Blogging

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Blog Reading Level High SchoolBekommt man eine vernünftige Antwort wenn man Blogger fragt, ob Blogs eine Zukunft haben? Wohl kaum. Da auch die meisten meiner Leser Blogs nicht in Frage stellen (so gut kenne ich Euch schon!), werfe ich hier lieber einen Blick in die Zukunft dieses Mediums. Mit etwas “Rückenwind” von Harold Jarche und Hugh Macleod geht das ganz gut. Die Grafik links zeigt einen (nicht ganz ernst gemeinten) Test, mit dem sich das “Niveau” des eigenen Blogs ermitteln lässt (The Blog Readability Test). Und nachdem ich offenbar kürzlich von der “Junior High School” zur “High School” aufgestiegen bin, kann ich das hier auch posten…

  1. Das Medium “Blogs” wird qualitativ und quantitativ weiter wachsen. Blogs sind keine Modeerscheinung, sondern ein langfristiger Trend. Im “Long Tail” wird es jedoch Verschiebungen geben: Relativ gesehen dürfte die Zahl der rein privaten Blogs wieder abnehmen, weil dieser Personenkreis auf Social Networks wie MySpace oder Facebook sich ebenfalls darstellen, zugleich aber auch leichter vernetzen kann. Dafür wird das Wachstum der Blogs von den eher fachlich orientierten Bloggern getragen. Wir werden mehr und mehr Fachblogs in allen nur erdenkbaren Themennischen und das in allen Sprachen dieser Welt sehen.
  2. Semantische RSS-Reader werden das Bloglesen verändern und vorantreiben: Heute noch sind unsere Reader sehr statisch. Der Fortschritt bei semantischer Software wird aber vermutlich schon in wenigen Jahren dazu führen, dass der Reader den Lesern nicht nur von selbst und individuell (ganze) Blogs vorschlägt, sondern gezielt Blogartikel holt, die den Leser gerade interessieren. Man wird dann nur noch wenige Blogs vollständig lesen, dafür aber Meldungen aus der gesamten Blogosphäre erhalten. Und dabei wird auch das in der Grafik oben noch spielerisch behandelte Thema “Niveau” seine eigene Bedeutung erlangen: Niemand muss dann noch Blogs unter oder über dem eigenen Niveau lesen. Was aktuell heute schon technisch möglich wäre, beschreibt Marcel Weiß.
  3. Blogs werden Aufmerksamkeit und Einkommen bringen: Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft werden Blogs noch eine große Rolle spielen. Denn der schnelle technische Fortschritt sowie der damit verbundene gesellschaftliche Wandel werden es erforderlich machen, dass (wirklich) aktuelles Wissen rasch und einfach verfügbar ist. Bei der gleichzeitig immer stärker werdenden fachlichen Spezialisierung kann dies kein anderes Medium so gut leisten wie ein Blog. Autoren von Fachblogs werden daher berufliche Vorteile haben und sich zudem sehr gut vernetzen können. In Ansätzen ist dies heute schon sichtbar. Dieser Effekt wird nach und nach alle Branchen, die Politik, sowie die kulturellen und sozialen Lebensbereiche erfassen.

Über welchen Zeithorizont ist das hier gedacht? Über die nächsten 5 bis 10 Jahre. Bei der semantischen Software bin ich mir nicht sicher, ab wann es derartige RSS-Reader kostenlos geben wird. Machbar sind sie wohl schon heute. Fachblogs dürften aus der Wissenschaft heraus voran gebracht werden, so bald die Reputation einer (klassischen) Fachzeitschrift weniger wichtig wird, als die Schnelligkeit der Teilhabe an neuem Wissen und vielleicht auch der (interdisziplinären) Vernetzung.

PapierkorbIch überlege mir ernsthaft, mit dem Bloggen aufzuhören. Dieser Satz dürfte für einige Leser überraschend sein, nicht zuletzt für diejenigen, die mich über dieses Blog in den letzten Monaten persönlich kennen gelernt haben.

Am Blog selbst liegt es nicht. Seit April haben sich erfreulich viele Leser gefunden, zuletzt annähernd 400 pro Tag. Auch die Ideen würden mir noch lange nicht ausgehen: In der “Schublade” habe ich aktuell eine Präsentation (die über SlideShare einzubinden wäre), die eigentlich den Auftakt zu einer Art Qualitätsoffensive hätte bilden sollen, um weiter neue Leser zu gewinnen, das Blog kontinuierlich zu verbessern und auf der Höhe der Zeit zu halten.

Doch wozu die Mühe? So sehr ich grundsätzlich vom Web 2.0 überzeugt und begeistert bin, so wenig konnte mir das Blog bislang helfen, meine Ideen und Beratungsleistungen zu monetarisieren. Und das liegt schlicht daran, dass meine Zielgruppe keine Blogs liest und dies vermutlich noch auf Jahre hinaus nicht tun wird.

Damit will ich keinen Affront gegen meine treuen Stammleser setzen. Aber immer mehr scheint es mir, als würden wir uns praktisch nur “unter uns” unterhalten und damit so eine Form von l’art pour l’art betreiben. Die “Außenwirkung” ist doch recht extrem gering.

Eine Zeit lang war ich mir sicher, dass das Web 2.0 schon bald von seiner “Randlage” heraus in die Mitte der Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft hinein wachsen würde. Dem ist aber nicht so. Während die Dienste von YouTube, Flickr oder der Wikipedia auf eine relativ breite Akzeptanz stoßen, ist es an anderen Stellen mit der “Demokratisierung” im Web nicht so weit her. Insbesondere die Unternehmen zeigen eine sehr deutliche Zurückhaltung und dies nicht nur mir gegenüber.

Man schaue nur mal auf die Liste der deutschen Corporate Blogs. Beim Daimler klappt es endlich (nur: mit welchem Ergebnis? Das wird ja eine Karikatur von einem Blog!). Die IBM sieht sich nicht in der Lage, hierzulande öffentlich zu bloggen (in anderen Ländern schon). Gewiss, wir haben ja noch das Saft-Blog (ehrlich Hut ab vor dieser Leistung!), nur bei schwäbisch-mittelständischen Industriellen wirkt dieses Beispiel meist weniger überzeugend…

Und bewegen wir uns von der öffentlichen Ebene weg und in die Unternehmen hinein, wird es nicht besser: Wikis oder Blogs sind auch hier erst langsam auf dem Vormarsch und werden vor allem in inhabergeführten Betrieben nur mit spitzen Fingern (sofern überhaupt) angefasst. Wo ausgeprägt hierarchische Strukturen herrschen, ist für Social Software meist kein Platz.

Sören Stamer spricht in diesem Kontext gern von der Notwendigkeit des Übergangs von einer (kommunistischen) Planwirtschaft zu einer (demokratischen) Marktwirtschaft innerhalb des Unternehmens. Das Bild ist sehr treffend. Nur beschreibt es eben die Erfordernis eines grundsätzlichen Wandels (der Unternehmenskultur) und nicht die rasche Einführung einer neuen Software, mit der sich ohne sonst etwas zu ändern, mal eben schnell die Produktivität spürbar steigern lässt.

Es wird also noch dauern, die Sache mit der Social Software und dem Web 2.0. Und ich muss mich fragen, ob meine Zeit sinnvoll investiert ist, wenn ich weiterhin mit viel Einsatz dieses Blog pflege. Natürlich macht es Spaß! Aber es sollte eigentlich auch einen Beitrag zum Lebensunterhalt bringen und davon bin ich weit entfernt.

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