2012

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Screenshot PandoDaily-Blog am 16.05.2012

So macht man das heute: Man nimmt einen aktuellen Anlass (hier den Börsengang von Facebook) und schreibt dazu ein paar längere Artikel. Diese kommen aber nicht ins Blog, sondern werden als E-Book (über Amazon) zum Kauf angeboten. Der Preis ist niedrig angesetzt: 4,11 US-$ bzw. 3,18 €.

Abzuwarten bleibt, wie viele dieser E-Books sich damit absetzen lassen. Insgesamt aber scheint mir das ein geeignetes Konzept zu sein, um ein Blog mit einer Paid-Content-Komponente zu verbinden. Dabei können die Artikel des E-Books später immer noch einzeln im Blog veröffentlicht werden, vielleicht in gekürzter Form.

PandoDaily, das von Sarah Lacy 2012 gegründete Blog, hatte zuletzt keine übertrieben gute Presse: Es fehle an Scoops sowie an originellen Analysen wurde moniert. Mit dem E-Book versucht die junge Herausgeberin offensichtlich wieder Boden gut zu machen.

Festzuhalten bleibt, dass die Kombination aus Blog und E-Books sich zu einer interessanten Freemium-Strategie entwickeln könnte. Das wäre dann auch eine Option für deutschsprachige Blogs – und nicht zuletzt natürlich für Carta.

Selbstfahrende Autos sind keine Utopie mehr, praktisch alle Automobilhersteller arbeiten daran. Darüber hinaus hat Google eine kleinere Flotte solcher Fahrzeuge testhalber im Einsatz und denkt offenbar daran, deren spezielle Technik zu einem neuen Geschäftsfeld zu entwickeln.

Das folgende Video zeigt, wie selbstfahrende Fahrzeuge den Kreuzungsverkehr unter sich regeln könnten (gesehen auf The Next Web):

Was in erster Linie humorvoll gemeint ist, illustriert perfekt eine tiefer reichende Komponente: Künstliche Intelligenz kann auf Regeln bzw. Regelungsmechanismen zurückgreifen, die uns Menschen nicht mehr zugänglich sind. Was uns als unsinnig und hochgradig riskant erscheint, kann für solche Systeme noch vollkommen beherrschbar und übersichtlich wirken.

Ob eines Tages der Verkehr an Kreuzungen tatsächlich in der hier visualisierten Form geregelt werden wird, ist dabei nicht der Kern der Sache: Die Kernfrage lautet vielmehr, ob wir Menschen uns Systemen von künstlicher Intelligenz anvertrauen wollen, deren Aktionsmuster wir nicht mehr nachvollziehen können, weil sie unsere eigenen Fähigkeiten weit übersteigen.

Meines Erachtens ist diese Frage bereits beantwortet. Wir wollen es und wir werden es tun, weil es unseren (menschlichen) Handlungsspielraum vergrößern und damit unsere Lebensqualität verbessern kann. Natürlich wird es als Begleiterscheinungen dieser Entwicklung auch massive Proteste, Boykottaktionen und vermutlich auch mutwillige Zerstörungsakte geben. Verhindern lassen wird sich diese Entwicklung aber nicht.

Am Ende stehen dann vermutlich Systeme von künstlicher Intelligenz, die zwar autonom agieren werden, uns Menschen dabei jedoch die Illusion vermitteln, wir selbst seien es, die den Faden in der Hand hielten und Entscheidungen autonom träfen…

Pinterest Screenshot

Pinterest hat einen Nerv getroffen, daran kann es keinen Zweifel geben. Die Plattform für das Publizieren von Bildern aller Art (”Social Photo Sharing”) entstand ziemlich genau vor zwei Jahren, also im März 2010, und hat seither enorm an Popularität gewonnen. Auf den ersten Blick ist das erstaunlich, denn das Konzept von Pinterest ist relativ schlicht: Man lädt Fotos hoch, die dann in eine Kategorie einsortiert werden, bevor sie auf der mehrspaltigen Pinnwand erscheinen. Das Layout lässt sich nicht beeinflussen, immerhin kann man jedes Bild mit einem Kommentar versehen. Wer selbst keine eigenen Fotos hat oder diese nicht für originell genug hält, kann auf die Fotos anderer Pinterest-User zurückgreifen und diese mit einem einfachen “Repin” der eigenen Pinnwand hinzufügen.

Google Trends am 12. März 2012

Der Blick auf Google Trends zeigt, dass Pinterest (rechts in blau) in kurzer Zeit ein bemerkenswertes Momentum aufbauen konnte und damit dem Vorbild und Rivalen Tumblr (hier in roter Farbe) schon gefährlich nahe kommt. Bescheiden nehmen sich dagegen Flickr (grün) und Instagram (gelb) aus (auf der Grafik muss leider die Foto-Funktion von Facebook fehlen, die sicherlich eine Spitzenposition einnehmen würde). Statistiken von Comscore, wie etwa von Julian Grandke zitiert, sprechen eine ähnliche Sprache.

Was macht den Erfolg von Pinterest aus?

Der Dienst spricht Menschen an, die sich im Web mitteilen wollen, ohne dabei viel Aufwand zu treiben und ohne sich in Worten äußern zu müssen. Der weitgehende Verzicht auf die schriftliche Komponente dürfte ein ganz entscheidender Punkt sein, den in dieser Konsequenz und Radikalität vor Pinterest kein anderes Startup gewagt hat.

Dazu kommt die von Tumblr bekannte Funktion der Übernahme von Inhalten Dritter (auf der gleichen Plattform) mit einem einfachen Mausklick: Was gefällt, landet so blitzschnell auf der eigenen Pinnwand, ohne dass es dazu technischer Kenntnisse bedarf. Kaum irgendwo sonst im Web kann man sich so schnell und einfach ein eigenes Profil zusammen schustern.

Schließlich ist Pinterest bewusst einfach gehalten und folglich kinderleicht zu bedienen. Damit hebt sich dieser Dienst wohltuend von Facebook ab, das mit seinen ständigen Änderungen und Erweiterungen zwar sehr viel bietet, dabei seinen Usern auch einiges abverlangt.

Aktuell hilft der Medien-Hype um Pinterest, die Plattform als neuen Standard ins Gespräch zu bringen. Hält er noch eine Weile an, könnte das den echten Durchbruch mit sich bringen, weil dann vermutlich viele Seitenbetreiber neben den Buttons für Facebook und Twitter auch noch einen für Pinterest einpflegen werden (und bei dieser Gelegenheit vielleicht Google+ wieder entfernen).

Können die Pinterest-Klone dem Original gefährlich werden?

Kaum. Teilweise sind es nur schnöde Kopien (insbesondere der Klon der Samwer-Brüder, Pinspire), teilweise zielen die Dienste in eine andere Richtung, auch wenn das auf den ersten Blick nicht ersichtlich wird. Fancy ist dafür ein gutes Beispiel: Optisch ähnlich aufgebaut wie Pinterest, möchte dieser Dienst eher eine Art Einkaufs-Wunschliste sein. Einige der Bilder sind mit Online-Shops verlinkt, auf denen die entsprechenden Artikel gleich gekauft werden können. Händler bzw. Hersteller können auf Fancy gezielt Promotion-Aktionen durchführen.

Screenshot aus einem Newsletter zu Fancy

Insgesamt dürfte auf diesem Gebiet kein Platz für mehrere, ähnlich positionierte Dienste sein. Einer wird sich als Standard etablieren können, alle anderen werden sich mit speziellen Nischenmärkten zufrieden geben müssen. Eine dieser “Nischen” könnte der Bereich der Pornografie sein…

Was sagen Rechtsanwälte zu Pinterest?

Sie reiben sich die Hände. Denn das offenherzige Sharing von Bildmaterial unterschiedlichster Herkunft bildet eine nicht unerhebliche Grauzone rechtlicher Fallstricke, je nach Herkunft der Bilder oder nach Wohnsitzland des Profil-Inhabers. So schön das Konzept von Pinterest auch ist, es birgt eine offene Flanke. Mit einem sehr traditionell-konservativen Verständnis von Urheberrecht ist Pinterest schlicht nicht vereinbar.

Aus deutscher Sicht bleibt zu hoffen, dass die Justizministerin ihre Ankündigung, dem Abmahn-Unwesen zu Leibe rücken zu wollen, bald in die Tat umsetzen kann. Wer so lange nicht warten will, kann sich vorläufig hier ein paar gute rechtliche Empfehlungen zu Pinterest abholen.

Soll man Pinterest jetzt schon im Marketing berücksichtigen?

Das kommt darauf an. Zeitungen oder Buchverlage mit ihrer ausgeprägten Orientierung an der Gattung Text dürfte Pinterest nicht viel nützen. Unternehmen jedoch, die stark oder ausschließlich über Bilder kommunizieren, sollten das Startup auf alle Fälle im Auge behalten. Aber auch Mischformen aus Bild und Text sind denkbar, wie etwa die Werbeagentur GREY zeigt:

Screenshot zu GREY auf Pinterest

GREY möchte damit Personalmarketing betreiben – oder seine Bewerber prüfen: Wer sich bei der renommierten Agentur bewirbt, sollte angesagte Plattformen wie Pinterest tunlichst kennen, lautet die unterschwellige Botschaft. Insgesamt kann Pinterest durchaus heute schon als interessante Beimischung für das Marketing-Mix gesehen werden, insbesondere wenn mit sehr guten Bildmotiven auf virale Effekte gezielt wird. Zu prüfen ist jedoch vorab, ob die eigene Zielgruppe schon in ausreichendem Maß auf dieser Plattform unterwegs ist. Nicht zuletzt sollte man rechtlich auf derabsolut sicheren Seite bleiben und nur Bildmaterial einsetzen, an dem man alle Rechte besitzt.

Fazit: Da geht was!

Insgesamt stellt Pinterest eine interessante Bereicherung der Social Media-Landschaft dar, die das Potenzial für einen längerfristigen Erfolg in sich trägt. Dafür bringt die Plattform einen einfachen Funktionsmechanismus mit, der in dieser Form von etablierten Diensten wie Facebook oder Twitter nur schlecht bzw. gar nicht kopiert werden kann. Allein Flickr könnte Pinterest das Wasser reichen. Allerdings hat dieser Foto-Pionier im Web praktisch alle neueren Entwicklungen der letzten Jahre verschlafen oder ignoriert, was Pinterest genügend Chancen lässt.

Das Startup aus Kalifornien hat derzeit eine gute Presse und findet Interesse sowohl bei Endanwendern als auch bei Unternehmen. Jetzt sollte es nur keine falschen Fehler machen, dann könnte daraus eine große Sache werden.

Social Objects, by dgray_xplane auf Flickr

In Europa solle man den Begriff “Facebook” nicht erwähnen wenn man mit Unternehmen spricht und dabei auch den Ausdruck “Social Media” lieber meiden. Besser sei es, “Social Enterprise” oder “Social Business” zu sagen, empfiehlt laut Computerwoche Stefan Ried, ein Analyst von Forrester Research.

Das Problem mit dieser Empfehlung ist nur, dass der Begriff Social Business auch ganz anders interpretiert werden kann, wie uns ein schneller Blick in die Wikipedia zeigt. Dort wird damit ein Konzept des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus bezeichnet, bei dem Unternehmen auf spekulative Gewinne verzichten und ihr Handeln auf die Lösung wichtiger sozialer Probleme ausrichten sollen. Dabei hat Prof. Yunus sicher nichts gegen den Einsatz von Social Media, wenn es der guten Sache dient. Dennoch dürfte seine Begriffsverwendung im Widerspruch zu dem stehen, was von Stefan Ried in der Computerwoche zitiert wurde.

Social Business meint hier nämlich den Einsatz von Social Media in und durch Unternehmen in einem sehr weit verstandenen Sinn, aber im Gegensatz zu Prof. Yunus vollkommen losgelöst vom eigentlichen Unternehmenszweck. Ethan McCarty (IBM) beschreibt es so:

While social media has significantly shaped how we communicate and connect in our personal lives, there’s a related trend that the most sophisticated enterprises have already begun to embrace: social business. Engaging in social media through Facebook,  YouTube and the like represent just one element businesses can explore, but business is more than media – so how can businesses apply the principles of “social” to other dimensions of their organizations to improve outcomes?”

Einen so weit gefassten Blick haben heute die wenigsten Unternehmen, wenn sie den Einsatz von Social Media planen. Überwiegend geht es ihnen um Marketing- und Reputationsziele, gefolgt vom Wissensaustausch und der besseren Vernetzung von Teams. Was darüber hinaus möglich ist, zeigt etwa das israelische Startup Serendip, das seinen Dienst ganz allein auf den Präferenzen seiner Kunden aufbaut.

Konkret geht es bei Serendip um Musik als personalisierte Dienstleistung. Die kommt zustande, indem einerseits Content von Plattformen wie YouTube oder Soundcloud bezogen wird, und andererseits die Kunden ihren Musikgeschmack über ihren Twitter-Account einbringen. Die Daten der Accounts werden ausgewertet und dann die passende Musik gestreamt. Das funktioniert als dynamischer Prozess, bei dem sich im Zeitablauf musikalische Vorlieben problemlos ändern können. Ob am Ende die Rechnung für Serendip als Unternehmen aufgehen wird, ist aus heutiger Sicht noch nicht sicher.

Sicher ist jedoch, dass uns das dort umgesetzte Funktionsprinzip immer öfter begegnen wird – nicht umsonst ändert Google derzeit gerade seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen: Es geht um (mehr) Daten und daraufhin personalisierte Angebote. Das ist die neue Dimension von Social Business.

Dennoch bleibt ein Unbehagen hinsichtlich des Begriffs. Vielleicht sollte Social Business als Ausdruck den Ideen und Projekten im Sinne von Prof. Yunus vorbehalten bleiben, weil die Entwicklungen im Kontext von Social Media erkennbar in eine Größenordnung vorstossen, in der längst nicht mehr alle Daten, die erhoben und ausgewertet werden, aus originär sozialen Medien stammen. Das “Internet of Things” kommt hier in den Sinn, das bald schon Umweltdaten mit sozialen Daten für Entscheidungen kombinieren wird – wer wird dann noch von Social Business sprechen wollen?

Konkret geht es bei Serendip um Musik als personalisierte Dienstleistung. Die kommt zustande, indem einerseits Content von Plattformen wie YouTube oder Soundcloud bezogen wird, und andererseits die Kunden ihren Musikgeschmack über ihren Twitter-Account einbringen. Die Daten der Accounts werden ausgewertet und dann die passende Musik gestreamt. Das funktioniert als dynamischer Prozess, bei dem sich im Zeitablauf musikalische Vorlieben problemlos ändern können. Ob am Ende die Rechnung für Serendip als Unternehmen aufgehen wird, ist aus heutiger Sicht noch nicht sicher.
Sicher ist jedoch, dass uns das dort umgesetzte Funktionsprinzip immer öfter begegnen wird – nicht umsonst ändert Google derzeit gerade seine Geschäftsbedingungen: Es geht um (mehr) Daten und daraufhin personalisierte Angebote. Das ist die neue Dimension von Social Business.

Crowdsourcing ist ein Konzept mit Zukunft. Wenn es aber darum geht, gute Beispiele aus der Praxis dafür anzuführen, wird meist nur die Wikipedia genannt. Auch mir fällt auf Anhieb oft nichts anderes ein. Warum also nicht eine Artikelserie (in loser Folge) auflegen, in der weitere Beispiele aufgeführt und diskutiert werden?

Adrien Treuille, Assistant Professor an der Carnegie Mellon University, hat Crowdsourcing erfolgreich bei der Erforschung von Proteinen zur Anwendung gebracht, indem er Varianten der Proteinfaltung auf spielerische Weise ermitteln lässt. Dafür hat er die Plattform Foldit geschaffen, die wie ein Computerspiel funktioniert und damit auch an Gamification denken lässt. Im folgenden Video erläutert er sein Konzept. Achtung: Adrien Treuille ist nicht etwa Biologe oder Pharmazeut, sondern Informatiker…

Sein Anwendungsfall beeindruckt, denn er schafft es darin, eine große Zahl von Menschen in ein wissenschaftlich komplexes Thema einzubinden, ohne dass der Einzelne über ein großes Vorwissen verfügen muss. Darüber hinaus sind die von Menschen erdachten Varianten der Proteinfaltung offenbar besser solche, die man mittels Computersimulation entwickeln könnte.

Zugleich zeigt dieses Beispiel aber auch, wie hoch die konzeptionellen Hürden für Crowdsourcing sein können. Denn mit einem einfachen Aufruf zur Partizipation war es bei Foldit natürlich nicht getan. Die Plattform hebt die Ermittlung neuer Varianten der Proteinfaltung auf eine spielerische Ebene und verknüpft diese mit einer Bewertung durch Peers (Anreizsystem). Flankierend kommen zur Wissensvermittlung ein Wiki sowie ein Blog hinzu, die Community diskutiert in einem Forum und für das Marketing gibt es zudem eine Facebook-Seite. Ein sicher nicht ganz unwichtiger Aspekt ist die geschickte Hervorhebung der “Förderung der Wissenschaft”: Wer wollte nicht gern auf spielerische Weise die Wissenschaft unterstützen?

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