Unternehmen

Sie durchstöbern gerade das Archiv zum Thema Unternehmen.

Apple TV Screens by Cristiano Betta auf Flickr

Die Gerüchte darüber, dass Apple bald schon Fernsehgeräte auf den Markt bringen wird, wollen nicht verstummen. Allerdings halte ich das aus zwei Gründen für wenig wahrscheinlich: Erstens wäre ein Fernseher kein innovatives Produkt und damit ein sehr schlechter Einstand für den neuen CEO, Tim Cook, und zweitens würde sich Apple damit nur die Lagerräume seiner Apple Stores mit übergroßen Schachteln zustellen.

Also alles nur heisse Luft? Nein. Apple arbeitet mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, Fernsehen als Erlebnis und Markt zu verändern. Nur liegt der Ausgangspunkt dazu nicht in den Bildschirmen. Apple geht es vermutlich nicht so sehr um die Hardware, sondern um die Inhalte. Das Fernsehen der Zukunft bringt uns anderes als nur ein paar Dutzend Sender, die im Non-Stop-Modus den ganzen Tag eine kontinuierliche Folge von meist vorab produzierten Sendungen ausstrahlen.

Es wird mehr dem heutigen Feld der Computer-Spiele ähneln, insbesondere den sog. Multiplayer Games. Die Steuerung könnte über eine Konsole (bzw. das iPhone oder iPad) erfolgen, oder wie bei Microsoft Kinect über die sensorgesteuerte Erkennung von freien Bewegungen. Apple könnte dafür den technischen Rahmen sowie den “TV App Store” zur Verfügung stellen, die Inhalte kämen von Applikationsentwicklern bzw. Content-Lieferanten aller Art. Der Fernseher der Zukunft wäre damit eine Art überdimensioniertes iPhone (oder iPad) und Apples Geschäftsmodell bzw. Umsatzquelle läge primär im Markt der neuartigen Anwendungen, von denen die bekannte 30%-Umsatzprovision einbehalten würde.

Microsoft Kinect at TechDays Toronto 2010 by John Bristowe auf Flickr

Dazu müsste nur die heute schon erhältliche Apple TV-Box um ein paar Funktionen erweitert werden, was keine große Kunst sein sollte. Zudem könnte Apple so elegant einer Auseinandersetzung mit den großen Fernseh-Sendern aus dem Weg gehen, weil diese unangetastet blieben. Anders als Google, wo man den Browser auf den Fernsehbildschirm bringen wollte und damit bislang mehr oder weniger am Wiederstand der TV-Sender gescheitert ist, hätte Apple mit einem TV App Store vielleicht mehr Chancen.

Die Auseinandersetzungen würden erst dann einsetzen, wenn dieser TV App Store so beliebt wäre, dass auch die TV-Sender mit eigenen Apps darauf vertreten sein wollten und sich dabei aber nicht Apples Bedingungen für Umsatzbeteiligungen oder den Richtlinien für Werbeeinblendungen werden unterwerfen wollen. Honi soit qui mal y pense…

Der entscheidende strategische Punkt scheint mir zu sein, dass Apple weder in Fernsehgeräten noch in der Dimension der klassischen Inhalte (Filme, TV-Shows..) denkt, sondern eine neue und offene Richtung (”TV Apps”) anvisiert. Für eine solche Vision von der (näheren) Zukunft des Fernsehens ist es nicht erforderlich, dass Apple in die Produktion von Fernsehgeräten einsteigt. Im Gegenteil: Da es Fernseher schon in allen Wohnungen dieser Welt gibt, muss Apple nur seine Zusatz-Hardware in genügend großer Zahl unter die Leute bringen.

Motorolo PHOTON 4G for Sprint

Google greift tief in seine Taschen um für ca. 12,5 Mrd. US-$ die Mobilfunksparte von Motorola zu übernehmen. Der Schachzug kommt überraschend und die Meinungen darüber sind geteilt. Während manche den Kauf positiv sehen, weil Android  mit künftig rund 17.000 Mobilfunk-Patenten im Rücken besser dastehen sollte, fürchten andere, dass Google seine Android-Partner (HTC, LG, Samsung und Sony Ericsson) vor den Kopf stossen und sich zudem im margenschwachen Hardware-Geschäft verzetteln könnte.

Ein Analyst von S&P hat die Google Aktie deshalb von “Buy” auf “Sell” gestellt. Aber ist das nicht ein bisschen voreilig?

Im Grunde genommen ist Google bis heute eine Suchmaschine mit angehängter Werbeabteilung, die sich um die Vermarktung der Anzeigenplätze kümmert. Dieses Geschäft läuft gut, sehr gut sogar. Nur hat es sich im Lauf der Jahre eben verändert: Reichte es in den Anfangsjahren aus, überhaupt nur eine sehr gute Suchmaschine zu sein, stellten sich bald Wettbewerbskonflikte auf der Ebene der Browser ein.

Nicht alle Anbieter von Browsern, allen voran Microsoft, waren Googles Suchmaschine wohlgesonnen. Google musste erkennen, dass sein schönes Geschäft bedroht war, weil auf manchen Browsern andere Suchmaschinen vorinstalliert waren und sich sehr viele User damit zufrieden gaben. Also fing Google an, die Mozilla Foundation zu unterstützen und entwickelte parallel dazu seinen eigenen Browser, Google Chrome.

Etliche Jahre reichte das aus, doch dann kann die Post-PC-Ära, wie Steve Jobs das nennt: Smartphones und Tablets als neue Gerätegattung lösten die Vormachtstellung des PC ab und Google hatte wieder ein Problem: Wie bringt man nur die Suchmaschine zuverlässig auf alle diese Geräte und das möglichst noch an prominenter Stelle?

Die Antwort hiess: Android, oder auf deutsch: Ein eigenes Betriebssystem für Smartphones und Tablets. Android war eine tolle Sache, abgesehen davon dass Steve Jobs darüber ziemlich böse wurde. Denn die Smartphones mit Googles Software wuchsen seinem Geschäft mit dem iPhone über den Kopf. Es begannen die Patentkriege, die aber im Grunde gar keine wirklichen Patent-Streitigkeiten sind, sondern nur eine neue Form des Marketing. Ich schlage dafür den Begriff “Patent-Marketing” vor!

Wenn etwa Apple Samsung verklagt, weil der koreanische Hersteller seine Smartphones und Tablets dem iPhone bzw. iPad zu ähnlich gestaltet haben soll, ist das auf der juristischen Ebene eine ziemlich dünne Angelegenheit. Marketingtechnisch aber macht es Sinn. Die Botschaft an die Käufer lautet: Ihr werdet doch nicht so ein abgekupfertes Produkt kaufen, sondern lieber das Original haben wollen?

In diesem Sinne wäre der Kauf von Motorola Mobility durch Google ein reines Patent-Marketing-Geschäft. Das ist es aber nicht. Denn Larry Page, der neue CEO im Hause Google, hat etwas ganz anderes im Auge. Er weiß, dass ihm gerade seine schöne Android-Plattform unter der Hand zerbröselt – und das nicht wegen irgendwelcher Patente.

Das Problem liegt in der Fragmentierung der Plattform, die aktuell mit der Vielzahl an Endgeräten und mehreren Varianten des Betriebssystems den Käufern keine einheitliche Produkterfahrung mehr bietet, sondern eher Konfusion auslöst und für Enttäuschungen sorgt. Etwa wenn junge Käufer sich ein neues Android-Smartphone kaufen und dann feststellen müssen, dass auf ihrem Gerät bestimmte Apps oder Spiele nur schlecht oder gar nicht laufen. Noch ist das in der Öffentlichkeit kein großes Thema, es könnte aber bald eines werden.

Dazu kommt, dass die meisten Android-Geräte einfach nicht an die Qualität des iPhone herankommen. In der Folge stösst Google mit seinem Ansatz, nur ein gutes Betriebssystem für mobile Geräte anzubieten, an seine Grenzen. Das durfte Larry Page auch an anderer Stelle lernen: Der von Google entwickelte Ansatz, den Chrome Browser zu einem vollwertigen Betriebssystem für Notebooks auszubauen und mit dem Chromebook den drögen Windows-Rechnern etwas Attraktives entgegen zu stellen, ist gescheitert. Nicht an Microsoft, sondern an Apple.

Steve Jobs hat mit der überraschenden Neuauflage des MacBook Air im Jahr 2010 gezeigt, wo der Hammer für mobile Rechner hängt. Diese sind schnell, klein und unglaublich leicht – und kommen zu einem Preis, der praktisch allen Wettbewerbern die Luft ausgehen lässt. Möglich ist das nur, weil Apple beides kontrolliert, Hard- und Software, und damit hoch performante Systeme schaffen kann, bei denen alle Komponenten bestmöglich zusammen spielen. Das zeigt sich nicht nur am MacBook Air, sondern auch am iPad, dessen Preis und Leistungsfähigkeit von den Wettbewerbern im Android-Lager immer noch nicht erreicht ist. Hier kommt Google mit seinem bisherigen Ansatz nicht weiter.

Google muss also tiefer bohren und bei der strategischen Integration einen Schritt weiter gehen, auf die Ebene der Herstellung von Endgeräten. Die vielfach zu lesende Kritik, Google verstünde nichts von der Produktion und könne auch kein Marketing, kann man getrost vergessen: Wenn jeder immer nur das macht, wovon er schon immer etwas verstanden hat – wo soll dann der Fortschritt herkommen?

Google ist ohne Zweifel reif für diesen Schritt und Larry Page kann jetzt zeigen, was er drauf hat. Dass die Medien noch lange die skeptische Karte spielen und mit Horror-Szenarien auftrumpfen werden, wird ihn nicht irritieren. Schließlich hat er das im Fall von YouTube alles schon mal erlebt: Google wurde 2006 für verrückt erklärt, einen Kaufpreis von 1,65 Mrd. US-$ für ein Video-Portal ohne klar erkennbares Geschäftsmodell auf den Tisch zu blättern. Die Kritik an diesem Deal ist inzwischen verstummt – gut dass die Analysten und Medien jetzt neuen Stoff für ihre Untergangs-Analysen bekommen…

Wonach richten Sie sich, wenn Sie einen geeigneten Anbieter von Collaboration Software suchen? Vermutlich erstellen Sie dafür eine Anforderungsmatrix und vergleichen darin verschiedene Angebote. Dazu brauchen Sie erst einmal eine Liste von Anbietern, die es im zweiten Schritt auf eine überschaubare Teilmenge einzugrenzen gilt. Wie geht man dabei vor?

Ich schaue mir zuerst an, wie ein Anbieter im Web kommuniziert: Gibt es ein Blog? Wird getwittert? Wie steht es um die Facebook-Seite? Denn wer Social Software an Unternehmen verkaufen möchte, sollte auch selbst gern im Social Web kommunizieren.

Hier ein Einblick, als kleine und nicht-repräsentative Auswahl. Jüngst bin ich über die Namen Just Software und Podio gestolpert. Beide waren mir nicht geläufig, so dass ich sie mir genauer angeschaut habe.

Just Software ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hamburg. Es wurde 2007 gegründet, das Hauptprodukt ist die Enterprise Collaboration Software “Just Connect”.

Podio ist ein dänisches Unternehmen, das 2009 in Kopenhagen gegründet wurde und mittlerweile auch einen Sitz in Kalifornien hat. Sein Produkt heißt wie das Unternehmen, “Podio”.

Beide Unternehmen führen ein Blog. Bei Just Software wurde der letzte Eintrag im April 2011 publiziert, bei Podio heute (also am 01. Juli 2011).

Screenshot zu JustSoftware auf Twitter, Stand: 01.07.2011

Beide Unternehmen twittern. Dabei bringt es Just Software auf 238 Tweets, 82 Follower und steht auf 6 Listen, während Podio 287 Tweets bei 2.096 Followern zählt und auf 123 Listen steht (Stand 01. Juli 2011).

Screenshot zu Podio auf Twitter, Stand: 01.07.2011

Kann man daraus etwas Substanzielles ableiten? Objektiv betrachtet nicht, denn damit ist noch überhaupt nichts über den Kern der Sache, die jeweilige Software, gesagt. Es reicht aber für einen ersten Eindruck, der in meinem Fall bei Just Software negativ ist, während mich Podio positiv stimmt, so dass ich gerne mehr über dieses Startup erfahren möchte.

Just Software bloggt und twittert seit Januar 2010, das Engagement wirkt lustlos und ohne nennenswerte Effekte in der Reichweite. Es ist ganz offensichtlich: Die Software dieses Unternehmens wird nicht über das Web “verkauft”.

Bei Podio dagegen setzt man erkennbar auf die Wirkung des Web. Getwittert wird seit September 2010 (in englischer Sprache), mit einer deutlich anderen Wirkung als bei JustSoftware. Das Blog startete erst im März 2011, mit dem offiziellen Produkt-Launch.

Erkennbar wird im Vergleich, dass sich Just Software wohl stark auf den großen deutschen Markt verlässt, während Podio von Beginn an über Dänemark hinaus nach Berlin (es gibt eine deutsche Sprachversion!), London und natürlich San Francisco schaute. Podio möchte ganz offensichtlich nicht nur in Europa eine Rolle spielen, sondern auch in den USA und damit in die erste Liga der Anbieter von Collaboration Software aufsteigen.

Zieht man in diese Betrachtung noch den Aufbau der Unternehmens-Website ein, verfestigt sich der erste Eindruck: Bei Podio wirkt alles moderner, leichter und raffinierter, während Just Software hier leider nur “billig” wirkt.

Aber wie schon erwähnt, über die Software der beiden Anbieter ist damit noch nichts gesagt. Dürfte ich jedoch für eine Bewertungsmatrix nur einen der beiden mit in die engere Wahl nehmen, wäre jetzt wohl klar, welcher Kandidat das wäre.

Groupon a door von wovox auf Flickr

Internet-Startups zieht es wieder an die Börse. LinkedIn hat es gerade hinter sich und erreichte am ersten Handelstag prompt eine Bewertung von 9 Mrd. US-$. Facebook hat seinen Börsengang für 2012 angekündigt und strebt einen Börsenwert jenseits der 100 Mrd. an.

Zwischen diesen beiden Social Networks steht Groupon, das Startup rund um stark rabattierte Einkaufsgutscheine. An ihm scheiden sich die Geister: Während manche darin eine Erfolgsgeschichte mit Potenzial für die Zukunft sehen, fühlen sich andere an die Dotcom-Blase von vor 10 Jahren erinnert. Positiv zu Groupon stehen in Deutschland u. a. Jochen Krisch (Exciting Commerce) und Marcel Weiß (neunetz.com), auf der anderen Seite positionieren sich Egghat (egghats blog) oder Dirk Elsner (Blick Log).

Groupon ist ein amerikanisches Startup, das mit Gutscheinaktionen Unternehmen helfen will, neue Kunden zu gewinnen. Es wurde von Andrew Mason im Herbst 2008 in Chicago gegründet und wurde als das am schnellsten wachsende Unternehmen bekannt, weil dessen Wert nur 17 Monate nach der Gründung schon auf ca. 1,35 Mrd. US-$ geschätzt wurde.

Aber nicht nur die Zahlen rund um Groupon weckten schnell Zweifel, sondern auch das Geschäftsmodell, das bisweilen geringschätzig als “Plattform für Schnäppchen” charakterisiert wird. Tatsächlich basiert das Modell der “Gutscheinaktionen” bis heute nur auf möglichst hohen Preisnachlässen, die in einem ausgeklügelten System verwaltet werden.

Möchte sich ein Händler bzw. Dienstleister beteiligen, handelt er mit Groupon eine Rabattaktion mit einer bestimmten Laufzeit aus, innerhalb derer er sich dazu verpflichtet, Kunden, die mit einem Groupon (hier als Bezeichnung für den Rabattgutschein zu lesen) an der Aktion partizipieren möchten.

Kosten fallen dafür keine an. Statt dessen stellt Groupon die Aktion in sein System ein und benachrichtigt per E-Mail alle dafür (lokal) in Betracht kommenden Groupon-User. Diese können sich um einen Groupon für die Aktion bewerben und werden zugleich aufgefordert, ihre Freunde und Bekannten zu der Aktion einzuladen. Mit der “Bewerbung” ist die Bereitschaft verbunden, sich von Groupon den der Aktion zugrunde liegenden Geldbetrag abbuchen zu lassen.

Melden sich genügend Interessenten, kommt die Aktion zustande und Groupon bucht die Beträge ab. Die User können sich dann den Gutschein ausdrucken und damit beim entsprechenden Unternehmen einkaufen. Groupon wiederum behält von den kassierten Beträgen bis zu 50 % ein und reicht den Restbetrag 60 Tage später an den jeweiligen Unternehmer weiter.

Alles easy und lustig: Einkaufen mit Groupon (Foto von Groupon auf Flickr)

Das Prinzip ist schlau, denn weder Groupon noch die partizipierenden Unternehmen tragen so vorab ein Kostenrisiko. Zudem lassen sich die Aktionen sehr granular auf das jeweils bestmögliche Zielpublikum einrichten, weil Groupon über eine stetig wachsende Basis an registrierten Usern verfügt. Die User bekommen nicht einfach nur pauschal irgendwelche Aktionen angeboten, sondern können geografisch, inhaltlich und sogar zeitlich vorfiltern.

Die Frage ist nur, ob Groupon mit dieser ausgefeilten Technik nicht in erster Linie die Kunden an sich bindet und zu Schnäppchen-Jägern erzieht, anstatt seinen Unternehmens-Kunden dabei zu helfen, neue loyale Stammkunden zu gewinnen.

Ein weiteres Problem für partizipierende Unternehmen ist zudem die Tatsache, dass sie die (Mengen-) Wirkung einer einzelnen Aktion nicht im Voraus einschätzen können. Denn selbst wenn die Zahl der verkauften Groupons bekannt ist, bleibt offen, wie viele davon zu welchem Zeitpunkt eingelöst werden.

Das eigentliche Problem mit Groupon scheint mir allerdings eher auf der Makro-Ebene zu liegen. Denn das Versprechen, einem Unternehmen dabei zu helfen neue Kunden zu gewinnen, impliziert entweder einen wachsenden Markt oder Marktanteilsverluste bei den Wettbewerbern.

Auf Wachstumsmärkten aber sind Rabattaktionen, wie sie Groupon propagiert, meistens unüblich, weil gar nicht erforderlich. In stagnierenden oder gar schrumpfenden Märkten dagegen besteht für den einzelnen Anbieter durchaus ein Anreiz, auf Kosten seiner Wettbewerber zu wachsen, weil seine Marge knapp ist und seine Umsätze tendenziell rückläufig sind. Führt man Groupon in einen stagnierenden Markt ein, kann dies zu Umverteilungen zugunsten einzelner Anbieter führen. In der Summe jedoch verlieren tendenziell alle, weil mit Groupon das Preisniveau fällt und zudem ein Teil der Marge jetzt von Groupon beansprucht wird. Groupon wächst so lange in diesem Markt, bis die ersten Anbieter aufgeben müssen, weil sie nicht mehr kostendeckend arbeiten können und die verbleibenden Akteure erkennen, dass sie (insbesondere nach der Marktbereinigung) ohne Rabattaktionen besser fahren.

Noch grundsätzlicher betrachtet kann man Groupon als Ausdruck für unsere Überflussgesellschaft des 21. Jahrhunderts sehen, in der es unendlich viele Märkte bzw. Angebotsnischen gibt, die untereinander in heftiger Konkurrenz stehen, weil sie nicht nur um die knappen Finanzbudgets der Konsumenten, sondern immer stärker auch um deren ebenso knappe Zeitbudgets kämpfen müssen.

Je spezieller die Angebotsnische, um so verlockender die Aussicht auf neue Kunden. Das weiß man bei Groupon und hat mit der Konstruktionsweise seines Angebots, bei dem im Gegensatz zu praktisch allen anderen Werbeformaten vorab keine Kosten anfallen, einen sehr hohen Anreiz geschaffen.

Groupon kann aber nicht das Problem stagnierender Märkte, sinkender Margen oder zu kleiner Marktnischen lösen. In solchen Fällen mutet Groupon wie der Versuch an, mit Benzin ein Feuer löschen zu wollen, zumal das Prinzip sehr leicht nachgeahmt werden kann: Setzt ein Unternehmer Groupon mit Erfolg ein, können seine Wettbewerber dies natürlich auch versuchen. Für Groupon selbst ist dieses Verhalten vorteilhaft, weil der eigene Umsatz damit schnell wachsen kann. Der jeweilige Markt jedoch leidet darunter, so dass hier keine langfristige Win-Win-Situation entsteht.

Unternehmen, die sich einer solchen Marktsituation ausgesetzt sehen, sollten nach echten Differenzierungsmöglichkeiten Ausschau halten und sich Wettbewerbsvorteile erarbeiten, die nicht sofort von der Konkurrenz imitiert werden können. Eine Rabattaktion ist in dieser Lage das Letzte, was einem guten Unternehmer einfallen sollte.

Zudem ist Groupon bis heute den Beweis schuldig geblieben, dass es mit seinen Geschäftspartnern eine nachhaltige und langfristige Beziehung aufbauen kann. Statt dessen weisen Kritiker darauf hin, dass Groupons Kennzahlen stellenweise bereits rückläufig sind, insbesondere in einem seiner ältesten Märkte (Boston).

Gut ins Bild passt da die Tatsache, dass eine Reihe von frühen Investoren in Groupon bereits Kasse gemacht haben: Stolze 870 Millionen US-$ sind bereits aus dem Unternehmen abgeflossen, darunter 28 Millionen an den Gründer Andrew Mason sowie 170 Millionen an die deutschen Samwer-Brüder und deren Geschäftspartner, die beim Verkauf ihres Groupon-Klons CityDeal zwar zunächst in Groupon-Aktien bezahlt wurden, dann aber offenbar doch Cash bevorzugten.

Rechts im Bild: Adrew Mason auf dem e-G8 Forum in Paris (Foto von Roebot auf Flickr)

Somit entsteht der zwiespältige Eindruck dass hier ein Unternehmen viel zu schnell in viel zu große Dimensionen aufgeblasen wird, anstatt der Idee Zeit zu geben, über einen längeren Zeitraum hinweg zu reifen und den Beweis zu erbringen, dass das Konzept der Preisnachlässe, auch in hoch dosierter Form, tatsächlich ein gesundes Element unserer heutigen B2C-Märkte darstellt.

Ich habe grundsätzlich Zweifel daran, dass Unternehmen mit mehr oder minder hohen Preisnachlässen sich nachhaltig neue Kundenkreise erschließen und diese zu loyalen Stammkunden machen können. Groupon ist diesem Sinn nur das Symptom der heutigen Überfülle an Angeboten, nicht aber die Lösung des Problems.

iPad und MacBook Air März 2011

Ab heute (dem 25. März 2011) kann man das neue Apple iPad in Deutschland kaufen. Ohne Zweifel handelt es sich dabei um ein faszinierendes Stück Technik. Vor knapp einem Jahr habe ich mir ein iPad der ersten Generation gekauft und hier auf bwl zwei null darüber geschrieben. Den Kauf habe ich nicht einen einzigen Tag bereut, ich hatte das Gerät fast jeden Tag in der Hand.

Warum also jetzt ein Artikel über das MacBook Air? So interessant das iPad ist, es kann einige Dinge nicht oder nur sehr schlecht. Daran ändert auch die neue Version wenig bis nichts. Vielleicht ist deshalb ja das MacBook Air das bessere iPad? Ich habe es mir vor ein paar Wochen gekauft und kann seither beide Geräte direkt miteinander vergleichen.

Es steht das iPad mit 32 GB (WiFi only) gegen Apples kleinstes MacBook Air: Die Variante in 11” mit 128 GB Speicher, 4 GB Arbeitsspeicher und 1,6 GHz Prozessor. Ein direkter Vergleich mag unfair erscheinen, kostet das MacBook Air so ausgestattet doch etwas mehr als doppelt so viel wie das iPad. Wenn schon nicht der Preis einen Vergleich nahe legt, dann umso mehr Größe und Gewicht: Beide Geräte schenken sich hier nicht viel, das MacBook Air ist gefühlt kaum schwerer als das iPad und ebenso handlich.

Im täglichen Handling erweist sich das MacBook Air sogar als das praktischere Gerät: Als konventionelles Notebook besitzt es nämlich einen Deckel und kann in geschlossenem Zustand leichter herum getragen bzw. abgelegt werden: Das Gerät ist geschützt, während beim iPad stets der Touchscreen zur Vorsicht mahnt. Zudem ist die Rückseite des iPad empfindlich für Kratzer, während das MacBook Air mit seinen 4 Gummifüssen bedenkenlos auf jedem Untergrund abgestellt werden kann. Im Ergebnis kann man das MacBook Air auch mal ohne Schutzhülle in noch der kleinsten Aktentasche mitnehmen, was ich mit meinem iPad so nicht mache.

MacBook Air auf Waschbeton: Kein Problem dank der Gummifüße

Das iPad ist bekanntlich sehr schnell einsatzbereit, da es praktisch immer im Standby-Betrieb gehalten werden kann. Einmal den Home-Button gedrückt und über die dann erscheinende Schaltfläche gewischt, schon ist der Homescreen erreicht. Wie schlägt sich dem gegenüber das MacBook Air? In meinen Augen noch eine Spur besser, weil eleganter: Einfach den Deckel aufklappen und das Gerät erwacht sofort, womit man in geschäftlichen Terminen schon mal überraschte Gesichter erleben kann. Der typische Windows-User ist so etwas nicht gewohnt. Das MacBook Air ist, dank seines Flash-Speichers, ebenso gut für den Standby-Betrieb ausgelegt wie das iPad.

Traut man dem Standby-Betrieb nicht, kann man das Gerät auch konventionell herunter fahren und später wieder neu starten: Ca. 5 Sekunden für den Shut-Down und 15 Sekunden für das Hochfahren sind Werte, mit denen man sehr gut leben kann.

Wer am iPad das Fehlen von Anschlussmöglichkeiten bemängelt, dem wird das MacBook Air geradezu paradiesisch erscheinen: Volle zwei USB-Buchsen, eine links, eine rechts – was will man mehr? Mehr wollen eigentlich nur die Besitzer von Netbooks, die zumeist konsterniert feststellen müssen, dass die besseren Anschlussmöglichkeiten ihrer Geräte das Einzige sind, was sie Apples Rechner voraus haben. In jeder anderen Hinsicht lässt das MacBook Air sie weit hinter sich: Sei es bei der Rechenleistung, sei es beim Bildschirm (von der Optik und natürlich auch dem Preis ganz zu schweigen).

Das MacBook Air ist ein ausgesprochen schneller und dabei sehr leiser Rechner. Man muss sich schon viel Mühe geben, um den Lüfter so richtig aus der Reserve zu locken. Meist bleibt es ebenso still wie das iPad. Davon abgesehen, trennen sich dann aber die Wege der beiden Geräte. Apple spricht bekanntlich vom “Post-PC-Zeitalter”, was man aber nicht wörtlich nehmen sollte.

Das iPad ist ganz in seinem Element, wenn es um den Konsum von Medien geht: Texte lesen, Bilder betrachten, im Web surfen und auch mal einen Film anschauen, dieses Tablet ist dafür wie geschaffen. Sein Touchscreen mit Zoom-Funktion lässt sich für jedes Medium optimal einstellen und man hat damit ein sehr augenfreundliches Gerät in der Hand. Das MacBook Air muss hier Abstriche machen, auch wenn die Größenverhältnisse beim Bildschirm das nicht vermuten lassen: 11,6 Zoll gegenüber 9,7 Zoll machen nur auf dem Papier Eindruck. In der Praxis ist das iPad eindeutig das lesefreundlichere Gerät.

Sobald man aber schreiben oder gar mehrere Programme parallel nutzen möchte, punktet das MacBook Air einerseits mit seiner vollwertigen Tastatur und andererseits mit der von PC’s bzw. Mac-Rechnern bekannten Möglichkeit, Programm-Fenster nach Belieben auf dem Bildschirm anzuordnen. Zudem können hier Dateien einfacher sortiert und abgelegt, bzw. über Dienste wie Dropbox oder ZumoDrive mit einem anderen Rechner synchronisiert werden. Wer wirklich produktiv arbeiten will, ist, zumindest derzeit, mit dem MacBook Air um Längen besser dran als mit einem iPad.

Das MacBook Air wird damit zum vollwertigen Begleiter für unterwegs, der durch nichts in Verlegenheit gebracht werden kann, außer vielleicht der gegenüber dem iPad deutlich geringen Akku-Laufzeit. Das iPad mit seinen 10 Stunden setzt hier einen Maßstab, dem das kleine MacBook Air einfach nichts entgegen setzen kann: 5 bis 6 Stunden sind möglich bei schonendem Umgang. Wer jedoch die kleine Kiste voll ausreizt, sollte sich spätestens nach 4 Stunden in Sichtweite einer Steckdose begeben.

Immerhin: Während das iPad so ausgelegt ist, dass es grundsätzlich “unverkabelt” genutzt wird und man es während des Ladevorgangs eigentlich nicht gebraucht (nicht zuletzt weil sein Anschluss unpraktisch an der unteren Schmalseite angebracht ist), kann das MacBook Air sehr gut genutzt werden, während es an eine Steckdose angeschlossen ist. Die von Apple mitgelieferten Kabel sind so lang, dass dieser Betriebsmodus ganz offensichtlich den Segen von Steve Jobs besitzt.

MacBook Air unter Strom

Mein Fazit: Beide Geräte haben je ihre spezifischen Stärken und Schwächen. Als Arbeitsgerät bleibt das iPad dem MacBook Air unterlegen, während umgekehrt das kleine Notebook sich dem Tablet geschlagen geben muss, wenn es um den spielerischen und unterhaltsamen Part geht.

Wer für unterwegs oder auch zuhause ein vollwertiges Zweitgerät haben möchte, das klein, leicht und vielseitig einsetzbar ist, greift am besten zum MacBook Air. Sein hoher Preis mag auf den ersten Blick abschrecken, bereuen wird man den Kauf aber kaum. Natürlich kann man auch mit einem iPad glücklich werden. Am Glücklichsten jedoch ist zweifellos, wer beide Geräte besitzt…

« Ältere Artikel