FriendFeed

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Google Buzz Logo Robert Sanzalone

In den letzten Tagen habe ich kurz entschlossen meinen Ausflug auf Google Buzz beendet und meinen Account vollständig gelöscht. Zuletzt hatte ich dort gut 40 Follower, ich selbst folgte rund 50 Personen. Der Grund dafür ist einfach: Ich sehe darin weder für Unternehmen noch für mich persönlich auf mittlere Sicht einen konkreten Nutzen.

Unternehmen und Google (Buzz)

Wer Unternehmen bzw. den Mittelstand in Deutschland näher kennt, weiß, dass der Name “Google” hier nicht unbedingt ein Türöffner ist. Niemand im Mittelstand käme auf die Idee, das auf eigenen Servern betriebene Microsoft Office gegen die cloudbasierten Google Apps zu tauschen, ja viele wissen noch nicht einmal, dass es von Google ein vollständiges Officepaket gibt, das zu preislich vorteilhaften Konditionen genutzt werden kann.

In diesem Kontext Google Buzz als (internes) Tool bzw. Kommunikationskanal (nach außen) vorzustellen, wäre in etwa so erfolgversprechend wie der Verkauf von Bier an die Mitarbeiter in einer Brauerei.

Für den eher intern orientierten Gebrauch bietet Google Buzz nicht viel, das es nicht auch woanders gäbe. Denn in den Unternehmen, in denen der Nutzen von Collaboration Software bereits erkannt wurde, ist diese in der einen oder anderen Form auch schon im Einsatz (was freilich noch selten genug der Fall ist).

Was die Kommunikation mit der Öffentlichkeit betrifft, dürfte Google Buzz in Deutschland noch auf längere Sicht einer der reichweitenärmsten Kanäle sein. Das liegt an der Koppelung von Buzz mit Gmail. Der E-Mail-Client von Google ist nämlich hierzulande bei weitem nicht so populär wie in den USA. Das bremst natürlich die Verbreitung von Google Buzz und macht es damit auch für das Marketing von Unternehmen wenig(er) attraktiv.

Die persönliche Ebene: Freud und Leid mit Google

Auf der persönlichen Ebene ist es zunächst eine reine Zeitfrage. Denn selbst als Social Media “Freak” kann man nicht auf beliebig vielen Hochzeiten tanzen, sondern muss Prioritäten setzen. In diesem Sinne gebe ich Twitter den Vorzug. Denn dort habe ich im Lauf der Zeit ein Netzwerk an interessanten Kontakten aufgebaut und beziehe darüber eine Vielzahl wichtiger Impulse. Warum also nicht dieses Netzwerk pflegen, anstatt daneben wieder ganz von vorn zu beginnen?

Dabei spielt es keine Rolle, ob auf Google Buzz die besseren Diskussionen geführt werden können. Zweifellos ist dies der Fall, weil Buzz sehr viel Ähnlichkeiten mit FriendFeed hat und Twitter mit seiner Begrenzung auf 140 Zeichen pro Tweet dagegen abfällt. Allerdings gleicht Twitter diesen Umstand leicht wieder aus, weil das Netzwerk schon sehr groß ist und thematisch fast keine Lücken mehr lässt. Twitter ist längst etabliert und keiner kann den Dienst leichtfertig links liegen lassen (ausgenommen vielleicht Personen wie Don Alphonso).

Dazu kommt für mich eine sehr ärgerliche und eigentlich unverständliche Komponente: Während ich Twitter in mobiler Form über Twidroid auf meinem Google Handy (HTC Magic) unkompliziert und mit dem vollen Funktionsumfang nutzen kann, macht mir Buzz einen Strich durch die Rechnung: Man glaubt es kaum, aber Google Buzz for Mobile läuft nur auf Mobiltelefonen mit Android 2.0 (und höher), während mein 10 Monate altes Gerät “nur” Android 1.6 kann und damit ausgeschlossen bleibt. So macht man sich keine Freunde.

Ausblick in die Social Network Landschaft

In der Summe schätze ich die Aussichten von Google, sich mit Buzz in der ersten Liga der Social Networks etablieren zu können, als sehr gering ein. Denn Google hat den Fehler gemacht, sein Social Network zu intellektuell zu gestalten: Buzz ist ein sehr gutes Tool für ausführliche Debatten und mag damit den hochintelligenten Mitarbeitern bei Google sehr viel Freude bereiten.

Die breite Masse hingegen ist nicht so schriftorientiert oder wortgewaltig veranlagt und fühlt sich damit auf Facebook vermutlich sehr viel wohler. Selbst Twitter, mit seinen 140 Zeichen, setzt die Hürden niedriger an. Dazu kommt das Problem, dass Social Networks kein reines Neuland mehr sind und viele Menschen bereits ihren Social Graph in privater oder geschäftlicher Hinsicht woanders aufgebaut haben. Wozu also bei Google nochmals neu beginnen?

Ein Indiz für die Zukunft von Google Buzz könnte auch der Kurvenverlauf bei Google Trends sein: Nach einem steilen Anstieg im Januar verflacht die Kurve stark und zeigt kein Anzeichen mehr für einen erneuten Anstieg.

Weinen muss man deshalb nicht und Google selbst wäre gut beraten, mehr Energie in die Weiterentwicklung von Google Wave zu legen. Das ist die viel interessantere Baustelle mit Potenzial für die Zukunft und zudem auch etwas, das mittelfristig dem Mittelstand hierzulande vorgestellt werden kann.

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Die Zeichen sind nicht mehr zu übersehen: Eine ganze Reihe von Bloggern sind mit ihren Blogs nicht mehr so recht zufrieden. Allen voran der umtriebige Steve Rubel. Nun könnte man bei ihm noch unterstellen, dass er als PR-Guru (für Edelman) schon aus Marketinggründen immer auf dem Sprung sein muss. Aber der Virus hat auch unverdächtigere Naturen erwischt, etwa Frank Hamm. Oder auch Stowe Boyd, der schon mal ein Unwohlsein äußert, aber vorläufig noch nichts ändern will.

Die Ursache des Unbehagens und Suchens nach neuen Formen liegt in der Natur des Internets, das sich allmählich von einem statischen zu einem dynamischen Medium ändert. Steve Rubel drückt es so aus:

“The web is slowly moving from an architecture of pages, to one that looks like a stream.”

Ablesen kann man das auch an Diensten wie FriendFeed oder Twitter. Nicht zuletzt Facebook, das ursprünglich als statisch orientiertes Social Network gestartet ist, versucht immer wieder, seinem News-Feed eine zeitgemässe Dynamik zu geben. Auch FriendFeed geht immer wieder ein paar Schritte vorwärts und zusammen kann man das alles im Einzelnen gar nicht mehr nachvollziehen. Aber die Bewegung an sich hat Signalcharakter.

Ein weiteres Signal ist natürlich Google Wave und das im doppelten Sinn: Einmal die Ankündigung des neuen Produktes und dann auch die erstaunliche Resonanz (weltweit) darauf. Menschen organisieren spontan Treffen, um über Google Wave zu sprechen, während andere schulterzuckend daneben stehen und daran nichts Besonderes erkennen können. Siggi Becker erklärt dazu den größeren Zusammenhang so:

“Wer kein evolutionäres Weltbild hat, der kann diese Werkzeuge einfach nicht einordnen.”

Klar ist also, dass wir vor einem größeren Transformationsschritt stehen. Unbedingt erforderlich auf dieser nächsten Evolutionsstufe werden aber intelligente Filtertechniken sein. Denn so schön das Lifestreaming auch ist, wir müllen uns da nur gegenseitig zu. Schon heute ist Twitter tagsüber fast nicht mehr zu gebrauchen, weil viel zu viele Leute nur vermeintlich Wichtiges in die Runde werfen und selber gar nicht zuhören.

Das Web der nächsten Stufe wird also mehr sein, als nur ein “alles-hier-jetzt-sofort” in bunten Bewegtbildern. Es wird uns Dienste und Organisationsformen bringen, die ähnlich unserem Gehirn arbeiten, das neueren Erkenntnissen zufolge permanent am Rande des Chaos operiert. Vernetzung, sehr große Datenmengen, Filtertechniken und Intelligenz sind also die Stichworte für das, was in der Luft liegt…

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Twitter schlägt gerade Facebook. So zumindest könnte man obige Grafik interpretieren, in der uns BlogPulse (Nielsen Online) zeigt, wie stark Twitter und Facebook in Blogs thematisiert werden. Man beachte die gelbe Linie am unteren Bildrand. Sie zeigt, daß in der Blogosphäre FriendFeed derzeit noch kaum ein Thema ist.

Beim Blick auf Google Trends relativiert sich das Bild: Der Hype um Twitter schlägt sich in den Suchanfragen noch wenig nieder und von FriendFeed ist praktisch nichts zu sehen (Facebook ist hier gelb, Twitter blau, FriendFeed rot).

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Dieses Bild ändert sich natürlich auch nicht, wenn man den Zeitraum auf die letzten 12 Monate reduziert. Damit ist klar, dass Twitter derzeit einen medialen Hype erlebt, der sich erst noch in Mitgliederzahlen ummünzen muss.

Facebook dagegen ist bereits so groß, dass manche Seiten im Web von diesem Social Network mehr Traffic erhalten als von Google (laut einer Aussage von AdAge). Zudem schauen die Entwickler von Facebook fleissig bei Twitter und FriendFeed ab, um den eigenen Newsfeed als beste aller Welten erscheinen zu lassen.

Bei FriendFeed sieht es im Moment eher so aus, als würde diese Plattform nicht mehr abheben, sondern als eine Art Ersatzteillager für andere herhalten müssen. Das wäre ein bitteres Schicksal. Ob daran Louis Gray und Robert Scoble noch etwas ändern können?

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Eigentlich sollte sich Social Media in Deutschland ja längst durchgesetzt haben. Praktisch aber tun sich die Formen des interaktiven Informationsaustauschs über das Internet bei uns immer noch schwer. Immerhin kann ich Sachar Kriwoj (Massenpublikum) zustimmen, wenn er feststellt, dass Social Media endlich ein Thema ist: Weithin hat man inzwischen die Instrumente des Web 2.0 nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern auch akzeptiert, dass sie kein Modetrend sind.

Wo sind die Zielgruppen?

Doch mit der Einsicht in die Bedeutsamkeit von Social Media allein ist es noch nicht getan. Denn viele Unternehmen fragen sich zu Recht, ob sie auf diesem Weg ihre Zielgruppe(n) auch erreichen. Leider muss in vielen Branchen diese Frage immer noch verneint werden. So sind etwa die Baubranche oder auch der Maschinenbau noch nicht mit Blogs oder via Twitter erreichbar.

Wer dazu Zahlen sehen möchte, schaue sich nur einmal an, wie viele Follower deutschsprachige Verlage auf Twitter aktuell erzielen. Leander Wattig hat aktuell rund 100 Twitteraccounts von Verlagen ausfindig gemacht. Deren Reichweite ist noch ziemlich ernüchternd.

Damit wäre aber noch nicht geklärt, wie sich ein Unternehmen verhalten soll: Abwarten bis die eigene Branche die neuen Medien für sich entdeckt hat oder schon mal ein Stück vorausgehen? Gerade in der aktuellen Krise ist das keine leicht zu beantwortende Frage.

Wo sind die Geschäftsmodelle von Twitter, Facebook & Co.?

Ein weiteres und unbequemes Argument gilt es in diesem Zusammenhang zu beachten: Twitter, Facebook und viele andere Social Media Plattformen können zwar laufend steigende Nutzerzahlen vorweisen, meist aber immer noch kein funktionierendes Geschäftsmodell.

Warum also Zeit und Energie in ein Medium wie Twitter investieren, wenn im Worst Case das Unternehmen seinen Geschäftsbetrieb einstellen müsste, sofern es kein Venture Capital mehr bekäme und auch nicht von einem potenten Partner übernommen würde? Das ist (im Fall von Twitter) zwar aus heutiger Sicht keine sehr wahrscheinliche Perspektive: Gänzlich ausschließen kann man so etwas aber nicht.

Dazu muss man bedenken, dass alle Mühe, die man in den Aufbau eines Social Graphs auf einer oder mehreren dieser Plattformen investiert, im Zweifel verloren sein kann, da sich zwar bestimmte Daten sichern lassen, aber nie die eigentlich bedeutsamen Beziehungsstrukturen.

In diesem Zusammenhang hat Stephen Saber einen sehr bemerkenswerten Gastbeitrag im Blog von Chris Brogan verfasst: Er vergleicht darin Twitter mit AOL und kommt zum Schluss, dass AOL als Plattform heute praktisch keine Rolle mehr spielt, seine Techniken jedoch in sehr vielen Anwendungen fortbestehen. Twitter könnte es ähnlich gehen, folgert er.

Das ist zwar tröstlich aus der Perspektive der Technologie, aber unangenehm aus der Sicht von Unternehmen, die Twitter als Teil ihrer Social Media Strategie nutzen wollen. Klar ist deshalb: Praktisch alle heute existierenden Social Media Plattformen, so hip und namhaft sie auch sein mögen, bieten keine Gewähr für eine langfristig funktionierende Marketingstrategie. Wer sich hier engagiert, sollte seinen Einsatz in sehr überschaubaren Zeiträumen amortisiert sehen.

Henne oder Ei: Was tun?

Das Marketing hat es also hier mit zwei grundsätzlichen Fragen zu tun, nämlich ob die eigenen Zielgruppen schon im Web (bzw. Web 2.0) angekommen sind und wie nachhaltig die vielversprechenden neuen Plattformen sind.

In beiden Bereichen gibt es so etwas wie das Henne-Ei-Problem, denn sowohl eine sehr optimistische Strategie als auch ein betont konservatives Verhalten können falsch sein.

Vor diesem Hintergrund empfehle ich Mittelständlern aktuell, durchaus ein Blog ins Auge zu fassen, auch wenn die eigene Branche noch kaum Aktivitäten im Social Web zeigt. Hier darf eben nicht im Sinne eines Massenmediums gedacht werden, sondern der Fokus muss darauf liegen, bestimmte Geschäftspartner bzw. Interessenten über das Blog an das eigene Unternehmen zu binden und damit Kosten im Außendienst zu sparen (dies gilt etwa für B- und C-Kunden, während man die A-Kunden tunlichst weiter persönlich betreut).

Demgegenüber kann in Bezug auf Medien wie FriendFeed oder Twitter schon noch etwas Zurückhaltung geübt werden, obwohl es gut wäre, Erfahrungen im Umgang mit diesen Medien zu sammeln. Das aber ist oft ein Zeitproblem im Mittelstand, womit wir wieder beim Henne-Ei-Problem wären…

IntenseDebate ist ein Kommentarsystem für Blogs, etwas weniger bekannt und verbreitet als Disqus. Mitte August hatte man noch ein Plugin (gerade für WordPress) angekündigt, dann passierte nichts mehr und es wurde im Blog sehr still.

Jetzt ist klar warum. Matt Mullenweg hat es in seinem Blog verkündet: Automattic kauft das Startup aus Boulder (Colorado). Schon mit dem Update auf WordPress 2.7 (für November angekündigt) wird es die ersten Features von IntenseDebate serienmäßig für die WordPress-Blogs geben. Zudem wird IntenseDebate jetzt auch auf WordPress.com verfügbar werden.

Insgesamt ein kluger Schachzug von Automattic, über den vor allem Disqus nicht sehr glücklich sein dürfte. Denn warum sollte ein WordPress-Blogger jetzt noch Disqus installieren, wenn er IntenseDebate bald schon von Haus aus mitgeliefert bekommt? Nennenswerte Unterschiede zwischen diesen beiden Systemen gibt es nicht.

Freuen wird man sich dagegen bei FriendFeed. Denn IntenseDebate führt Diskussionen zusammen und zeigt im Blog an, was zu einem Posting auf FriendFeed geschrieben wurde. Gemessen an der großen Verbreitung von WordPress könnte dies auch einen Schub nach vorne für FriendFeed bedeuten.

Danke an Christian Henner-Fehr, der mich über Twitter auf die Sache aufmerksam machte und wohl schon sehnsüchtig auf IntenseDebate wartet…

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