doubleslash netbusiness

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Blogparade Accessabiltity 2007Kai Guschal ist Experte für Usability und arbeitet als Web Developer bei der doubleSlash Netbusiness GmbH. Er kennt die Anforderungen an Barrierefreiheit bzw. Usability nicht nur in Bezug auf das Internet, sondern auch bei der Gestaltung unternehmensinterner Anwendungen.

Barrierefreiheit und Usability: Meinen eigentlich beide Begriffe das Gleiche oder gibt es einen Unterschied?

Man könnte meinen, dass es sich bei beiden Begriffen um den gleichen Inhalt in anderer Verpackung handelt. Barrierefreiheit beschreibt jedoch die Anforderungen an Gegenstände oder Einrichtungen, dass sie von jedem Menschen, auch mit Behinderungen, uneingeschränkt benutzt werden können.

Usability beschreibt hingegen die Gebrauchstauglichkeit eines Gegenstandes oder Produktes für eine bestimmte Benutzergruppe in einem definierten Nutzungsumfeld. Dies kann durchaus bedeuten, dass ein Benutzer mit Behinderung ausgeschlossen wird, weil er nicht zum definierten Benutzerkreis zählt. Umgekehrt werden Gegenstände/Produkte oft besser, wenn man auf die Barrierefreiheit achtet. Denn dann sollen ja eben alle in den Genuss des Gegenstands/Produktes kommen.

Wenn Du mit dem „Expertenblick“ im Internet surfst, fallen Dir häufig gestalterische Mängel ins Auge oder ist das Internet heute schon weitgehend barrierearm und benutzerfreundlich?

Ich entdecke oft Seiten, bei denen selbst ich, als Vielsurfer, mit der Beschaffung von Informationen überfordert bin. Leider trifft man noch recht häufig auf solche Seiten. Eigentlich merkt man selbst recht schnell, ob eine Seite benutzerfreundlich ist. Spätestens, wenn man nach wenigen Minuten entnervt aufgibt, eine Information von einer Seite zu bekommen, dürfte diese nicht sonderlich benutzerfreundlich gestaltet sein.

Ob Seiten barrierearm sind, sieht man meistens nicht auf den ersten Blick. Zumindest müssen es die Angebote öffentlicher Anbieter seit Dezember 2005 sein.

Und wie sieht es bei unternehmensinternen Anwendungen aus? Viele Programme oder auch Portale gleichen sich ja in ihrer Optik und der Handhabung immer mehr an Muster (Vorbilder) aus dem Internet an. Dieser Trend ist ja eigentlich zu begrüßen, oder?

Ich finde diesen Trend sehr gut. Denn konsistente Gestaltung führt ja gerade dazu, dass eine Seite / ein Portal nutzbarer wird.

Ich selbst habe an einer großen Intranetanwendung – Portierung einer Anwendung ins Firmennetz und Optimierung für Callcenter-Mitarbeiter – mitentwickelt, bei der auch Barrierefreiheit ein Thema war. Dort war sie sogar so wichtig, dass die Anwendung durch einen externen Gutachter abgenommen wurde.

Ansonsten ist Usability natürlich das Riesenthema. Denn effizientes Benutzerverhalten spart einem Unternehmen immense Kosten. Nur wenn eine Seite erwartungskonform gestaltet ist, kann dies erreicht werden. Gerade bei dem oben erwähnten Projekt war es sehr wichtig die Funktionsweise und Platzierung der Buttons zu bewahren. Dadurch sollte zusätzlicher Schulungsaufwand für die Benutzer vermieden werden.

Ist da eigentlich das Web 2.0 ein Schritt in die richtige Richtung? Ich selbst bin da bisweilen im Zweifel, weil zwar Blogs sehr einfach in der Handhabung sind, Wikis dagegen praktisch zum Lesen, aber nicht immer ganz einfach beim Editieren.

In Sachen Usability, was ja ein Bestandteil des Web 2.0 ist, mit Sicherheit. Der Einsatz von neuen Techniken, wie zum Beispiel Ajax, macht das Surfen angenehmer. Ladezeiten verkürzen sich, da Inhalte erst bei Bedarf nachgeladen werden und das störende Flackern beim Reload einer Seite entfällt.

Oder ich habe die Möglichkeit, meine Seitenaufteilung selbst zu bestimmen, indem ich Portlets frei verschieben bzw. konfigurieren kann. Aber der Umgang mit den Gadgets sollte vernünftig und in Maßen von statten gehen. Selbst im Portal der Aktion Mensch „Einfach für alle“ kommt Ajax zum Einsatz. Gibt man oben rechts in der Suche einen Begriff ein, werden schon nach den ersten Buchstaben Ergebnisse der „livesearch“ angeboten. Darunter kann man per Javascript die Schriftgröße und den Schriftstil beeinflussen. Dies zeigt mir, dass Usability nicht zwingend das Ende der Barrierefreiheit bedeutet. Richtig gut eingesetzt ist „Web 2.0“, wenn der Benutzer es gar nicht merkt.

An welche Empfehlungen kann ich mich selbst halten, als Blogger und damit Betreiber einer Website?

Zunächst sollte eine Seite konsistent gestaltet sein. Das bedeutet, dass „Gleiches gleich gestaltet“ ist. Die Seiten sollten gleichartig sein. Das Logo immer an der gleichen Stelle platziert und Rubriken der Navigation sollten nicht verändert werden. Die Seite sollte nach dem „Prinzip der geringsten Überraschung“ gestaltet werden und Erwartungskonformität bieten.

So soll man zum Beispiel Icons oder Symbole verwenden, die dem Besucher aus der Windowswelt bekannt sind. Den meisten ist wohl geläufig, dass eine Diskette als Symbol für einen Download/Speichervorgang steht.

Dann sollten Inhalte nicht hinter aussagelosen Links versteckt werden. Bestes Beispiel ist „Klicken sie hier“. Was ist „hier“?

Beachtet man diese beiden Punkte, hat man eigentlich schon die halbe Miete. Weitere Punkte sind Lesbarkeit, Ermöglichen von Feedback, Optimierung der Navigation und Anbieten von Mehrwert.

Es sollte am Besten nur eine Schriftart (z.B. Arial) verwendet werden. Textpassagen kurz und Überschriften einzeilig halten. Keine Kursiv- (Italics) und keine Laufschriften verwenden. Dem Benutzer sollte anzeigt werden, wo er herkommt („breadcrumb trail“ – Brotkrumenpfad) und wo er hin kann. Auf seine Aktion muss eine Reaktion folgen („busy cursor“, Fortschrittsbalken oder Ähnliches).

Der Benutzer sollte unterschiedliche Zugänge (Sitemap oder Index) haben und Introseiten überspringen können. Ihm sollte angezeigt werden, wie viele Seiten es zu einem Thema gibt und die Anzahl der Rubriken sollte sich an der Regel von Miller orientieren (7+-2).

Ein Mehrwert bieten den Benutzern die Seiten, die einen inhaltlichen Mehrwert wie Linklisten, Kundenforen, FAQ Seiten, etc. vorweisen. Oder dem Benutzer „Infotainment“ (Spiel und Spaß) anbieten. Beliebt sind hier Online-Spiele, Preisausschreiben, Downloads, etc.

Beachtet man diese 7 Grundregeln, steht dem Erfolg einer Seite eigentlich nichts mehr im Weg.

Vielen Dank, Kai, für das Gespräch. Alle Artikel im Rahmen der Blog Parade listet das MAIN_blog auf. Und hier noch die Infos, die den Auftakt der Parade betreffen (Idee, Zielsetzung).

Oliver Belikan ist Geschäftsführer der doubleSlash Net-Business GmbH in Friedrichshafen. Das Software-Unternehmen wächst kontinuierlich und erwirtschaftet derzeit mit rund 35 Mitarbeitern einen Umsatz von über 3,5 Mio Euro.

Bei doubleSlash fällt mir auf, dass Ihr zwei Blogs führt: Ein Business-Blog und dazu seit kurzem das Blog der virtuellen Produktmanagerin Laura Slash. Was verfolgt Ihr damit?

Die Produktmanagerin ist eine Kampagne auf Zeit, zu vergleichen mit Horst Schlämmer. Wir verfolgen drei Ziele:
1.) Sie transportiert die beruflichen Herausforderungen im Produktmanagement, um den „Boden“ für eine neue Standardsoftware aus unserem Hause zu ebnen.
2.) Wir beobachten und berichten, wie sich im Laufe der Zeit Informationen über Laura Slash im Web ansammeln und wie es um das Thema Datenschutz (Privacy), Reputation, SPAM und Datenmissbrauch bestellt ist.
3.) Als fiktive Identität nutzt Laura für ihre Aufgabe verschiedene 3D-Welten, Web 2.0 Dienste und alles was neu und innovativ im Web ist. Aus diesem Nukleus bewerten wir, welche Business Opportunities sich für Unternehmen ergeben können.

Im Net-Business Blog erhält der Leser einen Einblick in das Businessleben aus Sicht eines unabhängigen Softwarehauses.

Ist Laura Slash auch in Second Life aktiv? Bei oberflächlicher Betrachtung könnte dieser Eindruck ja entstehen.

Ja sie ist auch in SecondLife aktiv und sammelt gerade Ideen, wie Sie sich selbst promoten kann. Ihre „Fiktive Maschinenbau“-Firma erkundigt sich dort gerade nach einer Niederlassung. Generell versuchen wir den Charakter in jeder Welt, in der sie aktiv, ist so ähnlich wie möglich zu gestalten.

Wie steht Ihr zu Second Life? Macht es für mittelständische Unternehmen Sinn, dort Niederlassungen zu eröffnen oder wäre das verfrüht?

Firmen mit Consumerangeboten sollten experimentieren, um selbst zu urteilen. Richtig positioniert, kann eine Firma ein Feedback zu den angebotenen Produkten erhalten, das sie so vielleicht im RL (Real Life) nicht bekommen hätte. Verglichen mit anderen Kommunikationskanälen ist SL (Second Life) bisher noch effektiver. Das „schau mal, wie innovativ wir sind“ wirkt – noch. Die Faszination des dritten Raumes wirkt auch – noch.

Generell eignen sich virtuelle Welten ausgezeichnet für virale und andere „word of mouth“ Marketing-Kampagnen. Schon in Kürze wird das 3D-Internet neue Arten von Shoppingerlebnissen, Navigationsmöglichkeiten und Entertainment hervorbringen. Erste Geschäfte mit dem Austausch von virtuellen 3D-Objekten werden bereits gemacht. Notwendige Standards hierfür sind in „Mache“. Für uns selbst wäre eine Niederlassung in SL ein Experiment getrieben durch Neugier. Mehr nicht.

Ihr weist in Eurem Business-Blog darauf hin, dass Second Life nicht die einzige virtuelle Parallelwelt ist. Wo spielt derzeit die Musik, wenn es um unternehmerische Aspekte geht?

Die Musik spielt bei SecondLife am lautesten. Begründet ist dies darin, dass in Europa die letzten Monate sehr viel in den Medien berichtet worden ist und einige grosse Unternehmen den ersten Schritt gewagt haben. Während wir meist noch über Sinn und Zweck von SL reden, gehört z.B. CyWorld in Korea inzwischen genauso zum Alltag wie hierzulande Email.
Andere, wie z.B. Kaneva, hinken softwaretechnisch hinterher. Ein „brand management“ entsteht dort erst gerade. Also eher weniger businesstauglich.

3D-Welten werden wohl auch nie ganz den „gamigen“ Charakter verlieren. Auch LEGO ist mit seinen Ankündigungen eine eigene 3D-Welt zu schaffen inzwischen in Richtung Online-Game abgebogen.

Zum Schluss noch zu doubleSlash selbst: Ihr habt die Firma 1999 gegründet und seid seither als Software-Unternehmen erfolgreich unterwegs. Wo liegt Eure Kernkompetenz?

doubleSlash ist mit den Themen „Identity Management“ und „Service Oriented Marketing“ auf maßgeschneiderte Unternehmenssoftware für IT und Marketingabteilungen spezialisiert. Wir sind überzeugt, dass sich globale Informationsströme künftig grundlegend verbessern werden, wenn digitales Wissen mit den zugehörigen Identitäten verknüpft wird. Stichworte hierfür sind: Informationsqualität und -zuverlässigkeit, Compliance, Sicherheit und Datenklau.

Vielen Dank, Oliver, für das Gespräch.