Handel

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…erklärt uns der britische Zoologe und Soziobiologe Matt Ridley in einem sehr bemerkenswerten TED-Vortrag, der im Juli 2010 in Oxford gehalten wurde. Im Kern geht es darin gar nicht um Fragen der Wirtschaft. Doch der Naturforscher kam zu der Erkenntnis, dass wir unser stetig steigendes Wohlstandsniveau der menschlichen Arbeitsteilung und dem Handel verdanken.

Er bringt dies auf die Formel “When Ideas have Sex” und fragt sich, wo die Ursprünge menschlicher Arbeitsteilung zu suchen sind. Arbeitsteilung nämlich führt zu Handel, der seiner Ansicht nach in der Geschichte der Menschheit wesentlich früher entstand als die Landwirtschaft (”Trade ist ten times as old as farming”). Handel wiederum führt zu größerem Wohlstand für alle daran Beteiligten.

In der Folge blickt Matt Ridley optimistisch in die Zukunft: Solange Handel und Arbeitsteilung ungehindert möglich sind, werden der Lebensstandard und die Lebenserwartung (global betrachtet) weiter steigen. Dazu müssen die Menschen nur weiter intensiv kommunizieren und Ideen austauschen, so dass der technische Fortschritt sich fortsetzen kann. Moderne Technologien wie das Internet haben daran einen erheblichen Anteil, gibt sich Matt Ridley überzeugt und schließt  seinen Vortag mit den Worten: “We are accelerating the rate of innovation”.

In Bayern sieht man Googles Street View mit gemischten Gefühlen entgegen, und das quer durch alle Parteien, wie Heise meldete. Was aber werden die Politiker im bayerischen Landtag erst sagen, wenn dieses Produkt auf den Markt kommt?

Das schwedische Software-Unternehmen TAT hat gerade eine Applikation für Android Mobiltelefone angekündigt, mit der Gesichter erkannt und dazu dann Daten aus dem Internet abgerufen werden können.

Diese Form von Augmented Reality ist durchaus faszinierend, wirft aber auch Fragen auf. Denn was im gezeigten Beispiel einer geschäftlichen Präsentation schon Sinn macht, sieht auf offener Straße wieder ganz anders aus: Kann damit künftig jeder jeden identifizieren?

Für den stationären Handel ergeben sich ungeahnte Perspektiven, da dieser seine Laufkundschaft mit dieser Technologie (und fest installierten Geräten) unauffällig scannen und sortieren könnte: Stammkunden werden identifiziert und persönlich beraten, Personen mit negativer Schufa erhalten Ware nur gegen Bargeld und notorische Nichtkäufer werden des Hauses verwiesen.

Aber schon auf einer harmloseren Ebene könnte so etwas zum Alptraum werden: Betrete ich etwa ein Ladengeschäft und werde dort registriert, kann mir die Ladenkette sofort und automatisiert auf Twitter folgen, versuchen auf Facebook mein “Freund” zu werden und mein Blog mit Kommentaren zu spammen (”toller Artikel”). Wollen wir so etwas wirklich? Oder werden wir bald alle wie einst der unglückliche Michael Jackson nur noch mit Mundschutz, Sonnenbrille und Hut auf die Straße gehen?

Konflikte und scharfe politische Debatten sind hier vorprogrammiert, auch wenn sie vielleicht noch Jahre auf sich warten lassen. In Sachen Google Street View führt der bayerische Landtag seine Debatte auch reichlich spät und dürfte nicht mehr viel Einfluss haben (was ich in diesem Fall auch für unnötig halte).

Von Layar, der Augmented Reality Applikation, die Daten zu Gebäuden auf Android Handys bringen kann (und in Deutschland noch nicht verfügbar ist), bin ich sehr angetan. Zu “Augmented ID” von TAT hingegen hoffe ich auf eine ausgiebige Debatte zu ihren ethischen Aspekten…

Das Internet verändert das Leben der Menschen sowie die Geschäftsmodelle von Unternehmen wie kaum eine andere Technik zuvor. Deshalb ist es eigentlich erstaunlich, dass man sich in vielen Unternehmen noch immer nur wenig damit befasst. Dass es auch anders geht und wie das aussehen kann, zeigt uns ausgerechnet die New York Times.

Das Video gibt einen guten Einblick in deren Forschungsbereich. Nick Bilton, der Leiter dieser Einheit, stellt ein paar Endgeräte vor, die in naher Zukunft von Bedeutung sein werden:

Meiner Meinung nach sollten nicht nur Zeitungen ein solches Internetlabor führen, sondern auch Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Handel. 

Denn so wie sich die New York Times die Frage stellt, wie das Lesen ihrer Zeitung auf unterschiedlichen Endgeräten aussehen und wirken kann, sollten sich auch Industrie und Handel fragen, wie sie die zunehmende Vielfalt für ihr Geschäft bestmöglich nutzen können.

Denn eines ist klar: Wer neue Endgeräte erst dann in den Blick nimmt, wenn diese erfolgreich am Markt eingeführt und entsprechend weit verbreitet sind, kann daraus für sein Unternehmen sicher keinen Wettbewerbsvorteil mehr ziehen. Eher schon hängt man dann der Entwicklung hinterher.

Noch vor wenigen Jahren war das nicht erforderlich. Denn als Endgeräte gab es nur den klassischen PC sowie Notebooks. Daran war nichts besonderes und ein Internetlabor wäre unsinnig gewesen, standen diese Geräte doch in allen Unternehmen praktisch auf jedem Schreibtisch.

Das ändert sich jetzt. Mit dem iPhone (Apple) hat das mobile Web seinen Durchbruch geschafft. Parallel dazu hat Microsoft mit seinem Surface-Tisch für Aufsehen gesorgt. Dazu kommen die Netbooks (oder Sub-Notebooks) sowie spezielle Lesegeräte für Bücher wie der Kindle (Amazon). Auch portable Navigationsgeräte (etwa von TomTom) verstehen sich inzwischen gut mit dem Internet und können weitaus mehr als nur Routen anzeigen.

Damit haben wir bereits heute eine erstaunliche Fülle an unterschiedlichen Typen von Endgeräten, die längst nicht mehr in jedem Unternehmen (oder Haushalt) vollständig anzutreffen sind. Damit wächst die Gefahr, dass man bestimmte Entwicklungen verpasst, weil man eine oder mehrere dieser Typen kaum oder gar nicht kennt.

Es wird also dringend Zeit, sich intensiver mit dem Internet zu befassen und auch eine andere Methodik zu entwickeln. Das gilt im Übrigen auch für Agenturen und Berater: Deren Blick auf das Internet ist oft genug ebenso einseitig vom PC her geprägt wie der ihrer Kunden…