Bei Christian Burger im Blog habe ich es erfahren: Hans Dichand bloggt. Nur keine Sorge, bis gerade eben kannte ich den Herrn auch nicht. Aber in Österreich gehört er zu den wichtigen Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens. Die Kronen Zeitung ist eine der auflagenstärksten Tageszeitungen dort und gilt als Institution. Eine eben solche ist Hans Dichand, deren Gründer, Miteigentümer und Herausgeber. Dass er im bemerkenswerten Alter von 86 Jahren (!) noch ein Blog beginnt, ist hier schon einen Artikel wert.
Kann man bei erst vier Artikeln im Blog schon mein Erklärungsmodell anwenden? Man kann!
- Seine Nachrichten stufe ich als sehr zentral ein, Hans Dichand hält sich nicht mit Beiläufigem oder Nebensächlichkeiten (”Peripherem”) auf.
- Er hat eine Meinung zu den Dingen und die kommt im Blog auch zum Ausdruck. Nicht aufdringlich, nicht vorlaut, aber klar formuliert und perfekt eingebettet in seine kurzen Artikel. Hier schreibt ein wahrer Meister seines Fachs.
- Aber die Vernetzung! Links finden sich (noch) keine, weder zu anderen Blogs noch zu sonstigen Websites. Aber mal ehrlich: Wer hätte das hier erwartet?
Fazit: Hier entsteht ein erfolgreiches Blog trotz fehlender Links und zur Nachahmung in Deutschland sehr empfohlen. Herr Schirrmacher, wie wäre es mit Ihnen?
Schlagworte: , , Blogs, Christian Burger, Frank Schirrmacher, Hans Dichand, Kronen Zeitung, Presse, Zeitungen
11 Kommentare
27. 11. 2007 um 10:22:22
Chris
Die Kronenzeitung ist DIE auflagenstärkste Zeitung in Österreich und das bei weitem. Gerechnet auf die Bevölkerung soll sie weiter verbreitet sein als die Bild in Deutschland.
Ich glaub, dein Erklärungsmodell passt da ganz gut. Und zur letzten Dimension: Herr Dichand muss nicht aktiv vernetzen – er wird vernetzt
27. 11. 2007 um 13:38:38
Matthias Schwenk
Danke Chris. Schauen wir mal, wie lange der gute Mann das (konditionell) duchhält….
27. 11. 2007 um 14:27:13
Christian Henner-Fehr
Das ist übrigens die Gelegenheit, analog zum Bildblog ein Kroneblog zu starten. Der Haken an der Sache: man müsste jeden Tag die Krone lesen.
27. 11. 2007 um 14:40:44
Matthias Schwenk
@Christian: Kronen Zeitung + Krone (Watch) Blog + Hans Dichand Blog = felix Austria?
27. 11. 2007 um 16:12:26
Christian Henner-Fehr
Bleibt die Frage, wer da der Glückliche ist?
27. 11. 2007 um 16:31:03
Matthias Schwenk
Also so ganz versteh ich Euch Österreicher nicht: Da beginnt eine prominente Person zu Bloggen und keiner freut sich?
Man muss ja weder Herrn Dichand noch seine Zeitung mögen, aber er dürfte mit seinem Schritt doch einen Beitrag zur (weiteren) Popularisierung des Mediums “Blog” beitragen, oder?
Damit könnten in Österreich Blogs schneller aus der Nische heraus kommen als in Deutschland. Das ist die Perspektive, die ich sehe. Und der Katalysator ist ein Mann von 86 Jahren, der seines hohen Alters zum Trotz offenbar immer noch sehr gut die Hand am Puls der Zeit hat.
Im Blogartikel habe ich nicht ganz zufällig auf Herrn Schirrmacher von der FAZ mit seiner bemerkenswerten Rede über das Internet und die Zeitungen verlinkt. Seine Rede spiegelt sehr gut wider, was in Deutschland führende Zeitungsleute denken – Herr Dichand scheint da schon um Einiges weiter zu sein…
27. 11. 2007 um 17:23:09
Siggi
Blogs in Ösiland Nische? An der TU Wien erhält jeder Sudi schon seit 2004 bei der Immatrikulation zwangsweise einen Blog auf twoday-Basis.
27. 11. 2007 um 17:45:43
Christian Henner-Fehr
Wenn man nur den Aspekt des Bloggens betrachtet, dann könnte das theoretisch eine Wirkung haben. Technisch gesehen mag es auch ein Blog sein. Praktisch ist es aber eher das Prinzip Beitrag plus Kommentare. Von Diskussion kann ja auch keine Rede sein, denn ich habe bis jetzt noch keinen Kommentar von Herrn Dichand gefunden.
Mein größtes Problem habe ich aber mit den Inhalten. Es mag ja für die Blogosphäre erfreulich sein, wenn es ein Blog auf Anhieb schafft, mehr als 50 Kommentare für einen Beitrag zusammen zu bekommen. Aber es gibt Grenzen. Zumindest für mich. Es tut mir leid, da verzichte ich lieber auf den “Blog-Aufschwung”.
Da beschäftigt mich viel mehr die Frage, wie man sich gegen solche Meinungsmache zur Wehr setzt? Ich sehe zwar durch Dichands Blog nicht die Demokratie in Gefahr (das besorgen andere), aber welche Instrumente habe ich, um gegen solch blanken Populismus anzukämpfen? Mit den Mitteln des Web2.0. Und das gegen jemanden, der die Mehrheit auf seiner Seite hat und seit Jahrzehnten die österr. Politik massivst beeinflusst.
Wie sieht Subversion im Web2.0 aus und wie schafft man es, solche Meinungen blosszustellen? Wie können konkrete Maßnahmen aussehen? Wenn es auf diesem Weg gelingt, der Krone und Herrn Dichand das Wasser abzugraben, dann würde sogar ich mich darüber freuen, dass er mit dem Bloggen begonnen hat.
27. 11. 2007 um 18:05:48
Matthias Schwenk
Siggi: Liegt bei Dir die Betonung auf “zwangsweise” ?
Und weiter noch: War das eben eine Freud’sche Fehlleistung?
Aber im Ernst: Ich kenne hier in der (schwäbischen) Gegend Hochschulen, da wissen die meisten Dozenten und Professoren noch nicht, was ein Blog ist. Nur an der Exzellenz-Uni Konstanz sieht es deutlich anders aus…
27. 11. 2007 um 19:11:27
Matthias Schwenk
Mein Blog-Beitrag entwickelt sich noch zum “heißen Eisen”…
Nehmen wir mal die Situation, wie sie Christian Henner-Fehr schildert, als gegeben an. Dann konnte die Krone offenbar über Jahrzehnte viel Einfluss auf die Politik ausüben, weil ihr Herausgeber das so wollte. Mit der auflagenstarken Zeitung hatte er die nötige Plattform dafür.
Aber inzwischen dürften auch in Österreich die gedruckten Zeitungen den Zenit überschritten haben und in ihren Auflagen langsam aber kontinuierlich schrumpfen. Dem (weltweiten) Trend wird sich auch die Krone nicht entziehen können.
Hans Dichand bewegt sich also ins Internet und findet sich mit seinem Blog im Web 2.0 wieder. Kann er hier die gleiche Wirkung erzielen und sein Maß an Einfluss wahren?
Ich denke nicht. Zunächst einmal bietet er mit dem Blog seinen Kritikern einen sehr guten Ansatzpunkt. Wer ihn jetzt kritisieren will, kann einfach auf das Blog verlinken (kein Medienbruch mehr). Bei der Krone kann man allenfalls die Trackbacks bzw. Pingbacks in den Kommentaren des Blogs unterdrücken (also nicht anzeigen).
Und kritische Blogbeiträge sind genau der richtige Ansatz. Denn Herr Dichand hat damit nicht mehr die Kontrolle darüber, wo eine Debatte stattfindet. Er könnte zwar auch kritische Kommentare bei sich im Blog herauslöschen (wofür es noch keine Beweise oder Anhaltspunkte gibt), nicht aber auf den Blogs Dritter.
Im Web 2.0 gibt es schlicht keine Kontrolle oder Vorhersage darüber, wo sich gerade eine Debatte entzündet und wie viel Beachtung sie findet.
Ein Beispiel: Neulich hatte Martin extrem viele Besucher auf seinem Blog, weil er offenbar als Erster über einen Eklat in einer Fernsehsendung berichtet hat. Man sieht es an den 49 Kommentaren.
Fazit: Das Web 2.0 ist nicht so statisch wie es die Printmedien sind. Natürlich haben auch im Web bekannte Namen zunächst einen Vorteil. Aber die Zeiten, wo man mit Leserbriefen (in Papierform) reagieren musste, sind vorbei. Es liegt an den Blogs in Österreich, Herrn Dichand und sein neues Blog nicht zu ignorieren, sondern offensiv über ihn zu bloggen und seine Aussagen zu debattieren. Und die Blogleser sollten mit Kommentaren rege daran Anteil nehmen. Es könnte sein, dass Herr Dichand dann die Lust verliert, wenn er sieht, dass er nicht mehr allein das Feld beherrscht…
27. 11. 2007 um 19:27:12
Christian Henner-Fehr
womit wir wieder beim Krone bzw. Dichand (Watch)-Blog wären.