Enterprise 2.0

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Enterprise 20 Summit 2009

Nur noch wenige Tage bis zu einer wirklich großen Konferenz in Frankfurt. Der Enterprise 2.0 Summit 2009 ist kein rein deutsches Event, sondern eine internationale Veranstaltung mit hochkarätigen Rednern aus den USA und Europa, unter ihnen Dion Hinchcliffe.

Auch die Praxisbeispiele, die dort vorgestellt werden, stammen nicht nur von deutschen Unternehmen. Der Fokus der zweitägigen Veranstaltung liegt ganz auf praxisnahen Fragen rund um Social Software im unternehmensinternen Einsatz.

Für Kurzentschlossene gibt es noch Plätze (solange Vorrat reicht) und mit dem Promotion-Code “e20sms” 200,- Euro Ermäßigung auf den Ticketpreis. Wenn das kein Angebot ist…

Eine sehr bemerkenswerte Präsentation zum Thema “Enterprise 2.0″ hat der französische IT-Experte Cecil Dijoux erstellt. Völlig zu Recht fordert er, man müsse von den Problemstellungen der Unternehmen ausgehen und nicht primär aus den Funktionalitäten der Social Software heraus denken. Hier die englischsprachige Version (via Tech IT Easy):

Dazu passt auch gut, was Thomas Pfeiffer (Webevangelisten) über Social Media sagt:

Was bei Cecil erst gegen Ende auftaucht (Folie 51), betont Thomas gleich zu Beginn: Die neue Kultur (”Wertekanon”) von Offenheit und Transparenz, Dialogbereitschaft und flachen Hierarchien, die uns das vernetzte Zeitalter beschert und die sich nicht eben so im Vorbeigehen implementieren lässt.

Immer wieder stelle ich fest, dass in Unternehmen das Wissen um Wikis nach wie vor eher dünn ist. Man hat davon gehört und kennt die Wikipedia. Einen Bezug zum eigenen Unternehmen aber kann man oft nicht herstellen. Vor allem aber fehlt es am Vorstellungsvermögen, was Wikis eigentlich leisten können bzw. wie man sie einsetzen kann.

Deshalb habe ich die folgende Präsentation erstellt, die bewusst in einfachen Bildern veranschaulichen soll, was Wikis sein können:

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Social Software für Kunden der IBM hört auf den Namen Lotus Connections und wird in diesen Tagen in der Version 2.5 ausgeliefert. Sie beinhaltet jetzt praktisch alle Elemente, die man zu den Tools für Collaboration zählen kann: Blogs, Wikis, Bookmarking, Profilseiten und natürlich auch das Microblogging (in Anlehnung an Twitter).

Dass es für die IBM immer noch nicht ganz leicht ist, in offenen Strukturen zu denken, zeigt ein separates Tool namens bluto. Mit ihm erst lässt sich das Micro-Blogging in Connections mit Twitter verbinden. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie Unternehmen künftig Projekte kollaborativ mit externen Partnern durchführen wollen bzw. können. Traditionell tauscht man E-Mails bzw. Office-Dokumente aus. Kommen aber Blogs und Wikis ins Spiel, scheiden sich schnell die Geister, weil unter Umständen jede Seite eine andere Suite einsetzt und es nach außen jeweils wenig bis keine Schnittstellen gibt.

Aber ganz so weit ist der Markt zum Glück noch nicht. Erst einmal gilt es, unternehmensintern Social Software richtig ins Rollen zu bringen und die IBM könnte mit Lotus Connections hier gute Chancen haben, weil sie weltweit vermutlich ein Vielfaches an Geschäftskontakten im Vergleich zu den kleineren Wettbewerbern (wie Socialtext oder Atlassian) haben dürfte. Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn das Video nur sehr trocken und humorlos einen Einblick in die zweifellos gut gemachte Software gibt.

Stehen Unternehmen heute vor der Entscheidung, welche Social Software sie intern einsetzen sollen, geht es nicht mehr so sehr um Features (da inzwischen alle wichtigen Anbieter hier mehr oder weniger auf gleicher Höhe operieren), sondern eher um Aspekte der Usability und der Schnittstellen zu anderen Anwendungen (von den Lizenzkosten einmal abgesehen).

Weiche Faktoren werden also immer wichtiger und bestimmen in erheblichem Umfang mit, ob alle Mitarbeiter eines Unternehmens die angebotenen Tools auch wirklich nutzen und sich so echte Produktivitätsvorteile ergeben. Die IBM bietet deshalb wohl auch eine Reihe von Tutorials an, anhand derer man sich mit den Funktionen von Lotus Connections vertraut machen kann. Auf einem anderen Blatt freilich steht, ob sich die Einkaufs- und IT-Abteilungen bei ihren Entscheidungen auch nach solchen Gesichtspunkten richten.

WordPress P2 Screenshot

Außer Spesen nichts gewesen? Mit mehr Aufwand als üblich hat WordPress im Frühjahr 2009 stolz das Theme “P2“ vorgestellt und damit die Trendwelle des schnelleren Bloggens doch verpasst. Die Musik spielt aktuell nämlich auf Posterous und wer es noch einfacher mag, geht gleich zu Twitter. Von P2 ist nicht mehr viel die Rede. Warum eigentlich?

Als Ende der 1990er Jahre, also praktisch noch zu den Pionierzeiten des Web, die ersten Blogs aufkamen, war eine Blog-Software noch revolutionär. Denn mit ihr wurde das Publizieren im Web enorm erleichtert. In der Folge wurde vor allen die private Homepage schnell vom Trend zum Blog abgelöst.

Heute dagegen wirken Blogs lange nicht mehr so leicht und einfach, wie sie das noch vor 10 Jahren waren. Denn obschon sich an ihrem Prinzip nichts geändert hat, haben Dienste wie Twitter oder Posterous die Hürde für den Einstieg in das Publizieren im Web nochmals herabgesetzt und machen dem klassischen Blog damit Konkurrenz. Dazu kommt, dass der Mythos, jeder könne mit einem Blog schnell bekannt, reich und glücklich werden, als solcher längst entlarvt wurde: Bloggen ist ein mühsames Geschäft, das Talent, Ausdauer und viel Zeit erfordert.

Vor diesem Hintergrund ist WordPress etwas in die Defensive geraten. Denn so gut und ausgereift diese Software auch ist, das Bloggen gilt nicht mehr als der letzte Schrei und wird zunehmend zur Sache von Profis. Es musste also etwas Neues her, um an die aktuellen Trends anknüpfen zu können und als Marke im Gespräch zu bleiben. Das Problem dabei ist nur, dass WordPress offensichtlich nicht mehr einfach so “out of the box” denken kann, sondern alles Neue vor dem Hintergrund seiner Produktpalette entwirft.

So ist P2 zwar eine nette Symbiose zwischen Twitter und Blog geworden, fällt damit aber zwischen alle Stühle. Denn wo Twitter als Netzwerk funktioniert, ist P2 eben nur ein Blog, d. h. eine Insel im weiten Meer. Auf der anderen Seite kann P2 aber auch nicht als Blog überzeugen, denn für längere Postings ist dieses Theme nicht geeignet (siehe etwa hier, wo der Leser sehr schnell den Überblick verliert).

Diese Lücke aber füllt gerade Posterous perfekt aus: Dort hat man erkannt, dass zwischen die Nachrichten im Stil von 140 Zeichen (wie auf Twitter) und den richtigen Blogs noch eine Marktlücke klafft. Das perfekte Produkt dafür muss einerseits so leicht einzurichten sein wie ein Twitter-Account (was Posterous perfekt gelingt), andererseits aber das Publizieren beliebig langer (bzw. kurzer) Artikel erlauben. Schließlich sollte es noch Schnittstellen zu den gängigen Social Networks bieten, so dass auch die Freunde auf Facebook automatisch mitbekommen, wenn man gerade einen neuen Artikel publiziert hat. Auch das erfüllt Posterous mustergültig. Ansonsten aber kommt das Produkt so schlicht daher wie ein Ford T-Modell, individualisieren kann man es praktisch nicht.

alexa posterous 6 months mar-aug 2009

Aktuell hat Posterous damit einen sehr guten Lauf und die Frage ist natürlich, ob das so bleiben wird. Noch sind es überwiegend Geeks und Early Adopters, die diesen Dienst nutzen, oft genug noch parallel zu ihrem (normalen) Blog. Zudem darf man nicht übersehen, dass Posterous Wettbewerber hat, die Ähnliches bieten: NotePub, Soup, Tumblr und Viewbook gehören dazu.

Alle gemeinsam haben aber (zusammen mit WordPress) das Problem, dass sie gegenüber einem Dienst wie Twitter nicht “fluid” genug sind. Das bedeutet, dass ein Großteil der Konversation eben auf Twitter stattfindet, während auf alle anderen Medien nur noch per Link verwiesen wird. Neben Twitter könnte sich auch Facebook zu einer Art Konversations-Plattform entwickeln, bei der der Livestream an Neuigkeiten im Aufmerksamkeitsfokus der User steht und andere Medien überwiegend nur noch temporär aufgesucht werden, wenn Links auf sie verweisen bzw. die Inhalte sich nicht direkt in den Stream auf Facebook einbinden lassen.

Dass die Entwicklung auf der Ebene dieser Streams noch nicht abgeschlossen ist, zeigt der Aufkauf von FriendFeed durch Facebook. Facebook hat sich damit nicht Reichweite, sondern vor allem Know-How auf dem Gebiet der Realtime-Konversation eingekauft. Nur 10 Tage später hat Twitter bekannt gegeben, dass man alle Tweets lokalisierbar machen würde und seinem Dienst damit eine zusätzliche Nutzenebene geschaffen, deren Wirkung sich erst in den nächsten Jahren richtig entfalten wird. Hier tobt ein richtiger Kampf um die technologische Führerschaft im Markt und damit auch um die Attraktivität bei den Usern.

Vor diesem Hintergrund wirken WordPress und Posterous vor allem eins: Sehr statisch. Sie haben zweifellos ihren Platz im Internet, müssen aber aufpassen, dass ihnen nicht innovativere Dienste eines Tages das Wasser abgraben. Man muss dazu nur an Google Wave denken, wo jedes einzelne Element einer Konversation kurz wie ein Tweet, aber auch lang wie ein Blogartikel sein kann. Dazu wird Google Wave die Real-Time-Erfahrung auf eine neue Ebene führen (wenn sie denn in großem Maßstab auch funktioniert).

Offen ist zudem, ob in der Kommunikation der Zukunft der von einer einzelnen Person erstellte Artikel noch die gleiche Rolle spielen wird wie heute. Blogs übertragen im Prinzip ja nur die Kategorie des Artikels aus dem Printmodus ins Internet. Sie tun dies, weil wir gelernt haben, in Artikeln (als Kategorie) zu denken. Das Internet schafft aber völlig neue Kategorien für die Darstellung bzw. Vermittlung von Wissen, wie sie mittels Print gar nicht möglich gewesen wären. Die Wikipedia mit ihrem permanent und (mehr oder weniger) anonym aktualisierten Artikeln ist ein Beispiel dafür. Auch Twitter ist eine Form von Kommunikation, die es früher nicht einmal ansatzweise geben konnte.

Schaue ich deshalb auf die vielen neuen Posterous-Blogs und deren Inhalte, beschleicht mich oft das Gefühl, dass dies nicht die Kommunikation der Zukuft ist, sondern allenfalls ein Übergangsritus. Denn hier wird zu viel Content an zu vielen Stellen mehrfach und damit redundant reproduziert. Dafür wird es künftig andere Lösungen geben, da bin ich mir ganz sicher. Posterous und WordPress werden aber zumindest noch solange eine Zukunft haben, wie wir Menschen uns gerne selbst als kleine “Medienhäuser” benehmen und unsere “Publikationen” damit führen.

Matt Mullenweg mag dies beruhigen: Denn die Selbstdarstellung war zu allen Zeiten für den Menschen sehr wichtig und WordPress könnte so, allem Fortschritt zum Trotz, noch eine lange Blütezeit bevorstehen. Er sollte sich aber dennoch vorsehen. Denn die Wikipedia, Facebook, Twitter und Google Wave weisen in eine etwas andere Richtung…

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