Carrotmob und Rueblimob: Tue Gutes und kaufe ein!

Auf nach Basel! Denn dort findet in Kürze der erste Schweizer Carrotmob statt. Die Schweizer nennen ihn “Rueblimob”, Termin und genauer Ort werden noch bekannt gegeben.

Das Prinzip ist genial: Anders als bei den weitgehend sinnfreien Flashmobs, die eher künstlerisch zu verstehen sind, zielt ein Carrotmob darauf ab, dass ein Geschäft des Einzelhandels (es kann aber auch eine Gaststätte sein) seine Umweltbilanz dadurch verbessert, dass es in energiesparende Massnahmen investiert. Als Investitionsanreiz dazu wird in Aussicht gestellt, dass ein Mob an einem bestimmten Tag dort einkauft und so den Umsatz kurzfristig massiv steigert.

Um die Wirkung für die Umwelt möglichst groß werden zu lassen, wird aber nicht einfach ein beliebiges Geschäft ausgewählt, sondern zunächst nur die Branche. Dann werden alle Wettbewerber dieser Branche in einem bestimmten Gebiet gefragt, welchen Prozentsatz des (Mob-) Tagesumsatzes sie in Energiesparmassnahmen investieren werden. Das höchste Gebot erhält den Zuschlag. Darauf werden Adresse und Datum für den Mob bekannt gemacht.

Wie das funktioniert, zeigt ein Video zum ersten Carrotmob, der im März 2008 in San Francisco stattfand:

Weitere Beispiele listet diese Liste der kalifornischen Aktivisten auf, darunter auch den ersten Berliner Carrotmob (Juni 2009). Noch sind diese knapp 20 Events natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es um wirksame Massnahmen zur Energieeinsparung und CO2-Reduktion geht.

Aber sie zeigen einen konstruktiven Weg “von unten” und das Potenzial, das in Flashmobs bzw. Smartmobs steckt. Ein Bremsfaktor ist hier sicher noch die zu geringe Vernetzung in Bezug auf den Querschnitt der Bevölkerung.

Vergleicht man damit eine aktuelle Aktion von Greenpeace in den USA, bei der die Aufmerksamkeit auf das Thema “Global Warming” gelenkt werden soll, wirkt Greenpeace in meinen Augen altmodisch und eher wirkungslos: Es wird ein großflächiges Transparent an einer spektakulären Stelle aufgespannt und die Weltöffentlichkeit soll es sehen. Das ist Kommunikation für die Massen ganz im Stil des 20. Jahrhunderts.

Carrotmobs dagegen sind anders: Lokal fokussiert und konkret auf einen Nutzen orientiert. Sie erheben nicht den moralischen Zeigefinger, sondern versuchen, Anreize für das Umdenken zu setzen und unmittelbares Handeln zu belohnen. Jeder kann mitmachen, der ganze Ablauf ist transparent.

Für mich sind diese Aktionen Ausdruck typischer Organisationsformen unseres digitalisierten 21. Jahrhunderts: Die Vernetzung schafft dabei nicht nur die Basis für die Verbreitung von Ideen und Nachrichten, sondern ermöglicht die unmittelbare Beteiligung und Einflussnahme auf den weiteren Verlauf. Dabei bedarf es vielfach nicht mehr aufwändiger Organisationen (etwa als Verein samt Gremien, Satzung und ordentlicher Versammlung), es genügt das Projekt an sich und die Beteiligung möglichst vieler.

Das Rüstzeug ist nicht mehr das Vereinsrecht, sondern Social Software in Form von Wikis, Blogs, Social Networks und natürlich Twitter. Das macht Initiativen auf dieser Basis schnell und beweglich, aber auch fragil. Ihnen wohnt immer ein Moment der (Rest-) Unsicherheit inne.

Aber nicht alles darf daran dem Web 2.0 zugeschrieben werden. Denn vielfach verbreiten sich Termine zu Flash- bzw. Carrotmobs auch über E-Mail, SMS und Anrufe im Freundeskreis. Neue und ältere Medien gehen Hand in Hand und speziell Twitter scheint noch wenig einflussreich zu sein, wie sich an den Followerzahlen ablesen lässt: Die  Basler haben noch keine 30 Follower (Stand: 19.07.09), in Berlin sind es immerhin über 400 und in San Francisco knapp 1800, ein Wert der für amerikanische Verhältnisse sehr niedrig liegt. Zum Vergleich: Der Bürgermeister von San Francisco, Gavin Newsom, hat über 770.000 Follower auf Twitter.

Auch wenn Twitter also nicht das ausschlaggebende Medium für die Aktivierung der Teilnehmer an einem Carrotmob ist, bleibt den Baslern jedenfalls zu wünschen, dass ihre erste Aktion ein Erfolg wird und weitere folgen!

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