Enterprise 2.0

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Mehr Anmeldungen als freie Plätze, mit dieser Situation sah sich Frau Prof. Dr. Andrea Back von der Universität St. Gallen konfrontiert, die zusammen mit T-Systems am 23.08. eine Konferenz zum Thema “Enterprise 2.0″ organisierte. Ich gehörte zu den 60 Personen, die sich rechtzeitig angemeldet hatten und verbrachte in der Folge einen hochsommerlichen Tag in der Schweiz. Was hat es gebracht?

Enterprise 2.0 als Thema befindet sich im Aufwind, so viel wurde deutlich. Denn noch vor wenigen Jahren waren die Praktiker auf solchen Veranstaltungen rar und Collaboration Software im konkreten Einsatz konnte kaum jemand vorweisen. Das ist heute anders, in St. Gallen konnte man das sehen. Die Teilnehmer rekrutierten sich überwiegend aus mittleren bis großen Unternehmen. Praktisch nicht vertreten waren auf dieser Konferenz die “Geeks” bzw. “Social Media Konferenz Hopper”, ihnen war aber vielleicht aber auch die Destination St. Gallen nicht hipp genug.

Workshop Mobile Business Solutions mit Thomas Walter und Thomas Sammer

Das dicht gepackte Programm enthielt u. a. die Ergebnis-Präsentation einer neuen Studie zur Verbreitung bzw. Nutzung von Enterprise 2.0 im deutschsprachigen Raum, die das Institut von Frau Prof. Back in Zusammenarbeit mit T-Systems durchgeführt hatte. Darin wird deutlich, dass Collaboration Software als Tool-Set betrachtet, allmählich in den Unternehmen angekommen ist, dort aber aber vorläufig noch einen eher moderaten bis geringen Einfluss auf die Geschäftsprozesse hat.

Obwohl die T-Systems als Mitveranstalter sich optisch sehr präsent zeigte, hiess der eigentliche Elefant im Raum “Microsoft”. Deren Software SharePoint wurde prominent vorgestellt, obschon ihr direkter Bezug zu Enterprise 2.0 eher dünn ausfällt (man lese dazu auch diesen Blogpost). Zudem durfte Dorothée Appel, CIO von Microsoft Deutschland, ihre (generelle) Sicht der Dinge darlegen. Dabei fiel immerhin das wichtige Stichwort “Realtime”, auch wenn man ansonsten den Eindruck gewinnen musste, die Zukunft gehöre den Telefonaten und Video-Konferenzen, die natürlich über Outlook organisiert werden, während schriftliche Äußerungen weniger wichtig würden. Bei Microsoft scheint man immer noch nicht ganz begriffen zu haben, was Collaboration Software ausmacht und wie im digital vernetzten Unternehmen der Zukunft wirklich gearbeitet wird. Erhellend, wenn auch nicht beispielgebend, war dieser Vortrag aber allemal.

Von persönlichen Vorlieben oder Abneigungen abgesehen, muss insgesamt gefragt werden, ob die Praktiker aus den Unternehmen am Ende des Tages wirklich zufrieden waren. Mir scheint, dass die Konferenz etwas zu wenig Zeit für den direkten fachlichen Austausch liess, nicht zuletzt, weil sie an einer nur allzu bekannten Krankheit litt: Kaum ein Referent schaffte es, sein Zeitlimit einzuhalten. Auch die Folien zu den Vorträgen waren häufig Meisterwerke der Informations-Überfrachtung. Wann wird der IT-Sektor endlich lernen, Präsentationen im Stile von SlideShare auszuarbeiten und seine Botschaften genauer auf den Punkt zu bringen, anstatt die Teilnehmer endlos mit Details zu traktieren?

Im Innenhof des Weiterbildungszentrums der Universität St. Gallen

Doch damit genug der Kritik. Frau Prof. Back überlegt sich schon, ob sie anlässlich der nächsten Studie ihres Instituts wieder eine Konferenz organisieren soll und ich will sie keinesfalls davon abhalten! Vielleicht könnte sie dazu Referenten von Startups aus dem Bereich Enteprise 2.0 gewinnen, obschon diese kaum als Sponsoren werden auftreten können und in Europa wenig verbreitet sind. Podio (Sitz in Kopenhagen) fällt mir ein, aber auch Jive (Büro in Frankfurt).

Ich durfte am Rande der Konferenz u. a. Dr. Stefan Hagen persönlich kennen lernen (wir lesen unsere Blogs gegenseitig, sind uns bisher aber noch nicht begegnet) sowie Ellen Trude (die eigens aus Köln angereist war). Nach St. Gallen werde ich gerne wieder kommen.

Wonach richten Sie sich, wenn Sie einen geeigneten Anbieter von Collaboration Software suchen? Vermutlich erstellen Sie dafür eine Anforderungsmatrix und vergleichen darin verschiedene Angebote. Dazu brauchen Sie erst einmal eine Liste von Anbietern, die es im zweiten Schritt auf eine überschaubare Teilmenge einzugrenzen gilt. Wie geht man dabei vor?

Ich schaue mir zuerst an, wie ein Anbieter im Web kommuniziert: Gibt es ein Blog? Wird getwittert? Wie steht es um die Facebook-Seite? Denn wer Social Software an Unternehmen verkaufen möchte, sollte auch selbst gern im Social Web kommunizieren.

Hier ein Einblick, als kleine und nicht-repräsentative Auswahl. Jüngst bin ich über die Namen Just Software und Podio gestolpert. Beide waren mir nicht geläufig, so dass ich sie mir genauer angeschaut habe.

Just Software ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hamburg. Es wurde 2007 gegründet, das Hauptprodukt ist die Enterprise Collaboration Software “Just Connect”.

Podio ist ein dänisches Unternehmen, das 2009 in Kopenhagen gegründet wurde und mittlerweile auch einen Sitz in Kalifornien hat. Sein Produkt heißt wie das Unternehmen, “Podio”.

Beide Unternehmen führen ein Blog. Bei Just Software wurde der letzte Eintrag im April 2011 publiziert, bei Podio heute (also am 01. Juli 2011).

Screenshot zu JustSoftware auf Twitter, Stand: 01.07.2011

Beide Unternehmen twittern. Dabei bringt es Just Software auf 238 Tweets, 82 Follower und steht auf 6 Listen, während Podio 287 Tweets bei 2.096 Followern zählt und auf 123 Listen steht (Stand 01. Juli 2011).

Screenshot zu Podio auf Twitter, Stand: 01.07.2011

Kann man daraus etwas Substanzielles ableiten? Objektiv betrachtet nicht, denn damit ist noch überhaupt nichts über den Kern der Sache, die jeweilige Software, gesagt. Es reicht aber für einen ersten Eindruck, der in meinem Fall bei Just Software negativ ist, während mich Podio positiv stimmt, so dass ich gerne mehr über dieses Startup erfahren möchte.

Just Software bloggt und twittert seit Januar 2010, das Engagement wirkt lustlos und ohne nennenswerte Effekte in der Reichweite. Es ist ganz offensichtlich: Die Software dieses Unternehmens wird nicht über das Web “verkauft”.

Bei Podio dagegen setzt man erkennbar auf die Wirkung des Web. Getwittert wird seit September 2010 (in englischer Sprache), mit einer deutlich anderen Wirkung als bei JustSoftware. Das Blog startete erst im März 2011, mit dem offiziellen Produkt-Launch.

Erkennbar wird im Vergleich, dass sich Just Software wohl stark auf den großen deutschen Markt verlässt, während Podio von Beginn an über Dänemark hinaus nach Berlin (es gibt eine deutsche Sprachversion!), London und natürlich San Francisco schaute. Podio möchte ganz offensichtlich nicht nur in Europa eine Rolle spielen, sondern auch in den USA und damit in die erste Liga der Anbieter von Collaboration Software aufsteigen.

Zieht man in diese Betrachtung noch den Aufbau der Unternehmens-Website ein, verfestigt sich der erste Eindruck: Bei Podio wirkt alles moderner, leichter und raffinierter, während Just Software hier leider nur “billig” wirkt.

Aber wie schon erwähnt, über die Software der beiden Anbieter ist damit noch nichts gesagt. Dürfte ich jedoch für eine Bewertungsmatrix nur einen der beiden mit in die engere Wahl nehmen, wäre jetzt wohl klar, welcher Kandidat das wäre.

Aus aktuellem Anlass ein paar Bemerkungen zu Social Media Schulungen in unterschiedlichen Formaten, an denen ich aktuell beteiligt bin (bzw. war).

dbb forum siebengebirge, vom Garten aus gesehen

Für die dbb akademie (Bildungs- und Sozialwerk im Deutschen Beamtenbund) war ich Anfang Mai Referent für ein zweitägiges Seminar, in dem es galt, die Grundlagen zu Blogs, Facebook und Twitter zu vermitteln und diese in den Gesamtkontext der neueren Entwicklungen im Web zu stellen.

Gefragt war nicht nur Theorie, sondern auch die Anleitung zum praktischen Umgang an Rechnern in einem sehr gut ausgestatteten EDV-Schulungsraum des hauseigenen Seminarhotels (dbb forum siebengebirge).

Dabei zeigte sich (wenig überraschend), dass Twitter vergleichsweise “sperrig” für die Teilnehmer war: So vorteilhaft für mich als Dozent der eher geringe Funktionsumfang von Twitter immer ist, so schwierig ist das Medium selbst für wirklich motivierte Neueinsteiger. Angefangen beim asynchronen Following, über die Wirkungsweise von Retweets bis hin zum Unterschied im Gebrauch von Hashtags (#) und dem Klammeraffen (@), kaum etwas war den Teilnehmern auf Anhieb verständlich.

Ganz anders dagegen Facebook: In meiner Funktion als Dozent ist mir die Plattform eher ein Albtraum, wegen ihres mittlerweile unendlich großen Funktionsumfangs, den man nicht mehr überblicken kann – nicht zuletzt weil sich ständig irgendwo etwas ändert. Davon aber merken Einsteiger in die Materie wenig. Sie finden sich relativ schnell zurecht und können sich schon nach sehr kurzer Zeit auf Facebook gut bewegen.

Während dieses Seminar, das ich sehr gern gehalten habe, zu Ende ist, fängt eine andere Art von Schulung in Sachen Social Media gerade erst an:

Das ILS (Institut für Lernsysteme, Hamburg), Deutschlands größte Fernschule und ein Unternehmen der Klett Gruppe, startet im Frühsommer 2011 einen Fernlehrgang, der, wenn man ihn belegen möchte, eine Dauer von 12 Monaten haben und bei der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen sein wird.

Screenshot der ILS-Website

Der Lehrgang, zu dem ich zwei Themen-Module (”Wissen im Social Web” sowie “Enterprise 2.0″) beisteuern werde, basiert klassisch auf Heften, die von den Teilnehmern zuhause bearbeitet werden. Flankierend kommen Online-Übungen, ein Forum, ein Wiki und nicht zuletzt eine App für das iPad hinzu.

Auf den Start dieses Kurses bin ich sehr gespannt. Zwar hat das ILS direkt keinen Namen in der deutschen “Social Media Szene”, dafür natürlich in der Weiterbildung, nicht zuletzt bei seinen Firmenkunden.

Als Projektleiterin des Lehrgangs agiert Dörte Giebel (Hamburg), die gerade ein neues Blog (rund um diesen Fernlehrgang) gestartet hat und die für die PR-Agentur Laub & Partner arbeitet.

Insgesamt freut es mich, dass das Thema Social Media derzeit erkennbar aus seiner Experimentier- und Anfangsphase in eine neue Phase übertritt, in der im Wege professioneller Weiterbildung die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass Institutionen aller Art bzw. deren Mitarbeiter im Social Web partizipieren können.

Ich muss zugeben, dass ich von Box.net erst in diesen Tagen erfahren habe. Das Startup, das 2006 gegründet wurde und seinen Sitz in Palo Alto (Kalifornien) hat, macht derzeit mit einer neuer Version seiner Collaboration-Software von sich reden, die angeblich bereits von 5 Millionen Usern genutzt wird (so Aaron Levie, der Gründer, in diesem Interview mit Robert Scoble).

Auf den ersten Blick ist Box.net nur ein cloud-basiertes Tool für das Sharing von Dokumenten. Damit steht das Startup im Wettbewerb mit beispielsweise Microsoft Sharepoint (am oberen Ende der Skala) sowie Tools wie Dropbox (eher für den persönlichen Gebrauch). Für kleinere, lose zusammen arbeitende Teams scheint es aufgrund seiner Preisstruktur eher ungeeignet zu sein, denn Box.net kann nicht gerade als billig bezeichnet werden.

Neu ist jetzt ein Feature, das man sich bei Google Wave abgeschaut hat: Dokumente, die neu hochgeladen werden, werden als solche bei allen Usern, die darauf Zugriff haben sollen, sofort sichtbar. Das “Realtime-Web” lässt grüßen.

Interessanter scheint mir aber etwas anderes zu sein: Box.net nähert sich dem Thema “Collaboration” von einer anderen Seite, als dies die klassische Collaboration-Software (wie etwa Wikis) tut: Deren Grundidee ist es, Inhalte gemeinsam zu erstellen und zu bearbeiten und dafür eine neue Art von Software zu nutzen. Man geht dabei immer von einer anfangs leeren Hülle aus, die nach und nach mit überwiegend neu erstellten Inhalten gefüllt wird.

Die Realität in den meisten Unternehmen ist jedoch eine völlig andere: Es gibt bereits tonnenweise Material in Form von Dateien, das man besser zugänglich machen könnte, damit sie im Wege der Zusammenarbeit intensiver genutzt werden. Hier genau setzt Box.net an, das mit seiner Software berücksichtigt, dass es für den Zugriff auf ein Dokument unterschiedliche Benutzerrechte geben muss: Nicht jeder soll alles einsehen oder gar bearbeiten können. Vertrauliche Dokumente lassen sich in kleinem Kreis teilen, andere unternehmensweit und wieder andere auch mit externen Projekt-Partnern.

Zeigt sich hier ein pragmatischerer Ansatz für Collaboration bzw. Enterprise 2.0, der mehr von den bestehenden Verhältnissen ausgeht und berücksichtigt, dass die Zusammenarbeit an Konzepten und Projekten oft nicht ganz so intensiv sein muss, wie dies von der herkömmlichen Collaboration-Software intendiert wird?

Auf die weitere Entwicklung von Box.net darf man gespannt sein. Noch ist die Software sehr stark daran orientiert, das Arbeiten an bestehenden Dateien über die Cloud zu vereinfachen. Das Erstellen gänzlich neuer Inhalte, etwa über Wiki-Funktionalitäten, ist noch nicht vorgesehen, nicht zuletzt, weil man bestrebt ist, den Gebrauch dieser Software so einfach wie möglich zu halten. Denkbar ist aber, dass die Kunden Funktionen von klassischer Collaboration-Software nachfragen und diese implementiert sehen wollen.

Abzuwarten bleibt auch, ob und wie Unternehmen wie Atlassian, Huddle oder Socialtext darauf reagieren werden. Zum Schluss noch etwas “Werbung”, ganz ohne Hintergedanken und ohne dafür von einer SEO-Agentur bezahlt worden zu sein…

Weiter im Text…

Das ist schon ein interessanter Zufall: Während Facebook sein neues, integriertes Messaging vorstellt, spricht man beim VDMA (dem Verband der Maschinenbauer) von derselben Grundidee als Trend. Dr. Andreas Schumann, CTO KHS GmbH und Ausschussvorsitzender Informatik beim VDMA, spricht davon, dass “die verschiedenen Formen der Kommunikation zusammen wachsen”. Konkret erwähnt er Telefonie, Video-Konferenzen und Instant Messaging.

Es gibt hier also einen latenten Bedarf, sowohl auf der Ebene des eher privaten Gebrauchs (auf Facebook) wie auch im Einsatz für Unternehmen (hier der Maschinenbau).

Die Engstelle hierzu bildet ohne Zweifel die Telekommunikationsbranche, die mit der immer deutlicher werdenden Konvergenz der Kommunikationskanäle im Internet ihre bisher dominante Stellung teilweise verlieren wird und dementsprechend diesen Prozess zu verzögern sucht.

Interessant ist übrigens auch, was Herr Dr. Schumann zum Thema “Social Media” zu sagen hat. Insgesamt also 6 Minuten für ein Video-Interview, die sich lohnen (via BusinessLounge Interactive).

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