Viel zu selten stelle ich hier neue Blogs vor, ab jetzt soll sich das ändern und Shifthappens macht den Anfang. Das Blog von Maren Hessler und Marcus Splitt befasst sich mit Fragen der Veränderung in Organisationen, Enterprise 2.0, Leadership und Lernen.
Das ist ein interessanter Themenmix und die ersten Artikel machen Appetit auf mehr. Veränderung und das Management von Veränderungsprozessen sind ein extrem wichtiges Thema, auch wenn das in vielen Unternehmen noch nicht so gesehen wird.
Zugleich ist dieses neue Blog ein Beleg für den Wandel im Mediensektor: Früher schrieben Journalisten für Zeitungen oder Fachzeitschriften, heute schreiben mehr und mehr Akteure gleich selber (in ein eigenes Medium). So sind Maren Hessler und Marcus Splitt eben nicht Journalist von Beruf, sondern Berater (im Netzwerk Kessels & Smit) und schreiben unmittelbar aus ihrer Praxis heraus.
Twitter hat das Duo auch schon im Programm, wenn man auch sichtlich noch nicht so recht warm mit diesem Medium ist. Aber das kann ja noch werden. Shift happens!
Diese Koferenz kann man sich schon mal vormerken: Vom 6. bis 8. Oktober 2009 wird in Frankfurt (Main) der nächste Enterprise 2.0 Summit stattfinden. Organisator ist die Kongress Media, die Martin Koser (Twitter bzw. frogpond Blog) als Community Manager gewinnen konnte.
Mit dieser Wahl zum Community Manager ist für Qualität gesorgt, denn in Deutschland gibt es kaum jemanden, der tiefer in der Materie drin ist als Martin Koser. Setzen wir also die Messlatte hoch und hoffen ganz im Sinne von Ross Dawson (Trends in the Living Networks) auf einen modernen Konferenzstil (aka Unconference).
Wie Martin Koser mir mitteilte, soll das Enterprise2open Blog die Konferenz im Dialog vorbereiten und begleiten. Diesem Blog (in englischer Sprache) ist durchaus mehr Aufmerksamkeit zu wünschen. Dass man aber auch auf Facebook, Xing und LinkedIn (?) vorab wird diskutieren können, birgt meiner Meinung nach die Gefahr in sich, dass sich die Kommunikation verläuft.
Eine zentrale Anlaufstelle, die wirklich Traffic auf sich ziehen kann, wäre gut. Nur sollte diese so medienwirksam wie ein Blog sein, aber auch Diskussionen wie in den Gruppen auf Facebook möglich machen: Das Beste beider Welten! Daran darf der Community Manager jetzt basteln…
Endlich haben wir ihn mal im Bild und hören seine Ideen und Theorien in einem sehr gut strukturierten Vortrag (der aber auch eine Stunde dauert): Umair Haque, Direktor des Havas Media Lab spricht am 12.02.09 auf einer Konferenz der Agentur Daytona in Stockholm.
Seiner Auffassung nach erleben wir derzeit eine strukturelle Krise des Kapitalismus, weil mit dem technischen Fortschritt Kommunikation und Interaktion (”Interaction”) zuletzt enorm zugenommen haben. Die Probleme kommen nun daher, dass trotz dieser Zunahme an Interaktion Unternehmen (bzw. Institutionen generell) immer noch nach den alten Spielregeln handeln und jetzt damit scheitern.
Die neuen Regeln für das 21. Jahrhundert sind ihm bereits klar: An die Stelle von Ausbeutung (”Exploitation”) muss Erneuerung (”Renewal”) treten und das Streben nach Einnahmen (”Income”) muss viel weiter gedacht und auf die Sinnebene (”Meaning”) geführt werden. Ganz wesentlich ist auch der Faktor Mitbestimmung (”Democracy”), wenn etwa Kunden bei der Zusammensetzung der Produkte mitentscheiden können (MyMuesli wäre ein deutsches Beispiel dafür).
Als Erklärung dafür, warum heute ganze Branchen in die Krise rutschen, sieht Umair Haque in dem Umstand, dass man vielfach über lange Zeit nur damit beschäftigt war, Märkte zu beherrschen (”dominate markets”) und darüber die Kunden und das Thema Innovation aus den Augen verloren hat. Microsoft ist für ihn ein Beispiel (obwohl es dem Unternehmen noch glänzend geht), aber auch die Automobilindustrie, die sich derzeit von Newcomern zeigen lassen muss, wie die Fahrzeuge von morgen aussehen werden.
Insgesamt scheint mir sein Entwurf durchaus stringent und plausibel, wenn auch noch längst nicht für alle von ihm genannten Problempunkte kar ist, woher praktikable Lösungsansätze kommen sollen. Dass unser zahlenfixiertes Wirtchaftssystem viele Blindstellen hat, weil qualitative Aspekte damit zu oft außer Betracht bleiben, ist klar.
Zudem scheint an einigen Stellen im System noch die rechte Einsicht in die Problemlage zu fehlen. So etwa an der Wall Street, wo man weiter Boni ausbezahlt und Kritik an den Rettungsplänen der Regierung übt, ganz so als sei man durch höhere Gewalt in die Finanzkrise gerutscht. Umair Haque dürfte dort noch immer ein völlig unbekannter Name sein…
Gary Vaynerchuk ist nicht um eine Antwort verlegen, wenn es auf die Frage kommt, wozu man ein Blog oder Twitter denn brauchen könne: Man denke sich das Internet einfach als Treffpunkt, wo man mit interessanten Menschen in Kontakt kommen und schon bestehende (Geschäfts-) Beziehungen pflegen kann (sinngemäß von mir übersetzt).
Deshalb möchte ich auch der Liste von Joe McKendrick (FastForward Blog) in Sachen Enterprise 2.0 eine Komponente hinzufügen: Nämlich den Vertrieb.
Gerade mittelständische Unternehmen aus Deutschland, deren Kunden meist weltweit verstreut sind, können über Blogs (und Twitter) Kontakte pflegen und neue Interessenten für ihre Produkte gewinnen. Nicht zuletzt in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten sollte man über dieses Potenzial verstärkt nachdenken, da sich hier nämlich genau das was Gary Vaynerchuk auf seine typische Art demonstriert, kostengünstig realisieren lässt.
Danke an Sandro Stark (stark addicted), bei dem ich das Video von Gary gefunden habe.
Best Buy ist eigentlich nicht gerade das Unternehmen, das einen vom Stuhl reißen würde. Der “Media Markt” der Vereinigten Staaten hat es aber dennoch in sich, da dieser Einzelhandelsriese keine Berührungsängste gegenüber dem Web 2.0 kennt und sogar mit Prediction Markets experimentiert. Das folgende Video ist fast 30 Minuten lang und (nur) für Enthusiasten in Sachen Enterprise 2.0 in voller Länge sehenswert:
Gefunden habe ich das Video im Blog von Consensus Point, einem Hersteller von Software für Prediction Markets. Darin macht der CEO von Best Buy, Brad Anderson, sehr deutlich, wie die Einführung eines Wikis im Unternehmen das mittlere und höhere Management regelrecht aus der Fassung bringt, weil Entscheidungen plötzlich an der Basis fallen und die Manager auch nicht nicht mehr so stark im Rampenlicht stehen.
In den ersten fünf Minuten des Videos wird gezeigt, welche Tools bei Best Buy derzeit im Einsatz sind: Es gibt ein Social Network (Blueshirtnation.com), ein Diskussionsforum (WaterCooler), das Wiki (What I know is…), ein modernes Vorschlagswesen (Loop Marketplace) und eben den Prediction Market (Tag Trade).
Für die Kunden von Best Buy gibt es ein Forum, über dessen Startseite man auch zu den Blogs und Twitterfeeds einzelner Mitarbeiter gelangt. Mehr kann ein Unternehmen in Sachen Web 2.0 eigentlich kaum tun, oder?
Dipl.-Kfm. Matthias Schwenk
ist Unternehmensberater, Autor, Vortragsreferent und Dozent zum Thema Social Web. Sein Schwer-
punkt liegt auf Collaboration Software (Enterprise 2.0), Wissensmanagement und der Konvergenz digitaler Medien (Medienwandel). Mehr...
Ein Sammelband, der auch Texte von mir enthält und im Januar 2011 erschienen ist:
Jan Krone (Hrsg.), Medienwandel kompakt
2008-2010, Nomos Verlagsgesellschaft
(Baden-Baden). Mehr…
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