Innovation

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Eine sehr bemerkenswerte Präsentation zum Thema “Enterprise 2.0″ hat der französische IT-Experte Cecil Dijoux erstellt. Völlig zu Recht fordert er, man müsse von den Problemstellungen der Unternehmen ausgehen und nicht primär aus den Funktionalitäten der Social Software heraus denken. Hier die englischsprachige Version (via Tech IT Easy):

Dazu passt auch gut, was Thomas Pfeiffer (Webevangelisten) über Social Media sagt:

Was bei Cecil erst gegen Ende auftaucht (Folie 51), betont Thomas gleich zu Beginn: Die neue Kultur (”Wertekanon”) von Offenheit und Transparenz, Dialogbereitschaft und flachen Hierarchien, die uns das vernetzte Zeitalter beschert und die sich nicht eben so im Vorbeigehen implementieren lässt.

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Tesla hat seine Ankündigungen wahr gemacht und jetzt als zweites Modell eine Schrägheck-Limousine mit vier Türen vorgestellt. Das Fahrzeug soll in seinen Proportionen einem 5er BMW entsprechen und wird 57.400 $ kosten. Der Verkaufsbeginn wurde für 2011 versprochen. Auf der technischen Seite soll das Elektroauto einen Akku erhalten, der sich sehr schnell wieder aufladen lässt (45 Minuten) und für eine relativ große Reichweite steht (bis zu 480 Kilometer).

Es ist schon erstaunlich wie sich dieses kleine Startup gegen die etablierten Riesen der Branche stemmt und ihnen immer wieder eine Nasenlänge voraus ist. So hat man bei Tesla ganz offensichtlich von Anfang an die Stärken und Schwächen des Elektroantriebs besser verstanden als bei der Konkurrenz und erst gar nicht versucht, mit einem Kleinwagen auf den Markt zu kommen.

So ist das erste Modell, der Tesla Roadster ein ausgemachter Sportwagen, der ein wunderbares Spielzeug für reiche Leute abgibt. Wer das kritisieren will, übersieht, dass Tesla mit diesem Produkt eine kleine Flotte von Fahrzeugen auf die Straße bringt, mit denen sich Konzepte im Alltag erproben lassen. Damit ist man weiter als die meisten anderen Hersteller, die noch kaum reine Elektrofahrzeuge an Kunden ausgeliefert haben.

Die Erfahrungen aus dem Roadster-Projekt fliessen jetzt in das zweite Produkt ein, mit dem sich Tesla immer noch relativ hoch im Markt positioniert, aber schon ein ganzes Stück näher an den Massenmarkt rückt. Auch mit diesem Fahrzeug lassen sich die immer noch sehr hohen Kosten für die Akku-Technologie elegant kaschieren.

Strategisch betrachtet hat Tesla zudem einen Wettbewerbsvorteil, den man nicht unterschätzen sollte: Während die etablierten Automobilhersteller ganze Armeen von Ingenieuren beschäftigen, die sich nur mit Verbrennungsmotoren auskennen und jetzt im Paradigmenwechsel der Antriebstechnologie um ihre Karrieren fürchten, setzt Tesla völlig unbelastet auf den Elektroantrieb.

Die großen Autobauer werden noch lange damit zu kämpfen haben, dass viele ihrer besten Mitarbeiter nicht einfach auf die neuen Zukunftstechnologien umstellen können und deshalb teils zäh ihren Status verteidigen, teils in die innere Kündigung abtauchen könnten.

Sichtbar wird dieser “Kampf der Kulturen” so auch bei Porsche, wo der erste 911er mit Elektroantrieb gar nicht in Zuffenhausen entstand, sondern bei Ruf, einem Porsche-Tuner aus dem Allgäu.

Insgesamt sehen wir hier ein Innovationsdilemma großer Unternehmen: Sie haben über Jahrzehnte bestimmte Strukturen aufgebaut, die offenbar nicht mit jeder Form von Innovation kompatibel sind. Sollten Elektroautos auf längere Sicht Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ablösen, hätte dies weitreichende Folgen für die Berufsbilder in dieser Branche, einschließlich ihrer Zulieferer.

So einfach also die gängige Forderung nach “mehr Innovationen” klingt, so schwierig ist das in der Praxis, vor allem wenn disruptive Innovationen erhebliche strukturelle Veränderungen mit sich bringen.

Bei Tesla ist man davon noch gänzlich unbelastet und denkt schon über eine deutsche Niederlassung in München nach. Nicht weit davon entfernt, beim Porsche-Tuner Ruf im Allgäu, plant man eine Kleinserie des Elektro 911ers.

Endlich haben wir ihn mal im Bild und hören seine Ideen und Theorien in einem sehr gut strukturierten Vortrag (der aber auch eine Stunde dauert): Umair Haque, Direktor des Havas Media Lab spricht am 12.02.09 auf einer Konferenz der Agentur Daytona in Stockholm.

Seiner Auffassung nach erleben wir derzeit eine strukturelle Krise des Kapitalismus, weil mit dem technischen Fortschritt Kommunikation und Interaktion (”Interaction”) zuletzt enorm zugenommen haben. Die Probleme kommen nun daher, dass trotz dieser Zunahme an Interaktion Unternehmen (bzw. Institutionen generell) immer noch nach den alten Spielregeln handeln und jetzt damit scheitern.

Die neuen Regeln für das 21. Jahrhundert sind ihm bereits klar: An die Stelle von Ausbeutung (”Exploitation”) muss Erneuerung (”Renewal”) treten und das Streben nach Einnahmen (”Income”) muss viel weiter gedacht und auf die Sinnebene (”Meaning”) geführt werden. Ganz wesentlich ist auch der Faktor Mitbestimmung (”Democracy”), wenn etwa Kunden bei der Zusammensetzung der Produkte mitentscheiden können (MyMuesli wäre ein deutsches Beispiel dafür).

Als Erklärung dafür, warum heute ganze Branchen in die Krise rutschen, sieht Umair Haque in dem Umstand, dass man vielfach über lange Zeit nur damit beschäftigt war, Märkte zu beherrschen (”dominate markets”) und darüber die Kunden und das Thema Innovation aus den Augen verloren hat. Microsoft ist für ihn ein Beispiel (obwohl es dem Unternehmen noch glänzend geht), aber auch die Automobilindustrie, die sich derzeit von Newcomern zeigen lassen muss, wie die Fahrzeuge von morgen aussehen werden.

Insgesamt scheint mir sein Entwurf durchaus stringent und plausibel, wenn auch noch längst nicht für alle von ihm genannten Problempunkte kar ist, woher praktikable Lösungsansätze kommen sollen. Dass unser zahlenfixiertes Wirtchaftssystem viele Blindstellen hat, weil qualitative Aspekte damit zu oft außer Betracht bleiben, ist klar.

Zudem scheint an einigen Stellen im System noch die rechte Einsicht in die Problemlage zu fehlen. So etwa an der Wall Street, wo man weiter Boni ausbezahlt und Kritik an den Rettungsplänen der Regierung übt, ganz so als sei man durch höhere Gewalt in die Finanzkrise gerutscht. Umair Haque dürfte dort noch immer ein völlig unbekannter Name sein…

Als Quantensprung bezeichnen Dr. Klaus Holthausen und Roy Uhlmann  (Qimaya) im Interview mit Steffen Büffel den von ihnen entwickelten Ansatz in Sachen Semantisches Web. Anders als andere Forscher oder Unternehmen setzt das Team von Qimaya nicht auf Ontologien oder Thesauri, sondern auf ein selbstlernendes System.

Der springende Punkt: Ontologien sind statisch und müssen deshalb bei Veränderungen aktualisiert werden. Demgegenüber soll das selbstlernende System von Qimaya dynamisch sein und sich selbst an Veränderungen anpassen können.

Noch gibt es von Qimaya kein frei zugängliches Produkt, man will aber noch im Laufe diesen Jahres mit einer Suchmaschine online gehen. Muss sich Google deshalb Sorgen machen? Nicht unbedingt. Aktuell kursieren gerade wieder Spekulationen darüber, ob Google selbst bereits semantische Software einsetzt, wenn etwa Sucheingaben, die als konkrete Fragen formuliert sind, direkt beantwortet werden.

Spannend bleibt das Thema auf alle Fälle. Das Interview mit Qimaya wurde am Rande der 1. Dresden Open Space geführt. Auf der CeBIT 2009 veranstaltet die T-Systems ihren nächsten Open Space.

Auch das ist das 21. Jahrhundert: Produktentwicklung als offener Prozess. Michael Arrington hat ziemlich genau ein halbes Jahr nach seiner Ankündigung nun den ersten Prototypen für einen Rechner vorgestellt, der primär zum Surfen im Internet gedacht ist und möglichst wenig kosten soll.

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Hut ab vor dieser Leistung! Sehen da nicht die etablierten Hersteller (egal welchen Namens) etwas blass aus, ob so viel Engagement und Kreativität?

Gleichzeitig zeigt sich hier ein Geschäftsmodell für Blogger (mit genügend großer Leserschaft): Produktideen vorschlagen und dann mit der eigenen Community weiterentwickeln. Michael Arrington ist bekanntlich von Haus aus Rechtsanwalt und bestimmt hat er schon einen Mustervertrag in seinem Schreibtisch liegen, mittels dessen er die Produktion des CrunchPad an einen geeigneten Hersteller abgeben und im Gegenzug über ein Lizenzmodell finanziell am Erfolg beteiligt werden kann.

Seinem Beispiel kann man aber sicher auch ohne Jurastudium folgen. Entscheidend dürften eher Umfang und Qualität der Leserschaft sein, die ein Blog erreicht. Ein Blog mit Potenzial für die Zukunft weist also nicht nur gute Artikel auf, sondern auch “gute Leser” im Sinne einer lebendigen und sachkundigen Community.

So gesehen ist es eigentlich schade, dass Robert Basic sein Blog verkauft hat. Er hätte aus Basic Thinking viel mehr machen können…

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