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Apple iPhone 4S

Als Apple das iPhone auf den Markt brachte, war dessen Touchscreen ein Triumph im leider viel zu kurzen Leben des Steve Jobs. Vier Jahre später kommt mit Siri ein Programm zur Sprachsteuerung auf das aktuelle iPhone (4S), mit dem der Touchscreen beinahe arbeitslos zu werden scheint: Man spricht jetzt mit dem Smartphone, wenn man telefonieren, Musik hören oder Informationen abrufen möchte. Ist das die Zukunft und Apple der Konkurrenz wieder mal um Längen voraus? Oder wird hier nur eine in den Geräten der Konkurrenz relativ ähnlich anzutreffende Technik sehr geschickt vermarktet?

Ob der Sprachsteuerung die Zukunft gehört, kann aus heutiger Sicht noch nicht zwingend mit “ja” beantwortet werden. Dagegen spricht der eigentlich erstaunliche Trend zur weniger Sprachtelefonie und mehr Kommunikation via Text auf mobilen Geräten. Die Menschen telefonieren nicht mehr so viel, sie schreiben sich lieber Kurznachrichten, Tweets oder E-Mails. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass zumindest in der Öffentlichkeit diskrete (stille) Kommunikationsmittel lieber verwendet werden. Das aber ist nur eine Vermutung von mir. Würde sie zutreffen, hätte Siri wenig Chancen. Denn wer spricht schon gern mit seinem Mobiltelefon, wenn andere Anwesende alles mithören können, einschließlich vielleicht der laut gesprochenen Antwort von Siri?

Der Mensch von heute findet sich oft genug in Situationen wieder, in denen er zwar sein Mobiltelefon diskret und leise nutzen kann, wo eine laute (sprachbasierte) Kommunikation damit aber verpönt ist: In Besprechungen und auf Konferenzen, in Restaurants und Wartezimmern, in Wellness-Oasen und Museen. Dazu kommen Orte, wo lautes Sprechen zwar möglich, aber vielleicht unangenehm ist, weil fremde Menschen in nächster Nähe sind und alles mithören würden. Im Lift und in der Bahn, im Taxi und in der Warteschlange am Flughafen.

In unserer Kommunikation und den ihr zugrunde liegenden gesellschaftlichen Konventionen gibt es wohl einen Trend zum Gebrauch diskreter Instrumente. Dennoch schreibe ich Siri nicht vorschnell ab.

Denn da ist noch eine andere Komponente. Siri möchte auf ganz unterschiedliche Fragen mit einer präzisen und einfachen Antwort dienen. Damit steht der Traum von der kinderleicht zu nutzenden Wissensmaschine im Raum. Eigentlich würde man so etwas ja eher von Google erwarten. Aber der Suchmaschinenriese optimiert offenbar lieber seine lukrativen Werbeprogramme, anstatt die Ausgabe der Suchanfragen neu zu erfinden. Mit Android, der Software für mobile Geräte, hätte Google eigentlich die Chance dazu gehabt. Nun hat Apple die Gelegenheit ergriffen, auf diesem Gebiet die Vorreiterrolle zu übernehmen, vermutlich aus genau der Überlegung heraus, die Google hat zögern lassen: In einer präzisen Antwort auf eine konkrete Frage ist wenig bis kein Platz für (zusätzliche) Werbeeinblendungen.

Was für Google ein Problem darstellt, weil der Konzern seinen Umsatz fast nur mit Werbung macht, kann Apple getrost in Angriff nehmen, denn Werbeeinnahmen rangieren bei Apple unter “ferner liefen”. Erweist sich Siri in den kommenden Monaten als die “bessere Suchmaschine”, bekommt Google ein ernsthaftes Problem – erst recht, wenn Siri nicht mehr nur dem iPhone vorbehalten bleibt, sondern auch auf dem iPad und den Mac-Rechnern verfügbar gemacht wird. Daran dürfte auch das jetzt in Verbindung mit dem Samsung Galaxy Nexus vorgestellte Google Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) nichts ändern.

Kritiker könnten jetzt einwenden, dass die interessante Technik auch Geld kostet und fragen, wie Apple Siri refinanzieren möchte. Eine erste Antwort darauf liefern uns die Verkaufszahlen zum iPhone 4S. Obwohl das Gerät dem Vorgängermodell äußerlich weitestgehend gleicht, wurden davon in den ersten Tagen seit Verkaufsbeginn bereits mehr als 4 Mio. Stück abgesetzt. Selbst für die Maßstäbe von Apple ist das ein neuer Rekord.

Siri dürfte also zumindest in den kommenden ein bis zwei Jahren leicht über den Umsatz mit Hardware (kalkulatorisch) finanziert werden können. Darüber hinaus ist denkbar, dass Siri für Applikationsentwickler kostenpflichtig gemacht wird: Wer möchte, dass seine App oder Mac-Software über Siri gesteuert werden soll, muss dann vielleicht Lizenzgebühren bezahlen. Entwickelt sich Siri zum perfekten digitalen Assistenten, könnten auch die Endverbraucher zur Kasse gebeten werden: Apple ist an dieser Stelle bekanntlich nicht zimperlich. Ein Indiz dafür könnte sein, dass Siri derzeit unter dem für Apple ungewöhnlichen “Beta-Label” geführt wird.

Aber noch ist das alles Zukunftsmusik. Apple muss mit Siri jetzt erst einmal unter Beweis stellen, dass die neue Technik wirklich gut funktioniert und auf Seiten der Anwender bleibt abzuwarten, ob aus dem anfänglich eher spielerischen Interesse ein ernsthafter Dauergebrauch wird. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass auch Apple nicht vor Fehleinschätzungen gefeit ist. FaceTime etwa, Apples Variante der Video-Telefonie, die vor gut einem Jahr eingeführt wurde, stand auch eine Zeit lang im Ruf, den Durchbruch für diese Form der Kommunikation zu bringen.

Insgesamt aber deutet sich an, dass mit Siri ein neues, großes Kapitel in unserem Umgang mit Computern aufgeschlagen werden könnte. Schafft es die Software tatsächlich, gesprochene Sprache richtig zu interpretieren und parallel dazu verschiedenste Datenbanken im Hintergrund zu nutzen um sinnvolle Antworten auf die gestellten Fragen auszugeben, wird das unseren Umgang mit Computern bzw. Informationen massiv verändern. Steve Jobs Aussage vom Juni 2010, wir befänden uns im Post-PC-Zeitalter, erscheint damit plausibler denn je.

Motorolo PHOTON 4G for Sprint

Google greift tief in seine Taschen um für ca. 12,5 Mrd. US-$ die Mobilfunksparte von Motorola zu übernehmen. Der Schachzug kommt überraschend und die Meinungen darüber sind geteilt. Während manche den Kauf positiv sehen, weil Android  mit künftig rund 17.000 Mobilfunk-Patenten im Rücken besser dastehen sollte, fürchten andere, dass Google seine Android-Partner (HTC, LG, Samsung und Sony Ericsson) vor den Kopf stossen und sich zudem im margenschwachen Hardware-Geschäft verzetteln könnte.

Ein Analyst von S&P hat die Google Aktie deshalb von “Buy” auf “Sell” gestellt. Aber ist das nicht ein bisschen voreilig?

Im Grunde genommen ist Google bis heute eine Suchmaschine mit angehängter Werbeabteilung, die sich um die Vermarktung der Anzeigenplätze kümmert. Dieses Geschäft läuft gut, sehr gut sogar. Nur hat es sich im Lauf der Jahre eben verändert: Reichte es in den Anfangsjahren aus, überhaupt nur eine sehr gute Suchmaschine zu sein, stellten sich bald Wettbewerbskonflikte auf der Ebene der Browser ein.

Nicht alle Anbieter von Browsern, allen voran Microsoft, waren Googles Suchmaschine wohlgesonnen. Google musste erkennen, dass sein schönes Geschäft bedroht war, weil auf manchen Browsern andere Suchmaschinen vorinstalliert waren und sich sehr viele User damit zufrieden gaben. Also fing Google an, die Mozilla Foundation zu unterstützen und entwickelte parallel dazu seinen eigenen Browser, Google Chrome.

Etliche Jahre reichte das aus, doch dann kann die Post-PC-Ära, wie Steve Jobs das nennt: Smartphones und Tablets als neue Gerätegattung lösten die Vormachtstellung des PC ab und Google hatte wieder ein Problem: Wie bringt man nur die Suchmaschine zuverlässig auf alle diese Geräte und das möglichst noch an prominenter Stelle?

Die Antwort hiess: Android, oder auf deutsch: Ein eigenes Betriebssystem für Smartphones und Tablets. Android war eine tolle Sache, abgesehen davon dass Steve Jobs darüber ziemlich böse wurde. Denn die Smartphones mit Googles Software wuchsen seinem Geschäft mit dem iPhone über den Kopf. Es begannen die Patentkriege, die aber im Grunde gar keine wirklichen Patent-Streitigkeiten sind, sondern nur eine neue Form des Marketing. Ich schlage dafür den Begriff “Patent-Marketing” vor!

Wenn etwa Apple Samsung verklagt, weil der koreanische Hersteller seine Smartphones und Tablets dem iPhone bzw. iPad zu ähnlich gestaltet haben soll, ist das auf der juristischen Ebene eine ziemlich dünne Angelegenheit. Marketingtechnisch aber macht es Sinn. Die Botschaft an die Käufer lautet: Ihr werdet doch nicht so ein abgekupfertes Produkt kaufen, sondern lieber das Original haben wollen?

In diesem Sinne wäre der Kauf von Motorola Mobility durch Google ein reines Patent-Marketing-Geschäft. Das ist es aber nicht. Denn Larry Page, der neue CEO im Hause Google, hat etwas ganz anderes im Auge. Er weiß, dass ihm gerade seine schöne Android-Plattform unter der Hand zerbröselt – und das nicht wegen irgendwelcher Patente.

Das Problem liegt in der Fragmentierung der Plattform, die aktuell mit der Vielzahl an Endgeräten und mehreren Varianten des Betriebssystems den Käufern keine einheitliche Produkterfahrung mehr bietet, sondern eher Konfusion auslöst und für Enttäuschungen sorgt. Etwa wenn junge Käufer sich ein neues Android-Smartphone kaufen und dann feststellen müssen, dass auf ihrem Gerät bestimmte Apps oder Spiele nur schlecht oder gar nicht laufen. Noch ist das in der Öffentlichkeit kein großes Thema, es könnte aber bald eines werden.

Dazu kommt, dass die meisten Android-Geräte einfach nicht an die Qualität des iPhone herankommen. In der Folge stösst Google mit seinem Ansatz, nur ein gutes Betriebssystem für mobile Geräte anzubieten, an seine Grenzen. Das durfte Larry Page auch an anderer Stelle lernen: Der von Google entwickelte Ansatz, den Chrome Browser zu einem vollwertigen Betriebssystem für Notebooks auszubauen und mit dem Chromebook den drögen Windows-Rechnern etwas Attraktives entgegen zu stellen, ist gescheitert. Nicht an Microsoft, sondern an Apple.

Steve Jobs hat mit der überraschenden Neuauflage des MacBook Air im Jahr 2010 gezeigt, wo der Hammer für mobile Rechner hängt. Diese sind schnell, klein und unglaublich leicht – und kommen zu einem Preis, der praktisch allen Wettbewerbern die Luft ausgehen lässt. Möglich ist das nur, weil Apple beides kontrolliert, Hard- und Software, und damit hoch performante Systeme schaffen kann, bei denen alle Komponenten bestmöglich zusammen spielen. Das zeigt sich nicht nur am MacBook Air, sondern auch am iPad, dessen Preis und Leistungsfähigkeit von den Wettbewerbern im Android-Lager immer noch nicht erreicht ist. Hier kommt Google mit seinem bisherigen Ansatz nicht weiter.

Google muss also tiefer bohren und bei der strategischen Integration einen Schritt weiter gehen, auf die Ebene der Herstellung von Endgeräten. Die vielfach zu lesende Kritik, Google verstünde nichts von der Produktion und könne auch kein Marketing, kann man getrost vergessen: Wenn jeder immer nur das macht, wovon er schon immer etwas verstanden hat – wo soll dann der Fortschritt herkommen?

Google ist ohne Zweifel reif für diesen Schritt und Larry Page kann jetzt zeigen, was er drauf hat. Dass die Medien noch lange die skeptische Karte spielen und mit Horror-Szenarien auftrumpfen werden, wird ihn nicht irritieren. Schließlich hat er das im Fall von YouTube alles schon mal erlebt: Google wurde 2006 für verrückt erklärt, einen Kaufpreis von 1,65 Mrd. US-$ für ein Video-Portal ohne klar erkennbares Geschäftsmodell auf den Tisch zu blättern. Die Kritik an diesem Deal ist inzwischen verstummt – gut dass die Analysten und Medien jetzt neuen Stoff für ihre Untergangs-Analysen bekommen…

Droid Gang, watch your back iOS.

Wie schnell und grundlegend sich doch Märkte ändern können: Aktuellen Zahlen von comScore zufolge (und von TechCrunch zitiert) ist in den USA jetzt Android das Betriebssystem für Smartphones mit dem größten Marktanteil, vor Research in Motion (RIM, BlackBerry) und Apple (iOS). Mit deutlichem Abstand auf dieses Spitzentrio folgt Microsoft auf Platz 4. Das im Herbst 2010 neu eingeführte Windows Phone 7 scheint bislang Microsofts Verluste bei den Marktanteilen nicht bremsen zu können, comScores Zahlen zufolge hält der Negativtrend an.

In (West-) Europa sieht es kaum anders aus. Auch hier schiebt sich Google’s Android mit enormen Wachstumsraten in Richtung Spitze und hält, den Angaben von IDC zufolge, im vierten Quartal 2010 mit 31 % Marktanteil erstmals den ersten Platz. Auch hier sind RIM und Apple gut positioniert, während Microsoft und Nokia (hier noch mit Symbian) verlieren.

Folgerungen:

Als Apple 2007 das iPhone einführte, wurde damit die Kategorie “Smartphone” neu definiert. Allerdings konnte der phänomenale Erfolg des iPhone nicht verhindern, dass Google mit Android an Apple vorbeizog. Die Strategie, ein annähernd gleich gutes Betriebssystem an beliebig viele Hersteller mehr oder weniger zu verschenken, führt am Ende zur größeren Gerätevielfalt und einem viel weiter gefassten Preisspektrum. Der Markt honoriert die größere Vielfalt und ignoriert die vielfach in (Blog-) Medien angestellten peniblen Leitungsvergleiche, die nur für Technik-Freaks interessant sind.

Letztlich können beide Unternehmen hoch zufrieden sein, setzen sie doch mittlerweile die Maßstäbe in einem Markt, auf dem sie vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht vertreten waren. Für Microsoft (und Nokia!) brechen allerdings schwere Zeiten an, wenn der Negativtrend in Sachen Windows Phone 7 im weiteren Verlauf des Jahres 2011 anhalten sollte. Die Tage von Steve Ballmer könnten dann gezählt sein.

flickr nexus one simone.brunozzi

Wozu muss Google jetzt auch noch Mobiltelefone verkaufen? Das Nexus One ist ohne Zweifel ein sehr interessantes Gerät und man kann es, wie Peter Sennhauser (netzwertig), im Licht von Googles Suchmaschine sehen.

Dass dem Nexus One aber keine weitere Strategie zugrunde liegen soll, bezweifle ich. Denn dieses Gerät (und seine Nachfolger) bedient mehr, als nur das klassische Suchmaschinen- bzw. Werbegeschäft von Google. Das Nexus One ist wahrscheinlich auch ein Baustein für das Geschäft mit Unternehmen (Corporate Software Business).

Hier müssen wir die IBM und Microsoft in den Blick nehmen, denn diese beiden Konzerne sind entscheidende Akteure am Markt, wenn es um Firmenlösungen für E-Mail, Office Software, Intranet und (Social) Collaboration bis hin zum Projektmanagement geht.

Der Markt für Software in diesem Bereich ist enorm groß und Google darin bislang nicht viel mehr als ein Zwerg. Sogar ein recht unbedeutender Zwerg. Genau das aber könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Google könnte die Strategie verfolgen, neben seinem erfolgreichen Geschäft mit Online-Werbung ein zweites, großes Standbein aufzubauen und das Nexus One könnte dazu ein Schlüsselelement werden.

Der Wind in den Segeln für Google in diesem Bereich heißt Cloud Computing. Nachdem traditionelle Lösungen für Unternehmen immer auf der Basis eines lokalen Hostings liefen, konnte Google mit seinem webbasierten Ansatz nicht viel ausrichten. Die Google Apps und Google Mail waren im letzten Jahrzehnt eher exotische Randerscheinungen und keine ernsthafte Alternative für das Gros der Unternehmen.

Mit dem Aufkommen des Cloud Computing ändert sich das fast schlagartig, denn Google ist jetzt schon dort, wo der gesamte Markt hinzieht: Im Netz. Schätzungen von Gartner zufolge könnte der weltweite Markt für Cloud Computing bis zum Jahr 2013 auf 150 Mrd. USD wachsen. Warum sollte sich Google nicht ein signifikantes Stück von diesem Kuchen abschneiden?

Die Produktpalette dafür steht: Neben den Google Apps (Office Produkte, E-Mail und Business-Video) bietet Google auch einen Browser (Chrome) und sogar ein Betriebssystem (Chrome OS). Google Voice deckt die Flanke der Telefonie ab, während Wave als (sehr) avanciertes Tool für das Projektmanagement gesehen werden kann. Eventuell noch bestehende Lücken im Programm lassen sich sicher unschwer noch schließen.

Das Tüpfelchen auf dem i ist das Nexus One. Google könnte damit etwa ein Leistungspaket schnüren, bei dem es pro Arbeitsplatz-Lizenz ein Nexus One gratis dazu gibt. Der so ausgestattete Mitarbeiter eines Unternehmens hätte damit alle wichtigen Software-Produkte nicht nur am Arbeitsplatzrechner, sondern auch auf seinem Smartphone verfügbar. Die Synchronisation würde automatisch und unauffällig im Hintergrund laufen. In Verbindung mit Google Voice könnten Unternehmen damit vermutlich sogar auf Festnetztelefongeräte ganz verzichten, die Mitarbeiter wären (egal unter welcher Nummer) immer auf ihrem Nexus One erreichbar.

Einem solchen Paket haben derzeit weder die IBM, noch Microsoft etwas entgegen zu setzen. Die Gerüchte, dass auch Microsoft an einem eigenen Mobiltelefon arbeitet, dürften deshalb nicht aus der Luft gegriffen sein.

Ins Bild passt da auch, dass das Nexus One, wie alle Android Geräte bisher, im Vergleich zu Apples iPhone schwach aussieht, wenn es um Unterhaltung geht: Das iPhone ist bei Musik, Spielen und Videos einfach besser. Fast könnte man meinen, Google habe sich bislang das Geschäft absichtlich verdorben, damit nur ja Android nicht zu spielerisch und konsumentennah wahrgenommen wird.

Klar dürfte sein, dass Google im Geschäft mit Unternehmen seine Wettbewerber an deren empfindlichster Stelle angreifen wird: Beim Preis. Während etwa die IBM oder Microsoft nicht nur Marktanteile, Margen und Umsätze werden verteidigen müssen, kann Google ungerührt die Spielregeln ändern, so wie man das auch schon mit Android oder der kostenlosen Navigation (über Google Maps) gemacht hat.

Seitdem das Betriebssystem Android kostenlos auf dem Markt ist, verliert Microsoft mit Windows Mobile nicht nur Marktanteile, sondern auch Umsätze. Im Markt für Navigation hat Google seinen Konkurrenten Nokia soeben gezwungen, auf die kostenlose Schiene umzusteigen, um nicht zu riskieren, weiter zu viel Marktanteile zu verlieren.

Gestützt auf sein hervorragend laufendes Stammgeschäft kann Google also neue Märkte erobern und dabei gelassen das Feld von hinten aufrollen. Als grobe Richtschnur kann man sich merken: Pro Quartal erzielt Google aktuell etwa 5 bis 6 Mrd. USD Umsatz und verbucht davon bis zu 2 Mrd. USD als Gewinn. 2010 dürfte Google also mehr als 20 Mrd. USD Umsatz und ca. 8 Mrd. USD Gewinn machen.

Vorstellbar ist nun, dass Google schon 2015 bis zu 50 % seines Umsatzes nicht mehr mit Werbung, sondern mit Softwarelizenzen im Firmengeschäft verdient. Das wäre nicht nur eine sehr gute Diversifikation, sondern würde auch der Google-Aktie Fantasie verleihen.

Ein Hinweis zum Schluss: Andy Rubin, Vice President of Engineering bei Google hat in einem Gespräch mit Walt Mossberg zugegeben, dass sein Unternehmen an einem Enterprise-Google-Phone arbeitet. Hat da noch jemand Zweifel am hier skizzierten Strategiekonzept? Honi soit qui mal y pense…

In Bayern sieht man Googles Street View mit gemischten Gefühlen entgegen, und das quer durch alle Parteien, wie Heise meldete. Was aber werden die Politiker im bayerischen Landtag erst sagen, wenn dieses Produkt auf den Markt kommt?

Das schwedische Software-Unternehmen TAT hat gerade eine Applikation für Android Mobiltelefone angekündigt, mit der Gesichter erkannt und dazu dann Daten aus dem Internet abgerufen werden können.

Diese Form von Augmented Reality ist durchaus faszinierend, wirft aber auch Fragen auf. Denn was im gezeigten Beispiel einer geschäftlichen Präsentation schon Sinn macht, sieht auf offener Straße wieder ganz anders aus: Kann damit künftig jeder jeden identifizieren?

Für den stationären Handel ergeben sich ungeahnte Perspektiven, da dieser seine Laufkundschaft mit dieser Technologie (und fest installierten Geräten) unauffällig scannen und sortieren könnte: Stammkunden werden identifiziert und persönlich beraten, Personen mit negativer Schufa erhalten Ware nur gegen Bargeld und notorische Nichtkäufer werden des Hauses verwiesen.

Aber schon auf einer harmloseren Ebene könnte so etwas zum Alptraum werden: Betrete ich etwa ein Ladengeschäft und werde dort registriert, kann mir die Ladenkette sofort und automatisiert auf Twitter folgen, versuchen auf Facebook mein “Freund” zu werden und mein Blog mit Kommentaren zu spammen (”toller Artikel”). Wollen wir so etwas wirklich? Oder werden wir bald alle wie einst der unglückliche Michael Jackson nur noch mit Mundschutz, Sonnenbrille und Hut auf die Straße gehen?

Konflikte und scharfe politische Debatten sind hier vorprogrammiert, auch wenn sie vielleicht noch Jahre auf sich warten lassen. In Sachen Google Street View führt der bayerische Landtag seine Debatte auch reichlich spät und dürfte nicht mehr viel Einfluss haben (was ich in diesem Fall auch für unnötig halte).

Von Layar, der Augmented Reality Applikation, die Daten zu Gebäuden auf Android Handys bringen kann (und in Deutschland noch nicht verfügbar ist), bin ich sehr angetan. Zu “Augmented ID” von TAT hingegen hoffe ich auf eine ausgiebige Debatte zu ihren ethischen Aspekten…

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