Blogosphäre

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Hier im Blog ist den letzten Tagen der übliche Rhythmus, was das Erscheinen neuer Artikel betrifft, sichtlich ins Stocken geraten. Das liegt daran, dass ich mir im Moment nicht schlüssig bin, wie ich weitermachen soll. Zu den Einflussfaktoren zählen folgende Aspekte:

  1. Der Zeitfaktor: Mit dem Blog zu blogoscoop betreue ich seit Februar ein weiteres Blog, was sich im Zeitbudget leider schnell bemerkbar gemacht hat. Selbst bei moderater Posting-Frequenz (und der Unterstützung durch Martin bei blogoscoop) machen zwei Blogs eindeutig mehr Arbeit als einer.
  2. Die Irrelevanz meines Blogs beim Mittelstand: Was immer ich hier schreibe, es wird bei meiner eigentlichen Zielgruppe nicht wahrgenommen. Und daran dürfte sich auch noch auf längere Sicht nichts ändern. Noch vor einem Jahr war ich der festen Überzeugung, die Zeit sei reif für die Themen “Web 2.0″ und “Enterprise 2.0″ in deutschen Unternehmen. Heute sehe ich viel stärker die kulturverändernde Wirkung der Digitalisierung und denke, dass es bei uns noch sehr lange dauern wird (10 bis 15 Jahre?), bis wir Verhältnisse wie heute in den USA oder Japan haben werden.
  3. Die Sprachbarriere: Deutsch als Sprache eines Blogs kann ein Handicap sein. Denn ich kann zwar englischsprachige Blogs verlinken, diese können aber auf mich nicht Bezug nehmen, da es der Gegenseite an Deutschkenntnissen fehlt. Will ich also auf internationaler Ebene mitdiskutieren, muss ich vom Deutschen ins Englische wechseln. Christian Scholz (Mr. Topf) und Martin Koser (frogpond) bemühen sich bilingual, aber so richtig überzeugend finde ich diese Mischung für mich persönlich nicht.
  4. Die Parteilichkeit: Seitdem blogoscoop als Projekt am Laufen ist, hat sich die Perspektive verändert. Die Leichtigkeit des Bloggens ist weg, da ich nun nicht mehr der (freie) Beobachter bin, sondern selbst zum Akteur werde, der auf vielfältige Interessen Rücksicht nehmen muss. Ich kann mich nicht einerseits auf blogoscoop freundlich und offen nach allen Seiten geben und andererseits auf bwl zwei null etwa bestimmte (Blogger-) Kreise laut kritisieren. Damit kommt mir aber hier im Blog das “Salz für die Suppe” abhanden…

Ich bin also ernsthaft am Überlegen, bwl zwei null (nach gut einem Jahr Laufzeit) als Blog ganz einzustellen und irgendwo im Web unter neuem Namen und in englischer Sprache wieder aufzutauchen (bwl zwei null ist als “Marke” im Englischen unaussprechlich und daher unpassend). Für die Beteiligung an den Debatten an der deutschsprachigen Blogosphäre bliebe uns ja noch das Blog zu blogoscoop.

Schon mal von diesem Blog gehört: German Cowboys? Ich auch nicht, bis ich auf TechCrunch UK den Artikel über die Award Winners der Next Web Konferenz sah. Darunter befinden sich die Dutch Cowboys, ein offensichtlich ziemlich großes Blog aus den Niederlanden, das seit einiger Zeit auch einen deutschen Ableger betreibt.

Während die Niederländer auf ihrer Seite stolz eine Technorati-Authority von 1432 ausweisen, kommen die German Cowboys erst auf 4 Zähler. Online ist das deutsche Pendant seit November 2007, damals noch mit Artikeln des Originals durchsetzt (auf Niederländisch). Auch jetzt findet man noch Themen aus dem Nachbarland im Blog und die eine oder andere Werbeanzeige richtet sich speziell an Kenner der niederländischen Sprache…

Ansonsten aber gut gemacht, nur eben leider völlig unbekannt. Wie so oft krankt die Sache daran, dass man sich nicht vernetzt. An Themen oder Debatten der deutschen Blogosphäre scheinen sich die German Cowboys grundsätzlich nicht zu beteiligen. In der Folge werden sie auch nicht wahrgenommen. Laut Google Blogsuche hat noch kaum ein deutsches Blog auf die Dutch Cowboys verlinkt.

Robert Basic und zweinull.cc werden sich freuen: Denn diese beiden Blogs hätten in Sachen Traffic vielleicht darunter zu leiden, wären die German Cowboys annähernd so bekannt und populär wie die Dutch Cowboys im Nachbarland.

Rivva LogoFrank Westphal hat seit heute Rivva um eine interessante Komponente erweitert: Auf einer separaten Seite werden die Quellen aufgelistet, die in den letzten 90 Tagen die meisten Titelstories lieferten. Einzelheiten dazu gibt es im Rivva Blog.

Aktuell werden 427 Medien aufgelistet. Wie nicht anders zu erwarten, spielen dabei klassische Medien (heise, Spiegel Online…) eine große Rolle. Interessant ist aber auch, welche Blogs eine meinungsführende Rolle spielen. Neben Robert Basic, Stefan Niggemeier und Thomas Knüwer auf den ganz vorderen Plätzen, fallen mir Andreas Göldi (Platz 21) und Johannes Siemers (Platz 26) auf.

Die “Beobachtungen zur Medienkonvergenz” haben sich also weit über die Schweiz hinaus einen guten Namen gemacht und das völlig zu Recht. Die “Internetmarketing News” von Johannes Siemers stehen für mich stellvertretend für die jüngere Generation von Bloggern, die sich ein beachtliches Publikum schaffen konnten. Hier zeigt sich das ganze Ausmaß des Medienwandels!

Insgesamt also stellt Frank Westphals Liste eine nützliche Erweiterung dar. Ich habe Rivva übrigens nicht nur im Feed-Reader stehen, sondern seit kurzem auch als Startseite im Firefox. Das macht sich viel besser als der schmale Schlitz von Google…

das daimler blogSeit heute ist es also online, das Daimler Blog. Optisch sehr gut gelungen, tritt uns hier fast schon ein Zwilling der (neuen) Konzern-Website entgegen. Ob wohl beide mit einer Blog-Software erstellt worden sind?

Zum Inhalt lässt sich noch wenig sagen, das Blog soll aber sicher ein Sympathie-Träger für Daimler werden und dürfte mit einem Auge auch in Richtung Personal-Marketing schielen. Der erste fachliche Artikel, der sich mit einer Initiative zur Berufsausbildung in Malawi befasst, ist sichtlich direkt aus der Praxis heraus geschrieben und wird bei den (mitlesenden) PR-Experten des Hauses, die perfekte Formulierungen gewohnt sind, für leichte Nervosität gesorgt haben…

Der Sache tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Dass Daimler als eines der ersten großen Unternehmen in Deutschland bloggt, kann man nur positiv sehen. Und da ist es gut, dass man auch der Eigenart des Mediums “Blog” Rechnung trägt nicht etwa einen (zweiten) PR-Kanal eröffnet. Abzuwarten bleibt, ob das Blog auf Dauer nur Geschichten aus der weiten Konzernwelt erzählt, oder ob man auch den Mut hat, hin und wieder zur Unternehmenspolitik Stellung zu nehmen.

Witzig am Rande: Online ging das Blog mit dem Titel “Der Daimler Blog”. Im Laufe des Nachmittags aber veränderte sich die Bezeichnung wenn man mit der Maus darüber fuhr: Aus dem “Der” wurde ein “Das”. Und als ich das Logo herunter laden wollte, bekam ich nur noch ein “Das” zu fassen…

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