Februar 2009

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Nahezu überall liest man derzeit nur Gutes über Twitter, vor allem weil die Nutzerzahlen rasant zunehmen. Aber ist das wirklich schon der Durchbruch auf breiter Ebene? Könnte es Twitter nicht ähnlich gehen wie Second Life, das von 2006 bis 2007 einen fulminanten Hype erlebte, danach aber wieder deutlich zurückstecken musste?

Immerhin: Second Life ist nicht tot und hat (im Gegensatz zu Twitter) sogar ein funktionierendes Geschäftsmodell. Twitter aber, das in die Kategorie des “Microblogging” fällt, steht im Gartner Hype Cycle im Bereich des absoluten Peaks und damit kurz vor dem Absturz.

Ich sehe folgendes Szenario für Twitter in Deutschland: Derzeit springen vor allem Medien bzw. Verlage auf den fahrenden Zug, dazu kommt das Marketing einiger Markenartikel. Die Betreiber der jeweiligen Accounts werden aber schon bald die Erfahrung machen, dass ihr eigentliches Zielpublikum noch kaum oder gar nicht auf Twitter vertreten ist.

Die schätzungsweise 50.000 aktiven deutschen Twitterer sind überwiegend Early Adopters, technisch Interessierte sowie die (jüngere) Informationselite. Das ist sicher ein reizvoller Mix, aber noch nicht genug für so manches Projekt im Marketing. Wer aber genau diese Informationselite ansprechen möchte, hat mit Twitter jetzt schon eine sehr interessante Spielwiese. Für die Promotion von Büchern, Schokolade oder Turnschuhen dürfte es jedoch noch zu früh sein.

Twitter hält aber noch eine andere Hürde parat: Das Medium ist bidirektional ausgelegt und zeigt heute schon sehr deutlich, dass wer nur sendet und nicht in Dialog tritt, auf Twitter wenig zu melden hat. Das bedeutet, dass man für Twitter Zeit einplanen muss, denn die @Replies lassen sich nicht abstellen (höchstens ignorieren).

Wer Barack Obama als Seismograph in Sachen Twitter sehen möchte, schaut übrigens in die Röhre: Der Präsident nutzt seit seiner Amtseinführung Twitter praktisch nicht mehr. Dafür ist jüngst Google dem Twitterversum beigetreten, wie Tony Gigov treffend festgestellt hat (fast täglich neue Comics von ihm gibt es hier, entdeckt habe ich ihn über Luca)…

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Man betrachte mal dieses Video und überlege sich, was hier beworben oder visualisiert wird:


Alles klar? Oder eher nicht? Hier stellt ein deutsches Startup aus Berlin seinen Ansatz für eine neuartige Suchmaschinentechnologie vor. Es handelt sich um die vionto GmbH, ihr Produkt nennt sich eyePlorer.

Was immer der eyePlorer heute schon kann oder künftig können wird: Mit diesem Video als Teaser wird man niemanden hinter dem Ofen hervorlocken können. Er ist viel zu kurz und praktisch unverständlich: 12 Sekunden Dauer und das ohne Ton. Ein Screencast wäre hier besser gewesen (und sicher nicht teurer).

Da passt es dann auch ins Bild, dass das Startup natürlich kein Corporate Blog führt und auch sonst um die Möglichkeiten des Web 2.0 einen weiten Bogen macht. Ist das typisch deutsch?

Vionto bewegt sich im Bereich von semantischer Software und damit dem Web der dritten Generation (Hochtechnologie), macht aber in Bezug auf Social Software und das Social Web einen doch eher unbeholfenen Eindruck.

Immerhin hat ja die FAZ ausführlich berichtet und es ihrerseits nicht geschafft, den eyePlorer zu verlinken (der Name des Startups wird gleich gar nicht erwähnt). Medial kongenial, aber leider nicht auf der Höhe der Zeit.

Inflationsängste und Inflationsperspektiven

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Wer ist schuld an der Wirtschaftskrise? Zeitweilig konnte man ja denken, dass es allein das Platzen der amerikanischen Immobilienblase sei. Dann aber wurde deutlich, dass die Banken weltweit wie auf Kommando alle zusammen mehr oder weniger handlungsunfähig geworden waren und es nicht allein an den verbrieften Immobilienkrediten liegen konnte.

Die Banken hatten noch viel mehr abenteuerliche Finanzkonstrukte in ihren Büchern, die jetzt allesamt auch in Verdacht gerieten, schwer ausfallgefährdet zu sein. Je mehr aber Regierungen und Notenbanken sich beeilten, die Banken mit Kapitalspritzen und die Finanzmärkte mit Niedrigstzinsen zu “retten”, desto mehr rückten sie – die Staaten und ihr Finanzgebaren – in den Blickpunkt.

Und damit sind wir am Kern des Problems: Nicht der Kapitalismus ist schuld, wie Mercedes Bunz (auf Carta) aktuell argwöhnt, sondern die Regierungen der meisten westlichen Demokratien, die zu lange ihre Haushalte nicht über Steuern allein, sondern auch auf Pump finanziert haben.

Dahinter stand die schöne Hoffnung, die Schulden im Laufe der Zeit über das Wirtschaftswachstum und dadurch bedingte höhere Steuereinnahmen wieder abbauen zu können. Das aber ist spätestens jetzt vollkommen illusorisch geworden. Gregor Macdonald (Gregor.us) beschreibt die Situation anschaulich und folgert, dass eine Inflationierung als Ausweg immer wahrscheinlicher wird. Unabhängig davon hat unlängst Steffen (Querschüsse) die amerikanischen Staatsfinanzen beleuchtet. Sein Fazit:

“Ein hoffnungslos überschuldetes, nicht zukunftsfähiges gesellschaftliches Modell!”

Nun wird ja Inflation gerne als großes Übel angesehen, weil es insbesondere Geldvermögen entwertet. Das ist richtig. Gleichzeitig aber begünstigt es Schuldner, weil die Schulden relativ gesehen schneller weniger werden. Dieser Effekt muss also nicht nicht nur für den Staat vorteilhaft sein, sondern kann auch Investoren und sogar privaten Haushalten nützen.  Die deutsche Wirtschaft, die überwiegend langlebige Wirtschaftsgüter herstellt, kann das auch als Chance sehen, auch wenn es vielleicht nur ein schwacher Trost ist…

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In Krisenzeiten sparen Unternehmen gerne am Marketing. Das geht nämlich schnell und ist somit auch sofort liquiditätswirksam. Aber ist es auch sinnvoll? Frank Bärmann (KMU-Marketing-Blog) möchte diese Frage diskutieren und hat dazu ein Blog-Stöckchen gestartet.

Dr. Michael Gerharz (Überzeugend Präsentieren) hat es aufgegriffen und an mich weitergereicht. Er betont, dass es im Kern schon am Produkt liegt: Dieses muss absolut überzeugen können. Dem kann ich mich nur anschliessen. Die aktuelle Krise sehe ich darüber hinaus als Chance, jetzt die Kommunikation auf Social Software umzustellen: Während im Bereich der Konsumgüter hier schon einiges getan wird, sollte jetzt die Investitionsgüterindustrie auf den Zug aufspringen. Damit ist insbesondere der Mittelstand gefordert, denn der Maschinen- und Anlagenbau ist eine stark mittelständisch geprägte Branche.

Kostengünstig kommunizieren

Gerade bei Investitionsgütern ist klar: Die Zurückhaltung der Investoren trifft die Mittelständler hart. Wichtig wäre es jetzt, mit seinen Kunden im Dialog zu bleiben und parallel dazu neue Interessenten zu gewinnen (Leads). Wie aber kann das gehen, wenn überall die Reisebudgets gekürzt werden?

Diese Branche, die noch sehr auf den persönlichen Kontakt wert legt, sollte sich mit Blogs anfreunden und das Internet als Medium zum Dialog begreifen. Denn überall ist klar und akzeptiert, dass Einkäufer sich über potenzielle Quellen vor der Kontaktaufnahme im Internet erkundigen. Warum also nicht die Interessenten dort schon abholen?

Ein Blog kann ganz gezielt als “Treffpunkt” aufgebaut werden, indem man hier regelmässig Webinare live anbietet und um Telefonkonferenzen (etwa über Skype) ergänzt. Was in der Softwarebranche schon weitverbreitet ist, sollte sich auch in anderen Branchen etablieren können. Der Vorteil ist, dass damit ein Teil der Reisekosten gespart werden können, wenn über diese Schiene zumindest partiell der Kontakt zu bestehenden Kunden gepflegt wird und darüber hinaus neue Kontakte (Leads) aufgebaut werden.

Kostengünstige Neuproduktentwicklung

Als eine Form des Marketing sehe ich auch das Crowdsourcing. Denn dabei geht es darum, mit Außenstehenden zu kooperieren und Ideen bzw. Impulse etwa für die Entwicklung neuer Produkte zu bekommen. Dass die freiwillige Mitarbeit Dritter einem Unternehmen helfen kann, Kosten und Zeit zu sparen, ist offensichtlich.

Der Marketingaspekt des Crowdsourcing liegt darin, dass ein Unternehmen damit seinen Bekanntheitsgrad und die Reputation steigern kann. Freilich wird das nur gelingen, wenn man über Social Media schon eine gewisse Reichweite erzielt, denn sonst erreicht eine solche Aktion nicht die nötige Aufmerksamkeit.

Das zeigt einmal mehr, dass Unternehmen damit anfangen müssen, ihre vielfältigen Netzwerke und Beziehungen auch über das Internet zu pflegen und auszubauen. Leider und völlig zu Unrecht stehen bei vielen Mittelständlern das Networking im Internet sowie die Ansätze der “Collaboration” noch auf der schwarzen Liste, oft genug aus einer gut gemeinten, aber heute überholten Sicht der Beziehungspflege.

Fazit: Das Social Web gewinnt

Unternehmen, die in der aktuellen Krise unter sinkenden Umsätzen zu leiden haben, sollten neue Wege gehen und die Möglichkeiten von Social Software erkunden bzw. konsequent nutzen. Das gilt insbesondere für den Bereich der Investitionsgüter, wo man mit dem Internet bislang wenig anfangen konnte.

Um die Blogparade fortzführen werfe ich das Stöckchen weiter zu Ralf Schwartz (mediaclinique). Er hat sicher ein paar interessante Gedanken zur Markenführung in der Krise. Und um noch ein paar jüngere Stimmen zu hören: Wolfgang Heinrich (medien kompakt) und Michael Kraus (Webkonzepter) sollten auch mitmachen.

Bei uns Menschen spielt die nonverbale Kommunikation bekanntlich eine große Rolle. Warum also nicht auch Robotern beibringen, nonverbale Signale zu erkennen und selbst mittels Gesten zu kommunizieren? Forscher des Bristol Robotics Laboratory haben sich mit dem Thema befasst und den Roboter BERTI entwickelt:


BERTI kann tatsächlich Stein, Schere, Papier spielen, wenn auch noch recht emotionslos. Woran man wieder mal sieht, dass wir Menschen doch recht komplexe Wesen sind – und anspruchsvoll dazu. Gefunden bei engadget.

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