Was passiert, wenn zwei hochbegabte Informatiker in Deutschland mit ihrer Vision weitgehend allein gelassen werden? Es kommt ein Startup wie mashlab dabei heraus. Seit gut zwei Jahren arbeiten Oliver Sommer und Wolfgang Huther an ihrer Idee, die Gestaltung von Webseiten so zu vereinfachen, dass sich jeder Laie ohne fremde Hilfe seinen Auftritt im Netz selbst erstellen kann.

Anfang Dezember sind sie mit mashlab aus dem Stealth-Mode in die offene Beta gewechselt und um es kurz zu machen: Das Angebot kann noch nicht überzeugen. Denn ganz so kinderleicht ist es dann doch nicht. Der Umgang mit mashlab will geübt sein, ohne Rückgriff auf die Tutorials dürften es Unbedarfte nicht schaffen.

Bedenklicher aber stimmt mich, dass das Konzept von mashlab wie ein Blick zurück auf die 1990er Jahre anmutet, als statische Seiten im Web der letzte Schrei waren. Heute dagegen sprechen wir vom Real Time Web und auf mashlab ist davon nicht viel zu sehen, außer vielleicht dass man seine neuesten Tweets irgendwie einblenden kann.

Der Stand der Dinge heute wäre, dass ich auf einer Seite im Web Content einstelle und dieser dann entweder 1:1 oder als Benachrichtigung auf diverse weitere Kanäle verteilt wird. Was auf Twitter gepostet wird, lässt sich automatisch auch im Stream auf Facebook anzeigen. Fotos, die ich mit dem Smartphone mache, werden über eine Applikation direkt zu Flickr, Posterous oder auch wieder Twitter geschickt. Foursquare oder Gowalla drehen die Schraube noch weiter und bringen Lokationen ins Spiel. Gleichzeitig bleiben sie dabei auch “rückwärtskompatibel” zu anderen Social Networks, so dass die Anbindung an den “Communication Flow” gewährleistet bleibt.

Alles im Netz ist heute in Bewegung, nur mashlab steht. Leider. Warum hat es den beiden Gründern keiner gesagt? Was ist das für eine Förderung an der LMU (Ludwig-Maximilians-Universität München), immerhin einer der Exzellenzstandorte Deutschlands?

Noch aber ist es nicht zu spät: Denn ein vielleicht entscheidender Teil der Vision von mashlab, den man hier im Teaser sehen kann, lässt sich noch gar nicht praktizieren. Mit der Hand steuern geht nicht, weil wir ja noch so gut wie keine Touchscreen-Computer haben. Die Tablets sind gerade erst im Anmarsch und könnten der Sache erst so richtig Schub geben. Bis dahin aber müsste noch erheblich nachgebessert werden: mashlab muss sich nahtlos in das Lifestreaming im Netz integrieren lassen und idealerweise für seine User zum Dreh- und Angelpunkt werden, von wo aus sie ihren Content in die diversen Social Networks leiten. Damit könnte mashlab eine Art “umgekehrtes” pip.io werden, eine Schaltstelle für den Ausgang aller Botschaften.

Diese Entwicklung ist zwingend. Denn Privatpersonen haben heute im Netz keine Homepage mehr, ihnen reicht ein Profil auf einem der großen Social Networks. Künstler, Kreative und Selbständige dagegen brauchen die eigene Adresse im Netz, müssen gleichzeitig aber auch flexibel sein und mit ihren Botschaften ihren Kunden dorthin folgen, wo diese sich bevorzugt aufhalten: Auf einem der vielen Social Networks nämlich. Auf das Gefunden werden in Suchmaschinen sollte sich heute niemand mehr verlassen, Netzwerke und der Social Graph werden immer wichtiger. Dem muss auch mashlab Rechnung tragen.

Ist das machbar? Ich denke schon. Es käme natürlich auf Oliver und Wolfgang an, sie müssen in erster Linie selbst entscheiden. Dann aber brauchen sie konzeptionelle Unterstützung und natürlich auch Geld. Ohne Risikokapital lässt sich das Projekt sicher nicht mehr auf einen international wettbewerbsfähigen Stand bringen. Und das wäre doch sehr schade, denn die Idee von mashlab ist wirklich gut.

SixthSense aus dem MIT Media Lab könnte die Welt verändern. Der Ansatz von Pattie Maes und Pranav Mistry (bekannt von einer TED Präsentation vom März 2009), der die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer (User Interface) radikal vereinfachen möchte, ist inzwischen offenbar so weit, das Labor zu verlassen und in die Produktentwicklung zu münden. Die Technologie dazu soll in Kürze als Open Source veröffentlicht werden.

Im aktuellen Video stellt Pranav Mistry den schon bekannten Ansatz vor, dazu aber auch ein paar neuere Anwendungen, die einfach umwerfend sind: Auf Papier ausgedruckte Texte oder Grafiken werden einfach mit Gesten “kopiert” und in ein anderes Medium übertragen…

Gesehen im Blog von Ross Dawson.

Jack Dorsey, aus dem Gründungsteam von Twitter, hat sein neues Startup vorgestellt. Es will Bezahlvorgänge einfacher machen. Die einschlägigen Medien (allen voran TechCrunch) überschlagen sich vor Begeisterung (vielleicht auch, weil es Anfang Dezember wenig andere Themen gibt).

Das folgende Video zeigt anfangs Dorsey seine Geschäftsidee erläuternd, danach folgt eine Demonstration eines Bezahlvorgangs:

Ich bin mir da nicht so sicher, ob das ein großer Wurf ist. In der Gastronomie werden seit längerem schon mobile Terminals eingesetzt, auch wenn diese bei weitem nicht so elegant wie ein iPhone sind.

Der wirklich große Wurf wäre es gewesen, die Kreditkarte überflüssig zu machen und durch eine elektronische Geldbörse zu ersetzen. Diese könnte über eine Applikation auf dem Mobiltelefon verwaltet werden. Das Problem bei diesem Ansatz ist die Schnittstelle zum Händler (beim Bezahlvorgang). Sie könnte via Bluetooth überwunden werden, sofern beide Seiten über kompatible Hard- und Software verfügten (das ist die Krux dieses Ansatzes).

Meines Erachtens liegt die ideale Lösung darin, den Bezahlvorgang sowie die Geldbörse auf eine Ebene ins Netz zu holen. Vielleicht schafft das ja Marc Zuckerberg für Facebook. Denn wenn ich dort eine elektronische Geldbörse führen könnte und die Einkaufsstätte meiner Wahl ebenfalls ein Profil auf Facebook hätte, sollte sich Geld problemlos übertragen lassen, unabhängig davon ob der zugrunde liegende Vorgang online oder im realen Leben abläuft.

Allerdings: Während im Sommer viel die Rede war von einer Bezahlplattfom für Facebook, ist es seither merklich stiller geworden. Dafür können wir vorläufig erst einmal mitverfolgen wie sich Square entwickelt und ob in den USA Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Tankstellen jetzt massiv in iPhones und die kleinen Quadrate (für ihre Point of Sales) investieren…

Steve Greene von salesforce.com hat eine sehr bemerkenswerte Präsentation zusammengestellt. Ihr ist nichts hinzufügen, außer dass ich sie im Blog von Anshu Sharma (AnshuBlog) entdeckt habe.

View more presentations from Steve Greene.

Payback Schirrmacher 2009

Frank Schirrmacher hat ein neues Buch geschrieben und ich eine Rezension dazu (auf Carta). Im Buch wird übrigens das Internet-Manifest zitiert (These Nr. 7, auf Seite 125 im Buch):

“Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.”

Diese Sequenz hat Robin Meyer-Lucht ins Manifest eingebracht (den zweiten Satz in Anlehnung an Scott Rosenberg). Frank Schirrmacher hat die These im Buch allerdings nicht vollständig zitiert: Den letzten Satz, den mit den klassischen Medienhäusern, hat er unterschlagen…

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