Andreas Göldi

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Facebook LogoDa kommt also Facebook mit seiner deutschen Sprachfassung hier an und in der Blogosphäre hat sich der Wind ganz schön gedreht: War man sich vor einigen Monaten noch ziemlich einig, dass dieses Social Network seine lokalen Konkurrenten, allen voran studiVZ, nur so wegpusten würde, bläst nun Facebook selbst ein strenger Wind ins Gesicht.

Robert Basic analysiert die Nutzerzahlen und kommt zum Ergebnis, dass der deutsche Markt stark zersplittert sei. Somit hätten die Networks deutscher Machart eine realistische Chance, im Wettbewerb mit den “dominierenden US-Plattformen” bestehen zu können. Kurz- bis mittelfristig gesehen ist das sicher richtig. Langfristig sieht er etwas völlig Neues kommen, das die Social Networks ablösen könnte: Das Revival der Homepage sowie Networking als Commodity. Das wäre dann vielleicht so etwas wie eine “frei schwimmende Profilseite”, mit der Traffic teilweise zu mir selbst kommt oder ich damit aber auch irgendwohin gehen und zeitweilig andocken kann.

Vor dem Hintergrund eines solchen Szenarios sieht selbst der junge Mark Zuckerberg recht alt aus. Aber muss er sich deswegen Sorgen machen?

Sorgen sollte er sich um sein aktuelles Geschäft machen. Denn die fallenden bzw. stagnierenden Nutzerzahlen zeigen, dass die User der unnötig vielen Spielereien auf Facebook überdrüssig werden. Und das ist kein gutes Zeichen. Meines Erachtens hat man versäumt, ernsthafte (nützliche) Anwendungen zu entwickeln und etwa Facebook an die Spitze von Enterprise 2.0 zu setzen. Die Plattform ist ja da, es fehlen aber taugliche Applikationen für das Projektmanagement oder intelligente Wiki-Module für das Wissensmanagement. Facebook hätte die Intranet-Anwendung kleinerer Unternehmen werden können. Aber diese Möglichkeiten hatte man offensichtlich nicht im Blick.

Peter Thiel dachte wohl nur ans (schnelle) Geld und Mark Zuckerberg fehlt eben doch so etwas wie Berufserfahrung. Als schweren Fehler könnte sich auch noch herausstellen, dass man etwa den deutschen Markt ganz aus dem sonnigen Kalifornien steuern möchte. Ohne eigene Niederlassung aber, so denke ich, wird Facebook hier nicht richtig ankommen.

Facebook bräuchte wenigstens ein kleines Team hier vor Ort, das die einschlägigen Web 2.0 Veranstaltungen besucht, Kontakte zu Hochschulen und Unternehmen knüpft und nebenbei vielleicht noch den Politikern in Berlin erklärt, was Social Networks eigentlich sind. Und so könnte Andreas Göldi, der notorische Facebook-Pessimist, am Ende doch noch mit seiner Skepsis Recht behalten. Ich gebe aber die Hoffnung noch nicht ganz auf. Denn Mark Zuckerberg und seine Mannschaft mögen noch sehr jung sein. Dafür sind sie aber auch lernfähig, flexibel und durchaus noch für eine Überraschung gut.

readbox logoWer die Zukunft des gedruckten Buches (voraus-) sehen möchte, muss sich nur aktuell die Musikindustrie anschauen: Da sinkt der Umsatz mit den Tonträgern von Jahr zu Jahr und gleichzeitig wird mit harten Bandagen gegen tatsächliche und vermeintliche Raubkopien und Verletzungen des Urheberrechts vorgegangen. Unbeeindruckt von diesen Kämpfen nehmen junge Musiker und Bands ihr Geschäft zunehmend selbst in die Hand und probieren im Internet neue Zugangswege zu ihren Fans und Möglichkeiten der Vermarktung aus.

Was den Lesestoff betrifft, weist aktuell Andreas Göldi den Weg in die “schleichende Papierlosigkeit”. Dabei mag der Kindle von Amazon aber noch nicht das letzte Wort sein. Denn ausgerechnet im Ruhrgebiet, das so lange als rückständig und unfähig zum Strukturwandel galt, macht man sich auf, mit der readbox den Literaturbetrieb (endlich) auf den Stand zu bringen, den uns der User Generated Content auf vielen anderen Feldern längst ermöglicht.

Ist es nicht komisch, dass uns bei all dem Hochladen, Kommentieren und Bewerten von Fotos und Videos auf diverse Plattformen nicht aufgefallen ist, dass genau das bei der Literatur (noch) nicht geht?

Rund um die Literatur ist ja schon Einiges entstanden, etwa das Tagging literarischer Orte, wie uns gerade Mario Sixtus sehr schön ins Gedächtnis ruft. Daneben stehen Diskussionsplattformen, auch wenn diese sich, genau wie Handlungsreisen.de, noch auf das gedruckte Buch beziehen.

Die readbox ist somit ein ziemlich radikaler Schritt. Und bemerkenswert ist, dass die Gründer nicht aus der Verlagswelt stammen. Zudem ist ihr Konzept meines Wissens nach noch ohne Vorbild und somit keine Kopie einer amerikanischen Idee! Und das sollte uns im Land der Dichter und Denker doch optimistisch stimmen, oder?