Beschleunigung

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In meiner Kindheit war es Wim Thoelke mit “Der großen Preis“, heute prägt “Wer wird Millionär” moderiert von Günther Jauch die beliebte Kategorie der Rate-Sendungen im Fernsehen. Die IBM hat sich nun zum Ziel gesetzt, einen Computer zu entwickeln, der bei einem solchen Format als Kandidat antreten und gegen seine menschliche Konkurrenz bestehen kann.

Das Projekt wird unter dem Namen Watson geführt, neulich war dessen Supercomputer erstmals unter Showbedingungen im Einsatz:

Dabei geht es natürlich nur vordergründig um die Show. Das eigentliche Ziel ist es, einen Computer zu entwickeln, der auf Wissensfragen aller Art sofort die richtige Antwort geben kann. Dabei soll ihm die Frage mündlich gestellt werden, der Computer antwortet ebenfalls in gesprochener Sprache (der Ausdruck “mündlich” wäre hier vielleicht nicht ganz passend).

Mehr Informationen zu Watson und der Frage, ob er den berühmten Turing-Test bestehen kann, hat der O’Reilly Radar (via Wildcat2030 Daily).

…erklärt uns der britische Zoologe und Soziobiologe Matt Ridley in einem sehr bemerkenswerten TED-Vortrag, der im Juli 2010 in Oxford gehalten wurde. Im Kern geht es darin gar nicht um Fragen der Wirtschaft. Doch der Naturforscher kam zu der Erkenntnis, dass wir unser stetig steigendes Wohlstandsniveau der menschlichen Arbeitsteilung und dem Handel verdanken.

Er bringt dies auf die Formel “When Ideas have Sex” und fragt sich, wo die Ursprünge menschlicher Arbeitsteilung zu suchen sind. Arbeitsteilung nämlich führt zu Handel, der seiner Ansicht nach in der Geschichte der Menschheit wesentlich früher entstand als die Landwirtschaft (”Trade ist ten times as old as farming”). Handel wiederum führt zu größerem Wohlstand für alle daran Beteiligten.

In der Folge blickt Matt Ridley optimistisch in die Zukunft: Solange Handel und Arbeitsteilung ungehindert möglich sind, werden der Lebensstandard und die Lebenserwartung (global betrachtet) weiter steigen. Dazu müssen die Menschen nur weiter intensiv kommunizieren und Ideen austauschen, so dass der technische Fortschritt sich fortsetzen kann. Moderne Technologien wie das Internet haben daran einen erheblichen Anteil, gibt sich Matt Ridley überzeugt und schließt  seinen Vortag mit den Worten: “We are accelerating the rate of innovation”.

Das nächste große Ding wird das Internet der Dinge (Internet of Things). Der Weg hin zur elektronischen Vernetzung von Gegenständen des Alltags ist durchaus wahrscheinlich, da Informationstechnologie immer preisgünstiger und räumlich kleiner wird. Zudem ist dieses Internet der Dinge ein großes Geschäft und kommt mit dem Versprechen, unser Leben angenehmer und leichter zu machen. Wer wollte sich dem in den Weg stellen?

Hier zur Einführung in das Thema die Sichtweise der IBM, die uns in 5 Minuten einen guten Überblick über die Materie gibt (via: Dieter Josten):

Einen etwas anderen Blick auf das Internet der Dinge hat Jesse Schell, Spieleentwickler und Dozent an der Carnegie Mellon University. Er sieht (ironisch) voraus, dass Spiele und Bonuspunktsysteme unseren Alltag beherrschen werden, wenn erst einmal alle Gegenständen, angefangen von der Zahnbürste bis hin zu unseren Schuhen, mit vernetzen Sensoren bestückt sein werden. Hier ein Ausschnitt aus einem Vortrag vom Februar 2010, den man in voller Länge hier (TED) sehen kann:

Schließlich noch eine völlig andere Perspektive. Andrew Hessel, Professor an der Singularity University, sieht das Internet der Dinge an der Schnittstelle zwischen Informatik und Biologie enstehen, weil Bakterien letztlich nicht viel anders als Computer funktionieren und DNA ihre Programmiersprache sind. Hier sein faszinierender Vortrag vom März 2010 (Mobile Monday, Amsterdam):

Andrew Hessel zitiert in seinem Vortrag Juan Enriquez mit der Aussage, die Menschheit werde sich in den nächsten 20 Jahren zu einer “völlig neuen Spezies” entwickeln. Gut möglich, dass uns das in eine gesellschaftliche Zerreissprobe führen wird.

Das Internet der Dinge bietet ohne Zweifel interessante Perspektiven, aber auch Potenzial für eher bedrohliche Szenarien. Den Gegnern bzw. Skeptikern der Digitalisierung wird hier noch reichlich Munition geboten werden und Optimisten wie Andrew Hessel werden viel Geduld brauchen, ihre Sicht der Dinge zu vermitteln.

Hans Rosling erklärt unsere Zukunft anhand der Bevölkerungsentwicklung: Vier Minuten die sich lohnen und zeigen, dass die Zukunft in Asien liegt. In exportorientierten Ländern wie Deutschland sollte diese Perspektive mit Optimismus gesehen werden, denn an Märkten für unsere Produkte wird es nicht fehlen.

Allerdings mahnt Rosling an, dass die Erde so etwas wie “Global Governance” bräuchte, wo heute noch auf der Ebene von Nationalstaaten politisch gedacht und gehandelt wird.

Roboter sind eigentlich nichts anderes als Algorithmen, denen man bei ihrer Arbeit direkt zusehen kann. Hier der aktuelle Stand im Hause Toshiba, wo man einen Roboter gebaut hat, der auf zwei Rädern fährt (den Segways ähnlich) und einen Teller mit Essen von der Küche ins Esszimmer bringen kann.

Dieses kurze Posting ist zugleich auch mein bescheidener Hinweis auf Carta, wo im Kontext der Veranstaltung “Leben im Schwarm – wie das Internet unser Leben verändert” (Livestream!) zwei Artikel die Thesen Frank Schirrmachers (”Payback”) aufgreifen: Stefan Münker (Das Netz denkt nicht) und Gundolf S. Freyermuth (Trojanischer Transfer).

Video via Engadget.

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