Mir ist nicht bekannt, ob Loic le Meur Beethovens Neunte kennt bzw. schon mal etwas von Friedrich Schiller gelesen hat. Ich vermute eher nicht, denn er legte uns ja neulich erst dar, wie er es schafft, seinen Tausenden von “Freunden” auf Facebook, Twitter, Friendfeed und natürlich Seesmic zu folgen. Da bleibt sicher keine Zeit mehr für klassische Musik oder Gedichte.
Wir zumindest sollten uns unsere Zeit nicht gänzlich von diesen jungen Medien stehlen lassen. Und Loic le Meur sollten wir auch nicht glauben, denn so einen hanebüchenen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen! Klar ist: Er hat etwas zu verkaufen. Und deshalb braucht er viele Kontakte, denen er das Gefühl vermitteln will, dass er ihnen nicht nur dauernd selbst etwas erzählt, sondern ihnen ebenfalls zuhört.
Im Grunde findet hier eine Perversion der Medien des Web 2.0 statt, indem diese wieder zu einer Art von “Massenmedium” zurückverwandelt werden. Denn man kann nicht den Dialogcharakter all dieser Erfindungen nutzen und gleichzeitig die Kontaktzahlen in eine Höhe treiben, wie sie einer Fachzeitschrift als Auflage zu einem auskömmlichen Geschäft verhelfen würden.
In diesem Sinne kann ich auch Nico Lumma nicht zustimmen, der vermutet, Loic le Meur wolle nichts verpassen. Nein. Der kalifornische Franzose weiß ganz genau was er macht. Er führt die Leute hinters Licht.
Foto: Loic le Meur by Joi auf Flickr











13 Kommentare
23. 5. 2008 um 11:54:55
Pingback von Das PM-Blog » Twitter, entweder geliebt oder gehasst
7. 5. 2008 um 11:35:16
Rainer Helmes
Provokant und richtig!
Genau hier liegt auch mein Hauptkritikpunkt an den sog. sozialen Netzen wie Xing & Co., denn wer hat schon 100+ _richtige_! Freunde?
Das Beispiel zeigt, wie man jedes gute Werkzeug auch missbrauchen kann; “wo Licht ist, ist auch viel Schatten”
Dennoch sollten wir nicht immer gleich das Kind mit dem Bade ausschütten! Ich sehe auch in einem “Nonsens-Tool” wie Twitter noch Chancen. Twitter und die gen. sozialen Netze ermöglichen uns leichter mit Kollegen und Geschäftsfreunden in Kontakt zu treten – und in Kontakt zu bleiben! (gerade für Selbständige sehr wichtig). Und jedem sollte auch klar sein, dass ‘Geschäftsfreund’ nicht notwendigerweise ‘Freund’ heißt
– gilt natürlich auch für die ‘Facebook-Freunde’
Und ‘Just for Fun’: gerade für Selbständige, die viel reisen, ist die Verlagerung der ‘Flurgespräche’ ins Web natürlich auch eine willkommene Abwechselung; so Small Talk zwischendurch
7. 5. 2008 um 13:35:36
Matthias Schwenk
@Rainer: Danke für die Zustimmung! Und richtig ist: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Twitter oder Facebook sind wirklich interessante Instrumente.
Nur sollte Loic le Meur nicht so tun, als würde seinen Tausenden von Kontakten (”Freunden”) wirklich ernsthaft zuhören bzw. “followen”. Man kann es wirklich übertreiben.
7. 5. 2008 um 14:48:11
Rainer Helmes
Twitter macht Spaß; mit Twitter kann man viel machen, aber sicher keine ernsthaften Gespräche unter Freunden führen. Und ich bezweifele auch, dass sich daraus ein “Geschäftsmodell” entwickeln lässt.
Mit facebook kann ich wenig bis gar nichts anfangen.
Ach ja, friendfeed könnte noch interessant werden, da bin ich noch zwiegespalten …
7. 5. 2008 um 14:55:34
Vincent
“Im Grunde findet hier eine Perversion der Medien des Web 2.0 statt, indem diese wieder zu einer Art von “Massenmedium” zurückverwandelt werden.”
Love that line, man. A perfect description of what is happening.
7. 5. 2008 um 16:41:14
Matthias Schwenk
@Rainer: Twitter ist nicht nur ein Spaß-Medium. Man könnte über Twitter in einem Team, in dem alle mit-twittern, durchaus auch ernsthafte Botschaften mitteilen. Denn man erreicht so alle gleichzeitig – schneller geht es nicht. Klar: Sprachlich muss man sich dann natürlich kurz fassen können.
@Vincent: Thank you so much! That really was the central message of my speech…
7. 5. 2008 um 17:15:04
Rainer Helmes
“Man könnte über Twitter in einem Team, in dem alle mit-twittern, durchaus auch ernsthafte Botschaften mitteilen.”
Wie wollen Sie das trennen? Das geht m.E. nur, wenn Sie verschiedene Twitter-Accounts führen … das ist natürlich eine Möglichkeit! Ich arbeite in verschiedenen Projektgruppen, und meistens setzen wir ganz ‘1.0′ auf E-Mail mit verschiedenen Verteilern. Geht auch
Für mich ist es sehr spannend zu sehen, wie sich Twitter entwickelt – ich übe gerade damit – Sie können mir gerne folgen
7. 5. 2008 um 17:35:18
Vincent
@Rainer Arrington seems to love Facebook for getting pitches: “Urgent Changes Are Needed To Facebook Messaging”
@Matthias, that line was so good, I even twittered it
7. 5. 2008 um 18:14:58
Rainer Helmes
Danke für den Link! – sehr interessante Gedanken … let’s wait and see …
7. 5. 2008 um 19:12:01
Matthias Schwenk
@Vincent: That reminds me of my own twitter accout. It’s desperately waiting for me to twitter (finally)…
7. 5. 2008 um 22:44:15
Christian
ich denke, Twitter könnte für Kampagnen ganz gut geeignet sein. Z.B., um spontan Demos zu organisieren.
7. 5. 2008 um 23:06:42
Michael Wald
Prof. Wech scheint ja begeistert zu sein von Twitter
Teaching with Twitter
http://mediatedcultures.net/ksudigg/?p=170
8. 5. 2008 um 11:10:45
Matthias Schwenk
@Michael: Super! Vielen Dank für den Hinweis, ich kannte den Artikel dort noch nicht.