Barack Obama

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Die Citigroup, zeitweilig größtes Finanzkonglomerat der Welt, nutzte lange Jahre ein Logo in der Form eines Regenschirms. Diesen Schirm hat man 2007 verkauft, was der Grund dafür sein muss, dass man jetzt in der Finanzkrise so nass geworden ist.

Noch im Februar diesen Jahres nämlich strebte der Aktienkurs der Citigroup unbeirrt Richtung Null und machte eine dritte staatliche Bailout-Runde erforderlich. Seit kurzem nun scheint sich das Institut zu stabilisieren, der Aktienkurs weist wieder zaghaft nach oben. Aber ist dem auch wirklich so?

Im Querschüsse Blog finden wir aktuell eine profunde Auseinandersetzung mit dem jüngsten Jahresbericht (10-K Filing) der Citigroup, der nichts Gutes verspricht: Während die offizielle Bilanz bereinigt scheint, lauern offenbar in Sondervermögen (Special Purpose Entities) außerhalb der Bilanz noch Risiken von enormen Ausmaßen.

Etwa zeitgleich liest man bei Sean Park (The Park Paradigm), wie die Citigroup gerade ihr Aufsichtsgremium (Board) verjüngt: Drei Mitglieder haben die satzungsgemässe Altersgrenze von 72 Jahren erreicht und scheiden deshalb aus. Ihre Nachfolger sind 64, 63 und 62 Jahre alt. Sean Park fragt sich deshalb, ob man gerade in einer Zeit epochaler Umbrüche nicht jüngere Köpfe hätte wählen können, die neues Denken und innovative Ideen für eine Citigroup des 21. Jahrhunderts hätten einbringen können.

Abgerundet wird dieses Bild von der Tatsache, dass der Chefökonom der Citigroup, Lewis Alexander, die Bank verlässt und Berater von Finanzminister Timothy Geithner wird. Lautete nicht ein Wahlspruch von Barack Obama: In Change we believe? Zumindest verkauft er noch T-Shirts mit dem Motto “Change”, während der Wechsel von Lewis Alexander ins Finanzministerium weder nach neuem Denken noch nach neuen Werten aussieht.

In meinen Augen ist die Situation alarmierend: Bei der Citigroup lauern weiter große Risiken, richtungsändernde Personalentscheidungen werden nicht für nötig erachtet (weder beim Management noch beim Aufsichtsrat). Der “Verlust” des Chefökonomen an das Finanzministerium zeigt nur, dass auch die neue Regierung in Washington jede Menge altes Denken in ihrem wahrscheinlich wichtigsten Ministerium dieser Amtsperiode anhäuft.

Die Dinge laufen also gründlich schief, da sollte man sich keine Illusionen machen. Die Citigroup ist ebenso wenig zu retten wie Teile der amerikanischen Autoindustrie. Barack Obama wäre vielleicht gut beraten, in dieser Situation auf Paul O’Neill, den ersten Finanzminister unter George W. Bush, oder den Ökonomen James K. Galbraith zu hören.

Vielleicht käme er auch ins Nachdenken, wenn er lesen würde, was Stowe Boyd, einer der Vordenker des Web 2.0, aktuell so in seinem Blog schreibt (oder twittert). Der Citigroup wird das nicht mehr helfen, Regenschirm-Logo hin oder her. Die amerikanische Regierung aber kann noch umsteuern…

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Deutschland hat einen neuen Wirtschaftsminister. Aber werden deswegen die Probleme weniger? Angesichts der Dramatik der aktuellen Wirtschaftslage darf daran gezweifelt werden. Denn solange der Wirtschaftsminister immer noch nach Parteizugehörigkeit und Regionalproporz ausgewählt wird, besteht wenig Aussicht auf Besserung.

Besserung aber wäre möglich, wenn der Souverän aktiv(er) in einen solchen Prozess eingreifen würde. Leider passiert das hierzulande noch nicht. Allenfalls in den Leitartikeln der Medien (sowie in manchen Blogs) wird Kritik geübt, was das politische Establishment in Berlin und München aber gelassen ignorieren kann.

Anders wäre das, wenn etwa auf Facebook eine Gruppe gebildet würde, die den Vorgang kritisierte und innerhalb weniger Stunden eine sehr große Zahl von Mitgliedern bekäme. Das könnte auf andere Social Media übergreifen und vielleicht auch spontane Aktionen in verschiedenen Städten auslösen, was wiederum über Twitter und YouTube verbreitet und dokumentiert werden könnte.

All das passiert aber nicht. Statt dessen glauben die Leute mehrheitlich wohl immer noch, dass sie nur zu den Wahlen Einfluss nehmen können. Vermutlich brauchen wir noch etliche Jahre, bis den Menschen hierzulande richtig bewusst wird, was für ein mächtiges Instrument Social Software sein kann. Meine Hoffnung ist, dass uns die USA das bald schon deutlicher vor Augen führen werden.

Denn dort steht Präsident Barack Obama vor einer misslichen Lage: Sein Konjunkturpaket wurde ihm sowohl im Kongress als auch im Senat regelrecht auseinander genommen. Die Republikaner denken nicht daran, selbst in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 1929 konstruktiv mitzuarbeiten, sondern versuchen weiterhin nur ihre eigene Klientel zu fördern und ansonsten Obama schlecht aussehen zu lassen.

Dieser wird deshalb bald schon auf etwas zurückgreifen müssen, was der Politikbetrieb in Washington weithin schon wieder vergessen hat: Seine breite Unterstützung im Internet. Dort kann Obama die Menschen mobilisieren wie sonst kaum jemand. Und das wird er bald wieder tun, wenn im Kongress und im Senat nicht konstruktiv mitgearbeitet wird. Ihm bleibt auch gar keine andere Wahl, will er nicht seine Glaubwürdigkeit verlieren! Wir dürfen also gespannt sein, was sich in Amerika in den nächsten Monaten tun wird.

Hierzulande bleibt vorläufig nur ein Appell an die Web 2.0 Community, Social Media nicht allein zum Marketing in eigener Sache einzusetzen, sondern verstärkt auch darüber nachzudenken, wie wir aus dem Internet heraus mehr auf die praktische Ebene kommen können. Denn in der Zukunft wird man uns nicht fragen, wie viele Follower wir auf Twitter hatten oder wie hoch die Technorati-Authority unseres Blogs war. Eher schon wird man fragen, was wir konkret bewirkt und verbessert haben.

Oder wird unsere Gesellschaft besser, wenn mein Google-Pagerank steigt? Vermutlich nicht. Tim O’Reilly hat schon vor fast einem Jahr dazu aufgerufen, “to go after big, hard problems”. Kleiner sind die Probleme seither wirklich nicht geworden. Auf was warten wir also noch?

Abschließend möchte ich Jens Kouros herzlich danken, der mich über Twitter zu diesem Artikel inspiriert hat.

Barack Obama hatte keine Zeit zu verlieren: Schon kurz nach seinem Wahlsieg ging er mit einer neuen Website online, Change.gov. Was aber hat das mit den Zeitungen zu tun?

Sehr viel, denn damit dürfte das Ende des Pressekonferenzen-Journalismus endgültig eingeleitet sein: Barack Obama wartet nicht mehr bis die Zeitungen über ihn schreiben, er stellt seine Botschaften gleich selbst ins Netz.

Damit werden Zeitungen derzeit aus drei Richtungen in die Zange genommen:

  1. Sinkende Auflagen (Wandel der Mediennutzung vor allem durch die junge Generation),
  2. Fallende Werbeeinnahmen (derzeit hauptsächlich konjunkturell bedingt),
  3. und dem Trend zur direkten Kommunikation im Web (siehe etwa Obama).

Davon werden sich die Zeitungen klassischer Machart nicht mehr erholen, ihre Zeit geht zu Ende. Robert Basic glaubt zwar, dass sie sich mit Kreativität retten können. Ich sehe das nicht. Die Verlage müssen sich neu erfinden, drastisch verkleinern und vom Begriff „Zeitung“ ganz abkommen.

Die wichtigsten Entwicklungen im Internet in Bezug auf Nachrichten:

(1) Wer etwas auf sich hält, publiziert selbst im Web und wartet nicht mehr, bis andere über ihn schreiben. Obama ist hier das Paradebeispiel, aber längst nicht der Erfinder der Sache. Dieser Entwicklung haben Zeitungen schlicht nichts entgegen zu setzen. Ihre Rolle als Übermittler von Botschaften wird im Internet zum großen Teil überflüssig.

(2) Das Anzeigengeschäft ist praktisch ebenfalls weg: Klein-, Kontakt-, Immobilien- und Stellenanzeigen lassen sich im Internet auf separaten Portalen effizienter organisieren. Im Prinzip könnten Zeitungsverlage solche Portale betreiben, praktisch haben sie den Trend verschlafen.

(3) Parallel dazu läuft der Trend zu Multimedia, insbesondere Video. Auch in Sachen Bewegtbild sehen die Zeitungen schlecht aus: Selbst wenn sie online auf Videos setzen, müssen sie für ihre Printausgaben weiterhin jedes Thema in Textform aufbereiten. Diese teure Doppelarbeit dürfte sich nicht rechnen.

(4) Was dem Journalismus tatsächlich bleibt, sind die Themen, die nicht von selbst ins Internet finden: Busunglücke, Wetterkapriolen und das Liebesglück der Prominenz. Aber auch hier gibt es kein Monopol mehr für diplomierte Schreiber oder akkreditierte Paparazzi, der „Bürgerjournalismus“ mischt jetzt mit, wo es ihm gefällt.

(5) In der immer weiter wachsenden Fülle medialer Angebote im Internet übernehmen Blogs (bzw. Watchblogs) zunehmend die Rolle der Redaktion und Themenauswahl. Die amerikanische Hightech-Szene macht es vor: Michael Arrington etwa frequentiert keine Pressekonferenzen mehr, die Nachrichten werden ihm direkt zugeführt. Parallel dazu schreiben alle Startups auf ihren eigenen Corporate-Blogs und hoffen, dass die großen Leitblogs das eine oder andere Thema aufgreifen. Das Agenda-Setting wird zudem über Kanäle wie Twitter massiv beeinflusst, wo weniger einzelne (prominente) Namen die Themen setzen, sondern auch die Schwarmintelligenz eine große Rolle spielt.

(6) Ein letzter wichtiger Punkt ist die weltweit zunehmende Themenvielfalt aufgrund des explosionsartig steigenden Wissens. Die Zeitungen stehen dem recht ratlos gegenüber, da ihr Redaktionsmodell darauf ausgelegt ist, für ein möglichst breites Publikum zu filtern und zu selektieren. Im Ergebnis haben alle Blätter die gleichen Agenturmeldungen auf ihren Seiten: Einfalt statt Vielfalt. Was im Printbereich eine zwingende Logik sein mag, wird im Internet von den Lesern unterlaufen, die sich aus der Fülle des Angebots ganz einfach (mit ein paar Mausklicks oder einem RSS-Reader) ihr individuelles Informationsmenü zusammenstellen.

Das alles zeigt, dass die Zeitung klassischer Prägung im Internet so keine Chance hat. So lange aber Verlage mit der „Zeitungs-Brille“ auf dem Kopf herumlaufen, werden sie den Ausgang in die Zukunft nicht finden.

Was tun?

Eigentlich ist es wie auf der Titanic: Das Schiff galt als unsinkbar, weshalb die Passagiere lange nicht in die Rettungsboote wollten. Zudem war es draußen kalt und im Schiff noch gemütlich warm…

Zeitungsverlage müssen jetzt die „Rettungsboote“ ins Wasser lassen, sprich kleine Teams bilden, die mit einem Blog ein klar umrissenes Themengebiet bearbeiten. Diese Blogs müssen sich als Profitcenter rechnen, eine Subvention gibt es nur in der Startphase.

Je mehr solcher „Blogboote“ ein Verlag zum Laufen bringt, desto besser. Ein Vorbild wäre etwa das Blog All Things Digital, das als eigenständiges Medium agiert und doch zum Wall Street Journal gehört (Dachmarke). Prominente Namen (Walt Mossberg) sorgen für Anziehungskraft (hoffentlich auch bei den Werbekunden).

Dass dieses Modell der professionellen Blogs funktionieren kann, zeigen die führenden amerikanischen Techblogs. Freilich: Diese Blog-Unternehmen sind ausgesprochen schlank gebaut und können keinen nennenswerten Überbau mitfinanzieren.

Zudem müssen diese Blogs extrem gut sein: Wer etwa über die Politik der Berliner Republik schreiben will, muss schon das Ziel haben, hier zum qualitativ führenden und unverzichtbaren Medium zu werden. Nur dann dürfte sich das Blog mit Werbung, zusätzlichem Paid-Content, exklusiven Studien und eigenen Konferenzen rechnen. Schon in der zweiten Reihe geht nichts mehr: Da sitzen nämlich schon die Blogger, die mit wenig bis kein Geld zufrieden sind, weil sie aus anderen Motiven heraus schreiben.

Und was wird aus dem sinkenden Schiff? Anders als die Titanic könnte sich so mancher Zeitungsverlag noch etwas über Wasser halten, solange es noch eine nennenswerte Nachfrage nach gedruckten Zeitungen gibt. Irgendwann aber ist unwiderruflich Schluss, das Schiff sinkt und es bleiben nur die kleinen Boote.

Ob das in die Köpfe der Zeitungsmacher geht? Ich bezweifle es, wenn ich etwa auf diesen Leitartikel von Ulrich Clauss (Welt Online) sehe: Wer im Jahr 2008 das Internet noch als „Kampagnenmaschine und Desinformationsquelle“ sieht, hat immer noch die falsche Brille auf…

Er hat die Wahl gewonnen und wird 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika: Barack Obama. Zum ersten Mal bei mir im Blog ist er übrigens schon im Juni 2007 aufgetaucht, worauf ich heute ein bisschen stolz bin…

Da bwl zwei null aber kein Politik-Blog ist (und auch nicht werden wird), hier ein anderer Fokus: Der Sender CNN hat in seiner Berichterstattung vom Wahlabend erstmals eine Reihe von Hologrammen eingesetzt. Mathew Ingram zeigte sich davon beeindruckt, interessanterweise sind es aber viele Blogleser nicht: Sowohl bei ihm, als auch bei Michael Arrington (TechCrunch), überwiegen die negativen Töne in den Kommentaren. Auf engadget schlägt schon der Artikel ins Negative und die Leser pflichten eifrig bei.

Hier beispielhaft das kurze Interview von Wolf Blitzer Anderson Cooper mit Will.I.Am:

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Mich erstaunt, dass die sonst so leicht zu begeisternden Amerikaner bei dieser Technik so zurückhaltend reagieren. Mich haben die Hologramme voll und ganz überzeugt und ich denke, dass wir von dieser neuen Technik in den nächsten Jahren noch viel sehen werden – vielleicht sogar bei ARD und ZDF…

Er bleibt seiner Linie treu, auch wenn derzeit die Umfragewerte nicht so gut für ihn aussehen: Barack Obama reagiert in einem aktuellen Werbespot auf die Bankenkrise und wirbt für seinen ökonomischen Plan. Ob das die Wähler in dem emotional aufgeheizten Wahlkampf überzeugen wird?

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Gesehen auf Daily Kos.

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