Was die Kreditkrise mit der Renaissance zu tun hat…

…erfahren wir im Vortrag von Douglas Rushkoff, den er im November 2008 auf der “Next Generation” Konferenz der Ofcom in London gehalten hat (und der kürzlich im Web veröffentlicht wurde). Darin spannt er einen weiten Bogen von den aktuellen Vorgängen bis zurück in die Renaissance, in der seiner Ansicht nach die Grundlagen für das moderne System der Geldschöpfung durch Kredit gelegt wurden.

Die Geldschöpfung mittels Kredit macht Rushkoff verantwortlich für eine stark expansiv ausgerichtete Ökonomie, da die Unternehmen die Kredite mit Zinsen (zurück-) bezahlen müssten. Die Folge sei eine endlose Jagd nach Profit bis hin zur modernen Massenfertigung mit all ihren negativen Begleiterscheinungen (Marx lässt grüßen).

Eine Folge der Massenfertigung wiederum sei die Massenkommunikation, weil die in großen Mengen hergestellten Produkte nur mit viel Werbung an den Mann (und die Frau) zu bringen seien. Und dann wird es wirklich interessant, wenn Rushkoff die Probleme der Medien im Zeitalter des Internets diskutiert. So stellt er etwa fest, dass es keine “digitale Ökonomie” geben könne, weil im Internet keine Knappheit herrsche. Er sieht denn auch das Internet nicht als “Economy”, sondern als “Ecology”.

Dabei geht er so weit zu behaupten, dass auch Google eines Tages werde scheitern müssen, weil Werbung im Internet auf Dauer nicht funktionieren könne: Werbung im Kontext von Inhalten auf Webseiten sei unnatürlich und nicht das was der Betrachter dort suche.

Aber nicht nur für den Mediensektor sieht Rushkoff schwere Zeiten aufziehen: Ganz allgemein hätten Unternehmen zu lange auf einen passiven Typ von Konsumenten gesetzt und könnten jetzt mit dem Wunsch nach Partizipation nicht viel anfangen.

Man muss Rushkoff nicht in allen Punkten zustimmen. Zweifellos sieht er aber klarer als andere, dass wir in einer Zeit großer Umbrüche leben. Der junge Daniel Bachhuber, in dessen Blog ich das Video sah, findet das gut: “…there is so much potential for high impact creativity and innovation”.

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3 Kommentare

“Werbung im Kontext von Inhalten auf Webseiten sei unnatürlich und nicht das was der Betrachter dort suche.” Nun ja, wenn man seine These unbedingt durchprügeln will… Schöner Fund und toller hochwertiger Blog!

@trendschau: Danke für das Lob! Ich selbst bin in Sachen Werbung im Internet nicht so skeptisch wie Rushkoff. Und auch Google werden wir meiner Meinung nach und länger unter uns haben, als er vielleicht denkt.