Crowdsourcing

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In Krisenzeiten sparen Unternehmen gerne am Marketing. Das geht nämlich schnell und ist somit auch sofort liquiditätswirksam. Aber ist es auch sinnvoll? Frank Bärmann (KMU-Marketing-Blog) möchte diese Frage diskutieren und hat dazu ein Blog-Stöckchen gestartet.

Dr. Michael Gerharz (Überzeugend Präsentieren) hat es aufgegriffen und an mich weitergereicht. Er betont, dass es im Kern schon am Produkt liegt: Dieses muss absolut überzeugen können. Dem kann ich mich nur anschliessen. Die aktuelle Krise sehe ich darüber hinaus als Chance, jetzt die Kommunikation auf Social Software umzustellen: Während im Bereich der Konsumgüter hier schon einiges getan wird, sollte jetzt die Investitionsgüterindustrie auf den Zug aufspringen. Damit ist insbesondere der Mittelstand gefordert, denn der Maschinen- und Anlagenbau ist eine stark mittelständisch geprägte Branche.

Kostengünstig kommunizieren

Gerade bei Investitionsgütern ist klar: Die Zurückhaltung der Investoren trifft die Mittelständler hart. Wichtig wäre es jetzt, mit seinen Kunden im Dialog zu bleiben und parallel dazu neue Interessenten zu gewinnen (Leads). Wie aber kann das gehen, wenn überall die Reisebudgets gekürzt werden?

Diese Branche, die noch sehr auf den persönlichen Kontakt wert legt, sollte sich mit Blogs anfreunden und das Internet als Medium zum Dialog begreifen. Denn überall ist klar und akzeptiert, dass Einkäufer sich über potenzielle Quellen vor der Kontaktaufnahme im Internet erkundigen. Warum also nicht die Interessenten dort schon abholen?

Ein Blog kann ganz gezielt als “Treffpunkt” aufgebaut werden, indem man hier regelmässig Webinare live anbietet und um Telefonkonferenzen (etwa über Skype) ergänzt. Was in der Softwarebranche schon weitverbreitet ist, sollte sich auch in anderen Branchen etablieren können. Der Vorteil ist, dass damit ein Teil der Reisekosten gespart werden können, wenn über diese Schiene zumindest partiell der Kontakt zu bestehenden Kunden gepflegt wird und darüber hinaus neue Kontakte (Leads) aufgebaut werden.

Kostengünstige Neuproduktentwicklung

Als eine Form des Marketing sehe ich auch das Crowdsourcing. Denn dabei geht es darum, mit Außenstehenden zu kooperieren und Ideen bzw. Impulse etwa für die Entwicklung neuer Produkte zu bekommen. Dass die freiwillige Mitarbeit Dritter einem Unternehmen helfen kann, Kosten und Zeit zu sparen, ist offensichtlich.

Der Marketingaspekt des Crowdsourcing liegt darin, dass ein Unternehmen damit seinen Bekanntheitsgrad und die Reputation steigern kann. Freilich wird das nur gelingen, wenn man über Social Media schon eine gewisse Reichweite erzielt, denn sonst erreicht eine solche Aktion nicht die nötige Aufmerksamkeit.

Das zeigt einmal mehr, dass Unternehmen damit anfangen müssen, ihre vielfältigen Netzwerke und Beziehungen auch über das Internet zu pflegen und auszubauen. Leider und völlig zu Unrecht stehen bei vielen Mittelständlern das Networking im Internet sowie die Ansätze der “Collaboration” noch auf der schwarzen Liste, oft genug aus einer gut gemeinten, aber heute überholten Sicht der Beziehungspflege.

Fazit: Das Social Web gewinnt

Unternehmen, die in der aktuellen Krise unter sinkenden Umsätzen zu leiden haben, sollten neue Wege gehen und die Möglichkeiten von Social Software erkunden bzw. konsequent nutzen. Das gilt insbesondere für den Bereich der Investitionsgüter, wo man mit dem Internet bislang wenig anfangen konnte.

Um die Blogparade fortzführen werfe ich das Stöckchen weiter zu Ralf Schwartz (mediaclinique). Er hat sicher ein paar interessante Gedanken zur Markenführung in der Krise. Und um noch ein paar jüngere Stimmen zu hören: Wolfgang Heinrich (medien kompakt) und Michael Kraus (Webkonzepter) sollten auch mitmachen.

Wisdom of cups Flickr AngermannHantiert man mit beiden Begriffen, ist natürlich eine genaue Unterscheidung erforderlich. Denn sie sind ähnlich, aber bei weitem nicht gleichzusetzen.

Beim Crowdsourcing geht es darum, eine größere Anzahl von Menschen zu mobilisieren und sie zur Teilnahme bzw. Mitarbeit zu bewegen. Ein Paradebeispiel nichtkommerzieller Art ist die Wikipedia. Ganz offen kommerziell orientiert ist dagegen InnoCentive, eine Initiative des Pharmahersteller Eli Lilly. Sie läuft seit dem Jahr 2001 sehr erfolgreich und steht inzwischen auch anderen Unternehmen offen. Seit kurzem gibt es auch ein Blog zur Plattform.

Hier kommt es also auf die Ideen und Beiträge möglichst vieler Menschen an, wobei die Einzelleistung durchaus für sich stehen bleiben kann und keinesfalls im Gesamtbild untergehen muss. Im Gegenteil: Die gesuchte Lösung kann exakt der Einzelbeitrag einer Person sein. Berühmt geworden ist das Beispiel der kanadischen Minenfirma Goldcorp, die nicht mehr wusste, wo sie noch nach neuen Goldvorkommen suchen sollte. Ebenso bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Website von Goldcorp dazu heute keine Aussagen mehr macht!

Die Wisdom of Crowds dagegen setzt auf ein anderes Konzept: Die optimale Lösung ist hier gerade nicht eine Einzelleistung, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel aller Beiträge.

Kurzzeitig für Aufmerksamkeit sorgte neulich eine Fernsehshow auf RTL, wo die Idee der Wisdom of Crowds gegen das Wissen von einzelnen Experten gesetzt wurde. Dass ich hier darüber schreibe, zeigt schon, dass auf diesem Feld interessante Beispiele aus der Praxis noch Mangelware sind.

Warum ist das so? Weil Unternehmen hierarchische Gebilde sind und Manager offenbar nur schwer einsehen wollen, dass die Menge aller Mitarbeiter im Schnitt klüger sein kann als die Entscheider an der Unternehmensspitze. In diese Richtung argumentiert aktuell Jon Husband (The AppGap Blog).

Und so bleibt das Phänomen Wisdom of Crowds vorläufig eher noch ein bewundertes Konzept, während Croudsourcing in vielen Facetten schon Verbreitung findet.

Foto: The wisdom of cups by angermann auf Flickr