Das ist doch mal ein wirklich viel versprechender Ansatz: Asus zeigt, wie ein Tablet-Computer mit einer Tastatur so verbunden werden kann, so dass es sich auch als vollwertiges Netbook einsetzen lässt. Leider kann uns Sascha Pallenberg noch nicht wirklich viel darüber erzählen, weil das Demo-Gerät ausgeschaltet ist. Die Software dazu soll Windows 7 von Microsoft sein.

Asus demonstriert damit, dass man es auch anders als Apple machen kann und dass der Markt für Tablets noch für einige Überraschungen gut sein dürfte. Das iPad ist also noch nicht das letzte Wort, auch wenn es derzeit das einzige am Markt erhältliche Gerät dieser Kategorie (und Größenklasse) ist.

Insgesamt scheint es mir, als würde gerade die große Innovationswelle bei Social Software stark abflauen und von einem Schub an Neuerungen bei der Hardware abgelöst werden. Über weite Strecken war das hinter uns liegende Jahrzehnt geprägt von den Veränderungen im Internet (”Web 2.0″).

Der Fokuswechsel hin zur Hardware (für das Internet) kam mit dem iPhone ab dem Jahr 2007 und setzt sich aktuell mit den Tablets (und E-Book-Readern) fort, während sich die nächste Welle mit dem Einbezug der Fernsehgeräte (Google TV, Apple TV, Boxee…) bereits abzeichnet.

Natürlich stagniert damit die Entwicklung bei der Software nicht. Nur ist sie aktuell sehr stark gerätebezogen. Bei der Software für Wikis, Blogs oder Social Networks passiert nicht mehr viel Neues, allenfalls Verbesserungen im Detail oder eben die unvermeidlichen Applikationen, seien sie für den App Store von Apple oder den Android Market von Google, machen von sich reden.

Das sogenannte “Web 3.0″, als Nachfolger des Web 2.0 ist ohne Zweifel da, nur eben ganz anders als noch vor wenigen Jahren erwartet: Nicht so sehr im Internet bzw. softwaregetrieben, sondern vielmehr auf der Ebene der Geräte, also bei der Hardware. Mitten drin Asus, wo man einen guten Riecher für die Netbooks hatte und jetzt auch bei den Tablets den Anschluss zu finden scheint.

Soziale Netzwerke sind sehr viel mehr eine Erfahrung im realen Leben als im Internet. Darauf macht uns der Arzt und Wissenschaftler Nicholas Christakis in seinem TED-Vortrag aufmerksam. Er erforscht beispielsweise, wie Fettleibigkeit (Obesity) sich ausbreitet und welche Rolle dazu soziale Beziehungen (in größerem Maßstab) spielen können.

Sein Vortrag zeigt, dass Dienste im Internet wie Facebook noch weit davon entfernt sind, unser reales Geflecht an Beziehungen auch nur annähernd abzubilden. Und doch sind wir irgendwie auf dem Weg dorthin. Antje Schrupp beleuchtet in einem aktuellen Artikel auf ihrem Blog, wie auf Facebook unter dem Begriff “Freunde” ganz unterschiedliche Beziehungsebenen aufeinander prallen können: Eltern, Geschwister, Nachbarn, Berufskollegen – was im realen Leben oft fein säuberlich getrennt abläuft, kommt im News Feed von Social Networks ungefiltert zusammen.

Sie findet das gut und plädiert für ein “Ende der Heuchelei”. Der Mensch soll sein (dürfen) wie er ist und nicht mehr in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Rollen spielen müssen. Allerdings kann die neu gewonnene Freiheit auch leicht neue Zwänge mit sich bringen, etwa wenn sehr private Dinge in der Timeline eines Social Networks ausgebreitet werden und damit ein (Handlungs-) Druck aufgebaut wird.

Wer Antje Schrupp widersprechen möchte (in den Kommentaren zu ihrem Artikel gibt es reichlich Widerspruch), sollte bedenken, dass in den letzten Jahren zwar sehr viele themenorientierte Social Networks im Internet entstanden sind, die der Trennung unterschiedlicher Sphären und Interessen Genüge tun, diese sich aber in den meisten Fällen nicht auf Dauer halten konnten. Durchgesetzt hat sich Facebook, als eine Art alles umfassender Dienst, der noch die unterschiedlichsten Interessen bedienen und bündeln kann.

Meiner Meinung nach wird sich Facebook in den nächsten Jahren erheblich weiter entwickeln und dabei vielleicht eine Art “Schichtenmodell” konstruieren, mit dem sich seine User in abgestuften Graden öffentlich äußern und sich zudem auch in voneinander getrennten Sphären werden bewegen können. Dies halte ich nicht als eine Art Gegenmeinung zu Antje Schrupp für wahrscheinlich, sondern allein wegen des Information Overload: Es macht schlicht und einfach keinen Sinn, jede Äußerung und jede Empfehlung auf Facebook vor einer (technisch bedingt) homogenen Gruppe von “Freunden” zu tun, obwohl man längst nicht alle Interessen mit jeweils allen diesen Freunden teilt.

In Sachen Musik oder Kleidung etwa wird man mit Gleichaltrigen anders kommunizieren als mit seinen Eltern. Und dies liegt nicht daran, dass letztere nicht wissen dürften, was man mit den ersten teilt: Es sind schlicht die unterschiedlichen Interessen, die dafür sorgen, dass den einen in der Timeline langweilt, was den anderen interessiert.

Im Ergebnis wird es daher vielleicht nicht so offen und radikal kommen, wie Antje Schrupp es sieht. Social Networks werden komplexer werden, Filtermechanismen integrieren und vermutlich mit Algorithmen versuchen, jedem User nicht beliebig viel, sondern möglichst interessante und relevante Inhalte zu bieten. Auf dem Weg dorthin könnten sie sich auch von Dr. Nicholas Christakis beraten lassen, um in der digitalen Gesellschaft mehr Empathie und weniger Fettleibigkeit entstehen zu lassen.

Das nächste große Ding wird das Internet der Dinge (Internet of Things). Der Weg hin zur elektronischen Vernetzung von Gegenständen des Alltags ist durchaus wahrscheinlich, da Informationstechnologie immer preisgünstiger und räumlich kleiner wird. Zudem ist dieses Internet der Dinge ein großes Geschäft und kommt mit dem Versprechen, unser Leben angenehmer und leichter zu machen. Wer wollte sich dem in den Weg stellen?

Hier zur Einführung in das Thema die Sichtweise der IBM, die uns in 5 Minuten einen guten Überblick über die Materie gibt (via: Dieter Josten):

Einen etwas anderen Blick auf das Internet der Dinge hat Jesse Schell, Spieleentwickler und Dozent an der Carnegie Mellon University. Er sieht (ironisch) voraus, dass Spiele und Bonuspunktsysteme unseren Alltag beherrschen werden, wenn erst einmal alle Gegenständen, angefangen von der Zahnbürste bis hin zu unseren Schuhen, mit vernetzen Sensoren bestückt sein werden. Hier ein Ausschnitt aus einem Vortrag vom Februar 2010, den man in voller Länge hier (TED) sehen kann:

Schließlich noch eine völlig andere Perspektive. Andrew Hessel, Professor an der Singularity University, sieht das Internet der Dinge an der Schnittstelle zwischen Informatik und Biologie enstehen, weil Bakterien letztlich nicht viel anders als Computer funktionieren und DNA ihre Programmiersprache sind. Hier sein faszinierender Vortrag vom März 2010 (Mobile Monday, Amsterdam):

Andrew Hessel zitiert in seinem Vortrag Juan Enriquez mit der Aussage, die Menschheit werde sich in den nächsten 20 Jahren zu einer “völlig neuen Spezies” entwickeln. Gut möglich, dass uns das in eine gesellschaftliche Zerreissprobe führen wird.

Das Internet der Dinge bietet ohne Zweifel interessante Perspektiven, aber auch Potenzial für eher bedrohliche Szenarien. Den Gegnern bzw. Skeptikern der Digitalisierung wird hier noch reichlich Munition geboten werden und Optimisten wie Andrew Hessel werden viel Geduld brauchen, ihre Sicht der Dinge zu vermitteln.

Hans Rosling erklärt unsere Zukunft anhand der Bevölkerungsentwicklung: Vier Minuten die sich lohnen und zeigen, dass die Zukunft in Asien liegt. In exportorientierten Ländern wie Deutschland sollte diese Perspektive mit Optimismus gesehen werden, denn an Märkten für unsere Produkte wird es nicht fehlen.

Allerdings mahnt Rosling an, dass die Erde so etwas wie “Global Governance” bräuchte, wo heute noch auf der Ebene von Nationalstaaten politisch gedacht und gehandelt wird.

Kinder lieben gut gemachte Bücher und sie werden ohne Zweifel Tablets vom Schlage des iPad ebenfalls lieben. Denn Bücher auf dem iPad wird man nicht nur lesen können: Man kann sie schütteln, drehen und vermutlich auch bald schon mit ihnen sprechen.

Alice for the iPad ist eine Adaption des berühmten Kinderbuches für das iPad und wie das Promotionvideo zeigt, kann man durch Berühren des Bilschirms bzw. Drehen und Kippen des ganzen Gerätes die optische Darstellung beeinflussen.

Für das gute alte (Kinder-) Buch könnten damit schwere Zeiten anbrechen. Denn welches Kind wird noch gerne zum gedruckten Buch greifen, wenn es die gleichen Inhalte animiert auch auf einem Tablet haben kann?

Zugleich dürften animierte eBooks Wasser auf die Mühlen der Hersteller von Computerspielen bzw. -konsolen sein, die damit auch Mädchen als Zielgruppe werden besser adressieren können. Mädchen, die sich bekanntlich weniger für Technik interessieren als Jungen, schaffen den Sprung vom Tablet zur Konsole leicht, wenn nur die Inhalte ähnlich genug sind.

Der Gamingbranche wird man das nicht zweimal sagen müssen: Sie können an den Verkaufszahlen der Apps ablesen, worauf sie ihr Angebot ausrichten müssen. Theoretisch können sie sogar ihr Geschäft um animierte eBook-Apps erweitern. Denn ihre Kernkompetenz ist ja die Animation, da ist die Ergänzung um Textblöcke eine der leichteren Übungen. Die Buch-App könnte so zu einem Teaser werden und das eigentliche Geschäft macht man dann mit Spielen, die optisch und inhaltlich den animierten Büchern angeglichen sind.

Für die klassischen Buchverlage wird der Sprung dagegen groß und hart: Denn Text allein wird nicht mehr zum Erfolg reichen und in Sachen Programmierung haben sie wenig Kompetenzen. Dazu kommt, dass sie sich hier quasi auf vermintes Gelände begeben. Schon bei den Spielekonsolen gibt es keine einheitlichen (Software-) Standards und auch bei den Tablets bzw. E-Book-Readern zeichen sich regelrechte Paralleluniversen ab.

Apple zum Beispiel tut alles, um sein Ökosystem aus Hard- und Software bestmöglich zu schützen und abzuschotten. Jüngst wurden die Richtlinien für Applikationsentwickler dahingehend verschärft, dass nur noch in bestimmten Programmiersprachen für das iPhone bzw. iPad entwickelt werden darf. Konzepte, die auf eine Vermarktung von Inhalten (in Form von Applikationen) über mehrere Plattformen zielen, werden dadurch (unnötig) erschwert.

Lamentieren aber hilft nicht. In den nächsten 10 Jahren werden eBooks aus ihrer Nische heraus kommen und dabei einen großen Markt entstehen lassen, der vermutlich mehr kreative Impulse aus dem Bereich des Gaming denn aus der klassischen Buchbranche beziehen wird. Tablets, die heute noch relativ teuer und selten sind, werden in jedem Wohn- und Kinderzimmer Einzug halten. Möge sich die Verlagsbranche darauf einstellen und möge jemand den Buchhandel darauf vorbereiten, dass Kinderbuch-Apps nicht bei ihm, sondern in App Stores und Android Markets direkt auf den Geräten gekauft werden.

« Ältere Artikel § Neuere Artikel »