Twine verpatzt seinen Start: Das erste Semantic Social Network ist online

So macht man es besser nicht: Das Startup von Nova Spivack, das mit seiner semantischen Software die Welt verbessern und das Web 3.0 einleiten will, hat einen doppelten Fehlstart hingelegt.

Um Buzz zu erzeugen, hat man ein virales Video in Umlauf gebracht, das angeblich nur zum internen Gebrauch bestimmt war. Warum aber landet so etwas dann auf YouTube und kurze Zeit später im Blog von Michael Arrington (TechCrunch)?

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Der Humor des Videos ist offenbar grenzwertig, wie die Kommentare auf TechCrunch zeigen. Auch ich finde das nicht wirklich lustig. Doch damit nicht genug: Etliche Personen, die den Start von Twine genutzt haben, um sich auf der Plattform umzusehen, konnten damit nicht viel anfangen. Es herrscht offenbar eine gewisse Ratlosigkeit darüber, was Twine denn nun sein soll. Das wiederum finde ich sehr lustig, denn ich bin als Beta-Tester schon an länger an Bord und war anfangs genau so irritiert wie jetzt das breite Publikum. Vielleicht hilft ja ein Blick in das offizielle Video?

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Twine ist also eine weitere Variante zum Thema “Sharing” und “Bookmarking”. Die hohen Erwartungen, die man wegen der semantischen Software hat, werden aber nicht auf Anhieb erfüllt: Dazu muss man Twine erst einmal über längere Zeit nutzen und mit Content anreichern. Erst dann kann die Semantik ihr Können demonstrieren und interessante Bezüge herstellen.

Das genau ist aber der kritische Punkt: Auf Anhieb ist Twine nicht besser als eine Suche bei Google und das könnte noch zum Problem werden.

Andererseits ist die Intention von Nova Spivack klar und nachvollziehbar: Dienste wie Delicious oder Diigo, die ohne semantische Software arbeiten, können allein über die Tags nicht in jedem Fall ähnlich guten Content anzeigen. Denn nicht jeder verwendet ein Stichwort beim Taggen in exakt der gleichen Intention. Dazu muss erst eine semantische Software die Inhalte scannen und anhand des Grades an Übereinstimmung der verwendeten Begriffe entscheiden, ob die Texte zueinander passen. Wie Twine das allerdings bei Fotos oder Videos machen will, ist mir nicht klar.

Klar ist jedenfalls, dass selbst die beste semantische Software nichts nützt, wenn sie auf einer mehr oder weniger leeren Datenbank sitzt. Entweder schafft es also Twine, jetzt rasch viele aktive User zu gewinnen, oder die Sache geht in die Hosen. Das “We Organize That Shit” – Video war dazu schon mal nicht sehr hilfreich.

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3 Kommentare

Habe auch lange in der Beta Phase gerätselt, wo denn nun konkret der Vorteil von Twine liegen soll… Ich bin gespannt, leider rechne ich damit, dass das nichts wird. Sie haben keine “Marktmacht” und aktive User zu generieren wird aus o.g. Gründen nicht einfach

Mir ist nicht wirklich klar, wie Twine funktioniert? Werden da wirklich Daten in das entsprechende Format (RDF, OWL) umgewandelt? Sonst funktioniert ja die Verknüpfung nicht wirklich.

Matthias Schwenk

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@Claudia: Mit der Marktmacht ist es bei Startups eben immer so eine Sache. Und viele potenzielle User sind schon lange bei delicious oder anderen Diensten und werden aus Gewohnheit vermutlich nicht wechseln.

@Christian: Wie exakt Twine wirklich arbeitet, kann ich auch nicht sagen. Zumindest kann Twine in einigen Fällen Quellen selbständig taggen. Mit der Qualität der Tags und der möglichen Verbindungen steht und fällt aber das ganze Konzept. Man wird also schon was dabei gedacht haben…