google earth

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Whatsyourplace LogoBei dieser Community gehen die Meinungen auseinander. WhatsYourPlace verkauft virtuelle Grundstücke auf der Basis eines Google-Mashups. “Das hat was”, findet Martin Weigert (zweinull.cc), während Peter Schink (Blog Age) darin nur “Abzocke 2.0″ sieht. Interessant in diesem Kontext auch die Kommentare auf dem Deutsche Startups Blog: Unverständnis ist da noch ein relativ milder Ausdruck…

Ganz anders wieder tönt der aktuelle Blogartikel von WhatsYourPlace: Schon über 1.000 Hektar WYP-Land sind verkauft. Also doch eine Geschäftsidee mit Potenzial?

Ohne Zweifel hat die Idee etwas. Dafür muss man sich allerdings von der Vorstellung befreien, es stecke ein tieferer Sinn hinter WhatsYourPlace. Hier geht es um den Spaß, auch mal das Brandenburger Tor, den Eiffelturm oder das Pentagon zu “besitzen” oder zu verschenken.

In unserer sich zunehmend digitalisierenden Welt werden eben auch zunehmend digitale Spielereien bedeutsam. Einfach aus Spaß und Zeitvertreib. Allerdings wird das nur funktionieren, wenn das Startup aus München es auch schafft, die Community um den Grundstückshandel herum genügend zu beleben.

Denn gerade hier gilt die Devise “Sehen und gesehen werden”. Und dafür dürfte deutlich mehr Traffic auf Dauer sicher wünschenswert erfolgskritisch sein. Aus dieser Perspektive heraus vermisse ich auch die Verbindungen zu anderen Websites. Weder gibt es eine Entwicklerschnittstelle, noch irgendwelche Verlinkungen, über die Besucher von anderen Seiten kommen oder dorthin weiterziehen könnten. WhatsYourPlace umfasst zwar den gesamten Globus, ist für sich aber noch eine ziemlich einsame Insel im Meer der Social Services.

Aber das ist kein Mangel, der nicht zu beheben wäre. Interessant am Rande ist die eigene Domain, die der Käufer eines Grundstücks beim Kauf gleich mitgeliefert bekommt. Prominente Objekte tauchen so auch in Suchmaschinen auf. Noch besser wäre es, die Domain würde auf den Namen des Grundstückseigentümers lauten. Auf diese Weise ließen sich mit wenig Geld unverfängliche Treffer in Suchmaschinen generieren und die Online-Reputation verbessern.

So gesehen steht WhatsYourPlace erst am Anfang und kann noch Einiges aus der Idee machen. Und ob ich jetzt wohl für diesen doch recht freundlichen Blogartikel den Stuttgarter Fernsehturm geschenkt bekomme? Lieber nicht…

Dass sich aus Google Earth noch Einiges herausholen lässt, habe ich neulich hier schon angedeutet. Dabei ging es insbesondere um den Aspekt der sog. “Mirror Worlds“. Nun zeigt sich überraschend schnell, dass Google schon sehr konkrete Pläne dazu hat: So berichtet das Blog “Google Operating System“, dass das Unternehmen zusammen mit der Arionza State University ein dreidimensionales Social Network auf der Basis von Google Earth (mit Studenten) testet.

In diesen Kontext passt die Meldung, die ich bei Martin über Sony’s dreidimensionale Welt “Home” gelesen habe. Der Marktstart verschiebt sich hier offenbar auf das Frühjahr 2008.

Beiden Konzepten ist gemeinsam, dass man, anders als etwa bei Second Life, bereits von Beginn an ein mehr oder weniger großes Publikum hat, da Sony den Besitzern einer Playstation automatisch (und gratis) einen Avatar in Home bereitstellen und Google etwa allen Nutzern diverser Dienste (wie Google Mail) dieselbe Gefälligkeit erweisen kann.

Die Tragweite ist aber noch viel größer: Schafft es beispielsweise Sony, Home bei den Kunden seiner Playstation erfolgreich zu platzieren, treten wir in eine völlig neue Phase der Beziehung zwischen Hersteller, Handel und Kunde. Während bisher die Hersteller von Konsumgütern (auch in der Unterhaltungselektronik) kaum direkten Kontakt zu ihren Kunden hatten, weil dazwischen eine oder mehrere Handelsstufen lagen, kann Sony über Home künftig direkt mitverfolgen, wie die Kunden die Playstation nutzen, mit welchen anderen Spielern sie (über Home) Kontakt pflegen und welche sonstigen Medien (Musik, Filme…) über diese Plattform konsumiert (= direkt gekauft) werden.

Im Falle von Google geht es nicht um Konsumgüter, dafür aber aber einen Wettbewerb zu Plattformen wie Facebook. Diese mehr oder weniger geschlossenen Systeme sind nämlich ein gravierendes Problem für Google: So kann heute bereits der Facebook User über eine Applikation von zerocode mit der besten Suchmaschine (= Google) im Internet suchen, bekommt aber die Werbung von Google dabei nicht zu sehen! Die von Facebook ins Userprofil eingeblendete Werbung bleibt davon natürlich unberührt. Auf diese Art und Weise ist denkbar, dass sich Facebook (und andere Social Networks) immer mehr zu einer Art “Netz im Netz” entwickeln und das Werbegeschäft von Google aushöhlen.

In beiden Fällen ist also erkennbar, dass es hier nicht um nette Gefälligkeiten für die Allgemeinheit geht, sondern um eine möglichst enge Kundenbindung auf der Basis der spektakulärsten Entwicklung, die das Internet derzeit bietet: Dreidimensionale, virtuelle Welten.