Buchverlage

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Auch vom Artikel über den Wikiwednesday in Stuttgart lassen sich ein paar Gedanken speziell für Buchverlage ableiten. Zwei Ebenen wären zu unterscheiden:

  1. Wikis im internen Einsatz (Unternehmensorganisation).
  2. Wikis nach außen orientiert (als Teil des Verlagsprogramms).

Intern werden Wikis gewöhnlich zur Dokumentation und für das Projektmanagement eingesetzt. Dabei zeigt die Erfahrung, dass wenn Wikis erst einmal implementiert und akzeptiert sind, sie sehr schnell intensiv genutzt werden. Wesentliche Hemmnisse liegen noch in der häufig fehlenden Unterstützung in Sachen WYSIWYG und dem Altersproblem: Je älter Mitarbeiter in einem Unternehmen sind, desto schwerer fällt der Umstieg.

Dennoch gilt: Insbesondere kleine Verlage sollten sich mit Wikis befassen, da sie so ihre Produktivität deutlich steigern können. Zudem können externe bzw. freie Mitarbeiter sehr gut eingebunden werden.

Nach außen, also als Teil des Verlagsprogramms, wird die Argumentation komplexer. Und deshalb setze ich diesen Gedanken in einem späteren Posting fort (der Artikel würde sonst auch viel zu lang).

Sebastian Wolter lebt in Leipzig und arbeitet als Verleger des Verlags Voland & Quist. Er hat Verlagswirtschaft in Leipzig und Edinburgh studiert und Voland & Quist zusammen mit seinem Kommilitonen Leif Greinus gegründet. Mehr aus dem Innenleben des Verlags findet man im Verlagsblog.

Aktuell wird wieder mal das Ende des gedruckten Buches diskutiert und das Internet als alles absorbierendes Medium dargestellt. Was siehst Du daran als medienpolitisches Kalkül und was ist echte Entwicklung?

Ich denke die Euphorie um das Internet (gerade in Bezug auf Web 2.0) trübt da vielen etwas den Blick. Ob da ein medienpolitisches Kalkül dahintersteckt, weiß ich nicht. Meiner Meinung nach ist und bleibt das „p-Book“ ein sehr guter „Datenträger“, zu dem sich in Zukunft dank e-Paper eine neue Art Buch hinzugesellen wird. Dieses ist bestimmt vor allem für Fachliteratur interessant, weil hier schnell Updates möglich sind oder man große Textmengen komfortabel speichern und transportieren kann. Das gedruckte Buch wird aber nicht verschwinden, es wird immer genug Leute geben, die es schätzen, sei es aus praktischen, bibliophilen oder repräsentativen Gründen.

Für die (Tages-) Zeitungen sieht es da schon anders aus: Das Internet kann mit seiner Aktualität punkten und scheint zumindest beim jüngeren Publikum schon den Sieg über die gedruckte Zeitung davongetragen zu haben. Wie (und wo) siehst Du die Zukunft der Zeitung?

Für mich ist die Zukunft der Tageszeitung digital. Was Aktualität und die Einbindung audio-visueller Medien wie Videos oder Podcasts betrifft, ist das Netz unschlagbar. Daneben wird es, wenn das e-Paper massentauglich wird, sicherlich auch die Möglichkeit von (bezahlten) Downloads geben. So kann man weiter am Frühstückstisch die Zeitung lesen und die Redaktionen haben dann (hoffentlich) auch genug Geld, um Qualität abzuliefern.

Bemerkenswert ist ja der starke Gegensatz zwischen den Protagonisten der digitalen Zukunft einerseits und den Vertretern der klassischen Medien andererseits. Wie erklärst Du Dir, dass viele Verlage so konser-vativ sind und nur wenig mit dem Internet anfangen können? Wird denn die (technische) Entwicklung hier gar nicht gesehen?

Einerseits sind das sicherlich Rückzugsgefechte, man hat Angst vor dem Neuen. Andererseits kann man es schlicht nicht einschätzen, was da kommt. Aber es ändert sich so langsam die Sicht in der Verlagsbranche, ich habe auf der letzten Frankfurter Buchmesse mit Leuten gesprochen, die von großen Verlagen als „Community Developer“ eingestellt wurden. Beispiele für eine Entwicklung sind auch der Krimi-Podcast von Droemer Knaur, die Lesejury von Bastei-Lübbe oder einige Verlagsblogs. Berühmt sind ja inzwischen auch die Web-2.0-Shoppingtouren von Holtzbrinck. Man muss aber zugeben, dass die Buchbranche hier sehr schwerfällig und langsam reagiert.

Euer Verlag, Voland & Quist, besetzt eine interessante Nische, in dem Ihr Eure Bücher immer zusammen mit einer Hörbuch-CD verkauft. Wie zufrieden seid Ihr mit diesem Marketinginstrument (und Alleinstellungsmerkmal)?

Damit sind wir sehr zufrieden, unsere Leser nehmen das an und ich denke, dass wir damit auch Leute an das Medium Buch heranführen. In Zukunft werden wir sicherlich auch verstärkt auf Video und DVD setzen, z.B. mit Autoreninterviews oder Filmen zum Buch. Das haben wir in Ansätzen schon gemacht, kann aber noch ausgebaut werden. Unserer Ansicht nach ist eine CD oder DVD ein zeitgemäßes Add-on, dass das Buch erweitert und ergänzt und den Bedürfnissen der heutigen Nicht-nur-Leser entgegenkommt.

Zum Schluss noch die (unvermeidliche) Frage nach dem Web 2.0: Wie affin sind Eure Leser in Bezug auf das Web 2.0 und was kann man als Buchverlag da machen?

Genaue Daten haben wir da nicht, aber das Feedback das wir bekommen, deutet auf eine recht hohe Affinität hin, z.B. gab es einige Leute, die über uns/unsere Bücher in ihren Blogs oder auf myspace berichtet haben oder uns auf unseren Blog ansprechen.

Ich denke, als Buchverlag muss man sich vor allem der anderen Form von Kommunikation im Web 2.0 stellen, Authentizität und Offenheit spielen hier eine größere Rolle. Blogs, Videos, Podcasts, Lesercommunities oder auch Social Bookmarking sind Kanäle, die jeder Verlag recht einfach nutzen kann. Das ist natürlich auch ein Risiko, man gibt ja einen Teil seiner Selbstdarstellung aus der Hand, aber meiner Meinung nach überwiegen hier die Chancen. Die Leute sind dank Internet viel besser informiert als früher und glauben auch nicht mehr alles. Wir als Verlag Voland & Quist wollen uns jedenfalls sowieso authentisch darstellen und unsere Bücher nicht aus dem „Elfenbeinturm der Kunst“ auf die Leute herunterwerfen. Da kommen uns die neuen Möglichkeiten sehr entgegen.

Vielen Dank, Sebastian, für das Gespräch.

Seit März diesen Jahres bloggt auch der in Stuttgart beheimatete Klett-Cotta Verlag. Es werden Neuerscheinungen aus dem Verlagsprogramm vorgestellt, Autorenlesungen angekündigt und Podcasts eingebunden (Interviews, Lesungen).

In meinen Augen ein sehr gelungener Auftakt und ich kann nur hoffen, dass der Verlag diesem Medium Zeit gibt, sich zu entwickeln. Dieses Blog als “Drehscheibe” zwischen Leser, Autoren, Verlag und Institutionen wie etwa dem Stuttgarter Literaturhaus, passt sehr gut zum Netzwerkcharakter des Web 2.0 und könnte auf längere Sicht eine interessante Informations- und Diskussionsplattform werden.

Allerdings wird sich das kaum von selbst einstellen. Corporate Blogs müssen sich ihr Publikum “erziehen” bzw. durch geeignete Marketingmaßnahmen allmählich aufbauen. Um Leser anzuziehen, könnte man beispielsweise monatlich ein Buch (oder einen Gutschein für ein Buch) unter allen Blog-Kommentatoren verlosen. Ebenso könnte der Verlag Bücher zur Rezension auch an ausgewählte Blogger schicken (und nicht nur in die Redaktionen der klassischen Zeitungen).

Wichtig ist, dass ein Corporate Blog von Beginn an den Dialog mit seinen Lesern sucht. Deren Stimme ist entscheidend für die weitere Entwicklung des Blogs, zumal hier die Vorstellungen bzw. Erwartungshaltungen noch nicht fertig ausgebildet sind. Das Medium ist im Fluß, sowohl auf Macher- als auch auf Leserseite. Erst auf längere Sicht regelt sich das dann ganz von selbst über den “Web 2.0 Effekt” (wenn die Kommunikation stabil in beide Richtungen funktioniert).

Das Dilemma der Corporate Blogs: Anfangs fehlt hierzu meist die kritische (Leser-) Masse und die Blogmacher geben bisweilen vorschnell wieder auf, weil sich der “Web 2.0 Effekt” nicht von selbst einstellt. Sie übersehen dabei, dass sie den Dialog anfangs bewusst unterstützen und fördern müssen.

Neben dem Dialog über Kommentare ist die Verlinkung in der Blogosphäre hilfreich. Auch das geschieht nicht unbedingt automatisch. Klett-Cotta könnte etwa monatliche Themenschwerpunkte setzen und diese mit eigenen Beiträgen bzw. Gast-Autoren “beschreiben”. Parallel dazu wird auf geeignete Buchtitel im Verlagsprogramm hingewiesen. Wichtig wäre aber, dass über den Content ein Echo bzw. Debatten auf anderen Blogs angestoßen werden (und idealerweise darüber hinaus in Printmedien). Nur mit einer Art “Pressemeldungen” über Neuerscheinungen und Lesungen von Autoren allein wird sich dieser Effekt nicht einstellen.

Content kann aber auch noch aus einer weiteren Richtung kommen: Klett-Cotta hat (wie viele Unternehmen) eine sehr lange Unternehmensgeschichte. Wie war denn das etwa mit dem Erfolgsschriftsteller Goethe (aus Frankfurt, später Weimar) und dem Verleger Cotta in Tübingen? Da ließen sich doch sicher interessante Anekdoten im Archiv finden und gelegentlich im Blog einbauen. Aber immer unter der Rücksicht, dass es auch den Bloglesern gefällt.

Immerhin: Unter den klassischen (Buch-) Verlagen ist Klett-Cotta mit seinem Blog noch ein Pionier, wenn auch nicht der Erste: Seit September 2006 bloggt der Dresdner Verlag Voland & Quist und seit Januar diesen Jahres ist der Fachverlag für IT-Bücher Addison-Wesley mit seinem Blog online. Klett-Cotta selbst hat bereits Blog-Erfahrung mit didaktisch ausgerichteten Blogs, dem PONSblog und dem Frankreich-Blog.

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