3D

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Während bei CNN die “Magic Wall” (entwickelt von Jeff Han) für Furore sorgt und Microsoft seine Surface-Technologie allmählich auf den Markt bringt, zeigt Oblong (USA) ein Interface, bei dem der Computer allein mit Gesten bedient wird (via Engadget):

Die Technologie ist beeindruckend und wird, nach Angaben des Herstellers, bereits in in einer Reihe von Anwendungsfeldern eingesetzt. Oblong reklamiert damit für sich, der erste Hersteller zu sein, der seit der Einführung der Maus (1984) die Schnittstelle von Mensch zu Computer entscheidend erweiterte, indem man die räumliche (dreidimensionale) Ebene erschlossen hat.

So gesehen wäre die Technologie der Touchscreens, wie sie bei Jeff Han, Microsoft und natürlich Apple (iPhone) zum Einsatz kommt, nur der Abschluss einer rund 25jährigen Entwicklungsperiode, die den Computer in praktisch alle Haushalte gebracht und damit unsere Welt entschieden verändert hat.

Ob der Ansatz von Oblong ebenso weitreichende Folgen haben wird? Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich in virtuellen Welten mit Datenhandschuhen entschieden müheloser bewegen kann, als derzeit noch mit der Maus oder einer Spielkonsole. Und nachdem die Spielebranche für etliche Milliarden Umsatz gut ist (und zudem als krisenresistent gilt!), brauchen wir uns wohl um die Erfindung von Oblong keine Sorgen zu machen…

Als ich dieser Tage einen Kommentar zu einem schon älteren Beitrag bekam, entstand die Idee, davon eine Neuauflage zu machen. Christian Henner-Fehr könnte heute nämlich berichten, dass sich im Kulturbereich in Sachen Web 2.0 seit letztem Jahr doch Einiges getan hat.

Aber in welcher Form sollte diese Neuauflage erfolgen? Die Textform schien mir nicht mehr zeitgemäß und so dachte ich an ein Treffen in einer virtuellen Welt. Bei dieser Gelegenheit warf ich einen schnellen Blick auf Lively von Google, verwarf die Idee dann aber wieder.

Lively fehlt nicht nur der Voice Chat, sondern in meinen Augen noch etwas anderes, das mich auch an Second Life stört und das vielleicht eine Erklärung dafür bietet, warum diese virtuellen Welten außer im Bereich der Spiele noch nicht so recht in Fahrt gekommen sind: Der Avatar, das bin nicht ich! Weder sieht er so aus, noch bewegt er sich so. Will ich also Dritten gegenüber etwas von mir vermitteln, scheidet so ein Avatar weitgehend aus, weil er kaum Rückschlüsse auf meine “wirkliche” Person zulässt.

Bei Spielen ist das kein Hindernis, im Gegenteil: Dort schlüpft man ja absichtlich in eine andere Rolle. In Second Life hingegen ist ein Avatar bestenfalls eine schöne Selbstinszenierung die zeigt, wie man gesehen werden möchte.

Deshalb soll aber der Stab über die 3D-Welten nicht gebrochen werden. Hier ein Ansatz der IBM, den ich für vielversprechend halte: Ein Problem wird gelöst, in dem sich zwei Mitarbeiter im virtuellen Raum treffen und dabei anhand eines 3D-Modells festlegen, was wo zu machen ist (via eightbar).

eingebunden mit Embedded Video

Das Beispiel zeigt, dass eine virtuelle Umgebung für die Erörterung von Sachproblemen sehr nützlich sein kann. Steht aber der Mensch im Mittelpunkt, schwächelt das Konzept der 3D-Welt (noch). Das dürfte auch der Grund sein, warum Geeks wie Robert Scoble immer noch mit der Kamera durch die Gegend laufen. Ob ich deswegen jetzt auch eine Kamera kaufen und für ein Interview zu Christian nach Wien fahren soll? Der würde Augen machen…

In mancher Hinsicht stehe ich den neuen virtuellen Welten ja noch etwas skeptisch gegenüber. An einer Entwickung habe ich aber keinen Zweifel mehr: Schon bald werden die ersten Bauträger, Architekten oder Projektentwickler ihre Bauprojekte nicht nur anhand von Zeichnungen, kleinen Modellen und farbigen Prospekten werblich anpreisen, sondern sie als virtuelle Objekte etwa in Second Life erstellen.

Warum? Bekanntlich haben viele Menschen Schwierigkeiten, (zweidimensionale) Pläne zu lesen und sich darauf aufbauend vorzustellen, wie das künftige Traumhaus oder die Traumwohnung wirklich aussehen wird. Ein Anbieter, der mit einem virtuell begehbaren Modell aufwarten kann, bietet mehr Anschaulichkeit und erhöht so seine Verkaufschancen.

Hat der Bau- und Immobililiensektor in Deutschland das schon erkannt?

Mehrheitlich noch nicht. Aber erste Ansätze sind schon da, etwa bei Dr. Krusche und Partner, die als Softwarespezialisten mit interessanten Lösungen aufwarten. Der Fertighaushersteller Schwörer zeigt auf seiner Website die Musterhäuser schon mit virtuellem Rundumblick. Der Küchenhersteller Alno bietet einen virtuellen Küchenplaner zum Download an. Aber noch ist nicht überall 3D drin, wo 3D draufsteht: Etwa beim 3D-Hebel-Haus, das zwar so heisst, aber nicht dreidimensional betrachtet werden kann.

Ganz offenkundig ist also der Stand der Technik bereits weiter als Teile der Immobilienbranche das für möglich halten. Und von einer anderen Seite nähern sich Google und Microsoft dem Thema: Beide Unternehmen wetteifern derzeit um die schönste Abbildung der Welt im Internet, via Google Earth bzw. Virtual Earth, wo auch dreidimensionale Darstellungen nicht fehlen sollen. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Immobilienkäufer und schwäbischen Häuslebauer an solche Dienste gewöhnen und auch von ihrem Makler, Architekten oder Bauträger dreidimensionale (und begehbare) Objektansichten fordern werden.

Welche Auswirkungen hat das auf die Geschäftsmodelle und Strategien in der Branche?

  1. Insbesondere kleinere Anbieter (Makler, Architekten…) sollten sich rasch informieren: Die Techniken sind da und sie sind auch nicht mehr teuer. Somit kann gerade ein kleiner Marktteilnehmer mit einer innovativen Web- bzw. Werbe-Strategie einen deutlichen Wettbewerbsvorteil erzielen, seinen Bekanntheitsgrad erhöhen und den Umsatz steigern. So etwa junge Architekten, die noch wenig fertige Bauten vorweisen können. Oder Makler, die sich positiv aus der Flut von Wettbewerbern herausheben möchten.
  2. Unternehmen mit Zuliefererfunktion (Sanitär, Treppenbau, Klimatechnik…) sollten ebenfalls ihr Wissen in diesem Bereich verstärken und sich als Exklusivpartner für ihr Gewerk im virtuellen Musterhaus anbieten. Denn jedes virtuelle Objekt ist auch eine (neuartige) Werbefläche für Böden, Einbauküchen oder eine Heizung.
  3. Fertighaushersteller oder Projektentwickler für (massives) schlüsselfertiges Bauen sollten über virtuelle Siedlungen von Musterhäusern nachdenken. Zur Kostensenkung siehe Punkt 2: Beziehen Sie Partnergewerke ein und teilen sie sich die Kosten mit den teilnehmenden Unternehmen. Für potentielle Kunden wird es bald normal sein, zunächst die virtuellen Objekte zu “besichtigen” und danach zu entscheiden, welche Musterhäuser man in Natur ansehen will.

Am Schluss bleibt nur die Frage, ob man heute schon voll und ganz auf Second Life setzen sollte. Wer an dieser Stelle schon restlos überzeugt ist, kann sich gleich ein Stück Land dort kaufen. Die Gebrauchsanleitung hierfür gibts im Blog von Nicole Simon.

Ich empfehle eher, zunächst den eigenen Internetauftritt ins Web 2.0-Zeitalter zu führen und dort die Möglichkeiten der 3D-Technik einzubinden. Das geht schneller, kostet erstaunlich wenig und bringt messbare Ergebnisse schon auf Sicht von 6 bis 12 Monaten.