Crowdsourcing und Wisdom of Crowds: Eine Unterscheidung

Wisdom of cups Flickr AngermannHantiert man mit beiden Begriffen, ist natürlich eine genaue Unterscheidung erforderlich. Denn sie sind ähnlich, aber bei weitem nicht gleichzusetzen.

Beim Crowdsourcing geht es darum, eine größere Anzahl von Menschen zu mobilisieren und sie zur Teilnahme bzw. Mitarbeit zu bewegen. Ein Paradebeispiel nichtkommerzieller Art ist die Wikipedia. Ganz offen kommerziell orientiert ist dagegen InnoCentive, eine Initiative des Pharmahersteller Eli Lilly. Sie läuft seit dem Jahr 2001 sehr erfolgreich und steht inzwischen auch anderen Unternehmen offen. Seit kurzem gibt es auch ein Blog zur Plattform.

Hier kommt es also auf die Ideen und Beiträge möglichst vieler Menschen an, wobei die Einzelleistung durchaus für sich stehen bleiben kann und keinesfalls im Gesamtbild untergehen muss. Im Gegenteil: Die gesuchte Lösung kann exakt der Einzelbeitrag einer Person sein. Berühmt geworden ist das Beispiel der kanadischen Minenfirma Goldcorp, die nicht mehr wusste, wo sie noch nach neuen Goldvorkommen suchen sollte. Ebenso bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Website von Goldcorp dazu heute keine Aussagen mehr macht!

Die Wisdom of Crowds dagegen setzt auf ein anderes Konzept: Die optimale Lösung ist hier gerade nicht eine Einzelleistung, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel aller Beiträge.

Kurzzeitig für Aufmerksamkeit sorgte neulich eine Fernsehshow auf RTL, wo die Idee der Wisdom of Crowds gegen das Wissen von einzelnen Experten gesetzt wurde. Dass ich hier darüber schreibe, zeigt schon, dass auf diesem Feld interessante Beispiele aus der Praxis noch Mangelware sind.

Warum ist das so? Weil Unternehmen hierarchische Gebilde sind und Manager offenbar nur schwer einsehen wollen, dass die Menge aller Mitarbeiter im Schnitt klüger sein kann als die Entscheider an der Unternehmensspitze. In diese Richtung argumentiert aktuell Jon Husband (The AppGap Blog).

Und so bleibt das Phänomen Wisdom of Crowds vorläufig eher noch ein bewundertes Konzept, während Croudsourcing in vielen Facetten schon Verbreitung findet.

Foto: The wisdom of cups by angermann auf Flickr

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Markus: Vielen Dank für den Link! Das muss man tatsächlich im Auge behalten. Den optimistischen Tonfall von Kaj Arnö teile ich noch nicht so ganz.

    Die Schnittstelle von “freier” Arbeit an Open Source Projekten und den kommerziellen Interessen eines IT-Unternehmens ist ein heikler Punkt.

    Andererseits scheint es bei Facebook ja gerade sehr gut zu funktionieren: Da benötigt man Versionen in anderen Sprachen und die User-Community beteiligt sich an der Übersetzerarbeit mit großem Elan.

  2. Ganz uneigennützig (*zwinker*) behaupte ich einfach mal:

    Da wird noch einiges auf uns zukommen – das wissen wir doch alle ;)

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