Der Trend zum Bild und sein prominentester Trendsetter

So langsam pfeifen es schon die Spatzen von den Dächern: Die Kommunikation über Bilder wird im Web immer wichtiger. Bei t3n sieht Falk Hedemann darin einen Trend für das Jahr 2013. Ich sehe das ganz ähnlich, denke aber, dass man diese Entwicklung längerfristiger und grundsätzlicher einordnen muss.

Das World Wide Web ist mittlerweile etwa 20 Jahre alt und war ursprünglich zum Austausch von Texten konzipiert worden. Aber es blieb auch noch sehr textlastig, nachdem die Wissenschaftler und ihre Papiere längst zum Randphänomen geworden waren, weil die geringen Bandbreiten der ersten Jahre kaum etwas anderes zuließen.

Interessanterweise war auch das mobile Internet in seinen frühen Jahren ganz auf Texte fixiert. Exemplarisch stehen dafür die BlackBerries mit ihren E-Mail-Clients. Diese waren nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil Research in Motion (RIM) alle eingehenden E-Mails auf seinen Servern erst noch komprimierte, bevor diese an die Endgeräte weitergeleitet wurden – so “dünn” waren die Mobilfunknetze dieser Zeit. An die Übermittlung von Fotos oder gar von Videos war damals überhaupt nicht zu denken.

Inzwischen ist die Situation eine andere. Schnelles DSL ist fast überall verfügbar und im Mobilfunk vollzieht sich gerade der Übergang von UMTS zu LTE. Den Weckruf für ein neues, bunteres und stärker von Bildern geprägtes Zeitalter im Web brachte natürlich Apple mit seinem iPhone: 2007 war es im Grunde noch ungeheuerlich, Fotos und Videos (die YouTube-App!) so stark in den Mittelpunkt der Gerätefunktionalität zu stellen, wie das Steve Jobs bei der Präsentation des iPhone gemacht hat. Die Entwicklung seither gab ihm recht.

Wo wir damit heute stehen zeigt sich exemplarisch an den Web-Aktivitäten von Barack Obama im Wahlkampf zu seiner zweiten Amtszeit. Nicht nur, dass er einen Account auf Instagram hat: Subtiler noch wurde seine zentrale Website gestaltet. Diese ist von einem die ganze Bildschirmbreite einnehmenden Bildmotiv geprägt, das je nach Anlass ausgewechselt wurde. Am Tag der Wahl präsentierte die Seite den Präsidenten so:

Barack Obama schaut in die Ferne, sein Blick verrät eine gewisse Anspannung. Seine Botschaft ist unmissverständlich: Ich habe alles getan was ich konnte, jetzt kommt es auf Euch an – geht zur Wahl. Wie dramatisch der Appell gemeint ist, zeigt sich daran, dass die üblichen Navigationselemente fast vollständig weichen mussten. Keine Navigation im Header, keine Leisten an der Seite, nur eine knappe Schlagzeile und zwei grüne Buttons.

Zwei Tage nach der Wahl sieht die Welt schon wieder anders aus und Obamas Website präsentiert sich in einer anderen, deutlich entspannteren Optik:

Der Himmel auf dem Foto ist heller und Obama selbst steht entspannt lächelnd vor einer größeren Menge an Zuschauern. Das Bildmotiv ist insgesamt weniger hoch, darunter schließt sich wieder der übliche News-Feed an. Die Schlagzeile im Bild ist deutlich größer gehalten.

All das ist natürlich auch für die kleineren Bildschirme von Smartphones und Tablets optimiert. Auf dem Nexus 7 etwa wird im Hochformat eine mobile Variante der Website dargestellt, im Querformat dann die Normalansicht. Das iPhone zeigt sowohl im Hoch- als auch im Querformat die mobile Variante.

Macht der Trend zum Bild die Kommunikation im Web einfacher?

Nicht unbedingt. Zwar dürften in den meisten Fällen Fotos deutlich schneller verfügbar sein als gute Texte. Aber wirklich gute Bildmotive, die den Betrachter ansprechen und eine Geschichte erzählen, liegen nicht einfach so auf der Straße herum. Da helfen auch die Filter von Instagram und anderen Kamera-Apps nicht in jedem Fall weiter.