Geraten Blogs durch die Technik in die Defensive?

In Sachen Blogkultur entwickelt sich gerade in den USA eine interessante Debatte. Der Auslöser dafür sind neue Dienste wie FriendFeed (aber auch Alltop, assetbar, blogrize, LinkRiver, mergelab, ReadBurner, RSSmeme, sezwho, Shyftr, Social Median, Toluu, Yokway…), die alle irgendwie Inhalte (oder Teile davon) aggregieren und damit teilweise auch Gespräche, die sich bisher in den Kommentaren in einem Blog abspielten, verlagern, an anderer Stelle weiterführen oder überhaupt erst dort entfachen.

Im Grundsatz dreht sich die Diskussion nun darum, wo die Gespräche hin gehören: In das Blog, das mit seinem Artikel den Anstoß gab, auf eine (oder mehrere) dieser neuen Services oder am Ende überall hin, wenn durch Rückführung (per Feed) die Kommentare von anderen Seiten auch im ursprünglichen Blog sichtbar gemacht werden.

Das Thema wird uns sicher noch über Jahre beschäftigen, den es berührt mehrere Ebenen und ebenso vielfältige Interessen:

  1. Die Ebene der Kommunikation: Es liegt in der Natur von Gesprächen, dass sie immer und überall stattfinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Gegenstand eines Gespräches gerade unmittelbar “vorliegt”, oder zeitlich und räumlich vom Gespräch getrennt ist. Diesen Umstand müssen auch Blogger beachten. Es wäre geradezu unnatürlich, wenn Diskussionen über ein Thema, das ein Blogger aufwirft, nur in den Kommentaren seines Blogs stattfinden dürften. Entsprechend gelassen zeigt sich auch Robert Scoble (Scobleizer), dem es egal ist, wo und wie über seine Themen diskutiert wird: “Steal my content” ist seine Devise – was auf Deutsch wohl so viel heißt wie “Macht was ihr wollt, Hauptsache ich selbst bin Gegenstand Eures Gespräches”.
  2. Die Ebene der Technik: Die enorm große Menge an Blogs war und ist eine Herausforderung für die IT, nach Möglichkeiten der Aggregation (von Daten) zu suchen. Technorati entwickelte seine Authority, was die Grundlage für Dienste wie Techmeme oder Rivva schuf. Nimmt man als weitere “Zutaten” RSS und das Konzept der Social Networks hinzu, hat man alle wesentlichen Teile, auf deren Basis derzeit munter mehr und mehr Dienste entstehen. Jeder für sich will nützlich sein, alle zusammen schaffen aber ein ziemliches Durcheinander. Und sie bergen eine Gefahr in sich, auf die Tony Hung (Deep Jive Interests) vehement hinweist: Das Aggregieren könne auch zu weit gehen, wenn etwa vollständige Artikel aus einem Blog in einen anderen Dienst übernommen werden. Louis Gray (louisgray.com) sieht den gleichen Sachverhalt entspannter und plädiert dafür, die Dinge erst einmal laufen zu lassen.
  3. Und schließlich das liebe Geld: Keiner der hier verlinkten amerikanischen Blogger spricht es direkt an, aber unterschwellig läuft die Frage nach dem Geld natürlich immer mit. Denn wer mit Werbung auf seinem Blog Geld verdienen möchte, wird nicht allzu glücklich darüber sein, dass es immer mehr Memetracker und Aggregatoren gibt, die nicht alle den Traffic wieder in die Blogs zurück lenken, aus denen sie ihre Inhalte nehmen. Und selbst wer keine Werbung im Blog hat, mag es als grenzwertig empfinden, dass ein Anderer sein Geschäftsmodell darauf aufbaut, ungefragt aus Blogs Inhalte (und Kommentare) zu übernehmen.

Tatsächlich sieht es also so aus, als gerieten Blogs technisch in die Defensive. Das Web 2.0 entwickelt sich immer mehr zu einer Art “Kampfzone”, wo mit harten Bandagen um Aufmerksamkeit gerungen wird. Das alles natürlich unter dem Deckmantel des Fortschritts und dem Ideal, das Web transparenter und übersichtlicher zu machen.

Blogger, egal ob eher privat oder mit einem Corporate Blog unterwegs, sollten die Entwicklung im Auge behalten.

10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. @Kai: Aber nicht weitersagen – Ja! Er saugt alles auf wie ein Schwamm und zieht auch die ganze Aufmerksamkeit auf sich – da hast Du keine Chance mehr… ;-)

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