Oktober 2009

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Twitter Lists 002

Bei Twitter gibt es jetzt also Listen: Man kann damit die Personen, denen man folgt, in Kategorien (ein-)sortieren. Das Prinzip dazu wurde von Clients wie Tweetdeck übernommen, wo man mit der Bildung von Gruppen schon lange eine Filterfunktion zur Hand hat. Mit den Listen geht das jetzt auch auf Twitter: Man öffnet einfach eine von ihnen in einem neuen Tab und sieht dann nur die Tweets der darin vorkommenden Personen.

So weit so gut. Die neue Funktion kann allerdings nicht überdecken, dass Twitter seit einiger Zeit irgendwie der Elan ausgegangen ist. Die folgende Grafik, von Bill Tancer auf einem Blog von Experian Hitwise vorgestellt, zeigt es:

Twitter Hitwise 2009

Während Facebook bei den Visits in den letzten 12 Monaten kontinuierlich zulegen konnte, fiel die Dynamik bei Twitter doch erheblich schwächer aus. Weitere Belege, die das untermauern, hat Bill Tancer bereits im September aufgezeigt.

In seinem Blog entstand in den Kommentaren eine Diskussion darüber, wie aussagekräftig solche Charts sein können, wenn darin der Zugriff auf Twitter über mobile Geräte oder Clients wie Tweetdeck nicht enthalten sind. So verständlich diese Einwände auch sind, sie können nicht überzeugen. Denn auch bei Facebook setzt ein Teil der User inzwischen Smartphones oder Clients auf dem Desktop ein, so dass die Verzerrungen beide Social Networks treffen. Dennoch ist der Abstand von Twitter auf Facebook gravierend, weil er immer größer wird.

Im Ergebnis bedeutet das, dass Twitter vorläufig ein Nischenmedium bleibt. Daran wird auch die neue Listenfunktion nichts ändern. Erst mit einer deutlich weiteren Verbreitung des mobilen Internets einschließlich der dazu gehörenden Datentarife in einem massentauglichen Preisgefüge wird Twitter im Mainstream wirklich ankommen.

Ohne Zweifel bilden die Vereinbarungen von Twitter und Facebook einerseits und Suchmaschinen wie Bing und Google andererseits einen Meilenstein für das Echtzeitinternet (Real Time Web). In diesen Kontext passt der Vortrag des Finnen Jyri Engeström wie gerufen.

Er sprach in Schweden auf der “Really Realtime Disruptive Media Conference” über die Perspektiven des Internets und unsere Wahlmöglichkeiten angesichts der Tatsache, dass mit dem Real Time Web immer mehr Content auf relativ geschlossenen Plattformen (wie Facebook oder Twitter) landet, den wir als User samt dem Beziehungsgefüge, das wir dort aufbauen, kaum exportieren können, sollte einmal ein solcher Dienst seinen Betrieb einstellen.

In diesem Sinne ist dieser Vortrag des Jaiku-Mitgründers Jyri Engeström hochpolitisch. Sehenswert ist er aber auch für seine technische Vision eines Internets, in dem nicht nur Mitteilungen über mehrere Plattformen verteilt publiziert werden können, sondern auch Antworten und Kommentare dazu nicht beim jeweiligen Dienst “festgehalten” werden, sondern ebenfalls überall dort erscheinen können, wohin auch die Ausgangsbotschaft ihren Weg fand.

Layout 1

Ein Held muss man nicht sein, um ein Blog aufzusetzen. Aber vielleicht heldenhaft denken, wenn man in diesen digitalen Zeiten noch eine neue Zeitschrift in konventionell gedruckter Form herausbringt. Andererseits: Was würde aus den guten alten Verlagen, wenn jeder anfinge zu bloggen?

Die Revue für Posthistorisches Management, auf die ich über Maren Hessler (Shift Happens Blog) aufmerksam wurde, will zeigen, wie “Unternehmen und Organisationen mit kollektiver Intelligenz der zunehmenden Komplexität von Vorgängen der Wirschaft effektiv begegnen”. Ein Teil der Artikel ist online (kostenlos) verfügbar.

So interessant der Ansatz klingt, so sehr frage ich mich, warum man das nicht im Internet umsetzt. Man könnte damit nämlich kollektive Intelligenz gleich in den Denk- und Publikationsprozess integrieren. Warum statt dessen lange theoretisieren in einem Medienformat des letzten Jahrhunderts – gerade bei diesem Themenschwerpunkt?

Dass es auch anders geht, sehen wir bei Don Tapscott, der seit Ende 2006 das Blog Wikinomics führt. Oder bei Tim Brown, dem CEO von IDEO und seiner Einladung, in einen Dialog zur Lösung der großen Probleme unseres Planeten zu treten. Mehr Informationen speziell dazu bei Paul Bayer (wandelweb.de Blog).

Eine sehr bemerkenswerte Präsentation zum Thema “Enterprise 2.0″ hat der französische IT-Experte Cecil Dijoux erstellt. Völlig zu Recht fordert er, man müsse von den Problemstellungen der Unternehmen ausgehen und nicht primär aus den Funktionalitäten der Social Software heraus denken. Hier die englischsprachige Version (via Tech IT Easy):

Dazu passt auch gut, was Thomas Pfeiffer (Webevangelisten) über Social Media sagt:

Was bei Cecil erst gegen Ende auftaucht (Folie 51), betont Thomas gleich zu Beginn: Die neue Kultur (”Wertekanon”) von Offenheit und Transparenz, Dialogbereitschaft und flachen Hierarchien, die uns das vernetzte Zeitalter beschert und die sich nicht eben so im Vorbeigehen implementieren lässt.

flickr Seeing Red Keith@Fibonacci

Von Fälschung zu sprechen ist vielleicht etwas hart. Grundsätzlich aber kann ich nur voll und ganz bestätigen, was das deutsche ZDnet-Blog schreibt: Deutsche Provider übermitteln im mobilen Web nicht exakt den Inhalt von Webseiten, sondern reduzieren gerne das zu übermittelnde Datenvolumen, in dem Bilder bzw. Grafiken in gröberer Auflösung am Bildschirm erscheinen.

Als jahrelanger Nutzer einer Vodafone Mobile Connect Card habe ich mich oft genug darüber geärgert. Kaum besser wurde meine Laune, seitdem ich Besitzer eines HTC Magic samt entsprechendem Datentarif (ebenfalls von Vodafone) bin. Denn hier wird noch rabiater eingegriffen: Beim Surfen im Internet zeigt mir Vodafone erst gar keine Bilder oder Grafiken mehr an!

Egal welche Seite ich mit dem Gerät abrufe, regelmäßig machen mich größere Leerflächen darauf aufmerksam, dass hier etwas fehlt. Wenn man bestimmte Webseiten gut kennt, weiß man auch gleich was: Bei Spiegel Online fehlen sämtliche Illustrationen, egal ob auf der Startseite oder bei einzelnen Artikeln. Das Ganze geht sogar so weit, dass beim nun wirklich bildarmen Blog Carta die Favicons der Autoren ebenfalls nicht übertragen werden.

Anfangs hielt ich das für eine Folge einer örtlich bedingten Empfangsschwäche. Mittlerweile aber habe ich gezielt an Orten gesurft, wo das Mobiltelefon maximale Empfangsstärke sowie UMTS signalisiert. Auch hier bekomme ich keine Bilder übertragen.

Nun könnte man ja großzügig sein und sagen: Was soll’s. Andererseits: Mein Tarif ist nicht wirklich ein Schnäppchen und in manchen Fällen ist es schon unangenehm. Etwa dann, wenn in Blogartikeln Tabellen oder Diagramme eine Argumentation unterstützen und ich sie nicht sehen kann, weil sie als Grafiken eingebettet wurden und deshalb von Vodafone zuverlässig herausgefiltert werden. Gut nur, dass man auf dem Touchscreen schnell über die Leerflächen hinweg scrollen kann…

Was mich mal interessieren würde: Wie geht es denn den Besitzern des sagenumwobenen iPhone? Machen sie bei T-Online ähnliche Erfahrungen?

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