Frank Westphal

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Frank Westphal wird bei Rivva kürzer treten. Im Blog gibt er bekannt, dass er die Weiterentwicklung einstellen und Rivva in einem “möglichst pflegeleichten” Modus fortführen wird.

Das sind keine guten Nachrichten. Sie können aber auch nicht überraschen, wenn man sich den Zustand der deutschsprachigen Blogosphäre vor Augen hält. Blogs spielen hierzulande immer noch keine nennenswerte Rolle und Rivva selbst hat es in mehr als zwei Jahren nicht geschafft, über den Status einer Anlaufstelle für Insider hinauszukommen.

An Frank Westphal liegt das nicht. Eher schon an der bemerkenswerten Belanglosigkeit und Beliebigkeit dessen, was sein Meme-Tracker an durchschnittlichen Tagen aggregiert. So wenig Rivva auf der technischen Ebene den Vergleich mit seinem amerikanischen Vorbild, Techmeme, scheuen muss, so sehr unterscheiden sich leider Volumen und Qualität der Inhalte.

Im Kern liegt das wohl an der deutschen IT- und Internetszene. Schon der Bereich der Startups kann in Bezug auf die Menge der Arbeitsplätze und die Marktbedeutung seiner Unternehmen nicht einmal ansatzweise mit der Situation in den USA mithalten. Dünn ist es auch bei den mittleren bis großen Unternehmen. Egal ob Amazon, eBay oder Google: Vergleichbares haben wir hier einfach nicht.

Immerhin: Die sehr engagierte IBM macht einiges wieder wett (etwa als Sponsor der re:publica). Aber insgesamt ist das zu wenig, um so etwas wie eine deutsche “Ökono-Sphäre” (soziologisch und ökonomisch verstanden) im Internet entstehen zu lasen, die gesellschaftlich relevant und damit Vorbild für die Politik, die Medien und andere Branchen sein kann.

Und während der amerikanische Präsident schon ganz selbstverständlich bekannt geben kann, dass seine Regierung auf Facebook, MySpace und Twitter über die Schweinegrippe informieren wird, sind wir in Deutschland von solchen Verhältnissen noch weit entfernt, was sich letztlich auch auf Rivva auswirkt.

Rivva hätte es verdient, endlich aus einem Schattendasein heraustreten zu können. Vielleicht können wir Blogger Frank Westphal ermutigen, den “modus operandi” von Rivva noch lange aufrecht zu erhalten. Bei mir jedenfalls bildet Rivva die Startseite im Firefox und ist somit das Erste, was ich jeden Morgen vom Web sehe. Es wäre sehr, sehr schade, wenn sich das ändern müsste…

Zoomer HeaderAllein schon optisch könnte der Unterschied kaum größer sein: Hier das ruhige und eher minimalistisch auftretende Rivva, dort das neue und ziemlich grellbunt auftretende Zoomer. Muss man die beiden überhaupt vergleichen? Ich denke schon. Denn beide richten sich an ein eher jüngeres Publikum. Und beide haben beim Niveau offenbar eine recht große Bandbreite. “Ich hör fremden Leuten gern beim Telefonieren zu”, erfahre ich auf Zoomer, während mir zeitgleich auf Rivva die Frage “Sex?” gestellt wird.

Rivva LogoEs gibt aber auch fundamentale Unterschiede: Zoomer basiert auf Agenturmeldungen und hat zudem eine Redaktion mit 40 Köpfen. Rivva dagegen operiert mit Blogbeiträgen bzw. Artikeln wichtiger Onlinemedien und hat als Redaktion eine von Frank Westphal programmierte semantische Software. Bei Zoomer kann man bewerten (auch wenn noch kaum jemand verstanden hat, wie das geht), ein eigenes Profil anlegen und sogar selbst Meldungen vorschlagen, die dann von der Redaktion geprüft und ggf. veröffentlicht werden. Bei Rivva kann man eigentlich nichts – außer lesen.

Wer von beiden hat mehr Web 2.0?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Bei Rivva sind die Inhalte im Wesentlichen selbst schon “User generated Content” und zudem noch verlinkt und damit anderweitig zitiert, sonst würden sie hier gar nicht in Erscheinung treten. Hier ist also die Beschaffung der Daten Web 2.0 in Reinkultur, während die Ausgabe eher konventionell und ganz ohne partizipative Elemente erfolgt. Bei Zoomer ist es umgekehrt: Mit Agenturmeldungen und dem eigenen Stab an Mitarbeitern gerät die Herstellung ganz im Stil des Web 1.0, während man sich bei der Ausgabe fast schon überschlägt und praktisch alles auffährt, was das Mitmachweb heute überhaupt nur bietet.

Wie steht es um die ökonomische Basis?

Im Prinzip “kämpft” hier David (=Rivva) gegen Goliath (=Zoomer). Also ein extrem schlankes und effizient konfiguriertes System gegen ein Modell der alten Schule mit seinen Redakteuren, (freien) Mitarbeitern und Agenturmeldungen. So gesehen muss Zoomer eigentlich scheitern. Denn von der Kostenbasis her betrachtet wird Rivva immer am längeren Hebel sitzen.

Wer sind die Leser und was wollen sie?

An dieser Stelle wird es spannend: Während Zoomer sich zunächst nur an ein jüngeres, internetaffines Publikum wendet, ist Rivva (noch) so etwas wie ein Insidermedium für die (ebenfalls jüngere) Web 2.0 Community. Zoomer spricht damit eindeutig eine breiter definierte Zielgruppe an. Gänzlich offen ist aber, welches Grundkonzept auf Dauer mehr Erfolg hat. Beide sind so etwas wie “Gefangene” ihrer jeweils selbst gewählten Idee: Während Rivva davon abhängt, was die Blogger verlinken, muss Zoomer darauf hoffen, dass seine Leser auch wirklich mitmachen.

Und wer hat nun das bessere Konzept?

Ganz klar Rivva, wenn auch mit deutlichen Einschränkungen. Denn noch sind im deutschsprachigen Raum Blogs nicht so dominant, dass sie alle Segmente des Marktes für Nachrichten gut abdecken. Das ist die große Schwäche von Rivva. Zoomer dagegen setzt im Grunde darauf, das alte Medienmodell irgendwie ins Web 2.0 hinüberzuretten (nur eben ohne Papier). Ob es dauerhaft funktionieren wird? Ich glaube das nicht. Hinter Rivva steht die viel mächtigere Idee der Aggregation. Man hat schon “losgelassen” und das Augenmerk auf den Strom an Nachrichten konzentriert.

Bei Zoomer dagegen will man die Nachrichten immer noch selber machen – wie schon die Unterzeile des Logos verrät. Allein schon mit dieser Losung positioniert man sich weit weg von allem, was für das Web 2.0 steht. So gesehen sollen die Berliner ruhig machen. Ein paar gute Jahre mögen sie ja vielleicht haben. Zu mehr wird es aber nicht reichen.

Rivva LogoFrank Westphal hat seit heute Rivva um eine interessante Komponente erweitert: Auf einer separaten Seite werden die Quellen aufgelistet, die in den letzten 90 Tagen die meisten Titelstories lieferten. Einzelheiten dazu gibt es im Rivva Blog.

Aktuell werden 427 Medien aufgelistet. Wie nicht anders zu erwarten, spielen dabei klassische Medien (heise, Spiegel Online…) eine große Rolle. Interessant ist aber auch, welche Blogs eine meinungsführende Rolle spielen. Neben Robert Basic, Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer auf den ganz vorderen Plätzen, fallen mir Andreas Göldi (Platz 21) und Johannes Siemers (Platz 26) auf.

Die “Beobachtungen zur Medienkonvergenz” haben sich also weit über die Schweiz hinaus einen guten Namen gemacht und das völlig zu Recht. Die “Internetmarketing News” von Johannes Siemers stehen für mich stellvertretend für die jüngere Generation von Bloggern, die sich ein beachtliches Publikum schaffen konnten. Hier zeigt sich das ganze Ausmaß des Medienwandels!

Insgesamt also stellt Frank Westphals Liste eine nützliche Erweiterung dar. Ich habe Rivva übrigens nicht nur im Feed-Reader stehen, sondern seit kurzem auch als Startseite im Firefox. Das macht sich viel besser als der schmale Schlitz von Google…