Hallo Twitter, wo ist dein Geschäftsmodell?

Schon länger juckt es mich in den Fingern, einen Artikel über Twitter zu schreiben. Twitter gehört in die Schublade des “Micro-Publishing” und wurde erst letztes Jahr aus der Taufe gehoben. Im Juli diesen Jahres gab’s frisches Geld und dazu die Meldung, dass schon 300.000 registrierte User fröhlich twitterten.

In den USA ist Twitter ein angesagtes Thema. Kein Geringerer als Guy Kawasaki gab erst vor ein paar Tagen bekannt, dass auch er jetzt dabei mitmache (so wahr ihm Gott helfe). Bei dieser Gelegenheit flog er aus meiner Blogroll und wurde durch Jeremiah Owyang ersetzt. Bei diesem durfte ich nun gestern ausführlich lesen, wie wichtig doch Twitter sei…

Bei uns in Deutschland träumt der Gedankenschrei (Dominik Höcht) davon, dass man mit einem Twitter-Klon viel Geld verdienen könne. Frank Hamm scheint Twitter gern zu nutzen, zieht aber vorsichtshalber schon mal seine Vorhersage vom Ende der E-Mail dezent zurück. Die Readers Edition hält es für eine “Subkultur” und bemerkt treffend, dass “einfache Internetanwendungen gleichwohl wichtig bleiben”.

Ich selbst kann Twitter nichts abgewinnen (was jetzt an dieser Stelle niemanden mehr wundern dürfte) und frage mich, wie man damit Geld verdienen will. Immerhin: Die Marke ist (zumindest in der Web 2.0 Szene) sehr bekannt, hat aber kein klares Geschäftsmodell.

Und auch aus der User-Perspektive kann ich nicht recht sehen, wozu wir dieses kleine Kommunikationsinstrument wirklich bräuchten. Fast scheint es mir, als hätten wir bald zuviel der Medien und Instrumente, die ja alle Aufmerksamkeit beanspruchen und bisweilen echte Zeitfresser sein können. Dabei denke ich auch (mit Sorge) an Facebook. Mein Twitter-Account jedenfalls ruht still vor sich hin. Frau Schnutinger dagegen ist noch voll dabei…

11 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Interesting. Fijdi (fidjissimo.com) is writing about the business-model and uses for twitter too. One possible use is to see it as a replacement for rss. By subscribing to someone’s twitter-feed, you actually get a much richer amount of information about someone + the links to his/her blogposts as well. So, from a marketing-perspective / content-provider perspective, it’s just another way to reach the public.

    I also found some promising uses out there of reporting from live-events, e.g. Apple’s last one. By using Twitter/Jaiku with a mobile, you can be quicker, take pictures, etc. than you can with a blog. If you look at Engadget’s live reporting from Apple, vs. Scott Bourne’s Jaiku coverage, you see that Jaiku is actually much more efficient.

    Ok, that’s the user’s perspective. About the money. I don’t think there is a viable business-model, and much like RSS, perhaps it doesn’t matter. If Twitter becomes some kind of standard, there may be licensing agreements all around.

    Of course having a business-model helps greatly with funding innovation, and I do hope that Twitter continues to find funding and a revenue-model to keep on improving their service.

    Sorry for writing this in English. I assume your readership understands my words.

  2. I’d also like to add that, again from a user’s perspective, I find Twitter useful for posting short things like a cool article I just read (e.g. http://twitter.com/vincentvw/statuses/248265322) or cool podcasts, all of which I’m not going to write a whole blogpost for. That is what I meant when I wrote about twitter being a hive-mind on techiteasy (www.techiteasy.org/2007/07/14/ twitter-streams-of-consciousness).

    Btw. I do read and speak German, so for readers to respond in German is also fine. I’ll just write back in English as that’s my most complete language.

  3. Über den prinzipiellen Erfolg von Twitter entscheiden die Menschen, die sich selbst ihren Nutzen schaffen. Live-Berichte von Events, Radio-Airplay-Meldungen, Geschlossene Freundesgruppen,… es gibt viele Möglichkeiten – und das macht vielleicht den Reiz von Twitter aus.
    Bezüglich des Geschäftsmodells kann ich mich auch nur überraschen lassen – ob es eines gibt und wie erfolgreich es ist.

  4. Ich habe auch keine wirkliche Verwendung für Twitter, aber das hängt wahrscheinlich sehr stark vom Business ab, in dem man tätig ist.
    Twitter könnte interessant sein, um eine Vielzahl von Menschen mit kurzen Infos zu versorgen.

    Beispiel: Hier in Österreich gab es gerade eine Meldung, in der darüber berichtet, dass eine Versicherung über 100.000 SMS an ihre Kunden verschickt hat, um sie vor den drohenden Überschwemmungen zu warnen.

    Ich muss allerdings zugeben: Ich habe keine Ahnung, was die 100.000 SMS gekostet haben. Aber die Versicherung hat die Garantie, dass (fast) alle erreicht worden sind. Bei Twitter ist diese kritische Masse wohl noch nicht erreicht.

  5. Im new economy Amt hat sich twitter längst zum inoffiziellen Laberfunk der doppelt freien Lohnarbeiter entwickelt. Nice tool.
    Businessmodell brauch ich nicht, danke. =)

  6. Hallo Matthias,

    aus meiner Anwendersicht nutze ich Twitter als SMS an einen Verteiler von Personen, die mich abonniert haben (RSS-Gedanke).

    Inhaltlich sind dort kurze Gedankenschnipsel, Fakts, Hinweise / Links auf (für meine Follower) interessante Artikel, Anwesenheits- und Reisenotizen. Antworten an mich sind gleichzeitiig Nachrichten an andere Verteiler. So kommt es schon einmal vor, dass als wichtig erachtete Ereignisse bzw. Hinweise in kurzer Zeit sehr weit verteilt werden.

    Twitter wird meine anderen “Kanäle” nicht ersetzen. Auch wenn ich provokativ über das Ende von Email geschrieben habe, so wird Email nicht ganz verschwinden. Twitter ist eine Ergänzung, um Freunde und Kontakte kurzfristig auf dem Laufenden zu halten. Und deswegen werde ich gleich in Twitter einen Hinweis auf diesen Gedankenaustausch setzen :-)

    Herzliche Grüße aus Schwabenheim

    Frank Hamm

  7. There’s another side to this. Does it really cost that much to run Twitter? So is a business-model that important. I think that it can already come pretty far with (small) revenue streams from advertising and sms-services. And later, who knows. What matters at this stage is probably more the network effect—getting more and more users on it—than anything else.

  8. Pingback: Relationship Building Infrastructure (RBI) « pr-trends

  9. Danke für die vielen Hinweise und Argumente! Ich werde mich wohl doch noch mal etwas näher mit Twitter beschäftigen….

  10. Pingback: bwl zwei null » Twitter revisited