Hier ein weiterer Beitrag in meiner losen Folge über die Zukunft des Internets. Aber abweichend aber vom ursprünglichen Plan schreibe ich heute nicht über einen unternehmensinternen Bereich, sondern über das Internet im Mobilfunkbereich.
Während heute (2007) das Internet zwar schon über Mobiltelefone und Handhelds (Smartphones) zugänglich ist, fehlt es aber noch an Anwendungen in der Breite. Zudem können sich viele Menschen noch nicht so recht vorstellen, wozu das auf einem Handy überhaupt gut sein soll: Das Internet wird als Medium gesehen, dass man (nur) von einem festen Platz aus über einen Rechner nutzt. Diese Art der Nutzung auf ein kleines, handtellergroßes Gerät übertragen macht kaum Sinn, da sich schon allein die Inhalte auf dem viel kleineren Bildschirm schlecht darstellen lassen.
Hier werden wir alle in den nächsten 5 Jahren umdenken. Das Internet kommt auf die mobilen Geräte und es kommt mit ganz anderen Anwendungen als man es heute vielfach noch erwartet. Einen ersten Eindruck gibt uns ZenZui, eine Startup Ausgründung aus Microsoft heraus.
Hier werden kleine, farbige Icons auf den Bildschirm des Handys übermittelt, die sich (je nach Modell) über den Touchscreen oder über die Scroll-Funktion ansteuern lassen. Einmal angewählt zeigen sie ihren eigentlichen Inhalt, also entweder eine Werbung, ein Foto (etwa von Flickr) oder vielleicht auch einen Busfahrplan (auszugsweise).
eingebunden mit Embedded Video
Weitere Informationen zu ZenZui gibts hier (eher kritisch) und hier (optimistisch).
In Japan führt gerade das Unternehmen GeoVector einen neuen Dienst ein, bei dem mit dem Mobilfunkgerät auf einen Gegenstand oder in eine bestimmte Richtung gezeigt wird. Das Programm zeigt dann auf dem Bildschirm so etwas wie Suchergebnisse an, aus denen man eine Auswahl treffen und sich dann per Navigation hinführen lassen kann. Das Video zeigt es ziemlich gut:
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In den USA sind aktuell Dating-Services am Start, die primär über Mobilfunkgeräte funktionieren sollen, einen Überblick bietet Mobilecrunch. Spiele und Videos sind weitere Kategorien für die eher jüngere Zielgruppe, die hier aber nicht weiter ausgeführt werden sollen.
Entscheidend ist, dass mittels immer besserer Algorithmen jetzt vermehrt Lösungen möglich werden, die ohne nennenswerten Datenverkehr (also ohne die Handy-Rechnung zu sehr zu belasten) ihre Informationen übermitteln. Die wesentlichen Treiber in den nächsten Jahren werden denn auch nicht die von den Mobilfunkanbietern favorisierten Lösungen sein (etwa mobiles TV), weil diese aus Preisgründen nicht akzeptiert werden.
Ein interessanter Ansatz auf der Basis von SMS sind die Mobizines: Nachrichten, die bunt wie eine Website sind und nicht im Entferntesten an eine SMS denken lassen. Und wenn schon die Navigation per Handy ohne GPS-Modul zu ungenau ausfällt, so könnten doch etwa Kommunen Touristen auf markante (und leicht findbare) Plätze locken, um sie von dort aus per Handy auf einen Standrundgang schicken, der die Sehenswürdigkeiten bequem erreichbar macht.
Abschließend sei hier auf einen interessanten, soziologisch inspirierten Gedanken hingewiesen: James Pearce verweist auf die “Generation Y” (also die zwischen 1978 und 1997 Geborenen) und führt aus, dass diese mit dem Handy aufgewachsene Generation diejenige sein wird, die das Internet massiv im mobilen Bereich nachfragen und selbst mitentwickeln wird.
Es zeigt sich also, dass das Internet schon in naher Zukunft deutlich stärker im mobilen Bereich Fuß fassen wird. Wie bei anderen Innovationen auch, wird aber die eigentliche Neuerung konträr zu den bisherigen Denkgewohnheiten verlaufen. So wie das Web 2.0 eine (logische) Weiterentwicklung des Internets darstellt, die dieses erst so richtig zu seiner eigentlichen Bestimmung führt, wird auch das mobile Internet kein Abbild des heute schon über unsere PC’s und Notebooks genutzte Internet sein, sondern eigene Anwendungen hervorbringen, die spätestens in 8 bis 10 Jahren so selbstverständlich und verbreitet sein werden, dass man sich ein Leben ohne diese Dienste gar nicht mehr vorstellen kann.











3 Kommentare
15. 6. 2007 um 19:06:52
Oliver
ich finde vor allem der Bezug zum gegenwärtigen Ort sehr interessant.
Wenn ich als User eines “mobile devices” die Information habe wo ich bin, kann ich in Abhängigkeit davon Dienstabfragen tätigen und durch Mobil 2.0-Software eine neue Art von “social network” erleben.
Fast jedes mobile Telefonat beginnt mit dem Satz: “Hallo, wo bist du gerade?”. Ausgehend von dieser natürlichen Neugier wer gerade wo ist wird sowas mindestens den kurzen Twitter-Effekt übertrumpfen. Dort wurde nämlich Neugier “was machst du gerade?” addressiert.
Warum eigentlich gerade einen Ausblick über die nächsten fünf Jahre?
15. 6. 2007 um 20:19:02
admin
Deine Beobachtung über den Bezug zum gegenwärtigen Ort ist interessant: Bei Handy-Telefonaten wird tatsächlich fast immer zuerst über den aktuellen Aufenthaltsort gesprochen…
Was in den Artikel nicht mehr eingebaut wurde: Das Angebot des Berliner Startups “aka-aki” (siehe Elektr. Reporter). Da wird auch stark auf den räumlichen Kontext Bezug genommen.
Warum gerade die nächsten 5 Jahre?
Ich will (in dieser Artikelserie) bewusst nicht über Techniken schreiben, die erst “irgendwann” kommen und wirksam werden, sondern über Dinge, die eigentlich schon da sind und die in den nächsten Jahren eine spürbare Verbreitung finden werden.
16. 6. 2007 um 09:48:09
Oliver
Wenn du dabei Infos findest, wie es mit der aktuellen und künftigen Abdeckung von GPS-Handies steht wäre ich dir dankbar.
Wann werden mindestens 50% der heutigen Handynutzer auf die neue Handy-Generation mit GPS-Devices gewechselt haben?