Accessibility

accessibility buch bannerLetztes Jahr im November fand die Accessibility Blogparade statt. Da ich das Thema für wichtig halte, aber selbst wenig davon verstehe, habe ich damals kurzerhand ein Interview mit Kai Guschal (doubleSlash Netbusiness GmbH) geführt. Dafür an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an den Bodensee.

Inzwischen hat man bei MAIN_web aus allen Beiträgen zur Parade ein Buch gemacht. Es kann als Pdf heruntergeladen oder auch als Druckexemplar bestellt werden (zumindest in Österreich kostenfrei). Mehr Infos dazu u. a. auch bei Robert Lender im Blog.

Eine gute Aktion, wenngleich ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin. Weder habe ich mir das Buch schicken lassen, noch es auf meinen Rechner heruntergeladen. Ich weiß nämlich nur zu gut, was mit solchen Dingen passiert – sie gehen in der Menge an interessantem Lesestoff (egal ob gedruckt oder digital) einfach unter. Und in Sachen Barrierearmut bin ich heute kaum weiter als im Herbst letzten Jahres, als ich mich entschloss, an der Blogparade teilzunehmen.

Was wäre die Lösung?

Einen wirklichen Anreiz, mich intensiver mit der Sache zu befassen, würde nur eine mediengerechte Vermittlung von Wissen erreichen. Ein Buch ist dazu in meinem Augen der falsche Weg. Ob eine Website barrierearm ist oder nicht, sehe ich am besten im Web selbst. Ideal wäre als eine Art Musterseite im Internet, die bewusst als “Ort des Lernens” konzipiert wird und im Prinzip aus einer praktischen Darstellung guter und schlechter Elemente (mit Erläuterungen) besteht.

Am besten würde man so etwas zudem noch interaktiv anlegen, so dass die User Kommentare (wie in einem Blog) verfassen und reale Beispiele verlinken können). Ideal wäre zudem, wenn Webdesigner ihre Entwürfe dort zur Diskussion stellen könnten (etwa über Links). Das Thema “Accessibility” müsste also, konsequent gedacht, nicht in die alten Medien “zurückfallen” (durch den Druck eines Buches), sondern vielmehr in eine Social Community (im Web 2.0) münden, die als Anlaufstelle zu diesem Thema Experten und Laien gleichermaßen anzieht.

Ein guter Anfang ist immerhin gemacht, wie Christian Henner-Fehr zusammenfasst. Warum also nicht mutig weiter denken?

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich sehe das etwas anders, denn ich denke nicht, dass ich als Besitzer einer Website auch das notwendige technische Know-how besitzen muss, um eine Seite barrierefrei zu gestalten. Dafür sind die Programmierer zuständig.

    Das Buch sehe ich eher als eine weitere Möglichkeit, mich als “Nicht”-Techniker anzusprechen und für das Thema zu gewinnen bzw. zu sensibilisieren. Ich gebe dann nur den Auftrag, meine Seite barrierefrei zu gestalten. Basteln will und kann ich gar nicht.

  2. Wir werden mit diesem Projekt nicht die Welt retten ;-)

    Es war ein Versuch das Thema Web Accessibility auch von anderen Seiten zu beleuchten und auch Menschen zu sensibilisieren, die ansonsten damit nicht viel zu tun haben.

    Das Buch ist auch keine Anleitung für eine barrierefreie Website. Es kann aber Anregung sein. Für die, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen. Für die, die ein bisschen mehr lesen wollen oder für die, die gerne mal andere Blickwinkel betrachten wollen.

    Ich habe es Anfangs auch nicht geglaubt. Aber ein Buch und dessen Struktur liest sich anderes als einzelne Blogbeiträge. Das haptische und optische eines Buches mag vielleicht wiederum andere erreichen als ein Blog.
    Daher ist es für mich nicht ein “Rückfall” sondern einfach nur ein Weg von vielen.

    Die von dir angedachte “Musterseite” würde ich auch begrüßen und habe selbst dazu schon einiges angedacht oder mit anderen diskutiert. Es müssen sich dazu aber Menschen finden, die sie aufbauen und betreuen. Es gibt schon Ansätze – und die sind vielleicht zu wenig bekannt – aber es braucht sicherlich noch mehr.

    Nebstbei fand ich es auch spannend, dass das Buch nicht nur Web Accessibility näher bringt sondern manche auch an das Thema Blogs. Denn viele kennen noch nicht einmal diesen Begriff. Wenn das Buch also eine Heranführung an Web (2.0) ist – aber damit gleichzeitig die Accessibility verbindet (was nicht selbstverständlich ist), dann haben wir damit auch einen kleinen Informationsschritt gesetzt.
    Wie oben geschrieben. Die Blog Parade, der Live Event und das logbuch accessibility retten nicht die (Web)Welt. Sie können ein Beitrag sein. Nicht mehr und nicht weniger :-)

  3. Pingback: Nur ein Blog

  4. Wenn es so einfach wäre Barrierefreiheit in Beispielseiten zu gießen, dann wäre das sicherlich schon gemacht. Aber leider ist jede Seite unterschiedlich und so muss der Ansatz für die Bereitstellung von Sprunglinks (bspw.) auf jeder Seite neu überdacht werden. Es gibt keine Blaupausen.

    Ein guter Ansatzpunkt ist im Übrigen die deutsche Seite “EinfachFürAlle“, die in ihren Artikeln zur Konzeption (http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/#konzeption) und Gestaltung (http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/#gestaltung) und Techniken (http://www.einfach-fuer-alle.de/artikel/#technik) einen guten Themenüberblick gewährleistet, auch mit Beispielen.

    (PS: Menschen die auf Tastaturbenutzung angewiesen sind können das Kommentar-Spam-Feld nicht zugreifen, weil keinen Tabindex hat und deshalb die alle anderen Formularelemente inklusive dem Abschicken-Knopf vor diesem angewählt werden. Für alle anderen ist es nur nervig, wenn man mit der Tastatur nicht hinkommt. Am besten: Tabindex entfernen.)

  5. Hallo,

    ich finde alles gut, was dazu beiträgt, das Thema Barrierefreiheit/-armut bekannter zu machen und aus der Ecke “das ist nur ein nice to have” herauszuholen.

    Da beim Thema Barrierefreiheit vieles unter der Decke abläuft (z. B. eine unsichtbare aber hörbare Nummerierung von Menüpunkten oder der von den Webkrauts propagierte Honigtopf als Spamschutzalternative) könnten Beispielseiten für Newcomer möglicherweise nicht so extrem anschaulich sein. Für Experten ist eine Tipps- und Trickskiste wie bei einfach-fuer-alle.de natürlich sehr hilfreich und zumindest ich freue mich diesbezüglich über weitere Quellen.

    Viele Grüße
    Cora

  6. @Christian: Jedes Internet-Startup (blogoscoop!) steht vor der Aufgabe, seine Seiten barrierearm zu gestalten. Und es greifen da viele Dinge ineinander, angefangen vom Design bis zur Implementierung zusätzlicher Funktionen, die anfangs nicht geplant waren. Da wird Barrierefreiheit zur permanenten Herausforderung und ist nicht nur Sache der Programmierer…

    @Robert: Danke für Deine Sicht der Dinge. Dass ein Buch dem Medium Blog neue Interesssenten zuführen kann, ist eine tolle Sache! Da ich habe ich Euch ein bisschen zu hart angefasst, sorry!

    @Eric: Danke für den Link zu den Seiten “Einfach für alle”.

    @Cora: Eine Anlaufstelle im Web ist auf alle Fälle gut. Und ich denke auch immer noch, dass es nicht ein Blog sein sollte, sondern durchaus auch Community-Funktionen für den Gedankenaustausch beinhalten könnte.

  7. unterm Strich kommt es auf die Qualität der Informationen an. Warum nicht als positiv gemeintes Qualitätsurteil betrachten wenn aus guten Blogposts ein Buch gedruckt wird?

  8. @Oliver: Klar, ein Buch als Ergebnis einer qualitativ guten Blog-Parade ist schon eine schöne Sache. In diesem Fall hier zeigt es auch, dass es hier wirklich um die Sache ging und nicht nur ein bisschen Link-Huberei zwischen den beteiligten Blogs betrieben wurde.