Blogsoftware

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Applikationen (Web Apps) sind ein großes Thema, nicht zuletzt seitdem Apple das iPad vorgestellt hat und sich Medienhäuser mit Ankündigungen fast schon überschlagen, was sie nicht alles in Form der kleinen Anwendungen auf den Markt bringen wollen. Blogs dagegen scheinen Schnee von gestern zu sein, eine Mediengattung unter vielen, aber nichts was aufregend, interessant und zukunftsweisend wäre.

Stimmt das? Gehört den Applikationen die Zukunft während Blogs ihre beste Zeit schon hinter sich haben und künftig nur ein Dasein in der Nische fristen werden? Meine Antwort lautet: Ja und Nein. Blogs bzw. ihre Software laufen tatsächlich Gefahr, in einer Nische zu landen, wenn sie sich nicht deutlich weiterentwickeln und in gewisser Weise ähnlich wie Applikationen werden.

Fred Wilson hat kürzlich in einem sehr interessanten Vortag (”Ten Golden Principles of Sucessful Web Apps“) erläutert, wie Applikationen gemacht sein müssen, damit sie am Markt Erfolg haben. Während ich mir das Video seines Vortrags ansah, fragte ich mich, ob das was er da auflistet, nicht auch für Blogs bzw. Blogsoftware gilt. Dazu ein paar Überlegungen:

“Speed”

Es mag überraschen, aber Fred Wilson nennt als wichtigsten Erfolgsfaktor die Geschwindigkeit, mit der eine Applikation lädt und auf Eingaben reagiert. Ist dieser “Speed” nicht so wie die User es erwarten, lassen sie das Produkt wieder fallen, meint er. Überträgt man den Gedanken auf Blogs, landet man sofort bei einem wunden Punkt: Nicht wenige Blogs haben lange Ladezeiten und sie reagieren auch sonst nicht übertrieben schnell. Dafür gibt es viele Gründe, angefangen beim Hosting, über die Blogsoftware selbst bis hin zur möglichen Überfrachtung eines Blogs mit Widgets. Ist es denkbar, dass Blogger ihr Produkt mit einer gewissen Nonchalence sehen, die der Markt in dieser Form nicht mit trägt?

“Personal”

Mit dem Begriff “Personal” meint Fred Wilson die Möglichkeit, dass sich die User einer Web App diese an die eigenen Bedürfnisse oder den Geschmack anpassen, also personalisieren, können. Die Idee ist gut, aber nichts läge einem Blog ferner! Das Konzept des Blogs beinhaltet, dass dieser von seinem Autor “personalisiert” wird und nicht von seinen Lesern. Das aber könnte ein überholtes Konzept sein. Vor etwa 10 Jahren, als Blogs aufkamen, schufen sie die Möglichkeit, dass praktisch jeder zum Publizisten werden und sich sein eigenes Medium schaffen und gestalten konnte.

Heute ist das ein ganz selbstverständlicher Gedanke, der zudem auf einer Vielzahl verschiedener Plattformen realisiert werden kann. Damit aber werden die Inhalte wichtiger als ihr äußerer Rahmen. Das beste Beispiel dafür ist Twitter. Wer achtet schon darauf, wie die einzelnen Seiten gestaltet sind? Viel entscheidender ist doch, welchen Twitter-Client bzw. welche App ein User einsetzt. Der Fokus hat sich hier also verschoben: Weg von der Optik der Seite des Senders und hin zum Empfänger. Warum aber vollziehen Blogs bzw. ihre Software diese Entwicklung nicht nach? Zumindest für große Blogs mit hoher Artikelfrequenz wäre dies ein Ansatz, den Lesern stärker entgegen zu kommen.

“Playful”

Der letzte Punkt auf Fred Wilsons Liste meint das Spielerische und Unterhaltsame. Eine Web App muss, egal welchem Zweck sie eigentlich dient, immer auch zu einem gewissen Grad spielerische Elemente enthalten, meint Fred Wilson. Damit hat er vollkommen recht, denn sehr viele Applikationen (wenn nicht die meisten) vertreten sehr stark den spielerischen Gedanken, denken wir nur an so nützliche Dinge wie die Wasserwage oder den Kompass für das iPhone oder Android. Wo aber ist das spielerische Element bei Blogs? Mir fällt dazu partout nichts sein, außer vielleicht dass der Blogsektor auch diesen Trend bislang verschlafen hat.

Dazu kommt die durchaus reale Gefahr, dass Blogs als Browsermedien alt aussehen könnten, wenn Verlage ihre Publikationen als multimediale Apps auf das iPad und andere Tablets bringen werden. Natürlich ist das nur eine Spekulation, denn noch wissen wir weder, wie stark die neuen Tablets Verbreitung finden werden, noch ob die Apps der Verlage, die auf Paid Content abzielen, sich letztlich werden durchsetzen können.

Fazit: Eine neue Zeit braucht neue Software

Dennoch ist klar, dass Blogs, sofern sie nicht als Fachmedien bewusst auf spezielle Nischen zielen, sich der neuen Konkurrenz durch Applikationen stellen müssen. Ihre Software bedarf der gezielten Weiterentwicklung, damit sie auch im Zeitalter der Touchscreens, Handhelds und Tablets eine attraktive Plattform für Publizistik bleibt.

Als Blogs vor gut 10 Jahren entstanden und man sie bisweilen abschätzig als “Tagebücher im Web” bezeichnete, gab es das Internet praktisch nur im Browser von PCs und Notebooks. Damit sind Blogs geistig ein Kind ihrer (Hardware-) Zeit, in der sie nicht stehen bleiben dürfen. Eine neue Zeit mit vielfältigerer Hardware braucht auch eine neue, angepasste Software.

Zum Abschluss hier der sehenswerte Vortrag von Fred Wilson:

Übers Wochenende wird es an diesem Blog einige Veränderungen geben, unter anderem ein neues Theme. Ich hoffe dass die Artikel “lesbar” bleiben, in der Sidebar kann es vorübergehend zu Lücken bzw. Verschiebungen kommen.

Dazu kommt das aktuelle Update von WordPress. An dieser Stelle schon ein herzliches Dankeschön an Martin, der mir als “Feuerwehrmann” zur Seite steht, falls es brennen sollte. Er selbst arbeitet gerade intensiv daran, blogoscoop in die offene Beta-Version zu überführen. Ein paar Statusmeldungen dazu wird er sicher über Twitter in Umlauf geben und den Vollzug dann auch im Blog melden.

Blogging Tools FlickrWas ich da am Rosenmontag über WordPress geschrieben habe, war natürlich aus der Luft gegriffen. Niemand plant dort die Integration semantischer Software in WordPress. Aber für die “fünfte Jahreszeit” fand ich es ganz passend, zumal ich erst wenige Tage zuvor mit einer Softwarefirma gesprochen habe, die keine Schwierigkeit damit hätte, die eine oder andere meiner Ideen umzusetzen und in eine Blogsoftware zu integrieren.

Doch wohin geht die aktuelle Entwicklung bei Blogs bzw. Blogsoftware tatsächlich?

Auffällig sind für mich die Entwicklungen auf der Ebene der Sidebar. Mein eigenes Blog mag da noch als (schlechtes) Beispiel der alten Schule herhalten, bei der außer der Blogroll eigentlich alle Elemente “in” das Blog verweisen.

Aktueller wären da etwa Kommentarlisten, bei denen nicht nur die letzten Kommentare übersichtlich angezeigt, sondern auch mit Fotos der Autoren versehen sind, die ihrerseits direkt auf das Blog des Autors verlinken – immer vorausgesetzt, die kommentierende Person hat auf der Blogsoftware (etwa WordPress) ein Profil mit Foto und ein Blog.

Ganz im Trend der Zeit liegt Six Apart mit seinem Action Streams Plugin, mit dem man seine Aktivitäten von anderen Websites darstellen und verlinken kann. Das Prinzip entspricht dem Mini-Feed bzw. News Feed auf Facebook.

Wer nicht Moveable Type verwendet, braucht sich aber nicht zu grämen: Man greife einfach zu Sprout, womit man sich seine eigenen Flash-Widgets wie aus dem Lego-Baukasten selber bauen kann. Programmierkenntnisse sind hierzu nicht erforderlich.

Damit werden Blogs tendenziell immer offener und durchlässiger und es ist vielleicht gar kein so großer Schritt mehr zur Vision von Matias Roskos (VisualBlog), der sich ein WordPress für Social Networks wünscht, einschließlich der Integration von E-Commerce. Das eigene Blog quasi als Profil in einem Social Network? Warum eigentlich nicht?

Foto: Blogging Tools by Ben30 auf Flickr

WordPress LogoBekanntlich überspringt WordPress die für Januar geplante Version 2.4 und bringt statt dessen im März die Version 2.5 heraus. Ich habe nun aus gut informierten Kreisen bereits erste Details der Serie 3 erfahren. Die Version 3.0 soll 2009 verfügbar sein und wird erstmals mit einer semantischen Software unterlegt sein.

Dabei liest die semantische Komponente beim Schreiben der Artikel mit und gleicht die entstehenden Inhalte mit bereits im Web veröffentlichten Blogposts ab. Ist die Software der Ansicht, dass die gerade entstehenden Inhalte bereits in ähnlicher Form in einem anderen Blog veröffentlicht worden sind, wird der Artikel einfach unterdrückt: Der Autor erhält eine Fehlermeldung und kann nicht weiterschreiben.

Ähnliches ist für beleidigende, verunglimpfende oder völlig unsachliche Postings geplant. Auch da wird die Semantik eingreifen. Speziell in der deutschen Version soll das bis zuletzt noch häufiger anzutreffende (gegenseitige) Blogger-Bashing damit wirkungsvoll unterbunden werden.

Aber damit nicht genug: Die WordPress-Semantik greift auch bei den Links ein. So werden Postings ohne ausgehende Links auf andere Blogs künftig nicht mehr veröffentlicht werden können. Gleiches gilt für Artikel mit zu vielen Deep Links.

Mein zaghafter Einwand, dass das nicht allen deutschen Bloggern gefallen könnte, wird bei Automattic ganz anders gesehen: “Blogging is too hard. Through WordPress we’ve enabled hundreds of thousands of people to effortlessly publish to the web. Now we want to enable millions more.”

Danach habe ich die Frage, ob dieses Wunder-WordPress auch Artikel ganz alleine schreibt, wenn mir gerade nichts einfällt, nicht mehr gestellt…