April 2008

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persil logoPersil bloggt. Das ist zunächst einmal eine sehr erfreuliche Tatsache. Schaut man aber auf die Reaktionen in der Blogosphäre, scheint eher eine mittelgroße Katastrophe passiert zu sein. Persil kann es den Blogger-Profis offenbar nicht recht machen. Robert Basic gibt sich noch durchaus witzig, aber schon beim Werbeblogger geht man in die Vollen und andere schließen sich der Kritik an.

Gewiss: Auch ich finde die Tatsache, dass man für das Kommentieren im Persilblog sich erst anmelden muss, etwas merkwürdig, um nicht zu sagen unangemessen. Aber sonst habe ich noch nicht viel zu kritisieren. Die ersten Beiträge sind ein durchaus ordentlicher Einstieg und gerade die Mischung aus aktuellen Themen und Rückblenden in die Historie der Marke Persil finde ich gut.

Ob es auf Dauer gut ist, ähnlich wie im Daimler-Blog, eine recht große Zahl an Autoren in das Blog einzubinden, wird sich weisen. Die Dialogkultur könnte darunter leiden. Aber sie muss es nicht. Denn wir sollten sehen, dass Persil nicht vorrangig für die (etablierte) Blogosphäre schreibt, sondern wohl eher für Freunde der Marke. Und da mögen die Uhren etwas anders laufen, als bei den Geeks und Freaks des Web 2.0.

Und zum Schluss die Frage an die Kritiker des Persilblogs: Welcher Blogger wird schon gerne an seine allerersten Postings erinnert? Müssen wir das neue Blog gleich in die Kochwäsche geben, oder würde für den Anfang nicht auch mal ein Schonwaschgang genügen?

twitter logoTwitter ist in aller Munde und mit Twitterdings und twitkrit gibt es hierzulande zwei sehr schöne neue Blogprojekte rund um das Faszinosum. Während sich twitkrit mehr der künstlerisch, literarischen Seite von Twitter annimmt, dürfte Nico Lummas Twitterdings bald schon ein unentbehrlicher Wegweiser durch den rasch immer dichter werdenden Dschungel an Applikationen und Mashups rund um Twitter werden.

Alles schön und gut, aber über die Ebene der Spielerei sind wir damit noch nicht hinaus, oder? Hat Twitter auch bei der “richtigen” Arbeit eine Perspektive? Ich habe das lange nicht gesehen, bis ich bei mir Alert Thingy installiert habe. Seither habe ich in kompakter Form und frei auf dem Desktop einen Anschluss an den Datenstrom, den Twitter ununterbrochen produziert. Das Praktische daran ist, dass ich über Alert Thingy nicht nur passiv mitlesen, sondern auch selbst twittern kann.

Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man so etwas auch in komplexen Projekten einsetzen kann. Etwa wenn ein (teilweise) räumlich getrenntes Team sich untereinander in knapper Form auf dem Laufenden halten möchte. Twitter ist da nämlich überraschend vielseitig und vor allem extrem schnell: Bis man etwa bei einer E-Mail nur die Adresse des Empfängers eingegeben oder aus einem Verzeichnis ausgewählt hat, hat man bei Twitter die Botschaft schon formuliert und abgeschickt.

Noch Fragen? Was Twitter wert ist, weiß Michael Arrington (TechCrunch) ziemlich genau und wer (wie ich) noch etwas Nachholbedarf bei den Begrifflichkeiten hat, mag in diesem kleineren Wiki (Twitter Fan Wiki) fündig werden. Mir auf Twitter zu folgen lohnt jetzt noch nicht, ich bin noch ziemlich stumm und höre vorerst nur zu…

Hier im Blog ist den letzten Tagen der übliche Rhythmus, was das Erscheinen neuer Artikel betrifft, sichtlich ins Stocken geraten. Das liegt daran, dass ich mir im Moment nicht schlüssig bin, wie ich weitermachen soll. Zu den Einflussfaktoren zählen folgende Aspekte:

  1. Der Zeitfaktor: Mit dem Blog zu blogoscoop betreue ich seit Februar ein weiteres Blog, was sich im Zeitbudget leider schnell bemerkbar gemacht hat. Selbst bei moderater Posting-Frequenz (und der Unterstützung durch Martin bei blogoscoop) machen zwei Blogs eindeutig mehr Arbeit als einer.
  2. Die Irrelevanz meines Blogs beim Mittelstand: Was immer ich hier schreibe, es wird bei meiner eigentlichen Zielgruppe nicht wahrgenommen. Und daran dürfte sich auch noch auf längere Sicht nichts ändern. Noch vor einem Jahr war ich der festen Überzeugung, die Zeit sei reif für die Themen “Web 2.0″ und “Enterprise 2.0″ in deutschen Unternehmen. Heute sehe ich viel stärker die kulturverändernde Wirkung der Digitalisierung und denke, dass es bei uns noch sehr lange dauern wird (10 bis 15 Jahre?), bis wir Verhältnisse wie heute in den USA oder Japan haben werden.
  3. Die Sprachbarriere: Deutsch als Sprache eines Blogs kann ein Handicap sein. Denn ich kann zwar englischsprachige Blogs verlinken, diese können aber auf mich nicht Bezug nehmen, da es der Gegenseite an Deutschkenntnissen fehlt. Will ich also auf internationaler Ebene mitdiskutieren, muss ich vom Deutschen ins Englische wechseln. Christian Scholz (Mr. Topf) und Martin Koser (frogpond) bemühen sich bilingual, aber so richtig überzeugend finde ich diese Mischung für mich persönlich nicht.
  4. Die Parteilichkeit: Seitdem blogoscoop als Projekt am Laufen ist, hat sich die Perspektive verändert. Die Leichtigkeit des Bloggens ist weg, da ich nun nicht mehr der (freie) Beobachter bin, sondern selbst zum Akteur werde, der auf vielfältige Interessen Rücksicht nehmen muss. Ich kann mich nicht einerseits auf blogoscoop freundlich und offen nach allen Seiten geben und andererseits auf bwl zwei null etwa bestimmte (Blogger-) Kreise laut kritisieren. Damit kommt mir aber hier im Blog das “Salz für die Suppe” abhanden…

Ich bin also ernsthaft am Überlegen, bwl zwei null (nach gut einem Jahr Laufzeit) als Blog ganz einzustellen und irgendwo im Web unter neuem Namen und in englischer Sprache wieder aufzutauchen (bwl zwei null ist als “Marke” im Englischen unaussprechlich und daher unpassend). Für die Beteiligung an den Debatten an der deutschsprachigen Blogosphäre bliebe uns ja noch das Blog zu blogoscoop.

Seminarprogramm Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen BuchhandelsEigentlich war es ja eine sehr gute Idee, die der Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels da hatte: Ein Seminar für Verlage zum Thema Web 2.0 (mit mir als Referenten). Doch nun musste es abgesagt werden: Die ohnehin schon niedrig angesetzte Mindestzahl an Teilnehmern (8 Personen!) wurde nicht erreicht. Leider.

Schauen wir dazu mal auf die Zahlen des Verbandes, wie er sie selber darstellt: Demnach gibt es in Bayern über 400 Verlage, davon 155 allein mit Sitz in München (wo das Seminar stattgefunden hätte). Und da finden sich im Frühjahr 2008 keine acht Personen, die sich einen Tag lang (zu einem wirklich sehr moderaten Preis) zum Web 2.0 im Literaturhaus München informieren und austauschen wollen?

Wie kommt das? Liegt es an mir als Person? Wohl kaum, denn sonst hätte mich der Verband ja nicht engagiert.

Ich vermute etwas ganz anderes: Verlage wollen nicht ins Web, sie wollen Bücher machen. In der Welt der gedruckten Medien sind sie zuhause, diesem Metier gilt ihre ganze Aufmerksamkeit und Hingabe. Das Internet stört da nur. Es ist ganz anders und verlangt andere Fähigkeiten und Kenntnisse. Kenntnisse, die man nicht hat und die bis heute auch kaum gebraucht werden, denn wirtschaftlich spielt das Web für die Verlage noch keine große Rolle.

Dass die Buchverlage mit ihren Druckerzeugnissen eines Tages ebenso dumm aus der Wäsche schauen könnten, wie heute die Musikindustrie mit ihren CD’s, will offenbar keiner sehen. Dabei wird es die Buchverlage wesentlich härter treffen, wenn die Digitalisierung ihren Markt erreicht, als es bei der Musikindustrie der Fall war: Ihre Margen sind viel dünner. Zudem agieren hier kaum große Konzerne, sondern sehr viele kleine Häuser, die in einer Krise nicht so viele Optionen haben.

Am Beispiel des Brockhaus Verlages könnte man ja schon mal studieren, was da so kommen wird (nämlich hohe Verluste durch wegbrechendes Geschäft). Das Problem ist nur, dass sich heute kaum jemand in den Verlagen vorstellen kann, dass eines Tages gedruckte Bücher ebenso in den Regalen liegen bleiben werden, wie heute die Musik-CD’s.

Aber schon die Musikindustrie hat bis in die Krise hinein kein Rezept gefunden und auch die Zeitungsverlage, deren Auflagen und Umsätze seit Jahren schon schrumpfen, redet sich die Situation immer noch schön und hofft auf bessere Tage. Wie soll man da von der Buchbranche mehr Weitsicht und Lernfähigkeit erwarten?

Rivva LogoRivva ist eigentlich eine tolle Sache. Aber in letzter Zeit irritiert mich doch die größer werdende Zahl englischsprachiger Blogposts, die offensichtlich deshalb in den Top-Stories erscheinen, weil sie von anderen englischsprachigen Blogs verlinkt werden.

Da zeigt uns also das Medium, das “sowas wie Techmeme für die deutschsprachige Blogosphäre sein möchte“, Artikel aus amerikanischen Blogs und die Diskussion, die diese Artikel in anderen amerikanischen Blogs ausgelöst hat. Aber kann ich das nicht besser direkt auf Techmeme sehen? Sollte Rivva uns diese Artikel nicht dann erst zeigen, wenn sie in den deutschsprachigen Blogs reflektiert werden?

Dieser Artikel von mir bekam auf Rivva jedenfalls keine “Vorzugsbehandlung” gegenüber den amerikanischen Blogs und musste sich ziemlich hinten anstellen (d. h. er wurde nur in den “weiteren Stories” sichtbar, während in den Top Stories amerikanische Blogs die Sache unter sich ausmachten). Bin da nur ich irritiert, weil es mich selbst betrifft, oder wird Rivva da seiner Rolle als Memetracker der deutschsprachigen Blogs tatsächlich nicht gerecht?

Die in meinen Augen ungute Tendenz lässt sich mittlerweile auch an den Leitmedien ablesen, wo TechCrunch aktuell schon auf Platz 13 steht, ReadWriteWeb auf 103 und Robert Scoble gerade auf Rang 254 eingestiegen ist. Schöne Aussichten sind das!

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