Beschleunigung

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SixthSense aus dem MIT Media Lab könnte die Welt verändern. Der Ansatz von Pattie Maes und Pranav Mistry (bekannt von einer TED Präsentation vom März 2009), der die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer (User Interface) radikal vereinfachen möchte, ist inzwischen offenbar so weit, das Labor zu verlassen und in die Produktentwicklung zu münden. Die Technologie dazu soll in Kürze als Open Source veröffentlicht werden.

Im aktuellen Video stellt Pranav Mistry den schon bekannten Ansatz vor, dazu aber auch ein paar neuere Anwendungen, die einfach umwerfend sind: Auf Papier ausgedruckte Texte oder Grafiken werden einfach mit Gesten “kopiert” und in ein anderes Medium übertragen…

Gesehen im Blog von Ross Dawson.

flickr Machine, Not Person oso

Heute noch mag die Frage unsinnig erscheinen. In Zukunft aber werden wir Zwillingsroboter haben, wenn es nach dem japanischen Forscher Hiroshi Ishiguro geht. Auf der Ars Electronica Konferenz 2009 (Linz) hat er sein Konzept (und Alter Ego) vorgestellt.

Im Prinzip geht es ihm darum, einen möglichst menschenähnlichen Roboter zu bauen. Eine Variante davon kann dann der Zwilling sein. Im Interview (in Linz) spricht der echte Professor:

Einmal mehr zeigt sich, dass die Robotik  kein Orchideenfach ist. Wir dürfen gespannt sein, wann die ersten Roboter auf der Basis dieser Forschung als Produkte auf den Markt kommen (und Arbeitsplätze wegrationalisieren).

Danke an Jörg Wittkewitz, der mich auf die Tagung in Linz und Hiroshi Ishiguro aufmerksam machte.

Irgendwann wird es sie geben, die Künstliche Intelligenz. Warum also heute schon sich darüber Gedanken machen? Betrachtet man, was der Student Robin Baumgarten (London) entwickelt hat, nämlich ein Programm, welches das Spiel Super Mario beherrscht, mag man davon vielleicht noch nicht übertrieben beeindruckt sein:

Es ist auch “nur” ein Computerspiel und dazu kommt eben ein Programm, das rechnen und autonome Entscheidungen treffen kann. Immerhin: Michael Anissimov ist davon beeindruckt.

Etwas anders sieht es bei diesen Roboterhänden aus, die mit Bällen spielen können. Sie tun das so schnell, dass das menschliche Auge praktisch nicht mehr mitkommt:

Rick Mans ist davon schwer beeindruckt und ich bin es auch! Wenn ich mir nur vorstelle, dass es irgendwann Roboter als Wächter oder Türsteher gibt, die solche Fähigkeiten haben: Wer kommt da noch unbesehen bzw. ungehindert in ein Gebäude hinein?

Google Wave ist eine neue Technologie, die möglicherweise disruptiven Charakter hat. Man kann damit so umgehen, wie in diesem Video: Pure Begeisterung für eine tolle Technik.

Man kann sich aber auch Fragen stellen, wie etwa Siggi Becker, der mit anderen zusammen ein neues Blog aufgesetzt hat, das sich Wavetank nennt. Daraus sind diese Folien, den Vortrag dazu gibt es als Podcast im Blog.

Betriebswirtschaftlich betrachtet, können die Auswirkungen von Google Wave (und ähnlicher Software) klar ausgemacht werden. Einige wenige Unternehmen, die dafür schon reif sind, werden sie produktiv einsetzen können und damit vor allem schneller bzw. effizienter werden.

Andere Unternehmen, die dafür die nötige unternehmenskulturelle Reife noch nicht ganz haben, werden zumindest spielerisch damit umgehen können und allmählich aufschliessen. Die Software hat in einem solchen Kontext eine positive, katalytische Wirkung.

Übrig bleiben alle Unternehmen bzw. Institutionen, die noch stark hierarchisch funktionieren und daran auch nichts ändern wollen. Für sie ist Google Wave pures Gift. Das Problem liegt nun aber darin, dass der Nicht-Einsatz einer solchen Software gerade keine Lösung ist, da es vermutlich schon bald in jeder Branche einige Player geben wird, die damit arbeiten. Sie werden im Vergleich schneller, kreativer und innovativer sein und somit klare Wettbewerbsvorteile haben.

Das hier skizzierte Problem ist aber so neu nicht. Denn Wikis (aber auch Blogs und andere Collaboration Software) rütteln schon bald 10 Jahre an der diffzilen Legitimation von Hierarchie durch Informationsvorsprünge. Nur konnte man das bislang noch ohne Gefahr ignorieren. Allmählich aber lässt sich nicht mehr leugnen, dass wir sehr grundsätzlich vor Veränderungen stehen, die als Spannung zwischen “Regression und Transformation” (Siggi Becker) sichtbar werden und der Diskussion bedürfen.

Für Unternehmen ist also klar, dass man nicht nochmals 10 Jahre wegschauen kann. Denn wer zu lange wegschaut, ist irgendwann einfach nicht mehr dabei…

flickr-heuballen-in-nordvorpommern-rene-schroeder

Vorpommern, am nordöstlichsten Rand Deutschlands gelegen, ist eine schöne Gegend um Urlaub zu machen. Stefan Niggemeier jedoch war nicht auf Urlaub dort, sondern hat sich über die Lage der Zeitungen informiert und dazu dann einen längeren Artikel für die FAZ (erschienen am 18. Juli 2009, Seite 44) geschrieben.

Zwei Dinge daran sind bemerkenswert:

  1. Die Schilderungen, wie Zeitungsverlage (als Organisationen gesehen) eine geradezu unglaubliche Mühe haben, sich den technischen Wandel im Laufe der Zeit zunutze zu machen. So gibt es beim Nordkurier (zumindest stellenweise) für die Journalisten keine Diensthandys. Notebooks für den mobilen Einsatz fehlen ebenfalls, weil das “Redaktionssystem” damit nicht kompatibel ist. Noch Fragen?
  2. Der Tonfall von Stefan Niggemeier. Wer ihn als Blogger kennt, kann kaum glauben, dass er der Autor dieses Artikels ist, so sehr wird hier das hohe Lied des guten alten Qualitätsjournalismus gesungen, seine Wichtigkeit für die Demokratie unterstrichen und eine “starke Zeitung” beschworen, fast so als gäbe es den Medienwandel und das Internet nicht.

Klar ist: Mecklenburg-Vorpommern ist ein von Schwierigkeiten gezeichnetes Bundesland. Es hat seit der deutschen Wiedervereinigung massiv an Einwohnern verloren (zwischen 1990 und 2004 allein 12,5 % oder 244.000 Personen; Quelle: Pdf der Uni Rostock). Die weiteren Perspektiven sind kaum besser, was insbesondere Vorpommern weiter hart treffen wird.

Vor diesem Hintergrund guten Journalismus zu praktizieren und parallel dazu den Medienwandel zu bewältigen, also sich für die Zukunft neu zu erfinden, ist alles andere als einfach. Lutz Schumacher, Geschäftsführer des Nordkurier, hat dies unlängst in einem viel beachteten Artikel auf Carta dargelegt.

Organisation 2.0

Beim Nordkurier kann und muss er jetzt zeigen, dass es künftig auch anders geht. In erster Linie ist dies ein Kultur- und Mentalitätswandel. Denn wenn Journalisten heute noch lieber “im stillen Kämmerlein” sitzen, anstatt von draussen (vor Ort) zu berichten, läuft etwas falsch.

Der technische Fortschritt der letzten 10 bis 15 Jahre hätte eigentlich den Journalismus beflügeln müssen. Denn Mobiltelefone und Notebooks verhelfen ganz grundsätzlich betrachtet zu mehr Tempo und Produktivität. In vielen Branchen wurde dies erkannt und die Mitarbeiter des Aussendienstes entsprechend geschult und ausgerüstet.

Dass hier gerade Zeitungsverlage ein Defizit haben und dieser Entwicklung hinterher hängen, mag daran liegen, dass Informations-Technik und Prozesse bei ihnen lange einen zu geringen Stellenwert hatten. Das rächt sich heute, wo schon viele Blogger mobil im Internet unterwegs sind und virtuos von überall Fotos oder Texte ins Internet stellen. Die Amateure haben die Profis überholt.

Medienwandel

Kaum einer weiß das besser als Stefan Niggemeier, der völlig zu Recht einer der bedeutendsten Blogger hierzulande ist. Aber dennoch werden Blogs, das Internet und neue Medienformate in seinem Artikel für die FAZ mit keiner Silbe erwähnt. Wer hat ihm nur diese Reise nach Vorpommern bezahlt, dass er so printverhaftet schreibt?

Gibt es wirklich keine Alternative zur gedruckten Zeitung? Wie steht es um die Internet-Infrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern? Was tun, wenn der schon sehr dünn besiedelte Raum immer weiter ausdünnt? Welche Perspektiven hat eine  gedruckte Zeitung in Vorpommern realistischerweise, egal wie gut sie gemacht ist?

Wäre das Fernsehen eine Alternative? In Oberschwaben ist die Schwäbische Zeitung ins Regionalfernsehen (Regio TV) eingestiegen. Ihr Programm ist u. a. in die Netze des Kabelfernsehens eingespeist und erreicht damit relativ viele Haushalte.

Für mich ist damit längst noch nicht ausgemacht, dass eine Region wie Vorpommern langfristig ohne guten Journalismus auskommen muss, nur weil vielleicht die gedruckte Zeitung dort nicht mehr läuft.

Mehr Neues wagen

In diesem Sinne sollte Lutz Schumacher ruhig noch stärker “out of the box” denken und nicht zu sehr auf einen Stefan “Print” Niggemeier hören: Denn dessen schön geschriebener Artikel ist leider einseitig, parteiisch und uninspiriert, aller Mühe und Vor-Ort-Recherche zum Trotz. Aber vielleicht lag es auch nur am Auftraggeber, denn in seinen Blogs kann er auch ganz anders…

Ergänzung: Der Artikel von Stefan Niggemeier ist jetzt auch online verfügbar.

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