November 2007

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Tim Schlotfeldt nennt es ein Lehrstück und recht hat er: Matthias Dittmayer hat mit seinem Video über die tendenziöse Berichterstattung von ARD und ZDF, wenn es um sogenannte “Killerspiele” geht, ein Zeichen gesetzt. Und deshalb übernehme ich das Video auch heute in mein Blog.


Fast macht der junge Student mich damit neidisch. Denn er hat immerhin (Beweis-) Material, mit dem sich eine “Anklage” erheben lässt. Woraus aber mache ich mein YouTube-Video, wenn ich anprangern möchte, dass unsere öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entschieden zu wenig über das Internet und dessen Entwicklung berichten?

Cogisum Kompass LogoIch will hier gar nicht leugnen, dass das Web 2.0 als Thema irgendwann etwas Neuem wird Platz machen müssen. Eine dieser Neuerungen könnte das Semantische Web sein und mit ihm die semantische Software. Aber Social Web und Semantic Web sind keine Widersprüche, sondern können sich sogar sehr gut gegenseitig ergänzen.

Deutlich wird dies beispielsweise an den Software-Produkten der Cogisum Intermedia AG (Dormagen). Diese hat den Umstand aufgegriffen, dass das Internet als Datenraum nicht zuletzt durch den User generated Content immer vielfältiger und unübersichtlicher wird. Praktisch ist es Unternehmen heute nicht mehr möglich, genau zu registrieren, ob und wo gerade über ihre Produkte in Blogs, Wikis oder auch Foren geschrieben und kommentiert wird. Und wer sich selbst engagiert im Web 2.0, sei es mit einer Community oder einem Corporate Blog, steht vor der zeitaufwendigen Aufgabe, die eigentlich ja hoch willkommenen Beiträge der User allesamt einzeln zu sichten, um etwa sexistische oder rassistische Kommentare schnell zu löschen.

Semantische Software kann hier an mehreren Stellen helfen und die manuelle Arbeit auf ein akzeptables Mass reduzieren. Will man etwa (fremde) Blogpostings und Kommentare zum eigenen Unternehmen im Internet finden, kann man dies einer Software übertragen, die ähnlich wie ein RSS-Reader einen vordefinierten Datenraum überwacht. Dank der semantischen Komponente werden nun aber nicht wahllos alle Beiträge angezeigt, die etwa den Firmennamen enthalten, sondern nur solche, in denen auch wirklich auf das Unternehmen näher eingegangen wird.

Nach dem gleichen Prinzip lassen sich auch eingehende Nachrichten automatisch sichten, also etwa die Kommentare des Corporate Blog oder Beiträge auf einer Social Community. Der semantische Filter verwirft, je nach Voreinstellung, was als nicht adäquat vordefiniert wurde und gibt Zweifelsfälle an die manuelle Redaktion weiter. Diese gewinnt dadurch Zeit für die Beantwortung von Postings bzw. die Moderation der Diskussion.

Den Vertretern der “reinen Lehre” des Web 2.0 mag dies alles nicht ganz geheuer sein. Aber für Unternehmen sicher ein gutes Argument, sich näher auf das “Mitmach-Web” einzulassen. Den Lesern dieses Blogs sei zum Schluss versichert, dass hier noch alles manuell abläuft und keine semantische Software die Kommentare prüft…

ShopWindoz Manifest AusschnittDer Glaube versetzt bekanntlich Berge. Und deshalb haben die Macher von ShopWindoz, einer neuen Shopping-Site, ein sog. Manifest in ihre Website integriert, das auch den links im Bild stehenden Satz enthält. Das Konzept: Mikro-Brands und deren Produkte erhalten auf ShopWindoz eine kostenlose Plattform zur (besseren) Vermarktung ihrer Angebote.

Eigentlich eine sehr gute Idee. ShopWindoz sorgt für den Traffic und die partizipierenden Designer und Kreativen können ihre Umsätze über den integrierten Shop machen. Als Konsument hat man es auch einfacher, da man die diversen kleinen Labels nicht erst mühsam im Web suchen muss, sondern sie an einem Ort finden kann.

Jochen Krisch ist nicht ganz so begeistert und übt Kritik an der Shop-Lösung. Dazu kann er gleich noch eine ganze Reihe anderer neuer Shop-Plattformen auflisten, so dass sich mir die Frage stellt, woher auf Dauer der Traffic für ShopWindoz kommen soll. Allein die Optimierung für Suchmaschinen wird da nicht reichen. Also müssen es wohl doch der Glaube und das Manifest richten?

So schlimm muss es nicht kommen. Auf der Plattform selbst wird angekündigt, dass “Marketing und PR zusätzlich in Planung” sind. Hier schon mal ein paar Vorschläge von mir:

  1. Kommentare und Bewertungen müssen ohne Login möglich sein. Wer in Berlin ins KaDeWe will, muss dort auch nicht erst einen Meldeschein ausfüllen, sondern geht einfach rein.
  2. Bewertungen oder Verkaufslisten (Hitlisten) auf anderen Seiten platzieren, etwa auf Rancaholics. Im Gegenzug von dort auch einen Banner integrieren, um sich gegenseitig Traffic weiter zu reichen (kostenlose Werbung im Tausch).
  3. Wöchentliche Produktverlosungen um die Zahl der registrierten User zu erhöhen. Dabei sind Sonderpreise denkbar für User, die besonders häufig kaufen und / oder kommentieren.
  4. Ein Empfehlungssystem aufbauen. Wer ShopWindoz weiterempfiehlt und dadurch Käufe “vermittelt”, sollte dafür auch belohnt werden.
  5. Die Schwaben nicht vergessen: Ein Linktausch mit edelight wäre gut.
  6. Einen News-Feed einbauen: Ideal wären Neuigkeiten aus der Berliner Design- und Mode-Szene, so dass auch Besucher auf die Seite kommen, die nicht primär “shoppen” wollen.
  7. Das Blog intensiv pflegen und aufbauen. Dazu die Platzierung des Links zum Blog durchaus noch prominenter wählen und bloß nicht den Brüdern von edelight folgen: Die haben den Link zu ihrem Blog so gut auf der Startseite versteckt, dass man ihn kaum findet.
  8. Eine Art “Trigami”, aber ohne Geld: Wenn laufend neue Shops auf ShopWindoz eröffnet werden, ergeben sich auch reichlich Gelegenheiten für andere Blogs, darüber zu berichten. Dafür könnten sich interessierte Blogger in eine Liste eintragen. Sie erhalten dann Vorab-Informationen, so dass sie als jeweils Erste berichten können. Eine gegenseitige Verlinkung gehört natürlich dazu ebenso wie eine Vorab-Prüfung der Blogs, so dass nicht Minderjährige Blogger über nicht jugendfreie Artikel (oder Alkohol) schreiben sollten.

Ideen und Möglichkeiten gibt es also genug. Die “zur Zeit angesagteste New Economy 2.0 Bude“, tsoosay Labs (Berlin), kann uns jetzt zeigen, dass sie nicht nur schöne Websites programmieren, sondern auch Leben auf ShopWindoz bringen kann.

In the end we’ll only love what we understandUnter diesem Titel hat Frank Martin Hein gerade ein Buch veröffentlicht. Er verantwortet als Director of Communications weltweit die interne und auch die externe Kommunikation der Bombardier Transportation (Berlin). Dem Buch ging eine Studie (Download 172 KB) voraus, die in ihrer Art wohl die erste Bestandsaufnahme zum Einsatz elektronischer Medien in deutschen Unternehmen darstellt.

Schon die Studie ist sehr aufschlussreich, zeigt sie doch, dass Unternehmen bislang kaum die Bandbreite an elektronischen Medien voll nutzen. Schlimmer noch: Deren Einsatz dient noch viel zu oft allein der Beschleunigung von Vorgängen sowie der Kontrolle der Mitarbeiter. Die elektronische Unternehmenskommunikation spiegelt so den Führungsstil im Unternehmen deutlich wider. Konzepte und Ideen, wie mit elektronischen Medien die Motivation gesteigert, ein offener Informationsaustausch gefördert und letzten Endes auch das Innovationsklima eines Unternehmens verbessert werden kann, scheint es noch kaum zu geben.

Das Buch von Frank Martin Hein will genau das ändern und bringt dazu konkrete Beispiele aus der Praxis. Meine Frage, warum sich der Mittelstand mit Social Software noch schwer tut, beantwortet er so:

“Ich habe erheblichen Respekt vor der unternehmerischen Leistung jener Mittelständler, die ihre Firmen von Null an selbst aufgebaut haben. Ich kann auch verstehen, dass eine Gründergeneration zögern kann, neben bislang bewährten Managementprinzipien zu viel zu experimentieren. Social Software einzusetzen könnte ja bedeuten, dass etablierte, hierarchische Strukturen in Frage gestellt werden, mit denen man das Unternehmen groß gemacht hat. Intern geht man oft erst dann Risiken ein, wenn die bekannten Rezepte zur Bewältigung externer Herausforderungen nicht mehr ausreichen. Einerseits. Andererseits gibt es auch viele Mittelständler die gerade deswegen überlebt haben, weil sie immer wieder rechtzeitig Neues erkennen und aufnehmen. Ich kenne agile kleinere und langsame größere Firmen. Beide Kategorien kommen in meinem Buch vor.”

An dieser Stelle hake ich natürlich nach und frage, wie denn ein möglicher Brückenschlag aussehen könnte, damit die Akzeptanz elektronischer Medien voran gebracht werden kann:

“Revolutionen scheiden in der Regel aus, sie machen nur in existentiell elementar bedrohlichen Situationen Sinn. Evolutionäre Veränderungen gilt es anzustreben. Aus denen entwickelt sich dann – bei Erfolg – schnell die nötige Eigendynamik. Bleibt er aus, sterben die Ansätze auch wieder, ohne dass zu viele das Gesicht verloren haben, Geld oder gar den Job. Man sollte einzelne Projekte auswählen, die ein akutes Bedürfnis treffen – ein Wiki, einen internen Blog oder neue Chatfunktionen – getreu der Devise: “start small – think big” – die sich ohne zu große Konflikte in die IT-Landschaft einfügen lassen. Man braucht einen oder ein paar wenige Sponsoren, die nötigen Enthusiasten der ersten Stunde finden sich dann schneller da als man denkt. Dann geht es zügig weiter. Denn eines ist sicher: Nur weil ein Unternehmen mittelständisch strukturiert ist, sind die Mitarbeiter selbst weder schlechter informiert noch weniger begeisterungsfähig. Man sollte auf die vorhandene Kompetenz bauen, nicht die mögliche Inkompetenz verurteilen.”

Vielen Dank an Frank Martin Hein. Zu seinen Aussagen passt sehr gut das Bild oben links: Markus Biedermann hat den Spruch in Sydney von einer Häuserwand abfotografiert und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Und Frank Hamm machte mich auf das Buch und Frank Martin Hein aufmerksam.

Logo der Kronen ZeitungBei Christian Burger im Blog habe ich es erfahren: Hans Dichand bloggt. Nur keine Sorge, bis gerade eben kannte ich den Herrn auch nicht. Aber in Österreich gehört er zu den wichtigen Persönlichkeiten des Öffentlichen Lebens. Die Kronen Zeitung ist eine der auflagenstärksten Tageszeitungen dort und gilt als Institution. Eine eben solche ist Hans Dichand, deren Gründer, Miteigentümer und Herausgeber. Dass er im bemerkenswerten Alter von 86 Jahren (!) noch ein Blog beginnt, ist hier schon einen Artikel wert.

Kann man bei erst vier Artikeln im Blog schon mein Erklärungsmodell anwenden? Man kann!

  1. Seine Nachrichten stufe ich als sehr zentral ein, Hans Dichand hält sich nicht mit Beiläufigem oder Nebensächlichkeiten (”Peripherem”) auf.
  2. Er hat eine Meinung zu den Dingen und die kommt im Blog auch zum Ausdruck. Nicht aufdringlich, nicht vorlaut, aber klar formuliert und perfekt eingebettet in seine kurzen Artikel. Hier schreibt ein wahrer Meister seines Fachs.
  3. Aber die Vernetzung! Links finden sich (noch) keine, weder zu anderen Blogs noch zu sonstigen Websites. Aber mal ehrlich: Wer hätte das hier erwartet?

Fazit: Hier entsteht ein erfolgreiches Blog trotz fehlender Links und zur Nachahmung in Deutschland sehr empfohlen. Herr Schirrmacher, wie wäre es mit Ihnen?

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