Crowdsourcing in der Praxis: Wie Adrien Treuille mit Foldit die Proteinfaltung erforschen lässt

Crowdsourcing ist ein Konzept mit Zukunft. Wenn es aber darum geht, gute Beispiele aus der Praxis dafür anzuführen, wird meist nur die Wikipedia genannt. Auch mir fällt auf Anhieb oft nichts anderes ein. Warum also nicht eine Artikelserie (in loser Folge) auflegen, in der weitere Beispiele aufgeführt und diskutiert werden?

Adrien Treuille, Assistant Professor an der Carnegie Mellon University, hat Crowdsourcing erfolgreich bei der Erforschung von Proteinen zur Anwendung gebracht, indem er Varianten der Proteinfaltung auf spielerische Weise ermitteln lässt. Dafür hat er die Plattform Foldit geschaffen, die wie ein Computerspiel funktioniert und damit auch an Gamification denken lässt. Im folgenden Video erläutert er sein Konzept. Achtung: Adrien Treuille ist nicht etwa Biologe oder Pharmazeut, sondern Informatiker…

Sein Anwendungsfall beeindruckt, denn er schafft es darin, eine große Zahl von Menschen in ein wissenschaftlich komplexes Thema einzubinden, ohne dass der Einzelne über ein großes Vorwissen verfügen muss. Darüber hinaus sind die von Menschen erdachten Varianten der Proteinfaltung offenbar besser solche, die man mittels Computersimulation entwickeln könnte.

Zugleich zeigt dieses Beispiel aber auch, wie hoch die konzeptionellen Hürden für Crowdsourcing sein können. Denn mit einem einfachen Aufruf zur Partizipation war es bei Foldit natürlich nicht getan. Die Plattform hebt die Ermittlung neuer Varianten der Proteinfaltung auf eine spielerische Ebene und verknüpft diese mit einer Bewertung durch Peers (Anreizsystem). Flankierend kommen zur Wissensvermittlung ein Wiki sowie ein Blog hinzu, die Community diskutiert in einem Forum und für das Marketing gibt es zudem eine Facebook-Seite. Ein sicher nicht ganz unwichtiger Aspekt ist die geschickte Hervorhebung der “Förderung der Wissenschaft”: Wer wollte nicht gern auf spielerische Weise die Wissenschaft unterstützen?