Wir erinnern uns: Vor ein paar Wochen startete Zoomer, ein Online-Nachrichten-Medium aus dem Hause Holtzbrinck, das sich explizit an ein jüngeres Publikum wendet. An Kritik aus der Blogosphäre hat es nicht gefehlt, auch ich stand dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber.
Um so interessanter nun ein Blick auf die Entwicklung des Traffics. Bei der IVW wird Zoomer zwar noch nicht ausgewiesen, aber Alexa liefert schon eine schöne Grafik (die sich hier leider nicht auf die Schnelle einbinden lässt). Demnach verläuft die Entwicklung etwas sprunghaft, aber mit Tendenz nach oben.
Laut Alexa hat Zoomer das Nachrichtenportal “Der Westen” schon eingeholt, liegt aber noch (knapp) unter dem Blog von Robert Basic und erst recht natürlich unter der FAZ. Nun sind die Daten von Alexa natürlich immer mit großer Vorsicht zu genießen, aber für eine Aussage zur Tendenz dürfte es schon reichen: Zoomer kommt beim Publikum derzeit besser an, als die Kritiker es dachten.
Schwieriger ist es schon (oder immer noch), sich auf der Website von Zoomer direkt ein Bild davon zu machen, was gerade so los ist. Während etwa die amerikanische Huffington Post zu jedem ihrer Artikel auch die Zahl der Kommentare angibt (gut sichtbar unter dem Titel) und damit eine hohe Transparenz schafft, verschleiert Zoomer das Echo seiner Leser eher, als es transparent zu machen.
Etwa bei den Kommentaren: In den Übersichten wird ihre Zahl (bei den Artikeln) nicht angezeigt. Zudem wird da ein bisschen getrickst. Schaut man nämlich die Artikel zur Fußball-Bundesliga an, so fällt auf, dass unter jeden Artikel die gleichen Kommentare gestellt sind. Kommentare werden hier also in einer Art Rubrik gesammelt, was unter den einzelnen Artikeln natürlich optisch mehr hergibt (wenn man nicht so genau hinsieht).
Inhaltlich dürfte Zoomer den Nerv seiner Zielgruppe dagegen schon recht gut treffen: Anspruchsvolle politische Themen fehlen weitgehend, dafür ist viel Platz für den Boulevard. So darf Magdalena von Podolski per Videocast die Besetzung des Films “Der rote Baron” kritisieren und sammelt damit immerhin 13 Kommentare (Stand: Montag Nachmittag). Aus diesen lässt sich auch entnehmen, dass für Zoomer auf StudiVZ Werbung gemacht wird (wer hätte das gedacht!).
Insgesamt für Zoomer mehr Web 2.0 einzufordern, ist wohl nur eine akademische Frage. Denn vielleicht will das Publikum das gar nicht. Lieber schaut man sich im Video die blonde Magdalena an und gibt sich damit zufrieden, wer weiß? Mich würde allerdings interessieren, welche Zugriffszahlen die diversen Meinungsmacher-Videos auf Zoomer so haben. Wie schlägt sich der graumelierte Ulrich Wickert (mit Substanz in seinen Aussagen) gegenüber so einem blonden Engel?
Eine Kritik vielleicht zum Schluss: Dafür dass Zoomer im Gegensatz zu vielen Blogs nicht zwingend ein hoch gebildetes Publikum anspricht, ist die Benutzerführung noch zu kompliziert. Während man Blogs einfach von oben nach unten lesen kann und eigentlich nur scrollen muss, will auf Zoomer jeder Artikel und jedes neue Thema gezielt angeklickt sein. Das könnte einem etwas passiver veranlagten Publikum auf Dauer vielleicht zu mühsam sein – oder bin ich vom Lesen vieler Blogs schon zu verwöhnt?













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