Carta

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Ich schreibe ab jetzt nicht mehr für Carta und bin auch nicht mehr als Mit-Herausgeber tätig. Damit ziehe ich für mich die Konsequenzen aus der in meinen Augen zuletzt sehr unbefriedigenden Entwicklung von Carta.

Bekanntlich sollte das Medium in den letzten Monaten konzeptionell weiter entwickelt werden. Robin Meyer-Lucht zog sich Anfang Dezember 2010 relativ abrupt aus dem operativen Geschäft zurück, die bis dahin weitgehend von ihm finanzierte Stelle der Redaktions-Assistenz wurde gestrichen, dafür jedoch der Kreis der Herausgeber erweitert.

Arbeitspapiere bei Tee und belegten Brötchen im Januar im Hamburg

In der Folgezeit übernahmen die Mit-Herausgeber nicht nur das operative Geschäft, sondern entwickelten auch Ideen und Perspektiven für Carta. Nachdem sich aber abzuzeichnen begann, dass die Auffassungen zur Zukunft von Carta stark divergierten nur sehr schwer auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sein würden, kündigte ich meinen Rückzug an.

Robin Meyer-Lucht hat darauf in einer E-Mail sein Bedauern zum Ausdruck gebracht und kurz darauf meinen Namen aus dem Impressum von Carta gestrichen. Damit bleibt mir nur noch, meinen Rückzug auch offiziell bekannt zu geben.

Carta Impressum

Seitdem er mich im Januar 2009 gefragt hatte, ob ich für das damals noch junge Blog schreiben wolle, habe ich bis heute fast jede Woche einen Artikel dort veröffentlicht. Im Mai 2010 wurde ich, zusammen mit Wolfgang Michal, Mit-Herausgeber. Es war eine intensive und schöne Zeit, mit der ich viele positive Erfahrungen verbinde. Nicht zuletzt als Autor habe ich erheblich dazu gelernt – und auch das Mediengeschäft mit anderen Augen zu sehen begonnen.

Allerdings wirkt manches auf mich im Nachhinein wie Kulissenschieberei: Wozu ein Herausgeber-Gremium und eine Strategie-Debatte, wenn am Ende doch wieder nur der Status Quo Ante stehen soll?

Payback Schirrmacher 2009

Frank Schirrmacher hat ein neues Buch geschrieben und ich eine Rezension dazu (auf Carta). Im Buch wird übrigens das Internet-Manifest zitiert (These Nr. 7, auf Seite 125 im Buch):

“Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.”

Diese Sequenz hat Robin Meyer-Lucht ins Manifest eingebracht (den zweiten Satz in Anlehnung an Scott Rosenberg). Frank Schirrmacher hat die These im Buch allerdings nicht vollständig zitiert: Den letzten Satz, den mit den klassischen Medienhäusern, hat er unterschlagen…

carta-screenshot

Carta ist Preisträger des Grimme Online Award 2009. Das freut mich natürlich, denn ich gehöre seit Januar diesen Jahres zu den Autoren dieses Blogs. Robin Meyer-Lucht, den Herausgeber und Initiator von Carta, beglückwünsche ich auf diesem Weg.

Rein äußerlich betrachtet ist Carta ein voller Erfolg: In weniger als einem Jahr ist das Blog in den Leitmedien von Rivva auf Platz 24 vorgerückt und steht in den Deutschen Blogcharts auf Rang 34 (Stand: 24.06.2009). blogoscoop listet Carta unter den meistgelesenen (deutschsprachigen) Blogs auf Platz 98, die Technorati-Authority beträgt 209.

Die Grimme Jury begründet ihre Entscheidung für Carta unter anderem damit, dass “in den Beiträgen größere Zusammenhänge in den Blick genommen und angemessen verortet werden. Somit dient die Website als sinnvolle Ergänzung zu den vielfältigen Einzel-Blogs, die sich mit Medien, Politik und Wirtschaft befassen.”

So ein Lob ist sehr erfreulich, nicht zuletzt weil aus der Binnenperspektive betrachtet Carta nicht immer ein ganz einfaches Projekt ist. Robin Meyer-Lucht hat sich mit einem Autorenkollektiv von über 30 Personen viel Arbeit gemacht. Zudem ist die thematische Breite relativ groß, so dass es nicht immer leicht ist, alle wesentlichen Entwicklungen in den einzelnen Gebieten umfassend und zeitnah darzustellen. Denn alle Autoren schreiben freiwillig.

Dazu noch sollten die Artikel möglichst flüssig geschrieben und in der Manier des Web 2.0 mit Links (auf andere Blogs) versehen sein. Gerade Letzteres gelingt noch nicht immer und zeigt, dass noch nicht jedem Autor auf Anhieb klar ist, wodurch sich Artikel im Netz von solchen in Fachzeitschriften (Print) unterscheiden können. Immerhin leistet Carta hier in meinen Augen eine Brückenfunktion, vermutlich auch auf der Ebene der Leser.

Solcher Brückenschläge bedarf es eigentlich noch viel mehr. Denn wir können es uns nicht leisten, uns einfach nur auf die Position “falscher Planet, falsches Jahrtausend” zurück zu ziehen. Wir sollten schon den Versuch machen, möglichst viele unserer Zeitgenossen werbend und vermittelnd ins Netz zu holen. Carta arbeitet genau daran mit und deshalb schreibe ich auch für dieses Blog.

No Economy: Buchrezension auf Carta

no-economy-titelbild

Auf Carta habe ich eine Rezension zum Buch “No Economy” von Gisela Schmalz geschrieben. Vom Eichborn-Verlag gab es dazu freundlicherweise ein Rezensionsexemplar. 

Das Buch behandelt ein Kernthema des heutigen Internets, nämlich die Frage nach der Monetarisierung medialer Angebote. Gisela Schmalz betrachtet die dominierende Gratiskultur sehr kritisch, kann aber nicht mit neuen Ideen oder Vorschlägen aufwarten.

Statt dessen gibt es viel Polemik zu “Netzwerk-Narzissten” oder “Wikipedia-Ideologen”. Bei den aktiven Nutzern des Internets bzw. Web 2.0 macht sie sich damit sicher keine Freunde. Zudem wundert es mich schon, dass eine Professorin für Medienökonomie so eine Sprache benutzt…

flickr-republica09-christianpier

“Shift happens” lautet das Motto der diesjährigen re:publica und so habe ich auch meinen Artikel genannt, der auf Carta erschienen ist. Darin hebe ich darauf ab, dass noch viel zu wenig gesellschaftlich relevante Institutionen begonnen haben, Social Software zu nutzen.

Könnte das auch daran liegen, dass die re:publica als Konferenz relativ “binnenorientiert” ist?

Damit meine ich, dass ihr Programm sehr stark auf die “Web 2.0 Szene” ausgerichtet ist und sich eher wenig Mühe gibt, Interessengruppen, Verbände, Parteien oder Unternehmen einzubinden, die dem Web 2.0 noch fern stehen.

Deutlich wurde das meiner Ansicht nach am ersten Konferenztag (Mittwoch), als das Panel zum Thema “Blogs in Deutschland” keine neuen Erkenntnisse brachte und sich eher im Kreis drehte, soweit man das über den provisorischen Handy-Stream (ohne Bild) zuhause am Rechner mithören konnte. Die Ursache dafür ist auch nicht schwer zu finden: Es diskutieren die immer gleichen Köpfe.

Damit aber langweilt man das Publikum und schlägt auch keine Wellen über die Szene hinaus. Die re:publica müsste mehr Mut zeigen und ergebnisoffener diskutieren. Denn “Shift happens” tritt genau dann nicht ein, wenn nur Gleichgesinnte sich treffen und auch noch gerne unter sich bleiben…

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