Zeitungen im Netz: Bald wird’s spannend!

Wall Street Journal HeaderGanz aktuell hat Rupert Murdoch (wieder einmal) bekräftigt, die Online-Ausgabe des Wall Street Journals kostenfrei zu stellen. Ein genaues Datum dafür gibt es aber noch nicht. Jeff Jarvis sieht sich bestätigt und freut sich schon auf einen sich verschärfenden Wettbewerb zwischen diesem Blatt und der New York Times, der gut für die Qualität beider Blätter sein sollte.

Die ganze Sache dürfte aber noch eine strategische Komponente haben: Im Netz, wo jeder Wettbewerber nur einen Mausklick entfernt ist, gibt es nicht beliebig viel Raum für kostenlose Zeitungen. Einige werden genügend Leser anziehen und langfristig von Werbeeinnahmen leben können. Aber eben nur einige. Alle werden es sicher nicht sein.

Und der alte Herr hat vielleicht mit einem Seitenblick auf die Social Networks (MySpace!) gesehen, dass es sich im Netz lohnen kann, bei einem neuen Trend mit unter den Ersten zu sein. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben in Form von zu wenig Traffic und in der Folge mit zu geringen Werbeeinnahmen. Oder er muss (wie Google mit seiner Suchmaschine) das Rad schon völlig neu erfinden.

Murdoch könnte darauf spekulieren, dass er mit dem mutigen Schritt des Ersten so viel neue Leser für sein Blatt im Netz gewinnen kann, dass sich auch die Online-Ausgabe auf Dauer wirtschaftlich führen lässt. In diese Richtung kann man seine Aussagen deuten.

Was wird in der Folge passieren?

Zunächst werden andere englischsprachige Zeitungen folgen (müssen). Denn warum sollte jemand für die Washington Post noch bezahlen, wenn er das Wall Street Journal umsonst bekommt? Und damit wären wir dann auch sehr schnell auf dem europäischen Markt, wo in erster Linie die britischen Zeitungen den Trend nicht werden ignorieren können.

Und wenn erst einmal Times und Guardian kostenlos sind, was werden Le Monde und Frankfurter Allgemeine machen können? Sie werden dem Trend und der Logik folgen. Denn schlechte Karten haben in diesem Spiel hauptsächlich die Blätter aus der zweiten (und dritten) Reihe. Diese verlieren bis auf ihren regionalen bzw. lokalen Content jegliche weitere Existenzberechtigung (im Netz).

Und noch etwas: Stand heute kann kaum eine Zeitung dieser Welt ihre Online-Ausgabe profitabel führen. Andreas Göldi hat sich damit ausführlich befasst und Rupert Murdoch weiß es auch. Aber er kann aus seinem Medien-Imperium heraus ein kostenloses Wall Street Journal im Internet einige Zeit finanziell gut mittragen und darauf spekulieren, dass genau dies nicht jeder Wettbewerber wird tun können!

Murdoch sagt sich vermutlich: Wenn sich viele Zeitungen im Netz nicht rentieren, weil jede von ihnen zu wenig Leser und damit zu wenig Werbeeinnahmen hat, dann kann das Modell dennoch funktionieren, wenn nur genügend Wettbewerber aus dem Markt heraus gedrängt werden und die Leser sich in der Folge auf weniger Angebote konzentrieren müssen. Ein gleich bleibender Werbekuchen wird auf diese Art einfach in weniger, dafür größere Stücke, geschnitten.

Und das größte Stück vom Kuchen gibt’s natürlich für den, der mutig als Erster diesen Weg beschreitet. Da könnte was dran sein, oder?