Erfolgsmessung

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Dieser Text ist ein Beitrag zur “Wertschöpfungs- und Honorierungsdebatte im Bereich Social Media“, die auf Twitter begann und in der Folge von Mirko Lange auf Posterous weitergeführt wurde (wo sein Beitrag in kurzer Zeit über 40 Kommentare angezogen hat).

Es geht also um die Honorarfrage. Und es geht um die Erfolgsmessung von Social Media Aktivitäten. Zwischen den Zeilen geht es natürlich auch um das Selbstverständnis der PR-Branche, die sich angesichts der Entwicklungen im Internet vor die existentielle Frage gestellt sieht, ob sie (langfristig) überhaupt noch gebraucht wird. Denn mit der Hilfe von Social Media wird im Grunde jede Organisation selbst zum Medium, das direkt mit der Öffentlichkeit (oder Teilen davon) in Kontakt bzw. Dialog treten kann. Wozu also braucht man noch eine PR-Agentur?

  1. Man braucht die Agenturen weiterhin für die klassische PR. Denn so lange es traditionelle Medien gibt und sie eine hohe Reichweite bei bestimmten Zielgruppen haben, so lange gibt es auch PR.
  2. Man braucht die Agenturen, wenn man nicht selbst bloggen, twittern oder facebooken will (oder zumindest Teile davon outsourcen möchte).
  3. Man braucht die Agentur als Berater, Coach bzw. Trainer in Sachen Social Media, weil man das zwar selbst machen will, aber dafür konzeptionelle Unterstützung und Training im Umgang mit alle den neuen Medien benötigt.

Der dritte Punkt scheint mir der Wichtigste zu sein. Denn nur sehr große Unternehmen werden sich das nötige Know How in allen Bereichen von Social Media aufbauen und es anwenden können. Alle anderen sind nach meiner Erfahrung von der Komplexität der Tools und der Schnelligkeit des Wandels überfordert und brauchen deshalb Beratung.

Idealerweise führen alle Unternehmen die Dialoge im Social Web selbst. Auf welchen Kanälen sie dabei aber Präsenz zeigen und wie sie strategisch am besten vorgehen, das erarbeiten sie mit ihrem Berater bzw. ihrer Agentur. Von der Idee, eine Agentur mit dem Bloggen oder Twittern zu beauftragen, halte ich persönlich nichts. Denn hier geht die Authentizität schnell verloren oder ist von vornherein gar nicht gegeben: Im B2B-Bereich etwa wäre es tödlich, wenn der Dialog mit potenziellen Kunden nicht vom technisch versierten Vertrieb, sondern einer nur oberflächlich mit den Produkten vertrauten Agentur geführt würde. Selbst im B2C-Bereich würde ich das um der Marke willen ablehnen: Denn die Markenkommunikation muss zu den Kernkompetenzen eines jeden Unternehmens gehören.

Das soll aber kein Dogma sein, zumal es hier um eine andere Frage geht, nämlich die der Honorierung. Aus dem oben dargestellten dreigliederigen Schema lässt sich diese auch gut ableiten:

  1. Klassische PR-Arbeit wird auch künftig so honoriert werden wie bisher schon üblich. Ich sehe hier jedenfalls keinen Änderungsbedarf.
  2. Wo Agenturen teilweise oder ganz den Dialog über Social Media für ein Unternehmen führen, ist dies entweder nach Stundensätzen oder nach monatlichen Pauschalraten zu vergüten. Auch für (temporäre) Projekte werden am besten pauschale Honorare vereinbart.
  3. Auf dem Feld der Beratung orientiert man sich am besten an Tagessätzen, wie in der klassischen Unternehmensberatung auch. Diese lassen sich gut splitten, so dass sich alle nur denkbaren Konstellationen gut darstellen lassen.

Bleibt die Frage der “erfolgsbasierten Bezahlung”. Damit wäre ich vorsichtig. Denn das weite Feld der Social Media ist so sehr im Fluss, dass sich kaum irgendwo feste Bezugsgrößen ausmachen lassen. Für Blogs etwa entwickelte sich so etwas wie ein stabiles Gefüge – bis Twitter vieles wieder über den Haufen warf. Auch Facebook ist eine tolle Sache, aber leider eine einzige, permanente Baustelle (im positiven Sinn).

So lange das Kommunikationsgefüge sich also noch permanent verändert, kann es nicht zwingend um Honorare auf Erfolgsbasis gehen. Zumal vielen Unternehmen (Auftraggebern) ja beides noch fremd ist: Der Bereich Social Media und der Bereich der dazu passenden Messgrößen (so es sie gibt). Wem das alles neu ist, kann auch der einfachen Tatsache, dass etwa ein Blogartikel noch sehr lange über Suchmaschinen gefunden werden kann, keinen richtigen “Wert” beimessen – gleichzeitig aber schulterzuckend akzeptieren, dass ein in einer (gedruckten) Zeitung platzierter Artikel bestenfalls für einen Tag sichtbar ist und dann beim Altpapier landet.

Für die PR und ihre Agenturen gibt es also noch viel zu tun, vor allem viel Überzeugungsarbeit bei den Kunden! In zweiter Linie wird sich die Branche selbst ändern: Weniger Praxis (PR 1.0) und mehr Coaching (Social Media) als Weg in die Zukunft.

Web Analytics Book CoverAvinash Kaushik schrieb neulich in seinem Blog einen sehr guten Artikel über Erfolgsmessung zum eigenen Blog. Robert Basic und der PR Blogger (in Person von Thomas Euler) haben aktuell darauf hingewiesen. Ich habe mir dazu jetzt das dazu passende Plugin installiert und betrachte im Folgenden mal mein Blog unter diesen Voraussetzungen. Übrigens liegt das aktuelle Buch (hier links im Bild) von Avinash Kaushik seit Wochen ungelesen auf meinem Tisch: Zweifellos die absolute Referenz zum Thema “Web Analytics”, aber eben doch nicht so ganz mein Kerngeschäft…

  1. Raw Author Contribution (Einsatz des Autors): Hier geht es um Stil und Stetigkeit. Kaushik misst dies anhand der Artikel pro Monat und der Worte pro Artikel. Das Plugin ergibt für mein Blog: 25,4 Artikel pro Monat mit durchschnittlich 352 Wörtern. Tendenziell sinkt bei mir die Zahl der veröffentlichten Artikel, dafür werden diese länger (17 Artikel im letzten Monat mit 448 Wörtern).
  2. Holistic Audience Growth (Wachstum der Leserschaft): Liest jemand, was ich hier schreibe? Kaushik schaut auf die Entwicklung der Zugriffszahlen und der Feed-Abonnenten. Die Zugriffe lese ich aus der Statistik meiner Hosting-Plattform Strato ab. Während ich im ersten Blogger-Monat April rund 40.000 “Hits” hatte, waren es in November rund 124.000. Der Trend weist ungebrochen nach oben. Ähnliches gilt für die Feed-Leser, aber da ist das Bild schwammiger, weil ich hier nicht von Beginn an gemessen habe: FeedStats weist für die letzten 30 Tage im Schnitt 222 Besuche aus und zeigt mir aktuell erstmals einzelne Tage mit mehr als 300 Besuchern.
  3. Conversation Rate (Konversationsgrad): Ist das Blog ein echter Dialog oder nur ein Monolog? Das misst mir wieder das neue Plugin (Blog Metrics), indem es die durchschnittliche Zahl von Kommentaren pro Artikel und deren Länge (in Worten) berechnet. Ich habe im Schnitt einen Leserkommentar pro Artikel (im letzten Monat jedoch 8), dessen Länge beträgt 118 Worte (im letzten Monat jedoch 434). Ob das Tool wirklich sauber meine eigenen Kommentare von denen der Leser trennt, habe ich noch nicht nachgeprüft.
  4. Citations / Ripple Index (Verlinkungsgrad): Blogartikel lösen natürlich nicht nur Kommentare aus, sondern werden auch in anderen Blogs zitiert (und dabei verlinkt). Kaushik misst dies anhand des Technorati-Ranks. Leider habe ich darüber nicht Buch geführt. Seit kurzem gibt es aber aus der “Über mich” – Seite dieses Blogs einen direkten Link zu Technorati. Dort stehe ich aktuell auf Rang 69.101. Im April war ich noch sehr stolz darauf, fast auf Anhieb unter den 500.000 “wichtigsten” Blogs geführt zu werden…
  5. Cost (Kosten): Das ist ein schwacher Punkt in Kaushiks Analyse. Dass die Kosten für das Hosting eines Blogs kaum ins Gewicht fallen, weiß jeder. Um so mehr dagegen die aufgewendete Zeit. Auch bei mir dürften dies gut 25 Stunden pro Woche sein, davon ein erheblicher Teil an den Wochenenden. Hier Summen zu bilden und (fiktive?) Opportunitätskosten dagegen zu stellen, macht wenig Sinn. Zumal gerade mein Blog eine Investition in die Zukunft ist. Mehr dazu gerne in einem Jahr, wenn ich 2008 und 2007 einander gegenüber stellen kann.
  6. Benefit (Gewinn): Kaushik streift zunächst humorvoll die Denkweise der “New Economy” (wonach mein Blog gerade einmal 54.760,- $ wert wäre), um dann über mögliche Werbeeinnahmen (bei mir nicht geplant) auf das neuartige “Element” der Blogs zu kommen, wo das Knüpfen von Kontakten und das Entstehen von Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Hier habe ich wirklich erhebliche “Gewinne” zu verbuchen, auch wenn sie sich nicht als Zahl per Link oder Plugin darstellen lassen.

Fazit: Kaushiks Stärke liegt in der quantitativen Analyse. Die Punkte 1 bis 4 sind sinnvoll, wenn auch nicht wirklich neu. Das kleine Plugin von Joost de Valk kann man sich ruhig ins Blog einbauen. Nach den Kosten und dem Nutzen eines Blogs zu fragen, bedeutet aber die quantitative Ebene zu verlassen. Kaushik sieht das klar, leider aber ohne ein Patentrezept liefern zu können.