New York Times: Online Content nun ganz kostenlos

Marcel Weiß (neunetz.com) berichtet, dass die New York Times jetzt auch den Bereich “Times Select” kostenlos im Netz zugänglich macht. Bislang musste man dafür monatlich 7,95 $ bezahlen. Aber noch gilt es zu unterscheiden: Neben der Printausgabe gibt es eine “Electronic Edition”, die als herunterladbare Datei eine exakte Kopie der Printausgabe darstellt. Diese vollständige Onlineversion der Zeitung ist nach wie vor kostenpflichtig.

Kostenlos ins Internet stellt die New York Times dagegen täglich eine (sehr große) Auswahl ihrer Artikel in einem von der Printausgabe deutlich verschiedenen Layout (auf der Basis einer Blogsoftware). Ergänzt wurde diese Auswahl durch das kostenpflichtige “Times Select”, das aber wohl in dieser Form nicht überzeugen konnte. Vorerst besteht aber dessen Hervorhebung als Premiuminhalt weiter, auch wenn dies nun keinen großen Sinn mehr macht.

Damit nutzt diese berühmte Zeitung jetzt das gleiche Modell wie etwa die Financial Times Deutschland: Auch hier gibt es drei Varianten: Die Printausgabe, die vollständig digitale Zeitung als Pdf-Download (im exakt gleichen Layout) und eben die kostenlose Auswahl an Artikeln im Internet.

Ist dies schon der Schritt in Richtung kostenloser Zeitungen im Internet?

Jeff Jarvis argumentierte kürzlich, dass Rupert Murdoch das Wall Street Journal im Internet vollständig kostenlos anbieten solle. Seine Überlegung dahinter: Mit dem guten Namen so viele Leser im Internet anziehen, dass sich dies über Werbung wieder amortisieren lässt. Auf längere Sicht sollte zudem die Printausgabe ganz eingestellt werden.

Die New York Times, die im Netz wesentlich mehr Leser als das Wall Street Journal hat, kann nun mit der Freigabe ihres “Times Select” genau dies ein Stück weit überprüfen: Schafft das kostenlose Mehrangebot (an qualitativ hochwertigem Journalismus) auch ein Mehr an Lesern und damit an Werbeeinnahmen?

Markus Spath (live.hackr) zitiert dazu Scott Karp, nach dessen Ansicht Bezahlmodelle für Nachrichten im Internet auf Dauer scheitern müssen, weil es dort schon sehr viel kostenlose Informationen gibt (nicht zuletzt in Blogs). Demnach wäre die New York Times auf dem richtigen Weg.

Ich bin mir da nicht so sicher: Denn es gibt noch eine ganze Reihe von Bastionen, die sich dem kostenlosen Informationsfluss im Internet (erfolgreich) entgegenstellen. An erster Stelle wäre da die Marktforschung zu nennen, die sehr gekonnt Appetithäppchen ihrer Arbeit kostenlos ins Netz stellt, aber für den Download vollständiger Studien nach wie vor sehr hohe (und auskömmliche) Preise verlangen kann.

Auch wissenschaftliche Zeitschriften stellen ihre Inhalte nicht frei ins Internet. Je spezieller und hochwertiger die Informationen sind, desto besser lassen sie sich verkaufen. Vor diesem Hintergrund müssen Zeitungen wohl nach Nischen bzw. Spezialisierungen suchen, wo sich ihr Informationsangebot vom Mainstream der frei zirkulierenden Nachrichten deutlich absetzt. Dort werden sich Bezahlmodelle aufbauen und betreiben lassen.