Corporate Blogs

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Angeregt durch die FAZ und ihren Comic-Helden Strizz gibt es aktuell wieder eine kleine Debatte in der Blogosphäre um Corporate Blogs. Henning Krieg bringt die Sache kurz und bündig auf den Punkt, Cem Basman ergänzt den wichtigen Aspekt der Authentizität.

Fehlt noch was?

Ja. Burkhard Schneider schrieb letzten Monat unter etwas anderem Blickwinkel einen interessanten Artikel darüber, “was Blogger von Journalisten unterscheidet”. Darin der wichtige Punkt: “Blogger verstehen ihren Beitrag häufig als Diskussionsgrundlage und nicht als abschliessenden, allgemeingültigen Artikel.”

Hier geht es um Meinungen. Meinungen sind in der Welt der Blogs sehr wichtig. Für Unternehmen ist das aber eher ein Problem, denn sie sind es gewohnt, Produkte (oder Dienstleistungen) herzustellen und zu verkaufen – und nicht Meinungen.

Meinungen bergen die Gefahr in sich, zu polarisieren. Und wer eindeutig Stellung bezieht und damit vielleicht polarisiert, läuft Gefahr, Käufer bzw. Kunden zu verlieren. Bleibt man mit seiner “Meinungsmache” aber zu nah an den Produkten der eigenen Firma, wird das (auch) nicht so gern gesehen, da Blogs ja kein Werbekanal sein sollten.

Sehr aufschlußreich in diesem Kontext ist das Beispiel der Softwarefirma doubleSlash. Oliver Belikan, einer ihrer Geschäftsführer, reflektiert aktuell ein Jahr Erfahrung mit ihrem Corporate Blog. Sein Fazit: Es macht (trotz allem) Spaß und deshalb machen wir weiter!

Hannes Treichl hat einen Workshop mit Gastronomen und Hoteliers veranstaltet, sein Blogartikel darüber heisst vielsagend “10 Gründe gegen Blogs im Tourismus“. Robert Basic greift das Thema auf und führt die Zurückhaltung der (jungen!) Hoteliers auf die Nutzenproblematik zurück: “Wenn man nicht weiß, was es bringt, erscheit der Aufwand zu hoch“.

Am Telefon habe ich darüber kurz mit Martin Kunzelnick gesprochen. Dabei kam uns, dass der Nutzen letzlich ja im Umsatz liegt. Aber kein Unternehmer eines kleineren oder mittelgroßen Betriebes spricht gerne über seinen Umsatz oder gar den Gewinn!

Und so werden sie vermutlich noch lange im Nebel herumstochern. Erst wenn sich (unter der Hand) herumspricht, dass der eine oder andere Betrieb unter anderem auch deswegen gut läuft, weil der Inhaber mit seinem Blog Kundenbindung schafft und so auch immer wieder neue Gäste anzieht, dürfte es Hannes Treichl etwas leichter haben…

Eben neulich lese ich bei Robert Basic über ein neues Blog von Sony und die von ihm in diesem Zusammenhang gestellte Frage, ob ein Unternehmen ein Blog braucht.

Stellen wir uns mal vor, praktisch jedes Unternehmen hätte ein Blog (oder gar mehrere). Kleinbetriebe, Mittelständler und natürlich alle großen Konzerne. Und vergessen wir nicht Ämter und Bürgermeister, Krankenhäuser und Ärzte, Museen, Rechtsanwälte und die Landwirtschaft.

Wer soll das alles lesen?

Das Meiste würde in der Informationsflut untergehen. Denn nicht jeder kann alles lesen. Zudem würden sich dann vermutlich Meta-Blogs herausbilden, die aus der Fülle das jeweils Aktuelle, Wichtige und Unterhaltsame herausfilterten. Aktuell erfüllen Blogs wie das von Robert Basic oder etwa Rivva (zumindest teilweise) bereits eine solche Funktion.

Damit würde dann der Effekt eintreten, dass das Anspruchsniveau schnell stark steigen würde. Denn wo heute beispielsweise ein gut gemachtes Blog wie das Walther-Saftblog relativ leicht hohe Aufmerksamkeitswerte erzielen kann, wäre die Sache ganz anders, würden erst sämtliche Keltereien, Molkereien und Brauereien fröhlich mitbloggen. Der einzelne Betrieb müsste sich dann gut überlegen, mit welchem Mitteleinsatz er welches (wirtschaftliche) Ergebnis erzielen könnte.

Aber: Jenseits einer solchen Informationsfülle bzw. -konkurrenz ist zu beachten, dass sich unsere pluralistische Gesellschaft aus immer mehr Teilöffentlichkeiten zusammensetzt, die ganz unterschiedliche Interessen und Informationsbedürfnisse haben. Und so gesehen wäre im Einzelfall auch zu überlegen, ob man mit einem Corporate Blog nicht doch ganz gute Aufmerksamkeitswerte erzielen könnte, sofern man sich nur in einer speziellen Nische bewegte, die über eine ausreichend hohe Kaufrelevanz verfügt.

Wer macht denn heute Öffentlichkeitsarbeit?

Lassen wir dazu das Web 2.0 mal außen vor. Denn jeder Gärtner, Apotheker oder Mittelständler kann ja auch ohne das Internet Öffentlichkeitsarbeit betreiben und über sich in der Zeitung berichten lassen. Nur: Das macht kaum einer! Die Klaviatur dieses Instruments wird nur von wenigen Mittelständlern und den meisten Großkonzernen aktiv genutzt.

Den kleinen Betrieben fehlen dazu schlicht die personellen Ressourcen, die Größeren haben meist gar kein Interesse daran, dass über sie in der Presse berichtet wird. Allenfalls zum Firmenjubiläum wird ein Artikel mit Bild in der lokalen Presse geduldet. Sollte sich daran etwas ändern, wäre ein erheblicher Bewusstseinswandel erforderlich.

Und das Problem liegt deshalb wohl auch weniger darin, dass man etwa das Web 2.0 nicht kennen oder schätzen würde, sondern dass Corporate Blogs ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit sind und man eben genau dies nicht betreiben will. Man ist also nicht gegen Blogs, sondern gegen (aktive) Öffentlichkeitsarbeit.

Dem wäre gegenüber zu stellen, dass mit dem Internet nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit allmählich ein anderes Gesicht bekommt, sondern auch die Werbung. Teilweise verwischen heute schon mitunter die Grenzen zwischen diesen beiden Gebieten. Ohne diesen Anspekt hier ausführlich zu beleuchten, lautet das Fazit wiederum, dass sich Unternehmen sehr wohl überlegen sollten, ob sie nicht doch mit einem Corporate Blog Vorteile für sich erzielen können.

Corporate Blogs: Besser heute als morgen!

In meinen Augen sollten Unternehmen Corpororate Blogs führen, und zwar besser heute als morgen. Die Gründe hier knapp zusammengefasst:

  1. Nischenphänomen: Unsere pluralistische Gesellschaft entwickelt immer mehr Nischen, die sich im Internet über Corporte Blogs effizient ansprechen lassen.
  2. Marketing: Corporate Blogs sind Marketinginstrumente, die Werbung und (klassische) Öffentlichkeitsarbeit in neuer Form miteinander verbinden können.
  3. Early Mover Advantage: Wer frühzeitig einsteigt (und durchhält), kann sich eine gute Position schaffen, wie das Beispiel des Saftblogs anschaulich belegt.

Ins gleiche Horn bläst natürlich Klaus Eck (PR Blogger), hier etwa mit einem sehenswerten Videobeitrag seiner Kollegin Heike Bedrich. Als Quintessenz bleibt hier, dass es nicht nur erforderlich ist, Unternehmen von den Vorteilen des Web 2.0 zu überzeugen, sondern Ihnen auch zu vermitteln, dass Öffentlichkeitsarbeit (zunehmend) Sinn macht.

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