Gary Vaynerchuk

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flickr Gary Vaynerchuk Randy Stewart

Wer kennt ihn nicht, den extrovertierten Weinhändler und Social Media Freak Gary Vaynerchuk aus New Jersey? Gerne wird er als Beispiel angeführt, wenn es darum geht, den Erfolg von Social Media zu belegen. Leider nimmt man es dabei mit der Wahrheit nicht immer so ganz genau, so dass gerne mal der Eindruck vermittelt wird, Gary sei erst mit seinem Video-Blog (Wine Library TV) so richtig reich und berühmt geworden. Das aber stimmt nicht ganz.

Seine unternehmerische Story beginnt 1997, als er den elterlichen Spirituosen-Handel in Springfield (New Jersey) übernimmt, sich auf Wein spezialisiert und ihn in “Wine Library” umbenennt. Dazu kommt kurze Zeit später ein Online-Shop für günstige Weine, der aber anfangs nicht gut läuft (kein Wunder in den späten 90er Jahren).

Der Umschwung für den Online-Handel kommt erst mit der Börsen- und Wirtschaftskrise im Jahr 2001, als plötzlich günstige Einkaufsquellen sehr gefragt sind. In einem Interview mit Thomas Knüwer beziffert Vaynerchuk seinen Online-Umsatz für diesen Zeitpunkt mit ungefähr 1 Mio $ pro Jahr. Die jährlichen Wachstumsraten gibt er für die Jahre danach mit 35 % und mehr an.

Dann wird es mit den Zahlen etwas schwammig. Verschiedene Quellen, darunter seine eigene Webseite, führen an, er habe innerhalb von nur fünf Jahren sein Geschäft von 4 Mio $ Umsatz auf 45 Mio $ geführt, konkrete Jahresangaben dazu fehlen. Vermutlich ist damit der stationäre Vertrieb in Springfield gemeint. Ich will hier keinen Argwohn hegen, wie man in einer Gemeinde mit 15.000 Einwohnern so viel Umsatz allein mit Wein erzielen kann. Der umtriebige Vaynerchuk wird schon früh in ganz New Jersey berühmt und berüchtigt gewesen sein.

Sein Video-Blog startet er im Februar 2006, landesweit bekannt wird er damit ab 2007. Wie er selbst sagt, brachten die Videos nicht gleich einen Umsatzschub, sondern erst einmal einen “Dip”, weil er sich stärker um die Vernetzung in der Blogosphäre als um sein Geschäft kümmerte.

Aktuell macht Vaynerchuk für die Wine Library keine Angaben mehr zum Umsatz. Sein Unternehmen gilt aber als der größte Online-Discounter für Wein in Nordamerika, sein Umsatz wird auf mehr als 100 Mio $ pro Jahr geschätzt. Als Blogger zählt er zu den 50 einflussreichsten Personen seiner Art in den USA.

Fazit

Gary Vaynerchuk und seine Wine Library sind ein außerordentlicher Erfolg, der in dieser Form ohne das Video-Blog nicht möglich gewesen wäre. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass das Fundament seines Erfolgs in der erfolgreichen Neuausrichtung des elterlichen Einzelhandel-Geschäftes und dem Aufbau eines Discount-Online-Shops liegt. Es geht eben nichts ohne eine solide Basis.

Gary Vaynerchuk ist nicht um eine Antwort verlegen, wenn es auf die Frage kommt, wozu man ein Blog oder Twitter denn brauchen könne: Man denke sich das Internet einfach als Treffpunkt, wo man mit interessanten Menschen in Kontakt kommen und schon bestehende (Geschäfts-) Beziehungen pflegen kann (sinngemäß von mir übersetzt).

Deshalb möchte ich auch der Liste von Joe McKendrick (FastForward Blog) in Sachen Enterprise 2.0 eine Komponente hinzufügen: Nämlich den Vertrieb.

Gerade mittelständische Unternehmen aus Deutschland, deren Kunden meist weltweit verstreut sind, können über Blogs (und Twitter) Kontakte pflegen und neue Interessenten für ihre Produkte gewinnen. Nicht zuletzt in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten sollte man über dieses Potenzial verstärkt nachdenken, da sich hier nämlich genau das was Gary Vaynerchuk auf seine typische Art demonstriert, kostengünstig realisieren lässt.

Danke an Sandro Stark (stark addicted), bei dem ich das Video von Gary gefunden habe.

Gary Vaynerchuk ist in den USA ziemlich bekannt geworden mit seinem Wein-Videoblog. Aktuell äußert er sich zu den Perspektiven der Werbung in schwierigen Zeiten auf seine ganz eigene Art. Wirklich sehenswert:

Ein interessantes Detail dabei: Das Video wird live aufgenommen und die Zuschauer (früher hätte man gesagt: Blogleser!) können via Chat direkt reagieren. Der Kameraschwenk während der Aufnahme zeigt es ganz offen.

Wer das Ganze etwas gesetzter und sauber ausformuliert haben möchte, kann es hier nachlesen (Pete Caputa auf dem HubSpot Blog). Beide Quellen übrigens via Robert Scoble auf FriendFeed.

Die Situation bei uns im Land bringt Christian Fachat in einem Tweet auf den Nenner: Realitätsfremd. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Oder doch: Warum betone ich in zwei aufeinander folgenden Artikeln den Bereich Video?

Ganz einfach, weil ich hier einen klaren Trend sehe. In Ländern wie Frankreich oder den USA, wo es bereits sehr viele Blogs gibt und diese auch von einer breiten Leserschicht getragen werden, zündet jetzt die nächste Stufe. Die Vorreiter bzw. kommerziell orientierte Blogs begnügen sich nicht mehr nur mit Text, sondern werden multimedialer und spontaner.

Klar ist auch, dass dieser Trend auf längere Sicht in die Unternehmen hinein wirken und den Bereich “Enterprise 2.0″ erfassen wird: Werksfernsehen ist dann nicht mehr nur eine Sache für große Konzerne wie Daimler, sondern für jeden Mittelständler interessant. Entscheidend wird aber sein, dass man dafür die erforderliche Infrastruktur hat: Nur wer intern Blogs zulässt, mit Wikis arbeitet und ein von den Mitarbeitern aktiv mitgestaltetes Intranet vorweisen kann, verfügt über die nötige Basis, über die Videos gezeigt, verlinkt und kommentiert werden können.