Es liegt was in der Luft!?

Die Zeichen sind nicht mehr zu übersehen: Eine ganze Reihe von Bloggern sind mit ihren Blogs nicht mehr so recht zufrieden. Allen voran der umtriebige Steve Rubel. Nun könnte man bei ihm noch unterstellen, dass er als PR-Guru (für Edelman) schon aus Marketinggründen immer auf dem Sprung sein muss. Aber der Virus hat auch unverdächtigere Naturen erwischt, etwa Frank Hamm. Oder auch Stowe Boyd, der schon mal ein Unwohlsein äußert, aber vorläufig noch nichts ändern will.

Die Ursache des Unbehagens und Suchens nach neuen Formen liegt in der Natur des Internets, das sich allmählich von einem statischen zu einem dynamischen Medium ändert. Steve Rubel drückt es so aus:

“The web is slowly moving from an architecture of pages, to one that looks like a stream.”

Ablesen kann man das auch an Diensten wie FriendFeed oder Twitter. Nicht zuletzt Facebook, das ursprünglich als statisch orientiertes Social Network gestartet ist, versucht immer wieder, seinem News-Feed eine zeitgemässe Dynamik zu geben. Auch FriendFeed geht immer wieder ein paar Schritte vorwärts und zusammen kann man das alles im Einzelnen gar nicht mehr nachvollziehen. Aber die Bewegung an sich hat Signalcharakter.

Ein weiteres Signal ist natürlich Google Wave und das im doppelten Sinn: Einmal die Ankündigung des neuen Produktes und dann auch die erstaunliche Resonanz (weltweit) darauf. Menschen organisieren spontan Treffen, um über Google Wave zu sprechen, während andere schulterzuckend daneben stehen und daran nichts Besonderes erkennen können. Siggi Becker erklärt dazu den größeren Zusammenhang so:

“Wer kein evolutionäres Weltbild hat, der kann diese Werkzeuge einfach nicht einordnen.”

Klar ist also, dass wir vor einem größeren Transformationsschritt stehen. Unbedingt erforderlich auf dieser nächsten Evolutionsstufe werden aber intelligente Filtertechniken sein. Denn so schön das Lifestreaming auch ist, wir müllen uns da nur gegenseitig zu. Schon heute ist Twitter tagsüber fast nicht mehr zu gebrauchen, weil viel zu viele Leute nur vermeintlich Wichtiges in die Runde werfen und selber gar nicht zuhören.

Das Web der nächsten Stufe wird also mehr sein, als nur ein “alles-hier-jetzt-sofort” in bunten Bewegtbildern. Es wird uns Dienste und Organisationsformen bringen, die ähnlich unserem Gehirn arbeiten, das neueren Erkenntnissen zufolge permanent am Rande des Chaos operiert. Vernetzung, sehr große Datenmengen, Filtertechniken und Intelligenz sind also die Stichworte für das, was in der Luft liegt…

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Tja, warum Herr Rubel dann allerdings von einer Blogsoftware (Typepad) zu einem anderen Bloghoster (Posterous) wechselt und das ganze jetzt “lifestreamen” statt “bloggen” nennt, nun gut … Posterous ist für diese Art des bloggens/lifestreamens sicher ein super Dienst, allerdings sind die Möglichkeiten gegenüber einer Blogsoftware schon etwas begrenzt …

    Zum Thema Evaluationsstufen und Filter bin ich klar auf deiner Seite :-) für das Filterthema fande ich das Interview mit Neal Stephenson in der Netzzeitung (2007) interessant: http://www.netzeitung.de/internet/624812.html. Für mich stehen übrigens Angebote wie Prezi, issuu etc. ebenfalls für eine neue Qualität des Webs …

  2. @Anonym: Wer abspringt, sollte vorher schauen, wo er landen wird. Steve Rubel ist schon mal gesprungen, aber es ist noch kein neues Terrain da, auf dem er hätte gut landen können. Posterous kann nur ein Übergang sein.

  3. Pingback: »Lesenswertig« am 04. July 2009 | Denkwertig, der persönliche Blog von René Fischer

  4. Pingback: Der unbekannte User: Generation Upload oder Generation Cyborg? — CARTA