Öffentlichkeit(en) im Internet: Folgen für Marketing und PR

Wir leben in einer pluralistischen, weltoffenen Gesellschaft. Und in dieser Gesellschaft wurde auch das Internet “erfunden”, also die Vernetzung von Computern. Seit mehreren Jahrzehnten bereits experimentierte man an dieser Vernetzung und schuf schon früh wissenschaftliche oder militärische Computer-Netzwerke.

Den Durchbruch auf breiter Ebene schaffte aber erst das Internet, zeitlich etwa seit 1994. Seit diesem Zeitpunkt ändert sich auch das, was wir “Öffentlichkeit” nennen. Denn Teile der Öffentlichkeit bilden sich jetzt im Netz und das Web 2.0 hat dem nochmals einen gewaltigen Schub verliehen.

Nie war es leichter als heute, eine Meinung zu äußern oder andere Meinungen zur Kenntnis zu nehmen. Und nie zuvor gab es eine solche Fülle an Themenfeldern, Interessenschwerpunkten und Debatten, an denen man (über das Internet) teilnehmen konnte. Zudem wurden mit dem Internet geografische Grenzen obsolet, was dazu führt, dass man etwa von Deutschland aus munter auf amerikanischen Blogs über den dortigen Präsidentschaftswahlkampf mitdiskutieren kann, sofern man nur ausreichend gut Englisch spricht (oder besser: schreibt).

Dabei mutet es mir immer wieder seltsam an, wenn in Unternehmen oder politischen Insitutionen das Internet eher kritisch gesehen wird. Insbesondere stört man sich am Wesen der Blogs, die Kommentare geradezu “provozieren” und damit (scheinbar) den Nörglern, Besserwissern und Pessimisten eine Plattform bieten und so den guten Ruf einer Institution beschädigen können.

Aber was ist da die Alternative?

Ist es besser, keine oder möglichst wenig Öffentlichkeitsarbeit zu machen, um wenig Angriffsfläche zu bieten und Diskussionen erst gar nicht aufkommen zu lassen?

Die Sache ist ganz einfach: Es gibt keine Alternative mehr!

Das Internet ist nicht mehr wegzudiskutieren und kann auch immer weniger ignoriert werden. Zudem entwickelt es sich unaufhaltsam weiter. Bedenkenträger sollten in diesem Zusammenhang sehen:

  1. Mit dem Fortschreiten der Zeit wachsen stetig neue Jahrgänge nach, denen das Internet vertraut ist und die ganz selbstverständlich interaktive Medien (Blogs, Wikis, Social Communities…) nutzen (technische Kompetenz).
  2. Damit steigt gleichzeitig auch die (persönliche) Medienkompetenz und die Hemmschwellen, etwa Mißstände anzuprangern oder Sachverhalte offen zu kritisieren bzw. zu debattieren nehmen ab – bei gleichzeitig steigender Erwartungshaltung an die Dialogbereitschaft von Unternehmen und Institutionen jeglicher Art.
  3. Die wachsende Medien- und Technikkompetenz äußert sich auch im Umgang mit der Werbung: Diese wird geflissentlich ignoriert (Wegzappen im Fernsehen) oder gar konterkariert (Fake-Videos im Internet) und durch den Kakao gezogen. Den Konsumenten von heute ist nichts mehr heilig.

Es gilt also, die Realitäten zu akzeptieren und selbst in die Offensive zu gehen. Christian Burger (PR-Trends) schreibt darüber in seinem Blog unter dem bezeichnenden Titel “Erfolgsfaktor Kontrollverlust”. Steve Rubel (Micro Persuasion) argumentiert ausführlich, warum Schreiben als Kompetenz immer wichtiger wird und in erfrischend kurzer Form erklärt uns Brian Clark (Copyblogger) wie man seinen Schreibstil verbessern kann.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Web 2.0 und der Kontrollverlust: eine Anmerkung « Kulturmanagement

  2. Hallo,

    Naja, sie haben schon Recht! Der Internet ist schon sehr wichtig für jeden von uns…finde aber es gibt immer einige Alternative schon.Es ist eine Frage der eigenen Meinungen.
    Danke.

    LG Ruth