser zu deuten.

Über Ulrike Reinhard (Who is Who Blog) bin ich auf den Vortrag von Charles Leadbeater auf der Picnic 08 gekommen, der aufzeigt, wie Zusammenarbeit heute und in Zukunft aussieht. Für Kenner der Materie ist der Einstieg vielleicht etwas lang(atmig), aber die zweite Hälfte ist definitiv sehenswert:

Im Kern geht es darum, dass uns das Internet als Technologie eine völlig neue Dimension der Arbeitsteilung ermöglicht, die in dieser Form bisher nicht denkbar war und praktisch alle Institutionen und Organisationen vor relativ große Herausforderungen stellt.

Leadbeater zieht deshalb auch einen weiten Bogen von Dingen des Alltags, über die wissenschaftliche Forschung, Politik und Demokratie (Formen der Mitsprache) bis hin zu Projektarbeiten in und zwischen Unternehmen.

Wie tiefgreifend diese neue Form der Arbeitsteilung ist, zeigt die Tatsache, dass im Bereich der Innovationen schon von einer Umkehr der Verhältnisse gesprochen wird: Diese kommen nicht mehr “top down”, sondern im Wege der Partizipation, des User Generated Content und der Beta Releases (mit kontinuierlicher Anpassung an die Bedürfnisse der User) praktisch von unten, also “bottom up”. Eric von Hippel spricht von der “Demokratisierung der Innovationen” und betont dabei, dass dieses Phänomen nicht auf Software beschränkt ist, sondern sich sehr wohl auch in anderen Bereichen beobachten lässt.

Unternehmen tun also gut daran, Social Software nicht allein zur Verbesserung der Produktivität oder um des Marketings willen einzuführen. Vielmehr müssen sie die Mechanismen und Wirkungsweisen dieser neuen “Collaboration Culture” verstehen, um zu ergründen, wie stark sie selbst und ihre Branche davon betroffen sein werden und worauf sich künftig Wettbewerbsvorteile und Kernkompetenzen gründen lassen.

Ansonsten kann es leicht passieren, dass sich das eigene Geschäftsmodell in Luft auflöst. Leadbeater zitiert am Schluss seines Vortrags Tim Berners-Lee mit der Aussage, dass eine große Gefahr darin liege, nicht zu viel, sondern zu wenig vom Internet zu erwarten.

IDEO bloggt

Kann eine Firma bloggen, die an vertraulichen Projekten arbeitet, welche strenger Geheimhaltung unterliegen? Sie kann. IDEO, die bekannte Design- und Innovationsagentur (bzw. Beratungsgesellschaft) mit Hauptsitz in Kalifornien, hat unlängst zwei Blogs begonnen (Info via SoulSoup).

Einmal IDEO Labs (eher technisch orientiert) und daneben Design Thinking, ein Blog des CEO Tim Brown (mehr dem klassischen Designgedanken verpflichtet). Insbesondere das technischer orientierte Blog könnte zum Spagat werden, auch wenn dies von außen sicher nicht immer ersichtlich sein wird.

Andererseits ist es aber auch eine geschickte Werbung für das Unternehmen, das mit diesem Blog zeigen kann, über welches Wissen man verfügt und wo die kreativen Fähigkeiten liegen. Und das ist der entscheidende Punkt: Im Zeitalter des Internets geht es nicht mehr darum, verborgen im “stillen Kämmerlein” zu forschen und zu entwickeln, sondern Verschwiegenheit einerseits und Transparenz andererseits in die rechte Balance zu bringen.

Ein Ding der Unmöglichkeit? Nicht unbedingt, auch wenn es sicher keine leichte Aufgabe ist. Den Risiken eines solchen Blogs stehen ungleich größere Chancen gegenüber. Denn jedes gut geführte Blog ist eine einzigartige Quelle für neue Kontakte, interessante Informationen und unvermutetes Feedback, das man so auf anderen Kanälen nicht erhalten kann. Das alles ist weit mehr als nur PR oder Marketing. Bei IDEO hat man das wohl erkannt.

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