Januar 2008

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CoreMedia LogoWenn ich in dieser Themenwoche nach deutschen Vorbildern suche, fällt mir nur die CoreMedia AG in Hamburg ein. Das Softwarehaus hat wie kaum ein anderes Unternehmen in Deutschland die Tragweite der Ideen und Prinzipien von Enterprise 2.0 früh erkannt und setzt sie intern mit erstaunlicher Konsequenz um. Wo sonst gibt es schon Workshops, zu denen firmenfremde Personen einfach dazu kommen können?

Gerade die Idee der offenen Workshops oder der Strategiesitzungen des Managements, an denen Mitarbeiter ungefragt teilnehmen dürfen, sind Ansätze von Wisdom of Crowds ganz im Sinne von Surowiecki.

Einzig bei den Blogs hängt es noch. Zwar gibt es auch hier einen beeindruckend offenen Ansatz, der aber in dieser Form seiner Zeit eine Spur zu weit voraus sein mag. Was von innen besehen sicherlich ein geschicktes Instrument ist, mit dem ein Teil der (internen) Kommunikation elegant geführt werden kann, erscheint von außen (also aus der Perspektive der Blogosphäre) als vielleicht noch etwas zu vielstimmig und nicht fokussiert genug.

Das mag aber auch daran liegen, dass hier ein Multiautorenblog geführt wird. Mehrere Stimmen bringen zwangsläufig auch mehr “Breite” ins Spiel, was natürlich meiner Forderung, ein Blog müsse in seiner Nachrichtenfunktion “zentral” erscheinen, entgegenläuft. Anders sieht es natürlich aus, wenn man nicht allem folgt, sondern sich auf einzelne Blogger des Hauses fokussiert (was per RSS-Feed möglich ist).

Perfekt wird dieser Ansatz mit vielen Autoren wohl erst dann, wenn uns semantische Feed-Reader zur Verfügung stehen. Die werden ihrem Leser (hoffentlich) keine starren Blogabos mehr zuspielen, sondern aus einem sehr breiten Spektrum an Blogs gezielt Beiträge zu den Themen, für die man sich interessiert.

Bis dahin aber so weiter machen wie heute? Das wäre schade. Denn wenn die CoreMedia schon so offen für Ideen und Anregungen von außen ist, sollte man dies auch auf der Ebene des Blogs stärker nutzen. Andere Unternehmen bloggen nicht, weil sie die Kritik scheuen! CoreMedia dagegen hat keine Berührungsängste, leider aber zu wenig Reichweite mit seinem (komplexen) Blogsystem.

Hier sollte ein Konzept entwickelt werden, dass den Dialog mit den Lesern ganz klar unter einer betriebswirtschaftlichen Nutzenperspektive sieht. Dabei könnte sich die CoreMedia an ein breites Publikum wenden oder auch gezielt an Freelancer bzw. Entwickler. Und damit wäre ich wieder beim Crowdsourcing und meiner Themenwoche…

Wisdom of cups Flickr AngermannHantiert man mit beiden Begriffen, ist natürlich eine genaue Unterscheidung erforderlich. Denn sie sind ähnlich, aber bei weitem nicht gleichzusetzen.

Beim Crowdsourcing geht es darum, eine größere Anzahl von Menschen zu mobilisieren und sie zur Teilnahme bzw. Mitarbeit zu bewegen. Ein Paradebeispiel nichtkommerzieller Art ist die Wikipedia. Ganz offen kommerziell orientiert ist dagegen InnoCentive, eine Initiative des Pharmahersteller Eli Lilly. Sie läuft seit dem Jahr 2001 sehr erfolgreich und steht inzwischen auch anderen Unternehmen offen. Seit kurzem gibt es auch ein Blog zur Plattform.

Hier kommt es also auf die Ideen und Beiträge möglichst vieler Menschen an, wobei die Einzelleistung durchaus für sich stehen bleiben kann und keinesfalls im Gesamtbild untergehen muss. Im Gegenteil: Die gesuchte Lösung kann exakt der Einzelbeitrag einer Person sein. Berühmt geworden ist das Beispiel der kanadischen Minenfirma Goldcorp, die nicht mehr wusste, wo sie noch nach neuen Goldvorkommen suchen sollte. Ebenso bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Website von Goldcorp dazu heute keine Aussagen mehr macht!

Die Wisdom of Crowds dagegen setzt auf ein anderes Konzept: Die optimale Lösung ist hier gerade nicht eine Einzelleistung, sondern ergibt sich aus dem Zusammenspiel aller Beiträge.

Kurzzeitig für Aufmerksamkeit sorgte neulich eine Fernsehshow auf RTL, wo die Idee der Wisdom of Crowds gegen das Wissen von einzelnen Experten gesetzt wurde. Dass ich hier darüber schreibe, zeigt schon, dass auf diesem Feld interessante Beispiele aus der Praxis noch Mangelware sind.

Warum ist das so? Weil Unternehmen hierarchische Gebilde sind und Manager offenbar nur schwer einsehen wollen, dass die Menge aller Mitarbeiter im Schnitt klüger sein kann als die Entscheider an der Unternehmensspitze. In diese Richtung argumentiert aktuell Jon Husband (The AppGap Blog).

Und so bleibt das Phänomen Wisdom of Crowds vorläufig eher noch ein bewundertes Konzept, während Croudsourcing in vielen Facetten schon Verbreitung findet.

Foto: The wisdom of cups by angermann auf Flickr

Crisis Counseling Flickr Double Feature“Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind derzeit alles andere als erfreulich” schreibt Andreas Göldi und stellt zwei Szenarien auf, wie denn eine sich verschlechternde Wirtschaftslage auf das Internet durchschlagen könnte. Ich selbst habe in der letzten Woche, als die Börsenkurse abrupt fielen gemutmaßt, dass wir vor einer Krise von historischem Ausmass stehen.

Ist es wirklich so schlimm? Und sollte man sich bei Göldi eher an die pessimistische oder an die optimistische Perspektive halten?

Zunächst einmal denke ich, dass sich die Geschichte nie wiederholt. Wir werden also keine neue Internetkrise bekommen. Das Internet ist mittlerweile so stark und fest etabliert, dass es auf seiner bestehenden Basis nicht mehr nennenswert erschüttert werden kann. Denn Teile der aktuellen Krise, etwa in der Musikindustrie, spielen sich gerade nicht im Internet ab (wo die Umsätze stetig wachsen), sondern im Bereich der “Old Economy” (sinkende Umsätze im Verkauf von CDs).

Sollten also Unternehmen der Musikindustrie straucheln oder sogar spektakulär zusammenbrechen, wird das Musikgeschäft im Internet davon nur marginal getroffen: Amazon, iTunes und andere mögen zeitweilig weniger schnell wachsen, ernsthaft bedroht ist diese Form des digitalen Geschäftes nicht mehr.

Bei den Zeitungen könnte sich ein ähnliches Bild ergeben: Rezessionsbedingt fallende Werbeeinnahmen und die ohnehin langsam und stetig abnehmende Leserschaft mag das eine oder andere Blatt ernsthaft gefährden. Den Sektor “News im Internet” tangiert das nur wenig, er dürfte in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter wachsen und auch weiter steigende Werbeeinnahmen verzeichnen.

Die aktuelle Krise trennt nicht mehr eine (funktionierende) Old Economy von einer (strauchelnden) New Economy, sondern verläuft quer durch die Branchen und trifft in erster Linie alle Unternehmen, die massiv vom Medienwandel und den Verlagerungen ins Web tangiert sind. Dabei werden die alten, realwirtschaftlichen Geschäftsmodelle erschüttert und in Frage gestellt.

Und das Web 2.0? Kommen hier alle ungeschoren davon?

Alle nicht, aber viele. Denn das Web 2.0 ist ein Hungerkünstler. Die Wikipedia schlägt sich wacker mit Spenden und den Geldern der Stiftung. Viele Startups operieren ohne Venture Capital und die meisten Blogs haben nur wenig Leser und noch weniger Werbeeinnahmen. Alle Beteiligten wissen aber, dass das Internet “wächst” weil mit jedem weiteren Jahr neue User dazu kommen, während am oberen Ende der Bevölkerungspyramide Jahrgänge wegsterben, die das Medium kaum kannten oder nutzten.

Dabei soll hier nicht verharmlost werden, dass wir vor großen Verwerfungen stehen. Denn noch kann ich nicht sehen, wie die Abbauprozesse im realwirtschaftlichen Bereich (und die damit verbundenen Arbeitsplatzverluste) auf der digitalen Ebene kompensiert werden können. Das Thema wird uns also noch weiter beschäftigen.

Foto: Crisis Counseling by Double Feature auf Flickr

crowd flickr victoriapeckhamSeit langem mal wieder eine Themenwoche auf bwl zwei null. Crowdsourcing ist ein Begriff, mit dem ich mich noch nicht in diesem Blog auseinandergesetzt habe. Die Wortschöpfung geht auf Jeff Howe zurück, der den Begriff 2006 in einem Artikel für Wired verwendete. Danach machte Crowdsourcing schnell die Runde im Web 2.0 und avancierte zum Erklärungsmodell für verschiedene Arten der Social Collaboration. Wisdom of Crowds ist der Titel eines Buches von James Surowiecki, das 2004 erschien. Die Fragestellung der Weisheit oder Dummheit der Massen ist aber viel älter und reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Mir fehlt dabei allerdings noch der Bezug zum Themenfeld “Enterprise 2.0″. Kann es nicht auch innerhalb (größerer) Organisationen zu Formen des Crowdsourcing oder der Wisdom of Crowds kommen? Und falls ja, wie kann man diese gezielt nutzen?

Ganz passend dazu gibt es argumentativen Gegenwind bei James Dellow (ChiefTech), der feststellt, dass Instant Messaging in Unternehmen seit 10 Jahren möglich wäre, sich aber nicht so recht durchsetzt. Seine bange Frage ist, ob dies auch für den Bereich Enterprise 2.0 so kommen wird. Dazu verweist er auf Toby Ward (IntranetBlog), der die Auffassung vertritt, dass sich der Nutzen von Plattformen wie Facebook für Unternehmen weder feststellen noch messen lässt.

Foto: Liverpool Street station crowd blur by victoriapeckham auf flickr

Hier etwas zum Ausklang der Woche. Tolle Kunst, gefunden bei “Delphine Hauen“. Hier gleich noch das Blog des Künstlers. Während ich bei den Delphinen überhaupt nicht sehen lesen kann, welche Person hinter diesem sehr guten Blog steckt, erfahren wir vom tanzenden Künstler immerhin den Vornamen: Davey. Zum Tanzen animiert hat ihn Björk, die sich ihrerseits wieder bei Betty Hutton inspirieren ließ. Das Leben, ein endloses geflochtenes Band…

Und falls Sie demnächst in ihrer Stadt eine Performance sehen sollten, die nicht so recht in die Kulisse passen will, schauen Sie nach der Digitalkamera. Vielleicht sind Sie ja schon im Bild und damit Teil der Aktion?


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